Wer sich langweilt, schuldet der Gegenwart Sinn.
Wer nichts Sinnvolles tut, wird krank.
Sinn erwächst aus Achtsamkeit.
Wer achtsam den Hinweisen der Gegenwart folgt, langweilt sich nicht.
Jede Situation ist ein kommunikatives Gegenüber, dessen Beachtung neue Lebendigkeit erzeugt.
Gegenwart ist immer nur innen und außen zugleich.
Die Ursache der Langeweile ist ein unerfülltes Bedürfnis nach Sinn. Wer sich langweilt, erlebt die Gegenwart als ungenutztes Potenzial, das nach Inhalt ruft. Was er tatsächlich tut, kann er dabei nicht als sinnvollen Inhalt empfinden. Sein Versäumnis, der Gegenwart Sinn zu geben, erlebt er als existenzielle Schuld, die ihn solange in Unruhe versetzt, bis er sie begleicht.
Langeweile gehört zum Repertoire der Erlebnisweisen, weil das Bewusstsein dem eigenen Wesen gerecht werden will. Sinnleer verbrachte Zeit erlebt es als Unbehagen, das sich bis zur Panik steigern kann. Langeweile ist eine wichtige Ursache seelischer Symptome. Häufig führt sie zu Depressionen, Alkohol- und Drogenkonsum; oder zu hektischer Betriebsamkeit.
Langeweile wird sowohl alleine als auch in Gegenwart anderer empfunden.
In diesen Situtionen kommt Langeweile auf, weil ich meinen tatsächlichen Impulsen nicht folge. Entweder erkenne ich sie nicht, weil ich mir gegenüber unachtsam bin oder ich beachte sie nicht, weil ich sie fürchte und lieber anderen gefallen will.
Die Schuld am Unvermögen, die Gegenwart sinnvoll zu gestalten, wird oft nach außen projeziert. Dann wertet man das oder den, der einen langweilt ab. Folge ist, dass man weder die Möglichkeiten erkennt, die die Begegnung bietet, noch die tatsächliche Ursache des Übels: den Mangel an Selbstbestimmung.
Im Umgang mit Langweile bedarf es der Achtsamkeit. Es gilt jene Impulse zu orten, die den authentischen Interessen der eigenen Seele entsprechen. Und es gilt, den Mut zu haben, die gefundenen Impulse freizusetzen.
Welchen Impulsen folge ich nicht?
Wenn Sie alleine sind und Langeweile Sie plagt, gibt es gewiss Erfahrungsmöglichkeiten, die Sie noch nie aufgesucht oder gar vermieden haben. Warten Sie auf die erstbeste Idee. Wenn deren Umsetzung keinen groben Schaden stiften kann, sondern schlimmstenfalls unangenehme Erfahrungen mit sich bringt, dann führen Sie sie aus.
Sie hören jemandem zu, dessen Rede Sie langweilt. Entziehen Sie sich oder lenken Sie das Thema auf das, was Sie tatsächlich interessiert. Finden Sie den Mut, den anderen durch erkennbares Desinteresse an seinen Themen zu enttäuschen.
Sie sind auf der Party gelangweilt. Wahrscheinlich verleugnen Sie Impulse, die die Gesellschaft auch für Sie spannend machen könnten. Wenn nicht, dann gehen Sie.
Langeweile reizt zur Aktivität. In einer Welt der 1000 Möglichkeiten ist schwer zu entscheiden, ob das, was man in der Folge tut, eine sinnvolle Antwort oder bloß eine Flucht vor dem unangenehmen Erlebnis ist. Langeweile prompt zu beseitigen, sobald sie aufkommt, kann in ein Leben oberflächlicher Ablenkung führen. Dort dümpelt man im Kreise und die Vergnügungen werden schal.
Um zu wissen, wohin die ReiseLangeweile sucht nach Sinn. Sinn entstammt der indogermanischen Wurzel sent = gehen, reisen, fahren. geht, kann es nützlich sein, dem Unbehagen solange stand zu halten, bis man den befreienden Impuls verstanden hat.
Langeweile wird als unangenehme Leere empfunden. Dabei ist klar, dass Leere weder angenehm noch unangenehm sein kann. Sonst wäre sie nicht leer. Sie bestünde aus einem Inhalt, der eine spezifische Eigenschaft hätte. Das Eigenschaftswort unangenehm beschreibt nicht die Leere. Es weist auf die Haltung hin, mit der man ihr begegnet: Man will sie nicht annehmen.
Leere ist eine Grenzerfahrung. Sie setzt den, der sie zulässt, frei; da es in der Leere nichts mehr gibt, was ihn binden könnte. Genau deshalb empfinden wir Leere als unangenehm. Wir fürchten sie. Leere verheißt nicht nur Entbundensein aus jeder Enge. Sie erschreckt uns, weil es in der Inhaltslosigkeit der Leere nichts mehr gibt, woran wir uns klammern könnten.
Spirituelle und mystische Traditionen halten aktiv Ausschau nach jener Leere, die sie als den Urgrund der Wirklichkeit erachten. Dabei wird das Erleben der Leere durch Gedankenketten verhindert, die den Geist bevölkern. Hinter der beharrlichen Produktion der gedanklichen Bilder, steckt Angst. Es ist nun mal so: Der Mensch stammt vom Affen ab. Wenn der Affe keinen Ast mehr hat, an dem er sich halten kann, stürzt er in ein Tiefe, von der er nicht weiß, wie es ihm dort ergehen wird.
Man kann das Problem der Langeweile angehen, imdem man spezifische Impulse sucht, durch die man von ihr vorläufig befreit wird. So füllt man das Leben mit einem persönlichen Sinn. Oder man sucht im Zentrum der Langeweile nach jener Leere, die eine grundsätzlich Befreiung verheißt. Dann muss man das Leben nicht mehr mit einem persönlichen Sinn füllen. Man erkennt den überpersönlichen Sinn, den es von je her hat.