Je mehr ich frage, was ich bin statt was ich habe, desto geringer ist die Gefahr, dass sich das Glück bei mir langweilt.
Reine Subjektivität ist glückselig, weil alles Unglück ins Diesseits ausgelagert ist.
Ich bin zufrieden, wenn ich meinen Frieden damit mache, dass mein Wunsch, mehr zu sein als was ich bin, nicht in Erfüllung geht.
Ich bin glücklich, wenn ich keinen Wunsch mehr habe, mehr zu sein als das, was ich sowieso schon bin.
Glück kann nicht gemacht werden. Um es zu vermehren, muss man verstehen, wodurch man es bisher verhindert.
Glück und Zufriedenheit sind erstrebenswerte Güter. Es gibt nur wenige, die sich ihnen aktiv widersetzen. Tun sie es doch, dient das dem Versuch, auf verschlungenen Wegen mehr davon zu kriegen.
Kriegen heißt bekommen. Das umgangssprachliche Verb gibt Aufschluss über das Wesen der Zufriedenheit und die mangelnde Machbarkeit des Glücks. Kriegen meinte im Mittelhochdeutschen, sich durch Zank und Krieg darum bemühen, etwas zu bekommen.
Definitionen
| Krieg | Frieden |
| Krieg ist das Bemühen um einen Wert, bei dem die Beschädigung anderer Werte aktiv betrieben wird. Regelhaft wird dabei auch die Zerstörung solcher Werte in Kauf genommen, die dem Kriegsziel zufällig im Wege stehen. | Frieden ist sprachgeschichtlich mit frei verwandt. Friedlich ist ein Vorgehen, wenn es das Sosein des Gegenübers, mit dem es in Verbindung tritt, keinem Zwang beugt. |
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Das Mittel des Krieges ist Zwang. Kriegerisch ist die Anwendung von Zwang, um fremdes Sosein zu vernichten oder zu verkrüppeln. |
Frieden ist das Freilassen dessen, was ist. Frieden, der durch Zwang erzwungen wird, ist immer noch ein halber Krieg. |
Obwohl das Verb kriegen unmittelbar mit Krieg verwandt ist, denken wir uns nichts Böses beim Versuch, vom Kuchen etwas abzukriegen. Unsere Existenz in einer Raumzeit, in der die Biologie das Lebensrecht auch durch Konkurrenz bestimmen lässt, erfordert es, eine Reihe sich öffnender Bedürfnisse durch gezielte Aktivität zu erfüllen. Ein Grundmuster der menschlichen Psychologie ist zudem die Schaffung eines optimierten Bildes von sich selbst, zu dessen Verwirklichung es oft gewaltiger Anstrengungen bedarf. Zum alltäglichen Seelenzustand des Menschen gehört es daher, dass er etwas haben, kriegen und bekommen will.
Zum Glück kann man bei der Erfüllung vieler Bedürfnisse mit anderen zusammenwirken. Beim Wettstreit um knappe Güter und beim Kampf um Positionen entsteht jedoch schnell Zwietracht. Dann wird aus dem Bemühen formal gesehen Krieg.
Sobald Krieg herrscht, ist es mit der Zufriedenheit vorbei. Und da ein unzufriedener Mensch kein Glück empfinden kann, ist der Sprung dorthin erst recht verbaut.
Pole der Existenz
| Ego | Selbst |
| Das Ego definiert sich als abgetrennte Einheit, die der Welt als Partei und Person gegenüber steht. | Das Selbst entspricht der Gesamtheit aller Faktoren, als deren Ausdruck die Person in Erscheinung tritt. |
Obwohl Frieden ein Faktor ist, ohne den keiner der beiden Gefühle ganz auskommt, sind Glück und Zufriedenheit verschiedene Kategorien. Der Unterschied liegt im jeweiligen Pol der eigenen Existenz, aus dem heraus man entweder das eine oder das andere erlebt.
Das Ego ist eine Rechenmaschine. Es ist dazu verurteilt, für den Vorteil der Person zu streiten. Wenn der Körper hungert, überlegt das Ego, ob es besser ist für zwei Äpfel fünf Kilometer zu laufen oder für einen bloß drei. Da das Ego parteiisch ist, steht es mit dem Rest der Welt chronisch in Konflikt. Es ist von der Idee beseelt, sich auf Kosten der Welt zu bereichern. Aus seiner Sicht ist mehr fast immer besser. Deshalb kann es sich zwar zufrieden geben, es kann aber kein Glück empfinden.
Das Selbst ist der Urgrund dessen, was die Person ins Dasein bringt. Als dieser Urgrund bringt es nicht nur die eigene Person ins Dasein, sondern auch jede Erscheinung, die der Person im Dasein begegnet. Für das Selbst ist die Wirklichkeit kein Entweder-oder. Sie ist ein Sowohl-als-auch. Das Selbst kann Glück erleben, weil es die Aufhebung der Widersprüche verstehen kann.
| Erlebnisse... | ||
| Zufriedenheit | Glück | |
Mein Ego erlebt Zufriedenheit, wenn es seinen Frieden mit dem macht, was es durch seinen Kampf mit der Welt erreichen konnte. Es macht Frieden, wenn es meint, dass sich das Kämpfen nicht mehr lohnt. Es sagt: Im Rahmen dessen, was mir möglich war, habe ich genug erreicht. Wenn aber etwas anderes möglich wäre, dann.... |
Sobald das Ich sein Selbst erkennt, erlebt es Glück. Es sagt: Was ich jemals bin und habe, ist das, was ich sein und haben soll. Mein Ego ist ein Teil von mir und gehört genauso gut zum Rest der Welt. Was ich tatsächlich gewinnen könnte, ist die Erkenntnis dessen, was ich bereits bin. |
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| ...und Bedingungen | ||
Zufriedenheit kann auch im Konflikt erlebt werden; wenn man seinen Frieden mit dem macht, was man im Konflikt erreichen konnte. Um zufrieden zu sein, ist die Wertschätzung des GegnersAls Feind wird hier nicht nur eine Person definiert, die mir leibhaftig mit feindseliger Absicht entgegen tritt. Im Alltag besteht der Feind meist aus Umweltbedingungen und misslichen Ereignissen, die meine Pläne allenthalben durchkreuzen. nicht nötig. |
Glück kann nur ohne Konflikt erlebt werden. Zum Glück gehört die Erkenntnis, dass die Seinsaktivität des Gegners für das eigene Wesen notwendig ist. |
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Es gibt Kriege nach innen und Kriege nach außen. Meist gehen sie ineinander über. Da Glück nur erlebt werden kann, wenn man weder von Vernichtung bedroht wird noch danach trachtet, kann jeder Wille, etwas zu besiegen dem Glück im Wege stehen.
Die Teilnahme an äußeren Kriegen, bei denen Völker bewaffnet übereinander herfallen, bleibt uns derzeit erspart. In solchen Kriegen wird der Schaden des anderen aktiv herbeigeführt. Im Krieg können Gegner Glück kaum je empfinden, weil der Vorsatz zu schaden mit Glück unvereinbar ist. Nur wenn sich Gegner darauf beschränken, dem Anderen nur soweit zu schaden, wie es für die Verteidigung notwendig ist, ist Glückserleben im Krieg überhaupt denkbar. Meist wird die notwendige Wertschätzung des Gegners aber durch Hass verhindert.
Auch das, was wir gemeinhin als Frieden bezeichnen, ist vom tatsächlichen Frieden weit entfernt. Zwar wird hier der Schaden des Anderen seltener als beim offiziellen Waffengang aktiv herbeigeführt, wir sind aber meist so von der Idee des Gewinns besessen, dass wir im Eifer für den eigenen Vorteil, den Schaden der anderen übersehen.
Dem Krieg nach außen entspricht ein Krieg nach innen. Wer sich im Kampf mit dem Umfeld erlebt, versucht ein Selbstbild zu verwirklichen, das für den Sieg geeignet ist. Er entwickelt Eigenschaften, die fürs Kämpfen taugen. Solche, die er als Quelle der Schwäche fürchtet, merzt er in sich aus. Resultat ist ein innerseelischer Konflikt, bei dem ein Teil des Ego versucht, den anderen aus der Welt zu schaffen. Solange der Kampf tobt, geht das Glück in Deckung.
Was das Glück besonders macht, ist die begleitende Erkenntnis, dass man in eine Wirklichkeit verwoben ist, in der es mit rechten Dingen zugeht. Im Glück schwindet die Angst, dass man tatsächlich Schaden nehmen könnte.
Machbarkeit
Onkel Alfred hat in Amerika sein Glück gemacht. So heißt es. Gemeint ist, dass der vermeintlich Glückliche erfolgreich war und nun zufrieden auf die Früchte seiner Arbeit blickt. Zufriedenheit ist eine Grundlage des Glücks. Aber nicht mehr.
Im Grunde entzieht sich das Glück der Machbarkeit. Das Glück liegt zu sehr in der Erkenntnis eines umfassenden Sinnzusammenhangs der Wirklichkeit, als dass es ein Macher im Eifer für sein eigenes Produkt nicht übersähe. Was der Macher leicht mit Glück verwechselt, ist das Triumphgefühl, das aufkommt, wenn er ein lange angestrebtes Ziel - trotz aller Widerstände - mit einem Mal erreicht.
Gold und Katzengold
Glück und Triumph werden oft verwechselt. Triumph ist jedoch ein narzisstisches Erlebnis. Im Triumph erlebt das Ego eine Übereinstimmung mit dem Anspruch an sich selbst. Es ist so geworden, wie es sich haben will. Es fühlt einen Sieg... und wäre fast glücklich; wenn es denn die beängstigende Ahnung nicht gäbe, dass jeder Triumphator vom Thron gestürzt werden kann.
Glück ist ein mystisches Erlebnis. Im Glück erlebt das Selbst seine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Durch deren umfassende Bejahung wird die Angst des Ego unbedeutend.
Obwohl man Glück nicht machen kann, gibt es viel dafür zu tun. Wenn man vermeidet, was das Glück vertreibt, verbessert man die Chancen, dass es kommt. Glück ist ein Erleben ungebrochener Stimmigkeit. Um ungebrochene Stimmigkeit zu fühlen, darf man selbst nichts tun, was sie verstimmt.
Störfaktoren, die von außen kommen, sind nur zum Teil vermeidbar. Menschliche Gesellschaften sind von wechselseitiger Missachtung durchsetzt. Die Egos, mit denen wir der Welt begegnen, sind schnell zur Abwertung der anderen bereit. In einem solchen Klima sind wir Opfer und Täter zugleich.
Als Täter kann man darauf achten, dass man das Umfeld nicht unter den eigenen Willen beugt; und es so verstimmt. Als Opfer gilt es, die Aggression des Umfelds abzuwehren; damit die Übereinstimmung mit sich selbst nicht leidet.
| Außen | Innen |
| Vereinnahmen Sie niemanden für Ihr "Glück". Es gibt kein Glück, das etwas für sich selbst missbraucht. | Versuchen Sie, keinem Bild zu entsprechen. Will man einem Bild entsprechen, bekämpft man, was man tatsächlich ist. |
| Finden Sie den Mut, sich abzuschirmen. Wer sich für die Harmonie mit anderen verleugnet, verliert die Harmonie mit sich. | Nehmen Sie wahr, was in Ihnen vor sich geht. Versuchen Sie es nicht zu ändern. |
| Wehren Sie Übergriffe des Umfelds behutsam ab. | Unterwerfen Sie sich keiner Moral, die Ihnen für Unterwerfung Glück verspricht. |
Störfaktoren, die im Inneren liegen, bieten viele Möglichkeiten, etwas für das Glück zu tun. Versuchen Sie nichts aus sich selbst zu machen. Entdecken Sie statt dessen, wie Sie wirklich sind. Lernen Sie, dazu zu stehen.