Selbstmord ist die Flucht in das radikalste Versteck.
Sollten Sie an Selbstmord denken, ist es notwendig, dass Sie umgehend Kontakt zu jemandem aufnehmen, mit dem Sie über Lösungen sprechen können.
Jeder akut suizidale Patient sollte stationär behandelt werden.
Depressivität umfasst ein breites Spektrum von Erlebnisweisen. Ohne klare Grenze reicht es von "schwer depressiv mit wahnhaft verzerrtem Selbstempfinden" bis hin zu "dauernd unzufrieden". Was als "depressiv" empfunden wird, variiert von Person zu Person; ebenso wann, worauf und wie jemand depressiv reagiert. Denn das Bild einer Depression wird nicht nur durch das Kernsymptom bestimmt, sondern auch durch die Art, wie das Individuum mit dem Kernsymptom umgeht.
Das Kernsymptom der Depression ist das...Zu den häufigsten Sekundärsymptomen der Depression zählen:
Keines der genannten Sekündärsymptome ist jedoch so unentbehrlich, als dass es bei einer Depression nicht fehlen dürfte. So schlafen manche Depressive bestens, die meisten denken zum Glück nicht an Selbstmord und etliche sind nicht einmals bedrückter Stimmung. Statt dessen fühlen sie sich von immer neuen körperlichen Symptomen beeinträchtigt und haben so eine Erklärung dafür, warum sie dem Leben nicht tatkräftig gegenüber stehen.
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten teilt Depressionen in vier Schweregrade ein:
Schweregrade der Depression gemäß ICD-10| Name | ICD | Kennzeichen |
| Leichte Episode | F32.0 | Zwei bis drei der oben genannten Symptome. Der Patient kann seine Alltagsaktivitäten noch aufrecht erhalten. |
| Mittelgradige Episode | F32.1 | Mindestens vier Symptome. Der Patient hat große Mühe, seine Aktivitäten aufrecht zu erhalten. |
| Schwere Episode ohne psychotische Symptome | F32.2 | Mehr als vier Symptome. Der Vollzug der Aktivitäten ist schwer beeinträchtigt. |
| Schwere Episode mit psychotischen Symptomen | F32.3 | Zusätzlich Halluzinationen und Wahnideen. Der sinnvolle Vollzug der Aktivitäten ist meist unmöglich. |
Die Depression ist keine Krankheit mit einer Ursache. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen:
Die Ursachen der Depression ähneln somit grundsätzlich den Ursachen seelischer Erkrankungen überhaupt. Spezifisch sind je nach Art der Erkrankung die innerseelischen Prozesse.
Bei der Angst prallen Impulse zur Autonomie und solche, die Geborgenheit suchen, aufeinander. Bei der Depression wird der Impuls zur Autonomie dagegen abgeschaltet. Resultat ist das Kernsymptome der Depression: das Gefühl, dem Alltag ohnmächtig und ohne Lebenskraft gegenüber zu stehen. Dem entsprechend hat der Depressive keinen Antrieb. Alles erscheint ihm wie ein Berg, selbst Belangloses kann er nicht mehr entscheiden. Er empfindet Schwermut und Trauer, als habe er mit dem Impuls zur Selbständigkeit das Leben selbst verloren; was in gewissem Maße durchaus stimmt, denn der Impuls zur Autonomie gegenüber dem Umfeld ist der ursprüngliche Impuls des Lebens.
Anlass, den Impuls zu Autonomie abzuschalten, sind meist chronische Beziehungsstörungen. Der Depressive wagt es nicht, autonome Bedürfnisse gegenüber Bezugspersonen zu vertreten. Zu sehr fürchtet er, er könne sich durch selbständige Entscheidungen die Sympathien anderer verscherzen. Um die Angst vor Rivalität und dem Verlust von Geborgenheit zu bannen, blendet er das gefürchtete Bedürfnis nach Selbstbestimmung schließlich aus.
Statt der Angst jedoch entronnen zu sein, holt sie ihn schließlich wieder ein. Mit dem Impuls zur Selbstbestimmung hat der Kranke zwar die Gefahr gebannt, anderen zu widersprechen, durch den Verzicht auf eigenständige Handlungsmacht kann er nun aber selbst banale Anforderungen des Alltags nicht mehr erfüllen. Das erzeugt Schuld- und Schamgefühle und eine ängstliche Getriebenheit, die ihm jede Ruhe raubt, weil der Kranke nun erst recht den Verlust seiner Zugehörigkeit befürchten muss. Denn da er nicht mehr in der Lage ist, die Erwartungen des Umfelds zu erfüllen, droht ihn der Missmut der anderen tatsächlich zu treffen. Duckt sich der Kranke noch mehr und macht er sich vor dem Leben noch kleiner, schließt sich der Teufelskreis... und treibt ihn womöglich bis in den Wahn, dass er an allem schuld ist, dass er auf der ganzen Linie versagt hat, dass er alles verlieren wird, dass ihm nichts zusteht und dass ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt als der Tod.
Je nach Ausprägung einer Depression, Persönlichkeit des Patienten und auch dessen Alter kommen unterschiedliche Maßnahmen in Frage. Man kann sie als passive oder aktive Ansätze klassifizieren.
Bei schweren Depressionen ist eine stationäre Behandlung notwendig, bei akuter Selbstmordgefährdung ist sie sogar unumgänglich. Da ein schwer depressiver Patient nicht in der Lage ist, sein eigenes Verhalten zielorientiert zu überdenken, kann er aus eigener Kraft zunächst kaum etwas zu seiner Gesundung beitragen. Hier ist eine Behandlung mit Antidepressiva erste Wahl. Erst später ist auch an Psychotherapie zu denken.
Bei mittelgradigen Depressionen hat man von Anfang an die Wahl. Je nachdem, welche Hilfe der Patient erwartet, kann man sich zwischen beiden Möglichkeiten entscheiden.
Bei leichten Depressionen wird man mit dem Einsatz von Medikamenten zögerlich sein. Gerade hier liegt der Einsatz aktiver Maßnahmen am nächsten.
Bei der Verhaltenstherapie entwerfen Therapeut und Patient gemeinsam einen Plan, wie die Anforderungen des Alltags wieder zu bewältigen sind. Herausgefordert durch die Erwartungen des Therapeuten und ermutigt durch dessen Zuspruch, macht sich der Patient daran, den Plan zu erfüllen. Mit zunehmendem Erfolg schwächen sich seine Gefühle der Schuld und des Ungenügens ab, sodass auch der Mut zur autonomen Selbstbestimmung wieder anspringt.
Bei der Tiefenpsychologischen Therapie führt der Therapeut den Patienten durch Fragen, Deutungen und Hinweise zu einem verbesserten Einblick in die Psychodynamik des Problems. Der Patient erkennt, dass er kein Opfer rätselhafter Mächte ist, die ihn wahllos ins Elend pressen, sondern dass seine Probleme Folgen bestimmter Ängste und Vermeidungstrategien sind, über die er vielmehr selbst bestimmen kann, als er bisher dachte. Daher fasst er neuen Mut, sich den Widrigkeiten des Daseins mit ganzer Kraft zu stellen.
Ist eine Depression nicht so ausgeprägt, als dass sie den Patienten lähmt, kann er selbst einiges dazu beitragen, depressive Symptome zu beiseitigen und neuen vorzubeugen.
Viele Depressive sind lichtsensibel. Licht ist ein existentieller Faktor, der das tagaktive Wesen Mensch zum Handeln anspornt. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist daher auf genügend Licht zu achten. Bei Depressionen, die sich eindeutig von Winter zu Winter wiederholen, lohnt es sich, eine spezielle Lampe zu beschaffen, deren Lichtspektrum eigens auf die Lichttherapie zugeschnitten ist.
So wie Licht zum Handeln anregt, so ist körperliche Bewegung Handlung selbst. Da motorische Tätigkeit ein archaischer Ausdruck des Autonomiebestrebens ist, aktiviert Bewegung das Autonomiebedürfnis unmittelbar. Viele Studien haben dem entsprechend gezeigt, dass Sport depressive Symptome lindert.
Da Depressionen meist das Resultat chronischen Fehlverhaltens sind, lohnt es sich für jeden, der depressive Verhaltensmuster praktiziert, seine Muster beharrlich zu überdenken. Falls der Test bei Ihnen deutlich positive Werte zeigt, könnten die Anregungen des Testergebnisses nützlich sein.