Treten Manien immer wieder auf, ist eine vorbeugende Medikation sinnvoll.

Wohl dem, der ein vernünftiges Stück Freiheit aus der Manie in die Nüchternheit retten kann.

Am meisten neben der Spur läuft oft der, der nichts davon weiß.

Manie

  1. Symptome
  2. Ursachen
  3. Innerseelische Prozesse
  4. Risiken
    1. 4.1. Aufschaukeln der Bipolaren Störung
  5. Lösungsstrategien

1. Symptome

Das Spektrum der maniformen Erlebnisweisen reicht von "hypoman" bis zum "maniformen Größenwahn". Das Kernsymptom der maniformen Erlebnisweisen ist das... Zu den Sekundärsymptomen, die sich daraus ableiten, gehören: Im Falle der euphorischen Manie wirkt der Kranke mitreißend, bei der gereizten Manie kann das Omnipotenzgefühl vor Hindernissen in blanke Aggression umschlagen. Im Gegensatz zur echten Manie kommt es bei der Hypomanie, also dem Zustand, "der unterhalb der Manie bleibt", nicht zur Realitätsverkennung. Die Wucht der Symptomatik ist geringer.

2. Ursachen

Hypomane Zustände sind recht verbreitet. Sie treten als Nachschwankungen depressiver Phasen auf und können als euphorische Reaktion auf die Befreiung von der depressiven Bedrückung verstanden werden.

Manien mit eindeutig psychotischem Ausmaß kommen vor allem bei der Bipolaren Störung und bei der Schizoaffektiven Psychose vor. Bei der Bipolaren Störung wechseln maniforme und depressive Zustände einander ab. Bei der Schizoaffektiven Störung sind der bipolaren Symptomatik schizophrene Elemente beigemischt.

Sowohl für die Schizoaffektive Störung als auch für die Bipolare Störung weisen Zwillingsstudien auf einen erheblichen genetischen Faktor hin.

3. Innerseelische Prozesse

Die Manie ist der Gegenpol zur Depression. Während der Depressive auf die Vertretung autonomer Bedürfnisse verzichtet und sich in der Folge ohnmächtig an den Hürden der Realität scheitern sieht, leugnet der Maniker jedes Bedürfnis nach einer Zugehörigkeit, für die sich ein Zugeständnis an andere lohnt. Dem entsprechend fühlt er sich entfesselt, autonom und unbesiegbar.

War er bis dahin gehemmt, ist das Glücksgefühl für ihn beträchtlich. In der Begeisterung für die neu gewonnene Freiheit kann er mitreißend, charmant, wendig und ideenreich sein. Solange er bei guter Laune bleibt, steckt er andere damit an, die ihm ihrerseits Aufmerksamkeit entgegen bringen. Der unerhörte Erfolg der ungebremsten Lebendigkeit verführt den ehemals gehemmten Menschen mehr und mehr dazu, soziale Grenzen und Tabus zu überschreiten, als ginge sein Aufstieg kometengleich in immer neue Weiten. Dann kann es sein, dass er die Mahnungen der Realität vollends überhört und absurde Entscheidungen trifft.

Wirkt er aufs Umfeld schließlich nicht mehr mitreißend, sondern distanzlos, unverschämt und wie besessen, verwandelt sich die unsprünglich positive Zuwendung des Publikums in wachsenden Widerstand. Solange er den Widerstand als Borniertheit der anderen abtun kann, mag er selbst bei guter Laune bleiben, spürt er das Eis unter den Füßen aber dünner werden, kann es sein, dass er durch gereizte Aggression versucht, den Absturz zu verhindern. Gut für den, der ihm dann nicht im Wege steht.

4. Risiken

Bei maniformen Zuständen kann es sowohl zur Gefährdung der eigenen Person als auch anderer kommen. Mit wachsender Enthemmung werden zunehmend problematische Entscheidungen getroffen, die erhebliche Risiken für Leib und Leben, für die soziale Einbindung oder das Vermögen nach sich ziehen. Die Verkehrstauglichkeit ist grundsätzlich aufgehoben.

4.1. Aufschaukeln der Bipolaren Störung

Ein besonderes Risiko der Manie ergibt sich bei der Bipolaren Störung. Hier drohen sich depressive und maniforme Phasen gegenseitig aufzuschaukeln. In der Manie stößt der Kranke wichtige Bezugspersonen oft gedankenlos vor den Kopf. Er trennt sich vom Partner, beleidigt Kollegen, kündigt die Stelle, um selbst ein Firma zu gründen. Oder er nimmt Kredite auf, kauft, was er sich nicht leisten kann und fährt sein Auto zu Schrott. Hat er als Folge seiner kopflosen Taten nach der Ernüchterung dann heftige Schuld- und Schamgefühle, entmutigt das seine Impulse zur autonomen Selbstbestimmung erneut. Das Risiko, in die nächste Depression zu fallen, steigt, das Risiko, von dort aus nach erlittener Qual in die nächste Manie zu flüchten, ebenfalls. Ein sogenanntes Rapid Cycling kann entstehen: Die Stimmung schwankt von einem Extrem ins andere.

5. Lösungsstrategien

Eine psychotherapeutische Behandlung der akuten Manie ist nicht möglich. Der Kranke empfindet sich nicht als krank. Im Gegenteil: So vital und gesund, wie in der Manie, hat er sich noch nie erlebt. Über den Versuch eines Therapeuten, ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, wird er herzlich lachen oder er geht wütend auf den Therapeuten los; weil der ihm die grandiose Freiheit nehmen will.

Erst wenn die Manie abgeklungen ist, kommen psychotherapeutische Ansätze ins Spiel. Ein wesentlicher Teil wird sich auf Psychoedukation konzentrieren; also auf die Erarbeitung von Strategien, wie erneuten maniformen Entwicklungen frühzeitig begegnet werden kann.

Medikamente zur Behandlung der Manie
Substanz Dosierung Besonderheit
Risperidon 1-6 mg
Haloperidol 5-20 mg
Olanzapin 10-20 mg starke Gewichtszunahme
Lithium 600-1200 mg Serumspiegel 0.8-1.2 mmol
Valproat 1200-3000 mg nicht bei Frauen im gebährfähigen Alter
Carbamazepin 600-1200 mg Wechselwirkungen beachten
Aripiprazol 15-30 mg
Ziprasidon 80-160 mg

Es ist davon auszugehen, dass maniforme Störungen im Rahmen der Bipolaren Erkrankung eine bedeutende genetische Komponente haben und einer Stoffwechselstörung entsprechen. Trotzdem ist die therapeutische Bearbeitung des psychodynamischen Hintergrundes ausgesprochen sinnvoll. Zur Entstehung der Manie tragen nämlich nicht nur Stoffwechelstörungen bei, sondern auch die besonderen Muster, mit denen der Patient, zwischen den maniformen Episoden, seine Beziehungen zum Umfeld gestaltet.

Beim Vollbild einer Manie behandelt man medikamentös mit Neuroleptika und/oder Stimmungsstabilisatoren. Eine Hospitalisierung ist meist notwendig.

Bei hypomanen Nachschwankungen sollte eine bestehende antidepressive Medikation überprüft werden, da Antidepressiva zum Übergang einer Depression in eine Manie führen können. Besteht kein Realitätsverlust und ist sich der Patient seines Ausnahmezustandes bewusst, wird man oft abwarten können, bis das Leben ihn von selbst ernüchtert.

Sind echte Manien bekannt, ist neben einer vorbeugenden Medikation mit Stimmungsstabilisatoren an die Einrichtung einer Betreuung zu denken, damit der Patient vor gesundheitlichen, sozialen und Vermögensschäden geschützt werden kann.