Leid ist eine Verengung des Bewusstseins, Sie reizt es dazu, sich zu erweitern.

Wenn es Leid erzeugt, widerspricht das Bewusstsein dem eigenen Wesen.

Wenn es Leid vermeidet, drückt es sich vor sich selbst.

Wenn es Leid erlebt, erkundet es seine Tiefe.

Wenn es Leid behebt, stimmt es mit sich überein.

Leid ist zu betäuben, wenn aus dem Erleben kein anwendbares Wissen zu erwerben ist.

Glück liegt in der Gewissheit, dass man am Leid wachsen wird.

Leid

  1. Leid und Glück
  2. Sackgassen
  3. Sinnvolles Leid
  4. Annehmen oder weggeben?

1. Leid und Glück

Man leidet, wenn die Realität nicht mit den Bedürfnissen übereinstimmt. Da Leid ein Zustand ist, der zur Veränderung drängt, ist es der entscheidende Faktor aller Handlungsbereitschaft und damit eine Grundlage jeder geistigen Entwicklung. Jede geistige Entwicklung besteht im Erwerb von Macht, durch deren Einsatz Leid in Glück überführt werden kann. Macht ist anwendbares Wissen.

Da es zum Wesen des Bewusstseins gehört, Mißstände als Leid zu erleben und durch Anwendung erworbenen Wissens in Glück zu verwandeln, hat der Erwerb neuen Wissens Bedeutung. Dem dient Erfahrung. Erfahrungen sind Experimente mit der Realität, durch deren Ablauf Wissen entsteht.

2. Sackgassen

Wie bei allen Experimenten führt auch im Leben nicht jeder Weg zum Durchbruch. Viele Wege führen in Sackgassen. Es gibt drei Arten von Sackgassen:

3. Sinnvolles Leid

Leid ist nicht nur Krankheit. Es ist auch Heilmittel.

Es gibt zweierlei Leid: sinnvolles, das dem Leben dient und vermeidbares, das man durch eigene Irrtümer erzeugt. Zu den häufigsten Fehldeutungen, die neues Leid verursachen, gehört der Irrglaube, dass Leid eigentlich sinnlos ist und das Leben umso besser, je weniger Leid darin vorkommt.

Schicksal und Reaktion

Das Hindernis, das wir als Quelle des Leidens erleben, mag jenseits von uns liegen. Dann trifft es uns von außen. Das Erlebnis des Leidens ist aber stets Teil unserer selbst. Es ist unsere Reaktion auf das, was wir als schädlich erachten. Wenn wir Leid als Schaden deuten, der nicht zu uns gehört, übersehen wir uns selbst.

Wie jedes Erlebnis ist Leid wertvoll. Wenn man es verwertet, statt es zu verwerfen, löst es sich auf.

Das führt zu einer voreiligen Vermeidungshaltung. Statt Leid zu erleben, im Vertrauen darauf, dass es zwar schmerzhaft aber ebenso heilsam ist, tun wir viel, um es zu vermeiden. So sind wir ständig auf der Flucht vor einem wesentlichen Teil unserer Existenz.

Eine weitere Quelle selbst erzeugten Leids liegt in der Neigung, Schuldige für unser Leid zu suchen. Schon die Vorstellung, dass Leid zwangsläufig Schuld zugrunde liegen muss, macht uns für den Sinn des Leidens blind. Tatsächlich ist das unvermeidliche Leid, das jedem Leben inneliegt, aber kein Unheil, für das jemand haftbar gemacht werden muss. Es ist Bestandteil unserer selbst. Es ist ein Segen, der uns stärkt und zur Verantwortung ruft.

4. Annehmen oder weggeben?

...begegnete ihm je eine Verdrießlichkeit, so würde sie doch gleich wiedergutgemacht. So heißt es im Märchen vom Hans im Glück.

Das Leben hat nicht vorgesehen, dass der Mensch nicht leidet. Wenn man sich zuviel dagegen wehrt, bekommt man mehr davon verpasst.

Hans war mit einm Klumpen Gold nach Hause unterwegs. Als ihm das Gold zu schwer wurde, tauschte er es gegen ein Pferd. Als das Pferd ihn abwarf, tauschte er es gegen eine Kuh. Als die Kuh nicht gleich Milch gab, tauschte er sie gegen ein Schwein. Als das Schwein ihm hätte Ärger machen können, tauschte er es gegen eine Gans. Zum Schluss hatte Hans nichts mehr.

Wenn Ihnen das nächste Mal etwas weh tut, stehen Sie vor der Wahl: