Die Welt ist widrig, weil es ohne Widrigkeit kein Leben gäbe.

Mut findet zwischen Macht und Ohnmacht statt. Wer viel Macht hat, braucht ihn nicht. Wer keine hat, ist tollkühn.

Ohne Geschöpfe wüsste der Himmel nicht, was Mut ist.

Harmonie ist Übereinstimmung von Innen und Außen. Duckt man sich vor anderen, gerät man in Konflikt mit sich selbst. Ignoriert man sie, verstrickt man sich in Kämpfe. Nirgendwo wird mehr Mut verwendet als in einem sinnlosen Krieg.

Wenn man nicht weiß, was man tun soll, kann man tun, wozu man mehr Mut braucht.

Der Mutige stellt sich dem Unangenehmen, wenn er damit eine Not abwenden kann.

Mut


  1. Begriffsbestimmung
  2. Leben: Zugehörigkeit und Selbstbestimmung
  3. Wie man den Mut verliert
  4. Wie man mutig wird

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff Mut geht auf die indogermanische Wurzel mo- = etwas anstreben, heftig wollen, erregt sein zurück. Wer etwas will, braucht oft den Mut, sich dafür einzusetzen. Dabei muss er Verluste riskieren. Seine Erregung entspricht dem Widerstand, den es zu überwinden gilt und der Angst vor einer Niederlage.

Mut ist nicht dasselbe wie Angstfreiheit. Mut ist die Bereitschaft, im Bewusstsein der Angst zu tun, was man für richtig hält. Mut geht bewusst Risiken ein. Wer keine Angst hat, weil er bei dem, was er tut, kein Risiko sieht, kann spannungsfrei tun, was er will. Dazu braucht er keinen Mut.

2. Leben: Zugehörigkeit und Selbstbestimmung

Lebende Organismen versuchen, sich aus den Begrenzungen des Umfelds zu lösen. Jedem Leben liegt der Impuls zur Selbstbestimmung bei. Die Freiheit zu echter Selbstbestimmung kann dabei nur durch Überwindung äußerer Widerstände erworben werden. Eine Selbstbestimmung, die sich nicht gegen Widerstände durchgesetzt hat, gibt es nicht.

Das Leben belohnt Mut mehr als Fügsamkeit, denn es ist Mut, wodurch es sich fortentwickelt. Unterordnung entspricht nicht dem Wesen des Lebens. Je nach Situation ist sie lediglich ein Kompromiss, um einen Schaden abzuwenden, der ohne Fügsamkeit nicht zu vermeiden wäre. Je bewusster sie dabei als taktisches Mittel angewendet wird, desto weniger schadet sie dem Leben.

Während sich der Selbstbehauptungswille der Neandertaler nebenbei mit Bären und Mammuts maß, leben wir überwiegend in einer Welt zwischenmenschlicher Gefahren. Eine der wichtigsten Gefahren, die bei uns durch Mut zu meistern ist, ist die Gefahr, es uns mit anderen zu verderben. Das Risiko, das wir beim Ringen um Selbstbestimmung eingehen, ist meist ein Verlust an Zugehörigkeit.

Oft steht man im Leben vor der Wahl: Entscheidet man sich für die Harmonie mit anderen oder dafür, den eigenen Weg zu gehen.

3. Wie man den Mut verliert

Abgesehen davon, dass der Mensch vom Angsthasen abstammt, gibt es zwei weitere Faktoren, die seinen Mut untergraben. Für den einen kann er nichts, den anderen schafft er selbst:

Fahnenflucht
Der Mut hat mich verlassen.Ausgerechnet als es gefährlich wurde, hat der Mut sich aus dem Staub gemacht. So ein Feigling! So erklärt sich mancher, wie es dazu kam, dass er vor Erreichen eines Zieles aufgab. Wer aber behauptet, ausgerechnet der Mut sei daran schuld, dass er zu feige war, macht sich etwas vor. Nicht der Mut verlässt den Zauderer, sondern der Zauderer will den Mut nicht haben, weil er fürchtet, dass der ihn in Schwierigkeiten bringt. Wenn Sie das nächste Mal zaudern, stehen Sie für Ihre Entscheidung ohne wenn und aber ein. Dafür wird das Leben Sie belohnen.

Angst ist ein Teil unserer selbst. Mut ist Handlungsbereitschaft im Bewusstsein der Angst. Wenn wir sie nicht kennen, weil wir sie verdrängen, vermeiden oder verleugnen, dann fehlt uns das Selbstbewusstsein, aus dem heraus wir mutig sein könnten. Ohne bewusst erlebte Angst, gibt es keinen Mut.

4. Wie man mutig wird

Es gibt drei Wege, mutiger zu werden: handeln, erleben und verstehen.

Ist die Angst zu groß, um sich zum Handeln durchzuringen, geht man indirekte Wege.


Prinzip Maßnahme Wirkung
Handeln Ich schenke der Angst wenig Beachtung und tue das Geplante. Indem ich erkenne, dass es sich lohnt, Angst nicht allzu ernst zu nehmen, wächst die Entschlossenheit, es auch beim nächsten Mal zu tun.
Fühlen Sobald Angst aufkommt, konzentriere ich meine Aufmerksamkeit auf das reine Gefühl. Wenn ich bei der Angst bleibe, stelle ich fest, dass sie von allein geht. Wenn ich mich nicht gegen die Erfahrung sträube, wird sie durchlebt, ohne zu schaden. Wenn ich den Kelch austrinke, ist er hinterher leer.
Verstehen Ich untersuche den Ursprung der Angst. Ich mache mir klar, dass nicht das Gefürchtete Angst macht, sondern dass ich mit Angst reagiere. Ich versuche zu verstehen, durch welche Erwartungen ich meine Angst schüre. Sobald ich Angst als einen Teil meiner selbst begreife, kann die Kraft, die in ihr gebunden ist, auf mich übergehen. Indem ich Angst nicht mehr als eine Wirkung äußerer Mächte deute, wächst die Bereitschaft, mich zu stellen.