Hinweis
Alle Informationen dieser Seite und ihrer Unterseiten sind unvollständig.
Die Beachtung aller beschriebenen Regeln und Gefahren, schließt keinesfalls aus, dass es im Umgang mit Psychopharmaka zu Gesundheitsschäden kommen kann.
Das betrifft die Einnahme der Medikamente ebenso wie den Verzicht darauf.
Treffen Sie Entscheidungen über den Umgang mit Psychopharmaka ausschließlich in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
Psychopharmaka sind zunächst Mittel der zweiten Wahl. Wenn klar ist, dass andere Methoden nicht erfolgversprechend sind oder nicht durchführbar, kommen sie zum Einsatz. Sie gehören dann zu den Mitteln der ersten Wahl, wenn der Kranke von seinen Begrenzungen und Symptomen so beherrscht ist, dass er zur Behebung des Leidens nicht selbstbestimmt handeln kann.
Je größer der Anteil biologischer Faktoren und je schwerer das Krankheitsbild, desto eher ist an Medikamente zu denken.
Es schadet nichts, wenn Sie von sich aus nach Untersuchungen fragen.
So wenig wie möglich, so viel wie nötig.
Fragen Sie bei Neuverordnung eines Medikamentes immer nach, ob es sich mit den bisher eingenommenen verträgt.
Wenn nichts dagegen spricht: Erst einschleichen, dann ausschleichen.
Der Sinn einer vorbeugenden Medikation wird von vielen Patienten mit Psychose unterschätzt.
Während der Behandlung: Weder Alkohol noch Drogen.
Man kann kaum vorhersagen, bei wem ein Medikament wirkt und welche Nebenwirkungen es verursacht.
Häufige Nebenwirkungen sind meist weniger gefährlich. Gefährliche Nebenwirkungen sind meist selten.
Kein Psychopharmakon, gegen das eine bekannte Unverträglichkeit besteht!
Der OFF-LABEL-Gebrauch von Medikamenten wird durch Gesetze eingeschränkt.
Medikamente spielen bei der Behandlung seelischer Erkrankungen eine wichtige Rolle; vor allem dort, wo ein organischer, also körperlicher Faktor bei der Symptomgestaltung überwiegt. Haupteinsatzgebiet der Psychopharmaka ist die Behandlung akuter Psychosen, schwerer Depressionen, sowie schwerer Angst- und Zwangsstörungen.
Bei den Psychosen kommen vor allem Neuroleptika zum Einsatz. Zu nennen sind Substanzen wie Risperidon, Olanzapin, Clozapin, Amisulprid und Quetiapin, aber auch Flupenthixol, Fluphenazin und Haloperidol. Neuroleptika wirken besonders gegen die sogenannten produktiven Symptome der Psychosen. Darunter versteht man Halluzinationen, Ich-Störungen, psychotische Angst und paranoides Erleben.
Bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sind Antidepressiva oft sinnvolle Komponenten des Behandlungskonzepts. Die Wirkwahrscheinlichkeit der wichtigsten Substanzen unterscheidet sich beim konkreten Kranken nicht wesentlich. Sie liegt meist etwa 10-20 Prozentpunkte höher als bei der Behandlung mit einem wirkstoff-freien Scheinmedikament. Bei der Wahl des geeigneten Antidepressivums orientiert man sich an den zu erwartenden Nebenwirkungen. Diese variieren erheblich von Person zu Person.
Vor dem Einsatz von Psychopharmaka ist Folgendes zu überlegen:
Hat man sich zum Einsatz von Psychopharmaka entschieden, sind Voruntersuchungen oft sinnvoll, um Risikofaktoren vorzeitig zu erkennen. Die meisten Psychopharmaka können Schäden an den blutbildenden Organen oder an der Leber verursachen, sie können zu Herzrhythmusstörungen oder zur Herabsetzung der Krampfschwelle des Zentralnervensystems führen. Empfohlen werden daher folgende Voruntersuchungen:
Bei manchen Substanzen sollten auch Blutfette, Blutzucker, Schilddrüsenwerte und Gerinnungswerte bestimmt werden. Sollte die Behandlung über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden, ist in regelmäßigen Abständen an Verlaufskontrollen zu denken; möglicherweise mit einer Bestimmung des Wirkstoffspiegels.
Im psychiatrischen Alltag ist zu beachten, dass Verlauf und Ausprägung von Depressionen einer hohen Variabilität unterliegen. Dabei sind biologische, psychologische, soziale und ökonomische Faktoren von Bedeutung. Im konkreten Fall ist über die Behandlungsdauer ebenso wie über die Dosierung individuell zu entscheiden. Scheinen biologische Faktoren im Vordergrund zu stehen, wie bei der Bipolaren Erkrankung und sind schwere Krankheitsphasen bekannt, kommt einer langdauernden Phasenprophylaxe große Bedeutung zu. Sind psychologische Ursachen zu vermuten, was bei der Mehrzahl der Depressionen angenommen werden kann, ist mehr danach zu fragen, was der Patient selbst zur Vorbeugung erneuter Symptome machen kann.
Individuell ist auch die Behandlungsdauer bei Psychosen zu entscheiden. Da bei der Mehrzahl der Psychosen jedoch der primären Verursachung durch Stoffwechselstörungen eine große Bedeutung zugesprochen werden muss, erscheint der individuelle Spielraum hier geringer.
Mehr als 3000 Substanzen sind als Medikamente zugelassen. Selbst wenn man nur zwei Medikamente gleichzeitig einnimmt, gibt es 3000 Kombinationsmöglichkeiten. Bei drei Medikamenten sind es schon 9 Millionen, bei vier 27 Milliarden. Es ist kaum möglich, alle resultierenden Wechselwirkungen systematisch zu untersuchen. Deshalb ist ein wesentlicher Grundsatz der Behandlungssicherheit, dass man Medikamentenkombinationen so übersichtlich wie möglich hält. Das gilt besonders bei langdauernder Einnahme sowie für Medikamente, die noch nicht lange zur Verfügung stehen.
Psychopharmaka können Substanzgruppen zugeordnet werden. Zu nennen sind Antidepressiva, Neuroleptika, Tranquilizer, Mittel zur Phasenprophylaxe und Schlafmittel. Im Grundsatz ist für jede Substanz ein festes Indikationsgebiet definiert. Da sich im Alltag Symptome jedoch oft überlagern und Patienten nicht immer eindeutige Diagnosen zugeordnet werden können, werden Medikamente gelegentlich auch OFF-LABEL, also außerhalb ihres Zulassungsbereiches eingesetzt.
Nebenwirkungen sind in der Behandlung mit Psychopharmaka ein beträchtliches Problem. Bei jedem Medikament gibt es eine große Zahl möglicher und eine gewisse Zahl gefährlicher Nebenwirkungen. Es ist allerdings keineswegs die Regel, dass der Nutzen der Medikamente durch Nebenwirkungen in Frage gestellt wäre. Zuweilen müssen aber mehrere Medikamente ausprobiert werden, bis man eines findet, dass beim betreffenden Patienten ohne übermäßig störende Nebenwirkungen wirksam ist.
Genaueres über Substanzen und ihre Nebenwirkungen finden Sie unter den entsprechenden Stichwörtern:Bei zahlreichen Psychopharmaka sind Störungen der embryonalen Entwicklung beschrieben worden. Zahlreiche Substanzen treten auch in die Milch stillender Mütter über und können beim Kind zu Vergiftungen führen. Obwohl Fruchtschäden keineswegs regelhaft sind, erscheint folgendes Verhalten empfehlenswert:
Nehmen Sie Psychopharmaka während Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Arzt ein.
Externer Verweis:
Eine Behandlung mit Psychopharmaka hebt die Verkehrstauglichkeit nicht grundsätzlich auf. Einschränkungen der Reaktionsfähigkeit sind jedoch häufig und können bei keiner Substanz ausgeschlossen werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher, während der ersten zwei Wochen einer Medikamenteneinnahme ganz auf das Autofahren zu verzichten. Danach sollten Sie sich nur ans Steuer setzen, wenn Sie das mit Ihrem Arzt besprochen haben.
Die Verkehrstauglichkeit kann durch zwei Faktoren vermindert werden: Durch die Erkrankung und durch die Medikation.
Sedierende, also entspannende Substanzen und solche, die müde machen, haben meist einen stärkeren Einfluss auf die Verkehrstauglichkeit. Zu nennen sind insbesondere:
Eine Substanz, die die Verkehrstauglichkeit einschränkt, vermindert in der Regel auch die Eignung zur Betätigung gefährlicher Maschinen.