Demenzkranken respektvoll zu begegnen ist ein Testlauf der eigenen Würde.

Demenz

  1. Symptome
  2. Einteilung und Ursachen
    1. 2.1. Alzheimer-Krankheit
    2. 2.2. Vaskuläre Demenz
    3. 2.3. Frontotemporale Demenz
    4. 2.4. Parkinson-Demenz
    5. 2.5. Demenz mit Lewy-Körperchen
    6. 2.6. Rückbildungsfähige Demenzen
  3. Abgrenzung: Leichte kognitive Störung
  4. Behandlung
  5. Vorbeugung

1. Symptome

Das Kernsymptom der DemenzVon lateinisch de- = abnehmend und mens = Verstand. ist der Abbau geistiger Funktionen. Dazu gehören:

Demenz und Depression

Depressionen führen oft zu Störungen des Denkens, des Konzentrationsvermögens, der Merkfähigkeit und der Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen. Damit zeigen sie Symptome, die einer leichten, selten sogar einer mittelgradigen Demenz, ähneln. Es handelt sich dabei jedoch um keine echte Demenz, sondern um eine Pseudodemenz. Sie klingt mit der Depression ab.

Andererseits sind Depressionen häufig Frühsymptom einer echten Demenz. Mit dem Fortschreiten der Demenz lösen sich solche Depressionen meist auf. Oft werden sie durch Teilnahmslosigkeit ersetzt.

Es gibt Hinweise darauf, dass häufige Depressionen das Risiko erhöhen, später an Demenz zu erkranken.

Meist beginnen Demenzen schleichend und verschlimmern sich über Jahre hinweg. Was mit leichten Gedächtnisstörungen beginnt, kann bis zum Verfall sämtlicher kognitiver Kognitive Funktionen sind die Verstandesfunktionen: von lateinisch cognoscere = erkennen. Funktionen führen. Im Verlauf der Erkrankung wird der Betroffene oft pflegebedürftig. Die Fähigkeit, sich gezielt mit dem Umfeld auszutauschen, geht Schritt für Schritt verloren. In schweren Fällen verharrt der Kranke in völliger Teilnahmslosigkeit oder macht durch ungesteuerte Unruhe auf sich aufmerksam.

Parallel zu den Kernsymptomen treten Nebensymptome auf. Dabei handelt es sich um Störungen...


Neuropsychiatrische Nebensymptome der Demenz
Störungsebene Symptome
Antrieb Teilnahmslosigkeit
Einstellen spontaner Nahrungsaufnahme
Enthemmung
Unruhezustände
Schlafregulation Schlafstörungen
Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus
Denken Wahnvorstellungen
Personenverkennungen
Emotionen Depressionen
Angstzustände
Reizbarkeit
Misstrauen
Euphorie
Stimmungsschwankungen (emotionale Labilität)
Wahrnehmung Trugwahrnehmungen
Sinnestäuschungen
Interaktion Vergröberung des Sozialverhaltens

2. Einteilung und Ursachen

Die ICD-10Internationale Klassifikation der Krankheiten teilt die Demenzen nach ihrer Ursache ein. Demenz kann sowohl bei Erkrankungen auftreten, die unmittelbar das Gehirn betreffen, als auch bei Erkrankungen anderer Organe, deren Folgen die Funktion des Gehirnes stören.


Einteilung der Demenzen nach ICD-10
Name ICD-Nummer
Alzheimer-Typ
Demenz bei Alzheimer (früher Beginn) F00.0+ G30.0
Demenz bei Alzheimer (später Beginn) F00.1+ G30.1
Demenz bei Alzheimer (atypische Form) F00.2+ G30.2
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn F01.0
Multiinfarkt-Demenz F01.1
Subkortikale vaskuläre Demenz F01.2
Gemischte vaskuläre Demenz F01.3
Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
Demenz bei Morbus Pick F02.0
Demenz bei Creutzfeld-Jacob-Krankheit F02.1
Demenz bei Chorea Huntington F02.2
Demenz bei Parkinson-Syndrom F02.3
Demenz bei HIV-Krankheit F02.4
Demenz bei anderen Erkrankungen

Auswahl

  • Epilepsie
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Multiple Sklerose
  • Syphilis
  • Vitamin B12-Mangel
  • Hirntrauma
  • Hirnentzündungen
F02.8

2.1. Alzheimer-Krankheit

Die mit Abstand häufigste Demenz ist die vom Alzheimer-Typ. Man unterscheidet Verläufe mit frühem Beginn (40-65. Lebensjahr), spätem Beginn (nach dem 65. Lebensjahr) und atypische Formen. Beginnt die Erkrankung früh, ist der Verlauf schnell und schwer. Formen mit spätem Beginn werden auch als senile Demenz bezeichnet. Bei einem Drittel der 90-Jährigen sind zumindest leichte demenzielle Störungen feststellbar.

Da sowohl Gefäßschäden als auch Stoffwechselstörungen vom Alzheimer-Typ häufig sind, kommt es oft zur Überlagerung beider Demenzformen. Man spricht dann von einem Mischtyp.

Typisch für die Alzheimer-Demenz ist der unauffällige Beginn. Anfangs kann der Betroffene Störungen der Merkfähigkeit, der Konzentration sowie Wortfindungsstörungen noch überspielen. Seine Persönlichkeit bleibt lange intakt, sodass die Umgebung den Rückgang der kognitiven Fähigkeiten zunächst übersieht.

Im Laufe der Zeit kommen Beeinträchtigungen alltagspraktischer Fähigkeiten sowie Orientierungsstörungen hinzu. Die Persönlichkeitszüge vergröbern sich oder verflachen.

Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einer Funktionsstörung der Nervenzellen, die mit einer Einlagerung krankhafter EiweißstoffeSogenannte neurofibrilläre Ablagerungen des Zellskelettproteins Tau und A4-Amyloid-Plaques. in der Nervenzelle vergesellschaftet ist. Im Laufe der Zeit entwickelt sich ein messbarer Schwund an Hirnsubstanz, der durch eine Computertomographie nachgewiesen werden kann.

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der Erkrankung nicht abschließend aufgeklärt. Die familiäre Häufung belegt jedoch die große Bedeutung erblicher Faktoren (z.B. genetische Variante mit APOE4-Allel).

Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen

2.2. Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenzen sind die zweit-häufigste Form. Sie entstehen durch Störung der Blutversorgung im Zentralnervensystem. Entweder treten sie plötzlich auf, als Folge eines Gefäßverschlusses oder einer Blutung im Gehirn (Schlaganfall), oder sie sind Folge kleiner Durchblutungsstörungen, deren Schäden sich im Laufe der Zeit summieren.

Neben plötzlichem Beginn oder sprunghaften Verschlechterungen sind für vaskuläre Demenzen neurologische Ausfallserscheinungen typisch. Es kommen Halbseitenlähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen und Bewusstseinstrübungen vor.

Das Risiko, später eine Demenz vom vaskulären Typ zu erleiden, wird durch alle Faktoren erhöht, die zu Erkrankungen der Blutgefäße beitragen. Je nach Lage der Hirnschäden unterscheidet man kortikalIn der Hirnrinde betonte von subkortikalUnterhalb der Hirnrinde, im Marklager betonten vaskulären Demenzen.

Treten demenzielle Symptome plötzlich auf, könnte es sich auch um ein Delir handeln.

Entsprechend dem Verlauf spricht man von...

2.3. Frontotemporale Demenz (Morbus Pick)

Bei der frontotemporalen Demenz entwickelt sich ein Schwund an Nervenzellen im Bereich des Stirnhirns (= frontal) und der Schläfenlappen (= temporal). Da diese Hirnregionen mit Verhaltenssteuerung und Gefühlserleben befasst sind, macht sich die frontotemporale Demenz durch frühzeitige Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur bemerkbar.

Das Verhalten wird distanzlos. Hemmungen, die bisher den Umgang des Kranken mit Bezugspersonen moduliert haben, fallen weg. Die Persönlichkeitsstruktur vergröbert sich. Kognitive Störungen, wie zum Beispiel Gedächtniseinbußen oder Denk- und Urteilsstörungen treten erst in zweiter Linie auf.

Cholinerges Defizit

Eine wichtige pathophysiologische Pathophysiologie ist die Lehre von den krankhaften Stoffwechselvorgängen. Ursache demenzieller Symptome scheint ein cholinerges Defizit zu sein. Darunter versteht man eine Störung der Informationsübertragung zwischen Hirnzellen, die durch den Botenstoff Acetylcholin gewährleistet wird. Demenzen, bei denen das cholinerge Defizit eine große Rolle spielt, sind die...

Wegen des cholinergen Defizits sollte man bei den meisten Demenzkranken auf den Einsatz solcher Psychopharmaka verzichten, die eine anticholinergeAnticholinerg nennt man eine Wirkung, die die Informationsübertragung an cholinergen Synapsen stört. Wirkkomponente enthalten. Dazu gehören:

  • Die meisten trizyklischen Antidepressiva: Amitriptylin, Doxepin, Clomipramin, Maprotilin
  • Promethazin
  • Viele Neuroleptika: Olanzapin, Levomepromazin, Clozapin, Chlorprothixen, Perazin
  • Hydroxyzin

Bei der frontotemporalen Demenz ist das cholinerge Defizit gering. Statt dessen zeigen sich Störungen im serotonergen sowie im dopaminergen Botenstoff-System.

2.4. Parkinson-Demenz

Fast bei der Hälfte aller Parkinsonkranken treten im späteren Verlauf auch demenzielle Symptome auf. Die Symptome ähneln teils denen der Alzheimer-Demenz, teils weichen sie davon ab.

Während die Alzheimer-Demenz schleichend mit Gedächtnisstörungen beginnt, kommt es bei der Parkinson-Demenz frühzeitig zu optischen Halluzinationen, Wahn, Störungen der Aufmerksamkeit und wechselnden Bewusstseinstrübungen. Auffällig sind gehäufte Stürze durch Kollapszustände. Erst später machen sich auch Gedächtnisstörungen bemerkbar.

Parkinson-Demenz (PD) und Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK)
Gemeinsamkeiten

Bei der Parkinson-Demenz findet man in den Hirnzellen neben den typischen Alzheimer-Fibrillen zusätzlich sogenannte Lewy-Körperchen. Darunter versteht man spezifische Einschlusskörper, deren Menge dem Ausmaß der kognitiven Störungen entspricht.

2.5. Demenz mit Lewy-Körperchen

Möglicherweise ist die sogenannte Demenz mit Lewy-Körperchen keine eigene Krankheit, sondern eine Verlaufsvariante der Parkinson-Demenz. Jedenfalls ähneln sich sowohl die Symptome als auch der Befund spezifischer Einschlusskörper in den Hirnzellen.

Um die eine Krankheit von der anderen zu unterscheiden, hat man die 1-Jahres-Regel formuliert:

2.6. Rückbildungsfähige Demenzen

Viele Demenzen sind weitgehend irreversibelNicht rückbildungsfähig . Dazu gehören vor allem solche vom Alzheimer-Typ, vaskuläre Demenzen und deren Mischformen. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen.

Neben den irreversiblen Demenzen gibt es aber auch solche, die bei Behandlung der Grunderkrankung, die das demenzielle Bild hervorruft, rückbildungsfähig sind. Folgende Tabelle zeigt eine Auswahl beider Gruppen im Überblick.

Heilbare und unheilbare Demenzen

Nicht rückbildungsfähig Rückbildungsfähig

Demenz bei...

Demenz bei...

  • Hirnentzündungen (Enzephalitis)
  • Gefäßentzündung (Vaskulitis)
  • Störung des Kupferstoffwechsels (Wilson-Krankheit)
  • Überfunktion der Nebenschilddrüse
  • Darmerkrankungen (Zoeliakie, M. Whipple)
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Vergiftungen (z.B. Lithium, Quecksilber, Blei)
  • Vitamin B12-Mangel
  • Normaldruck-Hydrozephalus
  • Alkoholmissbrauch

Um heilbare von unheilbaren Formen zu unterscheiden, ist vor allem bei Personen, die frühzeitig an Demenzsymptomen erkranken, eine umfangreiche Diagnostik erforderlich. Dazu gehören:

3. Abgrenzung: Leichte kognitive Störung

Nicht jedes Nachlassen der Merkfähigkeit ist einer Demenz zuzuordnen. Mit zunehmendem Alter erleben die meisten Menschen leichte Störungen ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit, ohne dass das eine ernst zu nehmende Gefährdung ihrer Selbständigkeit und Einbettung ins soziale Umfeld bedeutete. Übliche Symptome dieser Störung sind:

Die leichte kognitive StörungAuch MCI, also mild cognitive impairment genannt. (ICD-10: F06.7) kann Ausdruck all jener Ursachen sein, die auch den Boden für eine echte Demenz bilden. Obwohl das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, höher ist, wenn bereits leichte kognitive Störungen vorliegen, ist der Übergang jedoch keineswegs die Regel.

4. Behandlung

Bei der Behandlung der Demenz sind medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze zu unterscheiden. Zu den nicht-medikamentösen Verfahren gehören:

Zur medikamentösen Behandlung werden verschiedene Substanzen eingesetzt:

Demenzkranke und Psychopharmaka

Die meisten Demenzkranken sind gebrechlich. Die Mehrzahl leidet an weiteren Krankheiten. Die labilen körpereigenen Steuerungen geraten leicht aus dem Gleichgewicht. Die Anfälligkeit für Nebenwirkungen der Psychopharmaka ist hoch.

Da Demenzkranke oft multimorbid D.h. mehrfach erkrankt. sind, nehmen sie meist viele Medikamente ein. Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto unübersichtlicher werden die Wechselwirkungen.

Deshalb gilt:

5. Vorbeugung

Eine sichere Methode zur Vorbeugung einer Demenz ist nicht bekannt. Offensichtlich spielen, besonders bei der Alzheimer-Krankheit, erbliche Faktoren eine Rolle.

Trotzdem sind Risikofaktoren zu benennen, deren Einfluss auf Demenzen als belegt gilt. Insofern ist es möglich, selbst etwas zur Vorbeugung zu tun. Dabei gilt folgende Grundregel:

Viele Maßnahmen, die sowohl auf körperlicher als auch auf seelisch-geistiger Ebene zu einer gesunden Lebensführung gehören, reduzieren das Risiko, dement zu werden.