Die Welt ist widrig, weil es ohne Widrigkeit kein Leben gäbe.
Mut findet zwischen Macht und Ohnmacht statt. Wer viel hat, braucht ihn nicht. Wer keine hat, ist tollkühn.
Ohne Geschöpfe wüsste Gott nicht, was Mut ist.
Harmonie ist Übereinstimmung von Innen und Außen. Bemüht man sich nur um Übereinstimmung mit anderen, hat man einen Konflikt mit sich selbst. Bemüht man sich nicht um Übereinstimmung mit anderen, dann sucht man zwar Sicherheit hinter den Mauern des Ego, aber man harmoniert nicht mit sich selbst.
Wenn man nicht weiß, was man tun soll, kann man tun, wofür man mehr Mut braucht.
Der Begriff "Mut" geht auf die indogermanische Wurzel mo- = etwas anstreben, heftig wollen, erregt sein zurück. Wer etwas wirklich will, braucht oft den Mut, sich dafür einzusetzen. Dabei muss er Verluste riskieren. Seine Erregung entspricht dem Widerstand, den es zu überwinden gilt und der Angst vor einer Niederlage.
Mut ist nicht dasselbe wie Angstfreiheit. Mut ist die Bereitschaft, im Bewusstsein der Angst zu tun, was man für richtig hält. Wer keine Angst hat, kann spannungsfrei tun, was er will. Dazu braucht er keinen Mut.
Lebende Organismen versuchen, sich aus den Begrenzungen des Umfeldes zu lösen. Jedem Leben liegt der Impuls zur Selbstbestimmung bei. Die Freiheit zu echter Selbstbestimmung kann dabei nur durch Überwindung äußerer Widerstände erworben werden. Eine Selbstbestimmung, die sich nicht gegen Widerstände durchgesetzt hat, gibt es nicht.
Das Leben belohnt Mut mehr als Fügsamkeit, denn es ist Mut, wodurch es sich fortentwickelt. Unterordnung entspricht nicht dem Wesen des Lebens. Je nach Situation ist sie lediglich ein Kompromiss, um einen Schaden abzuwenden, der ohne Fügsamkeit nicht zu vermeiden wäre. Je bewusster sie dabei als taktisches Mittel angewendet wird, desto weniger schadet sie dem Leben.
Während sich der Selbstbehauptungsswille der Neandertaler nebenbei mit Bären und Mammuts maß, leben wir überwiegend in einer Welt zwischenmenschlicher Gefahren. Eine der wichtigsten Gefahren, die bei uns durch Mut zu meistern ist, ist die Gefahr, es uns mit anderen zu verderben. Das Risiko, das wir beim Ringen um Selbstbestimmung eingehen, ist meist ein Verlust an Zugehörigkeit.
Oft steht man im Leben vor der Wahl: Entscheidet man sich für die Harmonie mit anderen oder dafür, den eigenen Weg zu gehen.
Abgesehen davon, dass der Mensch vom Angsthasen abstammt, gibt es zwei weitere Faktoren, die seinen Mut untergraben. Für den einen kann er nichts, den anderen schafft er selbst:
Durch Lieblosigkeit, Gewalt oder Desinteresse wird die Angst des Kindes vor dem Leben geschürt. Es lebt in einem Spannungszustand, der zu einer gesteigerten Sehnsucht nach entspannter Geborgenheit führt. Da Mut die Bereitschaft ist, Spannung auszuhalten, kann er sich gegen das übermächtige Harmoniebedürfnis nicht mehr durchsetzen.
Angst ist ein Teil unserer selbst. Mut ist Handlungsbereitschaft im Bewusstsein der Angst. Wenn wir sie nicht kennen, weil wir sie verdrängen, vermeiden oder verleugnen, dann fehlt uns das Selbstbewusstsein, aus dem heraus wir mutig sein könnten. Denn ohne bewusst erlebte Angst, gibt es auch keinen Mut.