Das Kind braucht Zugehörigkeit und dann erst Selbstbestimmung. Beim Erwachsenen ist es umgekehrt.
Die kindliche Psyche reagiert auf Ausgrenzung mit Angst, die erwachsene auf Bevormundung mit Wut.
Je unreifer ein Erwachsener ist, desto eher wird er Bevormundung akzeptieren. Die Wut, die daraus entsteht, lässt er offen oder verdeckt an der Gemeinschaft aus.
Wer nach der Anerkennung sucht, die er als Kind nicht bekam, ist kein freier Mensch.
Die meisten psychiatrischen Erkrankungen hängen mit dem psychologischen Grundkonflikt zusammen. Er verursacht sie oder gestaltet sie aus. Dieser Konflikt heißt Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt oder besser Zugehörigkeits-Autonomie-Konflikt. Die Ursache des Konflikts liegt in den Existenzbedingungen des Lebens selbst. Er ist unvermeidbar. Leben ist wachsende Selbständigkeit verbündeter Strukturen gegenüber dem Umfeld, in das sie eingebettet sind. Das Ziel des Lebens ist Selbstbestimmung, seine innere Struktur Zugehörigkeit. Leben setzt einfache Elemente gemäß passender Zugehörigkeit zu Strukturen entbundener Selbständigkeit zusammen. Gleichzeitig versucht es, den Kontakt zum Kontext, aus dem heraus es entsteht, zu erhalten. Oft widersprechen sich beide Impulse.
Im Alltag zeigt sich der Konflikt, wenn man etwas will, was den Erwartungen anderer widerspricht. Dann muss man entscheiden: Bestimme ich über mich selbst oder gehöre ich dazu? Was ist mir wichtiger?
Je mehr ich glaube, auf die Zustimmung des Umfelds angewiesen zu sein, desto öfter werde ich auf Selbstbestimmung verzichten. Wenn ich mich dabei irre, widerspreche ich dem Leben in mir selbst. Resultat sind seelische Spannungen, die sich in zahlreichen Symptomen bemerkbar machen:
Im Laufe einer gesunden psychologischen Entwicklung verschiebt sich der Schwerpunkt im Grundkonflikt von der Zugehörigkeit zur Autonomie. Der Erfolg dieser Entwicklung wird durch zwei soziale Muster bedroht.