Bitte beachten Sie auch die Allgemeinen Hinweise über den Umgang mit Psychopharmaka

Treffen Sie Entscheidungen über den Umgang mit Psychopharmaka ausschließlich in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Mittel zur Phasenprophylaxe / Stimmungsstabilisatoren

  1. Einsatzgebiete
  2. Gängige Substanzen
  3. Dosierung und Wirkstoffspiegel
  4. Wechselwirkungen

1. Einsatzgebiete

Der Sinn einer vorbeugenden Medikation wird von vielen Patienten unterschätzt.

Depressionen, bei deren Entstehung anlagebedingte Faktoren eine große Rolle spielen, treten im Laufe des Lebens häufig mehrfach auf. Gleiches gilt für die Phasen der Bipolaren Störung. Dabei wechseln sich depressive und manische Phasen ab. Um solchen Phasen vorzubeugen, kann man Mittel zur Phasenprophylaxe einsetzen. Gängige Mittel sind Lithium, Valproinsäure, Carbamazepin und Lamotrigin.

Frauen, die Lithium, Valproinsäure, Carbamazepin oder Lamotrigin einnehmen, sollten unbedingt verhüten. Bei allen vier Substanzen ist ein teratogenes RisikoLaut EURAP-Register ist die Missbildungsrate besonders bei der Behandlung mit Valproinsäure dosisabhängig stark erhöht. Bei hoher Dosierung reicht sie an 25% heran. Aber auch bei der Behandlung mit Carbamazepin und Lamotrigin ist von einer Missbildungs­gefahr auszugehen, die mit der Dosierung steigt. bekannt. Werden sie in der Schwangerschaft eingenommen, besteht eine erhöhte Gefahr von Fruchtschäden.

Valproinsäure kann darüber hinaus die Wirkung der Pille abschwächen. Frauen, die das Medikament einnehmen, sollten ihre Verhütungsmethode überdenken. Am besten verzichten Frauen im gebährfähigen Alter ganz auf Valproinsäure.

2. Gängige Substanzen

2.1. Lithium

Lithium kann Häufigkeit und Ausprägung von manischen aber auch von depressiven Phasen eindrucksvoll mindern. Da jedoch schon geringe Überdosierungen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen können, setzt die Behandlung nicht nur einen gewissenhaften Umgang des Patienten mit der Medikation voraus, sondern auch spezielle medizinischen Kontrolluntersuchungen. Dazu gehören:

Unter Lithiumtherapie sollte der Patient auf Folgendes achten:

Setzt man Lithium plötzlich ab, ist die Gefahr von Rückfällen besonders hoch.

Typische Nebenwirkungen

Unter Lithium kann eine ganze Reihe Nebenwirkungen auftreten.

Lithium hat nur eine geringe therapeutische Breite. Darunter versteht man das Dosierungsfenster, bei dem der Blutspiegel hoch genug ist, um zu wirken, aber nicht so hoch, dass gefährliche Nebenwirkungen entstehen können. Mit anderen Worten: Von der Wirkungslosigkeit bis zur Vergiftung ist es nicht weit.

Bei der Lithiumvergiftung kommt es zu...

Wenn solche Symptome auftreten, sollte man das Medikament absetzen, viel trinken und sich in ärztliche Behandlung begeben.

Anwendungsbeschränkungen / Kontraindikationen

Bei einer Reihe von Krankheiten und Umständen ist das Risiko gefährlicher Nebenwirkung so groß, dass man Lithium möglichst ganz vermeiden sollte. Dazu gehören insbesondere:
2.2. Valproinsäure

Valproinsäure ist eigentlich ein Mittel gegen Epilepsie. Es kann aber auch zur Behandlung manischer Phasen und zur Verhütung depressiver und manischer Phasen eingesetzt werden. Bei häufigen Phasenwechseln in der Vorgeschichte ist es einer Prophylaxe durch Lithium oft überlegen.

Typische Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente kann auch Valproinsäure eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören:

Anwendungsbeschränkungen / Kontraindikationen

Wegen der Gefahr schwerer Nebenwirkungen sollte Valproinsäure unter anderem bei folgenden Erkrankungen vermieden werden:
2.3. Carbamazepin

Auch das Antiepileptikum Carbamazepin ist zur Phasenprophylaxe bipolarer Störungen zugelassen; wenn eine Behandlung mir Lithium nicht in Frage kommt.

Typische Nebenwirkungen

Anwendungsbeschränkungen / Kontraindikationen

2.4. Lamotrigin

Das Antiepileptikum Lamotrigin ist besonders zur Vorbeugung depressiver Phasen geeignet, vor allem dann, wenn es zu raschen Phasenwechseln (rapid cycling) kommt.

Typische Nebenwirkungen

Anwendungsbeschränkungen / Kontraindikationen

3. Dosierung und Wirkstoffspiegel


Anders als bei Neuroleptika spielt die Messung der Wirkstoffspiegel der Stimmungsstabilisatoren eine wichtige Rolle.
Dosierung und Wirkstoffspiegel der Stimmungsstabilisatoren
Dosierung
mg/Tag
Therapeutischer Spiegel
mg/l
Bemerkung
Lithium 400-1000 0,6-0,8 mmol/l Enges therapeutisches Fenster
Valproinsäure 1000-2000 50-100 mg/l
Carbamazepin 200-800 6-12 mg/l Beschleunigt den Abbau vieler Medikamente
Lamotrigin 100-400 3-14 mg/l Sehr langsam aufdosieren!

4. Wechselwirkungen

Bei der Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung durch Stimmungstabilisatoren kommt es oft zur Kombination mit anderen Medikamenten. Daher ist auf mögliche Wechselwirkungen zu achten.