Wer schläft, richtet nichts mehr aus. Schlaf ist ein Zustand, in dem man alles stehen und liegen lässt, ohne darauf einzuwirken. Wer einzuschlafen versucht, will etwas erreichen. Seine Mühe hält ihn wach.

Am besten schläft man, wenn es einem egal ist, ob man es tut oder nicht.

Durchs Grübeln versucht man, Mittel zu finden, mit denen man an den Dingen etwas ändern könnte. Da man durchs Grübeln solche Mittel meist nicht findet, ist es besser, zu üben, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.

Wer sich selbst so annimmt, wie er ist, wird auch die Dinge so nehmen, wie sie sind.

Schlafstörungen

  1. Einteilung
  2. Psychodynamik der Psycho-physiologischen Schlafstörung
  3. Umgang mit Schlafstörungen
    1. 3.1. Grundregeln
    2. 3.2. Medikamentöse Behandlung

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Symptomen. Meist sind sie seelisch bedingt. Oft spielen aber auch körperliche Faktoren eine Rolle. Kaum jemand bleibt ein Leben lang ganz von Schlafstörungen verschont.

Die Schlafmedizin unterscheidet eine große Zahl verschiedener Formen. Bei der Behandlung kommen diverse Mittel zum Einsatz: Selbsthilfe, Psychotherapie, Medikamente, Überdruck-Beatmungsgeräte und Operationen.

1. Einteilung

Die WHO klassifiziert Schlafstörungen uneinheitlich. Mal benennt sie bloß die Symptomatik, mal zählt sie gesonderte Krankheiten auf.

Schlafstörungen gemäß ICD-10-Klassifikation der WHO
Name ICD-Nummer
Ein-und Durchschlafstörungen / Insomnie G47.0
Krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis / Hypersomnie G47.1
Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus G47.2
Schlafapnoe G47.3
Narkolepsie und Kataplexie G47.4
Sonstige Schlafstörungen G47.8

Bei genauer Betrachtung erweist sich, dass Schlafstörungen in viel mehr Varianten unterteilt werden können. Sie unterscheiden sich je nach Erscheinungsbild, Symptomatik und Ursache. Die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD-R) zählt 88 Formen auf und unterteilt sie in drei Gruppen: Dyssomnien, Parasomnien und Schlafstörungen bei körperlichen oder psychiatrischen Erkrankungen.

Dyssomnie
Störung von Schlafmenge, Schlafqualität oder Schlafrhythmus.

Parasomnie
Ungewöhnliche Ereignisse im Schlaf.
(z. B.: Schlafwandeln, Einschlafzuckungen, Wadenkrämpfe, Zähneknirschen, Sprechen im Schlaf, Schnarchen)

Dem größten Teil der 88 Schlafstörungen liegen medizinische Ursachen zu Grunde, die nur durch eine individuelle Diagnostik aufzudecken sind. Die höchste Trefferquote gelingt dabei in einem Schlaflabor.

Die häufigste Form ist uns aber allen bekannt. Sie bedarf in der Regel keiner besonderen Diagnostik: die Psycho-physiologische Insomnie. Dabei handelt es sich um die Ein- oder Durchschlafstörung, die durch eine erhöhte emotionale Anspannung verursacht wird. Mit anderen Worten: Es ist jene Schlafstörung, die auftritt, wenn uns die Ängste und Sorgen des Alltags bis ins Bett verfolgen.

2. Psychodynamik der Psycho-physiologischen Schlafstörungen

Physiologie ist die Lehre von der normalen Funktion des Organismus. Eine Psycho-physiologische Schlafstörung liegt vor, wenn sie durch keine weitergehende krankhafte Störung verursacht wird, sondern der Logik einer angemessenen Funktionsweise der Psyche entspricht. Somit ist diese Schlafstörung keine Krankheit an sich. Sie ist ein Phänomen, das erwartungsgemäß auch bei einer seelisch gesunden Person auftritt, sobald ungewöhnliche Umstände die Psyche in Alarm versetzen.

Krankheitswertig wird die Störung aber dennoch; ...wenn sie chronifiziert. Während sich die gesunde Psyche nämlich flexibel selbst dann an Widrigkeiten anpassen kann, wenn sie zu einem Dauerzustand werden, gelingt diese Anpassung vielen Menschen nicht. Ein Teufelskreis entsteht, der die an sich gesunde seelische Reaktion auf Stress in eine chronische Symptomatik mit massivem Leidensdruck verwandelt.

Wie entsteht der Teufelskreis?

Drei Schritte im Teufelskreis

  1. Ich kann nicht schlafen, weil mir Sorgen durch den Kopf gehen.
  2. Ich will schlafen, weil ich morgen fit sein muss.
  3. Ich habe schlecht geschlafen und damit weniger Kraft, meine Sorgen anzugehen.

...und zur schlimmsten Sorge wird, dass ich die nächste Nacht wieder nicht schlafen kann!

Man schläft ein, wenn man müde genug ist und es nichts gibt, worum man sich kümmern muss. Müde genug wird man alle 24 Stunden von allein, egal ob man am Tag viel erledigt hat oder nicht. Liegt nichts an, was dazu drängt, besorgt zu werden, schaltet das Bewusstsein ab und überlässt die Welt ihrem Schicksal.

Bei akutem Stress, wird das auch dem Gesunden nicht gelingen. Wer morgen eine Prüfung ablegt, vor Gericht muss oder heiratet, ist am Vorabend mit dem Ereignis so beschäftigt, dass er keine Ruhe findet. Kaum ist der akute Stress vorüber, kommt der Schlaf aber von selbst zurück.

Hat man chronische Sorgen, laufen die Dinge oft anders. Wer auf sich vertraut, schläft auch mit chronischen Sorgen passabel. Er geht davon aus, dass er den Sorgen auch morgen stand halten wird und dass er nichts verpasst, wenn er sich nachts nicht mehr darum kümmert.

Wer aber wenig Selbstvertrauen hat, will die Lösung der Probleme sofort. Statt dass er sich im Bett für den Kampf am nächsten Tag erholt, denkt er endlos über die Mißstände nach und richtet seine Aufmerksamkeit damit genau auf das, wovon er sich bedroht fühlt. Wie soll man aber ruhen, wenn man sich Bedrohliches vor Augen führt?

Fängt die Schlafstörung an, an den Kräften zu zehren, wird sie selbst zum Problem. Der verhinderte Schläfer meint, schlafen zu müssen. Er setzt alles daran, den Schlaf zu erzwingen. Nicht nur, dass er die Schlaflosigkeit als zusätzliches Gespenst vor Augen hat, er mobilisiert auch noch alle Kräfte, um das Gespenst zu besiegen. Da ihm der Kampf um den Schlaf die Ruhe raubt, schläft er erst ein, wenn die letzte Kraft verbraucht ist. Kurz danach klingelt der Wecker.

3. Umgang mit Schlafstörungen

3.1. Grundregeln

Erfahrungen zeigen, dass die Einhaltung bestimmter Regeln eine Menge gegen Schlafstörungen bewirkt. Dabei sind allgemeine Regeln der Schlafhygiene von der spezifischen Grundhaltung gegenüber Einschlafstörungen zu unterscheiden.

Mittel zur Selbsthilfe bei psycho-physiologischen Schlafstörungen

Grundprinzip
Die Aufmerksamkeit von außen nach innen lenken.
Allgemeine Regeln Spezifische Grundhaltung
  • Schaffen Sie im Schlafzimmer eine angenehme Atmosphäre. Entfernen Sie alles, was nicht dorthin gehört.
  • Stehen Sie jeden Tag zur selben Zeit auf; auch wenn Sie nach einer schlechten Nacht noch ausschlafen könnten.
  • Führen Sie im Vorfeld des Zubettgehens persönliche Rituale ein.
  • Seien Sie täglich körperlich aktiv.
  • Vermeiden Sie ab mittags Kaffee, schwarzen Tee, Cola u. ä.
  • Schauen Sie bei Durchschlafstörungen nachts nicht auf die Uhr.
  • Verbringen Sie eher zu wenig als zu viel Zeit im Bett. Lieber wenig guten als viel schlechten Schlaf.
  • Trinken Sie keinen Alkohol.
  • Essen Sie so spät und soviel, wie es Ihnen persönlich gut tut.
  • Konsumieren Sie nur Medienangebote, die Ihnen gut tun.

Versuchen Sie nicht, sich zum Schlafen zu zwingen. Schlaf ist ein Zustand der Gelassenheit. Gelassenheit und Zwang passen nicht zusammen. Falls Sie nicht zur Ruhe kommen, nutzen Sie die Zeit dazu, Ihr Selbstbewusstsein zu schulen. Wenn die Gedanken um Themen des Alltags kreisen, nehmen Sie die Unruhe wahr. Versuchen Sie nicht, sie zu bekämpfen. Steigen Sie aus dem Karussell der Gedanken aus, ohne den Versuch, das Karussell zu stoppen. Stellen Sie vielmehr fest, worüber Sie sich Gedanken machen.

Jetzt denke ich über die Situation in der Firma nach...
Jetzt geht mir das Gespräch mit Mutter durch den Kopf...
Jetzt mache ich mir Sorgen um meine finanzielle Lage...

Richten Sie die Aufmerksamkeit nicht auf das ungelöste Problem, sondern auf die Art, wie Sie auf das Problem reagieren. Fragen Sie sich: Wie fühlt es sich an, wenn man finanzielle Sorgen hat? Was geht in mir vor, wenn ich an Mutter denke? Beurteilen Sie Ihre Gefühle nicht. Fühlen Sie sie. Erkunden Sie sie. Geben Sie den Gefühlen Raum, sich ungehindert zu entfalten.

3.2. Medikamentöse Behandlung

Sind schwere Schlafstörungen nicht durch Anwendung der Grundregeln zu beheben, wird man über Medikamente nachdenken. Dazu steht eine breite Palette von Substanzen zur Verfügung. Um Nebenwirkungen und Suchtentwicklungen zu verhindert, empfiehlt es sich, zunächst pflanzliche Medikamente einzusetzen. Zur Anwendung kommen:

Die Wirkstärke pflanzlicher Substanzen variiert stark von Person zu Person. Sollten pflanzliche Mittel nicht helfen, stehen synthetische Schlafmittel zur Wahl.