Bitte beachten Sie auch die Allgemeinen Hinweise über den Umgang mit Psychopharmaka.
Treffen Sie Entscheidungen über den Umgang mit Psychopharmaka ausschließlich in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
Der Sinn einer vorbeugenden Medikation wird von vielen Patienten mit Psychose unterschätzt.
Drogen sind ein Risikofaktor bei der Auslösung und Verschlimmerung von Psychosen.
Hauptsymptome der Psychosen sind Halluzinationen, also Trugwahrnehmungen, Ich-Störungen, also fehlerhafte Zuordnungen von Erlebnisinhalten und paranoides Erleben, also Fehldeutungen von Umfeldereignissen, die meist als feindselig empfunden werden. Gegen diese Symptome, denen in der Regel vermutlich Stoffwechselstörungen zugrunde liegen, wirken Neuroleptika. Neuroleptika können in folgende Gruppen aufgeteilt werden:
Mit Ausnahme des Serotoninsyndroms sind alle Nebenwirkungen, die bei den Antidepressiva genannt wurden, auch bei der Behandlung mit Neuroleptika möglich. Zusätzlich werden vor allem bei den typischen Neuroleptika gehäuft auch unwillkürliche Bewegungen (z. B. Blick- Schlund- und Zungenkrämpfe = EPMS), Akathisie (extreme Unruhe) sowie Parkinsonsyndrome mit Muskelsteifigkeit und Zittern beobachtet. Im Allgemeinen gilt, dass hochpotente Neuroleptika diese Nebenwirkungen öfter als niederpotente Neuroleptika verursachen. Dafür machen die Letztgenannten oft müde und wirken blutdrucksenkend, sodass Kollapszustände zu befürchten sind.
| Bewegungs- störungen |
Gewichts- zunahme |
Stoffwechsel- störungen |
Müdigkeit | Blutdruck- senkung |
Herzrhytmus- störungen |
Milch- fluss |
Anticholinerge Wirkung |
|
| Amisulprid | + | - | - | - | - | + | ++ | - |
| Aripiprazol | - | - | - | + | - | - | - | - |
| Asenapin | + | + | - | + | + | + | + | - |
| Clozapin | - | +++ | +++ | +++ | +++ | - | - | +++ |
| Olanzapin | (+) | +++ | +++ | ++ | + | + | (+) | + |
| Quetiapin | - | + | + | + | ++ | + | - | - |
| Risperidon | + | + | + | + | + | + | ++ | + |
| Ziprasidon | (+) | - | - | - | - | ++ | - | - |
| Bewegungs- störungen |
Gewichts- zunahme |
Stoffwechsel- störungen |
Müdigkeit | Blutdruck- senkung |
Herzrhytmus- störungen |
Milch- fluss |
Anticholinerge Wirkung |
|
| Haloperidol | +++ | + | + | + | + | + | +++ | - |
| Levomepromazin | + | ++ | + | +++ | ++ | + | + | +++ |
| Perazin | ++ | + | + | ++ | ++ | + | ++ | ++ |
Bei einigen Neuroleptika sind Gefährdungsmomente bekannt, die eine spezielle Aufmerksamkeit erfordern:
Auch die Kontraindikationen, also die Krankheiten und Umstände, bei denen Neuroleptika nur mit großer Vorsicht oder gar nicht eingesetzt werden sollten, überdecken sich zum großen Teil mit denen der Antidepressiva. Zu nennen sind insbesondere:
Treffen Psychopharmaka im Körper mit anderen Substanzen zusammen, kann es zu verschiedenartigen Wechselwirkungen kommen. Sie werden in pharmakokinetische und pharmakodynamische Wirkungen unterteilt.
Pharmakokinetisch nennt man Wechselwirkungen, die durch Veränderung der Aufnahme, der Verteilung im Körper, der Verstoffwechselung und der Ausscheidung bewirkt werden. Die größte Rolle spielt dabei der Abbau der Medikamente durch körpereigene Enzyme. Im Fall der Psychopharmaka handelt es sich meist um die Varianten des Cytochrom-P450-Enzyms, also um seine IsoenzymeBisher sind etwa 60 Cytochrom-Varianten bekannt.. Viele Substanzen sind sowohl Substrate als auch Induktoren oder Inhibitoren der entsprechenden Enzyme.
Kommt es zu einer Enzyminduktion, also zu einer verstärkten Enzymwirkung, wird der Abbau gewisser Medikamente beschleunigt. Das wiederum schwächt deren Wirkung ab.
Kommt es zu einer Enzyminhibition, also zu einer abgeschwächten Enzymwirkung, wird der Abbau gewisser Medikamente verlangsamt. Das kann zu überschießender Wirkung führen.
Zu gefährlichen Wechselwirkungen kann es auch kommen, wenn sich die jeweiligen Nebenwirkungen mehrerer Substanzen überlagern oder aufsummieren. Solche Effekte nennt man pharmakodynamisch. Sie können zum Zusammenbruch des Immunsystems, Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszuständen (Delir), Störungen der Bewegungskoordination (Dyskinesien) oder zu Krampfanfällen führen.
Vorbeugende Behandlung mit Psychopharmaka zur Verhütung von Rückfällen.
Die Dosierung der Neuroleptika erfolgt individuell. Die benötigten Dosen hängen von der Substanz, der Symptomatik und der persönlichen Sensibilität des Patienten ab. Generell gilt, dass die Dosis in der Akutbehandlung höher liegt, als in der Langzeitbehandlung bzw. der Rezidivprophylaxe. Besonders bei der Rezidivprophylaxe ist es manchmal sinnvoll, die Medikamente als Depotmedikation zu verordnen. Dabei werden sie in regelmäßigen Abständen von 1-4 Wochen als Depotspritze verabreicht. Folgende Tabelle zeigt häufig verordnete Dosierungen wichtiger Neuroleptika.
| Akutbehandlung | Rezidivprophylaxe / Langzeittherapie | ||
| Oral: mg pro Tag | Oral: mg pro Tag | Depot: mg pro Intervall | |
| Atypische NL | |||
| Amisulprid | 400-1200 | 200-800 | |
| Aripiprazol | 15-30 | 15-30 | |
| Clozapin | 400-900 | 100-500 | |
| Olanzapin | 10-30 | 5-20 | 5-20 alle 7 Tage |
| Quetiapin | 300-800 | 100-500 | |
| Risperidon | 4-16 | 2-6 | 25-50 alle 2 Wochen |
| Ziprasidon | 120-160 | 80-160 | |
| Klassische NL | |||
| Fluphenazin | 2o-40 | 5-15 | 10-50 alle 2-3 Wochen |
| Flupentixol | 20-60 | 5-15 | 20-100 alle 2-3 Wochen |
| Fluspirilen | 2-10 alle 7 Tage | ||
| Haloperidol | 10-80 | 2-10 | 50-200 alle 2-4 Wochen |
| Perazin | 300-1000 | 50-300 | |
| Perphenazin | 10-50 | 6-30 | 12-200 alle 2-4 Wochen |
| Zuclopenthixol | 10-75 | 2-25 | 100-400 alle 2-4 Wochen |