Je mehr ich frage, was ich bin statt was ich habe, desto geringer ist die Gefahr, dass das Glück sich bei mir langweilt.

Glücklich ist, wer nichts mehr haben will. Glück zu wollen, kann ihm im Wege stehen.

Ich bin zufrieden, wenn ich meinen Frieden damit mache, dass mein Wunsch nach mehr nicht in Erfüllung geht. Ich bin glücklich, wenn ich einen solchen Wunsch nicht habe.

Es gibt zweierlei Glück: bedingtes und unbedingtes. Das bedingte kann gemacht werden. Das unbedingte wird entdeckt. Das bedingte ist flüchtig, das unbedingte dauerhaft.

Unbedingtes Glück kann nicht erobert und erbeutet werden. Es kommt, wenn man versteht, wodurch man es vertreibt. Nichts stört sein Kommen mehr, als dass man begierig danach sucht.

Unbedingtes Glück ist nicht machbar, weil Machen auf Bedingungen einwirkt, die Glück bewirken sollen.

Glück


  1. Begriffe
    1. 1.1. Glück
    2. 1.2. Heil
    3. 1.3. Seligkeit
  2. Erscheinungsformen
    1. 2.1. Glückliche Fügung
    2. 2.2. Machbares Glück
    3. 2.3. Glückseligkeit
  3. Zufriedenheit
  4. Ebenen des Erlebens
    1. 4.1. Ego
    2. 4.2. Selbst
  5. Wegbereitungen
    1. 5.1. Glückliche Fügung
    2. 5.2. Machbares Glück
    3. 5.3. Glückseligkeit

1. Begriffe

Bei der Erforschung des Glücks tauchen drei Begriffe auf: Glück, Heil und Glückseligkeit.

1.1. Glück

Erst im 12. Jahrhundert sprach man im deutschen Sprachraum vom Glück. Mittelhoch­deutsch hieß ein günstiges Schicksal, ein erfreulicher Zufall gelücke. Woher der Begriff kam, ist unbekannt. Er ist mit keiner anderen germanischen Wort­gruppe verwandt. Bemerkenswert ist, dass der Begriff jene Variante des Glücks in den Vordergrund stellt, die den Beglückten, ohne eigenes Zutun, von außen erreicht. Vielleicht lag das an den Bedingungen der Zeit. Vielleicht vertraute der Mensch im Mittelalter so wenig der eigenen Kraft, dass er Glück nur als Ereignis deuten konnte, das ihn als erlösende Willkür von außen trifft.

Was mir zu meinem Glück noch fehlt...
... ist das, wovon ich glaube, dass das Glück daraus besteht, es zu haben. Der Satz verweist auf die Bedingung, die das Wort Heil bei der Bezeichnung des Glücks benannte: Man erlebt Glück, wenn eine Unvollständigkeit durch das Fehlende ergänzt wird. Ist das Fehlende da, ist die Welt heil.
1.2. Heil

Bevor der Begriff Glück aufkam, war das, was er benannte, nicht unbekannt. Es wurde aber durch einen Wortstamm bezeichnet, der keinen möglichen Ursprung, sondern die innere Beschaffenheit des Glücks benennt. Abgeleitet von der germanischen Wurzel hailiz findet man in verschiedenen Sprachen Abkömmlinge, die um die Idee des Heilseins kreisen:

Mit Heil verwandt sind heil und Heilung. Sie verweisen darauf, dass man beim Glück, als es noch Heil hieß, an eine Ganzheit, Ganzwerdung oder an ein Unversehrtsein dachte.

1.3. Seligkeit

Die Dritte im Bunde ist Seligkeit, die im Begriff Glückseligkeit zum Gipfel der Sehnsucht gesteigert ist. Das Wort entwickelte sich aus dem Althochdeutschen salig = gut, glücklich, gesegnet. Glückseligkeit ist so besonders, dass sie der Sprachgebrauch mit der Idee des Segnens verband. Segnen entstammt dem lateinischen signare = mit einem Zeichen versehen. Glückseligkeit trägt das Zeichen des höchsten Ziels, das eine Menschenseele erreichen kann.

2. Erscheinungsformen

Die aufgezählten Begriffe zeigen die Spannweite des Glückes auf. Glück, wie wir es heute verstehen, beginnt beim erfreulichen Zufall und endet bei einem Zustand, der allen Zu- und Wechselfällen enthoben ist. Beide Pole des Glücks, der Zufall und das Ende des Zufalls, erscheinen uns begehrenswert. Dazwischen liegen die Stufengrade des machbaren Glücks, das zwischen Triumph, Zufriedenheit und flüchtiger Ahnung möglicher Glückseligkeit variieren kann.

2.1. Glückliche Fügung

Die unzuverlässigste Form des Glücks ist der reine Zufall. Solcherart Glück begegnet dem einen häufig, dem anderen selten; wie der Zufall es seinem Wesen entsprechend fügt.

Wenn man den Zufall auch nicht berechnen kann, so ist es immerhin möglich, ihm Chancen einzuräumen.

2.2. Machbares Glück

Wären wir bei der Erfüllung offener Wünsche auf den blanken Zufall angewiesen, sähe es trübe aus. Zum Glück ist es anders. Zum Glück kann man für das Glück etwas tun. Man kann erkennen, was zur Ganzheit fehlt und sich darum bemühen, dass Fehlendes erworben und verwirklicht wird.

Die Machbarkeit des Glücks bestimmt einen großen Teil unseres Tuns. Auf tausenderlei Art sind wir damit beschäftigt, Bedingungen zu schaffen, damit unsere Zukunft glücklich wird. Wir streben an, was uns zu fehlen scheint. Die Machbarkeit des Glücks hat aber einen Haken. Genau genommen sind es zwei:

  1. Das eigentliche Glücksgefühl, das gemachtem Glück entspringt, ist flüchtig.Schnell hat Carolins Glücksgefühl der Sorge um die Beschaffung einer Studentenbude Platz gemacht. Dass sie das Abitur in der Tasche hat, verblasst zu einem schlichten Faktum. Das flüchtige Erfülltsein verweist auf einen neuen Mangel. Was länger bleibt, ist kein Glücksgefühl, sondern bestenfalls Zufriedenheit.

  2. Dauerhaftes Glück entzieht sich der Machbarkeit, weil Machbarkeit auf Elemente der Welt zugreift, die ständigem Wandel unterworfen sind. Gemachtes oder zufälliges Glück trägt den Keim des Verlustes in sich. Glück, das gemacht ist oder Zufällen entspringt, droht, indem es aufkommt, bereits mit seinem Gegenteil.
  3. Gemachtes Glück verdankt seine Verwirklichung Bedingungen, die man durch Tüchtigkeit bewirken kann. In der Regel sind solche Bedingungen Elemente der Außenwelt. Da die Außenwelt unaufhörlich in Bewegung ist, steht jede Bedingung, die gemachtem Glück zugrunde liegt, auf tönernen Füßen.Kaum hatte Melanie ihren Hofladen eingerichtet, trat die EU-Verordnung 32 zur Infrastrukturverbesserung der Landwirtschaft in Kraft. Die Verordnung schreibt vor, dass Hofläden mit Gemüseverkauf nur dann betrieben werden dürfen, wenn das Gemüse durch Kühlaggregate frisch gehalten wird, deren Energieversorgung auf einer Windkraftanlage beruht, deren Baugenehmigung vor dem 1.7. 2013 erteilt wurde. Melanies Biogasanlage gilt nicht als angemessener Ersatz.

Machbarkeit

Onkel Alfred hat in Amerika sein Glück gemacht. So heißt es. Gemeint ist, dass der vermeintlich Glückliche erfolgreich war und nun zufrieden auf die Früchte seiner Arbeit blickt. Zufriedenheit ist eine Grundlage des Glücks; oder dessen bescheidene Verwandte. Aber nicht mehr.

Verlässliches Glück entzieht sich der blanken Machbarkeit. Es liegt zu sehr in der Erkenntnis umfassender Zusammenhänge, als dass es ein Macher im Eifer für sein Produkt nicht übersähe. Was der Macher leicht mit Glück verwechselt, ist ein Triumphgefühl, das aufkommt, wenn er ein Ziel, trotz aller Widerstände, mit einem Mal erreicht. Gemachtes Glück überwindet ein Gegen, unbedingtes hat kein Gegen mehr.

2.3. Glückseligkeit
Wer nach Glück jagt, verjagt es. Machen Sie sich nicht das Glück zum Ziel, sondern die Weisheit, es von Sieg zu unter­scheiden. Wer sieht, sieht auch, dass ihm zum Glück meist nicht mehr fehlt als die Kunst, es nicht zu übersehen.

Glückseligkeit ist so sehr Gipfel des Glücks, dass man sie als das einzig wahre Glück bezeichnen könnte. Glückseligkeit ist ein Glückszustand, der durch keine äußere BedingungUnabhängig von Bedingungen heißt: unabhängig von allem Dinglichen. Zum Dinglichen gehören nicht nur materielle Sachen, sondern auch jeder virtuelle Gegenstand, der im Geiste verhandelt werden kann; zum Beispiel der überhängende Ast der Zierkirsche auf das Nachbargrundstück und das gebrochene Versprechen Rolands, in Zukunft langsamer zu fahren. zu beeinträchtigen ist. Da er keiner Bedingung bedarf, genügt sich dieser Zustand selbst. Er wünscht nichts, begehrt nichts und greift nicht aus. Er hängt von keinem Ereignis ab, das verursacht oder verhindert werden kann. Glückselig­keit ist der Gipfel des Glücks, weil sie die Erkenntnis enthält, unbedingt und somit unverlierbar zu sein. Es sind nicht die Dinge der Welt, die Glückseligkeit bewirken. Es ist die Erkenntnis, von den Dingen der Welt entbunden zu sein.

Pole

Bedingtes Glück Unbedingtes Glück
Bedingtes Glück entsteht, wenn Bedingungen erfüllt sind, die das Erleben eines Heilseins ermöglichen. Unbedingtes Glück liegt in der Erkenntnis, jenseits des Bedingten heil zu sein.

Da Bedingungen stetem Wandel unterliegen, ist bedingtes Glück nicht zuverlässig.

Ist unbedingtes Glück verwirklicht, kann es nicht verloren gehen.

Zweierlei Glück

  1. Erfolg in der Welt.
  2. Ablösung vom Erfolg in der Welt.

Das erste hängt von wechselnden äußeren Bedingungen ab, das zweite von einer inneren: dass man das Selbst für das Eigentliche hält.

3. Zufriedenheit

Der Übergang des gemachten Glücks in Zufriedenheit legt nahe, deren Wesen zu betrachten. Wo von Zufriedenheit die Rede ist, ist auch an Krieg zu denken; denn das gemachte Glück besteht daraus, von erstrebenswerten Gütern etwas abzukriegen.

Vom Habenwollen und Zerbrechen
Etwas bekommen heißt etwas zuzuordnen. Zugeordnet werden dabei Teile einem Teil. Beim Zugeordneten handelt es sich um einen Teil, der in Besitz übergeht. Aber auch der, dem zugeordnet wird, ist nicht das Ganze, sondern ein Stück davon. Leicht geht das Heil beim Habenwollen in die Brüche.Wer haben will statt zu sein, wird an seinem Wunsch zerbrechen.

Etwas kriegen heißt etwas zu bekommen. Das umgangs­sprachliche Verb gibt Auf­schluss über das Wesen der Zufriedenheit und die mangelnde Machbarkeit des unbedingten Glücks. Kriegen meinte im Mittelhochdeutschen, sich durch Zank und Krieg darum bemühen, etwas zu bekommen.

Obwohl das Verb kriegen unmittelbar mit Krieg verwandt ist, denken wir uns nichts Böses beim Versuch, vom Kuchen etwas abzukriegen. Unsere Existenz in einer Raum­zeit, in der die Natur Lebensrechte auch durch Konkurrenz bestimmt, erfordert es, eine Reihe sich öffnender Bedürfnisse durch ausgreifendes Handeln zu erfüllen. Machbares Glück entsteht im Streit mit einer Wirklichkeit, deren Wechselhaftigkeit gemachtes Glück in Frage stellt.

Ein Grundmuster der menschlichen Psychologie ist zudem die Schaffung eines optimierten Bildes von sich selbst, zu dessen Verwirklichung es oft gewaltiger... oft sogar gewalttätiger... Anstrengungen bedarf. Zum alltäglichen Seelenzustand des Menschen gehört es daher, dass er etwas haben, kriegen und bekommen will.

Definitionen

Krieg Frieden
Krieg ist das Bemühen um einen Wert, bei dem die Beschädigung anderer Werte aktiv betrieben wird. Regelhaft wird dabei auch die Zerstörung solcher Werte in Kauf genommen, die dem Kriegsziel zufällig im Wege stehen. Frieden ist sprachgeschichtlich mit frei verwandt. Friedlich ist, was weder das Sosein seines Gegenübers noch das eigene einem Zwang unterwirft.

Das Mittel des Krieges ist Zwang. Kriegerisch ist die Anwendung von Zwang, um etwas zu vernichten, zu unterwerfen oder zu verformen.

Frieden ist das Freilassen dessen, was ist. Frieden, der durch Zwang erzwungen wird, ist kalter Krieg.


Zum Glück gehört die Erkenntnis, dass zwischen meinem Wohl und dem anderer kein Widerspruch besteht.

Zum Glück kann man bei der Erfüllung vieler Bedürfnisse mit anderen zusammenwirken. Beim Wettstreit um Güter und beim Kampf um Positionen entstehen jedoch Konflikte. Dann wird aus dem Bemühen formal gesehen Krieg.

Sobald Krieg herrscht, ist es mit der Zufriedenheit vorbei. Da ein unzufriedener Mensch kein Glück empfinden kann, ist der Weg dorthin erst recht verbaut.

Unglück

Ein Nährboden des Unglücks ist, dass man Vorübergehendes zu wichtig nimmt. Je mehr man meint, ein vergänglicher Zustand sollte nicht so sein, wie er ist und je mehr man glaubt, dass man seinen Ablauf verändern sollte, ohne die Möglichkeit dazu zu haben, desto unglücklicher wird man. Unbedingtes Glück ist Ruhen in reiner Betrachtung. Unglück ist Wollen ohne die Macht, das Gewollte zu erreichen.Stellen Sie sich vor: Schließlich hatte der Zufall es geschafft, Roland und Carolin zusammenzubringen. Sie trafen sich bei Saturn an der Kasse, als Carolin die neue CD von Julienne Bisette (Satin et désire) erwarb und Roland... Need for Speed™ Hot Pursuit No. 7. Roland wollte Carolin aber ständig für sein Autorennspiel begeistern und sie wollte ihn dazu bringen, nur noch 2 x 2 Stunden die Woche zu daddeln. Es dauerte nicht lange bis die Beziehung im Streit zerbrach. Hätten sich die Beiden besser mal so angenommen, wie sie wirklich sind.

4. Ebenen des Erlebens

Obwohl bedingtes und unbedingtes Glück miteinander verwandt sind, sind sie nicht dasselbe. Der Unterschied liegt im jeweiligen Pol der Existenz, aus dem heraus man entweder das eine oder das andere erlebt. Diese beiden Pole sind das Ego und das Selbst.

Pole der Existenz

Ego Selbst
Das Ego definiert sich als abgetrennte Einheit, die der Welt als Partei und Person gegenübersteht. Das Selbst entspricht der Gesamtheit aller Faktoren, als deren Ausdruck die Person in Erscheinung tritt.

In der Identifikation mit dem Ego kann das Ich kein wahres Glück empfinden, weil Glück ein Gewahrsein von Ganzheit ist und sich das Ego als separate Instanz grundsätzlich als unganz beschreibt.Ich bin nicht das Ganze. Ich bin ein Teil, der dem Rest begegnet. Glückselig ist das Ganze, das überMan sollte das Wort über nur als sprachliche Konvention betrachten. Es verweist auf Wirkliches ohne es abzubilden; denn über bedeutet eine Aufteilung in über und unter... und widerspricht damit dem Prinzip der Glückseligkeit. Vielleicht könnte man sagen: Glückselig ist, was alles Geteilte zu sich vereint. allem Geteilten steht.

4.1. Ego

Das Ego ist eine Rechenmaschine. Es ist dazu verurteilt, für den Vorteil der Person zu streiten. Wenn der Körper hungert, überlegt das Ego, ob es besser ist, für zwei Äpfel fünf Kilometer zu laufen oder für einen bloß drei. Da das Ego parteiisch ist, gerät es mit dem Rest der Welt in Streit. Es ist von der Idee beseelt, sich auf Kosten der Welt zu bereichern. Aus seiner Sicht ist mehr fast immer besser. Deshalb kann es sich zwar zufrieden... eine Zeit lang... geben, es kann aber kein unbedingtes Glück... was es dafür hält, ist bloß Triumph... empfin­den.

Gold und Katzengold

Glück und Triumph werden oft verwechselt. Triumph ist ein narzisstisches Erlebnis. Im Triumph erlebt das Ego eine Übereinstimmung mit dem Anspruch an sich selbst. Es ist so geworden, wie es sich haben will. Es fühlt einen Sieg... und wäre fast glücklich; wenn es die Ahnung nicht gäbe, dass jeder Triumphator vom Thron gestürzt werden wird.

Glück ist ein mystisches Erlebnis. Im Glück erlebt das Selbst Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Durch deren umfassende Bejahung wird die Angst des Ego unbedeutend.

4.2. Selbst

Das absolute Selbst ist der Urgrund dessen, was die Person ins Dasein bringt. Als dieser Urgrund bringt es nicht nur die eigene Person ins Dasein, sondern auch jede Erscheinung, die der Person im Dasein begegnet. Für das Selbst ist die Wirklichkeit kein Entweder-oder. Sie ist ein Sowohl-als-auch. Das Selbst kann unbedingtes Glück erleben, sobald es das Zusammentreffen der Widersprüche als Spiel einer übergeord­neten Ganzheit versteht.


Erlebnisse...
Bedingtes Glück / Zufriedenheit Unbedingtes Glück

Mein Ego erlebt Zufriedenheit, wenn es seinen Frieden mit dem macht, was es durch seinen Kampf mit der Welt erreichen konnte. Es macht Frieden, wenn es meint, dass sich das Kämpfen nicht mehr lohnt.

Es sagt: Im Rahmen dessen, was mir möglich war, habe ich genug erreicht. Wenn aber etwas anderes möglich wäre, dann....

Sobald das Ich sein Selbst erkennt, erlebt es Glück.

Es sagt: Was ich jemals bin und habe, ist das, was ich sein und haben soll. Was ich gewinnen könnte, ist die Erkenntnis dessen, was ich bin.

...und Bedingungen

Zufriedenheit wird im Konflikt erlebt; wenn man seinen Frieden mit dem macht, was man im Konflikt erreichen konnte. Um zufrieden zu sein, ist die Wert­schätzung des GegnersAls Gegner wird hier nicht nur eine Person definiert, die mir leibhaftig mit gegnerischer Absicht entgegentritt. Im Alltag besteht der Gegner meist aus Umweltbedingungen und misslichen Ereignissen, die meine Pläne durchkreuzen. nicht nötig.

Unbedingtes Glück wird als konfliktfrei erlebt. Zum ihm gehört die Erkenntnis, dass Widerstände für das eigene Wesen notwendig sind.

Bedingtes Glück macht Unterschiede. Es schätzt das eine und lehnt anderes ab. Im unbedingten Glück wird alles anerkannt.

5. Wegbereitungen

Absicht und Hinsicht
Sorge ist Blick in die Zukunft. Glück heißt, absichtsfrei in der Gegenwart zu sein. Sie können sich nicht vornehmen, absichtsfrei zu sein, weil das selbst eine Absicht wäre. Statt sich das Ziel zu setzen, absichtsfrei zu sein, nehmen Sie wahr, welcher Absicht Sie jeweils unterliegen. Jede Wahrnehmung ist Hinsicht. Jede Hinsicht mindert Absicht. Sie führt Sie näher an das Ziel heran, absichtsfrei im Jetzt zu sein. Dort liegt Glück.

Wir haben gesehen: Verlässliches Glück ist nicht machbar; jedenfalls nicht so wie die Besteigung der Zugspitze oder der Erwerb einer Zweitsprache. Trotzdem ist es falsch, dem Glück gegenüber untätig zu sein. Es gibt einiges zu tun, um es anzulocken.

5.1. Glückliche Fügung

Das wenige, was man für den glücklichen Zufall tun kann, ist es, ihm die Gelegenheit zu geben, einzutreffen... und ein gewisses Maß an Geistesgegenwart, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Wenn Sie von der Welt etwas wollen, dann ziehen Sie sich nicht von ihr zurück. Nehmen Sie teil und halten Sie die Augen auf.

5.2. Machbares Glück

Beim machbaren Glück zählt tatsächlich, was man macht.

Seien Sie fleißig und diszipliniert. Lassen Sie sich von Hindernissen nicht aufhalten. Über kurz oder lang wird man dafür fast immer belohnt.

Erscheinungsformen des Glücks im Überblick

Glückliche Fügung Machbares Glück Glückseligkeit
Grundprinzip Zufall Tüchtigkeit Erkenntnis
Quelle Außenwelt Person / Ego Selbst
Erreichbar durch... Zulassen
Kann empfangen werden.
Zupacken
Kann bewirkt werden.
Loslassen
Kann entdeckt werden.
Dauer flüchtig verlierbar unverlierbar
Modus bekommen, beschenkt werden haben, erreichen, bewirken sein, betrachten, erleben
Gerechtigkeit unverdient verdient unverdienbar
Was können Sie tun? Geben Sie Gelegenheit. Geben Sie sich Mühe. Geben Sie sich hin.

5.3. Glückseligkeit
Vergnügen macht mir, was mich bestätigt. Freude erlebe ich, wenn ich nichts mehr zur Bestätigung brauche. Glückselig bin ich, wenn ich mir gleichgültig bin.

Glückseligkeit ist nicht von dieser Welt. Nur wenn man soviel Abstand zur eigenen Person zustande bringt, dass man deren Leid und Freud erkennt, ohne davon bestimmt zu sein, ist Sie erlebbar. Da das kaum je gelingt, wird man vom unbedingten Glück meist nur einen Blick erhaschen; ohne darin aufzugehen.

Unentbehrlich für das unbedingte Glück ist die Erkenntnis, dass es in eine Wirklichkeit verwoben ist, in der es letztendlich mit rechten Dingen zugeht. In der Glückseligkeit schwindet die Sorge, dass man tatsächlich Schaden nehmen könnte... und deshalb ständig auf der Hut sein muss.

Obwohl man unbedingtes Glück nicht machen kann, kann man ihm den Weg bereiten. Wenn man vermeidet, was das Glück vertreibt, verbessert man die Chance, dass es kommt. Glück ist ein Erleben ungebrochener Stimmigkeit. Um das zu fühlen, muss man vermeiden, was Glück verstimmt.

Wenn man etwas für sein Glück tun will, muss man etwas für das Glück tun. Das Glück mag es nicht, wenn man sich seiner bemächtigen will. Es gefällt ihm mehr, wenn man ihm dient. Man kann für das Glück etwas tun, aber man kann es nicht erbeuten.


Der Preis des Glücks ist zu verschenken, was man am liebsten selbst bekommt.

Störfaktoren, die von außen kommen, sind nur zum Teil vermeidbar. Menschliche Gesellschaften sind von wechsel­seitiger Missachtung durchsetzt. Leute, denen wir begegnen, sind, wie wir selbst, zur Abwertung anderer bereit. In einem solchen Klima ist man Opfer und Täter zugleich.

Als Täter kann man darauf achten, dass man das Umfeld nicht unter seinen Willen beugt; und es so verstimmt. Als Opfer gilt es, den Übergriff des Umfelds abzuwehren; damit die Überein­stimmung mit sich selbst nicht leidet.

Was dem Glück gefällt

Außen Innen
Vereinnahmen Sie niemanden für Ihr "Glück". Es gibt kein Glück, das etwas für sich selbst missbraucht. Versuchen Sie, keinem Bild zu entsprechen. Will man einem Bild entsprechen, bekämpft man, was tatsächlich ist.
Finden Sie den Mut, sich abzuschirmen. Wer sich für die Harmonie mit anderen verleugnet, verliert die Harmonie mit sich. Nehmen Sie wahr, was in Ihnen vor sich geht. Versuchen Sie es nicht zu ändern.
Wehren Sie Übergriffe des Umfelds behutsam, effektiv und unbefangen ab. Unterwerfen Sie sich keinem Bild, das Ihnen für Unterwerfung Glück verspricht.
Das Glück ist wie ein Vogel. Wer ihm die Freiheit nehmen will davonzufliegen, schlägt es in die Flucht.

Der wichtigste Störfaktor, der im Inneren liegt, ist der Glaube an die grundsätzliche Bedingtheit des Glücks. Da Glück meist nur kurz empfunden wird und es zugleich begehrenswert erscheint, versucht man Bedingungen zu orten, deren Erfüllung dauerhaftes Glück verspricht. Da Bedingungen aber nur durch Mühe... oder gar nicht... aufrecht zu erhalten sind, ist bedingtem Glück ein ständiger Kampf gegen Verlust beigemischt, der ihm die Reinheit raubt. Nur wer sich des Glaubens an jedes Haben und Sein entledigt, kann Glück empfinden, dessen Verlust er nicht mehr fürchten muss.

Störfaktoren, die im Inneren liegen, bieten Möglichkeiten, etwas für das Glück zu tun. Versuchen Sie nichts aus sich zu machen, was Ihrem Wesen nicht entspricht. Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass irgendetwas, was Sie gewinnen könnten, in der Lage wäre, Sie auf Dauer zu beglücken. Beachten Sie stattdessen, was Sie in diesem oder jenem Augenblick erleben. Lernen Sie, dazu zu stehen. Lösen Sie sich vom Glauben, dass der Inhalt irgendeines Augenblicks Ihr eigentliches Wesen ausmacht.