Jeder ist sein Lohn... und seine Strafe.
Man ist nicht kriegerisch, wenn man zu den Waffen greift. Man ist kriegerisch, wenn man mit Waffen unterwerfen will. Greift man zu den Waffen, um Unterwerfung zu verhindern, ist man friedlich. Frieden ist die Freiheit dessen, was ist.
Zufriedenheit entspringt der Bereitschaft, mit dem Schicksal Frieden zu schließen. Sie entsteht, wenn man im Umgang mit sich und der Welt nicht mehr an den Sinn kriegerischer Mittel glaubt.
Zwei kriegerische Mittel
Verachtung und Unterwürfigkeit
Kriegerisch ist alles, was unterwerfen will. Kriegerisch ist folglich jedes Verhalten, das entweder den eigenen oder den Wert anderer missachtet. Dazu zählt rücksichtsloser Egoismus ebenso wie Unterwürfigkeit.
Ursprung der Unzufriedenheit ist die Spannung zwischen der Wirklichkeit und den Wünschen des Individuums. Je mehr man glaubt, unerfüllte Bedürfnisse seien unannehmbar, desto eher wendet man kriegerische Mittel an, um den empfundenen Mißstand zu beseitigen.
Zufriedenheit ist eine Vorstufe zum Glück. Hinzunehmen, dass Bedürfnisse unerfüllt sind, erlaubt durchaus, nach ihrer Erfüllung zu trachten. Es kommt auf die Mittel an. Kriegerische Mittel erzeugen im Umfeld Widerstand. Widerstand erschwert die Erfüllung der Bedürfnisse. Friedliche Mittel erzeugen Beistand. Der Beistand des Umfelds erleichtert das Glück.
Nur wenige sind mit der Rolle zufrieden, die ihnen ohne Zutun im Leben zufällt. Die Gemeinschaft gibt nicht nur Geborgenheit. Sie ist auch ein Gerangel um Platz und Positionen.
Das Umfeld konfrontiert uns mit seinen Erwartungen.
Ein schmerzhafter Kreislauf
Je weniger ich den Wert dessen beachte, was ich bin, desto mehr spicke ich mein Ich-Ideal mit Tugenden, die ich dringend verwirklichen sollte. Je weniger ich sie verwirklichen kann, desto wertloser erscheint das Bestehende. Schon bildet sich ein Kreislauf aus Anspruch, Appell und tragischem Versagen.
Die Erwartungen des Umfelds werden von kulturellen Traditionen sowie persönlichen Ängsten, Wünschen, Begierden und Meinungen der unmittelbaren Bezugspersonen bestimmt. Meist geht vom Umfeld die Botschaft aus, dass es mit uns nur dann zufrieden ist, wenn wir uns anpassen. Je nach Temperament verinnerlichen wir den Unfrieden, den das Umfeld stiftet.
Die zweite Quelle der Unzufriedenheit ist das, was wir selbst von uns erwarten. Wir möchten nicht irgendwer sein. Wir möchten diese oder jene Person sein, die unverwechselbar und erfolgreich ist. Wir wünschen uns, das zu sein, was das Umfeld durch besondere Zuwendung belohnt.
Aus dem, was andere von uns erwarten und dem, was wir gerne wären, schaffen wir ein Ich-Ideal. Wir bemühen uns, dem Bild zu entsprechen. Je nachdem, wie groß der Unterschied zwischen tatsächlichem Selbst und Idealbild ist und je unmöglicher seine Verwirklichung, entsteht Unzufriedenheit.
Zufriedenheit kehrt erst wieder ein, wenn ich mich entgegen den Ansprüchen des Bildes, so annehme, wie ich tatsächlich bin.
Im Leben reicht es nicht, dass man sich mit dem, was man einmal ist, zufrieden gibt. Das Leben sorgt dafür, dass man stets Neues erledigen muss, um mit sich und der Welt auf gleicher Höhe zu bleiben. Hält man mit dem Lauf der Dinge nicht Schritt, staut sich Unerledigtes auf, dessen wachsende Menge entmutigt.
Hier sind beide Ursachen der Unzufriedenheit am Werk.
Grundregel
Erledigen Sie täglich einen Teil von dem, was keinen Spaß macht.Nur wenn man sich in beiden Strömungen über Wasser hält, kann man auf Dauer zufrieden sein. Nicht immer sind Kraft und Antrieb so lebendig, dass man das Unerledigte mit einem Rutsch in die Vergangenheit befördert. Große Projekte sind nur zu bewältigen, wenn man sie von vorn herein in Happen unterteilt.
Gerät man an dieser Stelle ins Hintertreffen, entwickelt sich aus wachsender Unzufriedenheit womöglich eine chronische Depression. Das Unerledigte drückt einen nieder. Weil man niedergedrückt ist, fehlt der Mut, das Unerledigte anzugehen. Das Mittel, das in solchen Fällen schon tausendfach geholfen hat, heißt: Teile und herrsche!
Teilen und herrschen am Beispiel typischer Quellen der Unzufriedenheit
| Problem | Maßnahme und Wirkung |
| Sie müssten für die Prüfung lernen. Der Stoff ödet Sie an. | Lernen Sie täglich eine halbe Stunde....oder so lange, wie es für den Erfolg notwendig erscheint. Hören Sie auf, wenn der festgelegte Zeitraum vorüber ist. Wenn von vorn herein klar ist, dass nach einer halben Stunde Schluss ist, kann man sich besser motivieren. |
| Die Wohnung ist total chaotisch. Der Abfall türmt sich in den Ecken. | Werfen Sie täglich etwas weg. Machen Sie es wie mit dem Lernen. Räumen Sie immer nur einen überschaubaren Teil vom Ganzen auf. Ein Regal, eine Schublade, eine Ecke... |
| Zehn Briefe sind schon ungeöffnet. Sie haben Angst vor dem, was in den Briefen steht. | Öffnen Sie täglich bloß einen. Mit der Zeit schmilzt der Haufen dahin. |
| Sie schieben die Steuererklärung seit Wochen vor sich her. | Teilen Sie das Projekt in kleine Portionen. |