Aggression als Gegenpol der Regression ist eine von zwei Grundhaltungen, die das Subjekt gegenüber den Objekten, denen es begegnet, einnehmen kann. Aggression ist der Impuls, an das heranzutreten, worauf man einwirken will. Erst die Absicht, die dahinter steckt entscheidet, ob der Impuls aufbaut oder zerstören wird.

Missachtung fördert destruktive Aggression. Das gilt in zweierlei Hinsicht: Die Bereitschaft zu zerstören wächst bei dem, der missachtet wird, aber auch bei dem, der selbst missachtet.

Der beste Schutz vor Hass ist Selbsterkenntnis.

Aggression

  1. Begriffsbestimmung
  2. Formen und Stufengrade
  3. Ursachen
  4. Umgang mit aggressiven Impulsen

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff Aggression geht auf das lateinische Verb aggredi = heranschreiten, angreifen zurück. Aggredi ist eine Zusammensetzung aus ad = heran, hinzu und gradi = gehen. Die Grundform der Aggression ist folglich eine Bewegung, die den Aggressor an ein Objekt herantreten lässt. Der Aggressor tritt an das Objekt heran, auf das er einwirken will.

Der feindselige Aspekt der Aggression, der bei der üblichen Verwendung des Begriffs mitgedacht wird, ist in der eigentlichen Wortbedeutung nicht ausdrücklich erwähnt. Bei der Bewertung des aggressiven Impulses ist zwischen konstruktiven und destruktiven Ausdrucksarten zu unterscheiden.

Gewalt
Der Begriff Gewalt zeigt eine BündelungDie Vorsilbe Ge- benennt eine Versammlung. waltender Kräfte an. Das Verb walten entspringt der indogermanischen Wurzel ual-dh = stark sein, beherrschen. Ein zeitgenössischer Abkömmling findet sich im litauischen valdyti = regieren. Gewaltausübung ist ein umfassender Einsatz aggressiver Handlungsimpulse zum systema­tischen Aufbau von Herrschaftsverhältnissen.
1.1. Varianten

Im gedanklichen Umfeld der Aggression finden sich Begriffe, die verschiedene Aspekte und Ausdrucksarten des aggressiven Impulses bezeichnen: Aktivität, Eifer, Ärger, Wut, Zorn, Hass und Gewalt.

2. Formen und Stufengrade

Aggression als Grundmuster einer offensiven, anpackenden Herangehensweise ist ein unverzichtbares Potenzial des Lebens. Ein aggressionsfreies Dasein ist kaum denkbar. Jede Bereitschaft, das Leben aktiv zu gestalten, bedarf des Impulses, an das heranzutreten, was man gestalten will.

Die verschiedenen Abstufungen der Aggression gehen fließend ineinander über. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrem WesenDie entscheidende Trennlinie verläuft dabei zwischen dem konstruktiven und dem destruktiven Potenzial. sowie ihren psychologischen und sozialen Folgen. Eine Tabelle zeigt Unterschiede im Überblick.

Stufe Qualität
Aktivität Der aktive Mensch geht gemäß innerer und äußerer Notwendigkeit an die Dinge heran. Hindernissen gegenüber bleibt er gelassen. Er sucht pragmatisch nach einer Lösung oder begnügt sich mit einem Ausweg.
Eifer Der eifrige Mensch wird nicht von bloßen Notwendigkeiten geleitet. Er verfolgt ein Ziel, dem er besonderen Wert beimisst. Dementsprechend verstärkt er vor Hindernissen seinen Eifer. Kann er sie damit nicht überwinden, sucht er einen Umweg. Mit einem Ausweg, der ihn vom Ziel entfernt, gibt er sich nicht zufrieden.
Ärger Mit dem Ärger kommt erstmals ein feindseliger Aspekt auf. Vor dem Hindernis staut sich aggressive Energie. Das Hindernis wird nicht mehr nur als Hürde empfunden, die es im Eifer zu überspringen gilt, sondern als Störfaktor, der etwas tut, was ihm nicht zusteht.
Zorn Im Zorn steht die Empörung über die Unbotmäßigkeit des Hindernisses im Vordergrund. Der zornige Mensch verliert dabei das eigentliche Ziel aber nicht aus den Augen. Im Zorn bleibt die Aggression kontrolliert und zielgerichtet. Ist das Ziel des Zornes eine andere Person, wird deren Wert im Grundsatz anerkannt.
Wut Der wütende Mensch fühlt sich vom Hindernis bedroht und mobilisiert alle Kraft, um sich das Bedrohliche vom Leibe zu halten. Für die Zeitspanne der Wut wird er von seiner Aggression beherrscht. Ist das Ziel seiner Wut eine andere Person, wird deren Wert im Affekt übersehen.
Hass

Grundregel

Je heftiger die Aggression, desto mehr verliert der Aggressor sich selbst aus dem Blick.
Wut geht in Hass über, wenn die aufwallende Wut das Hindernis oder die Bedrohung durch eine andere Person nicht beseitigen kann. Im Hass wird der Wert des Feindes abgeleugnet. Während Wut ablässt, wenn der Feind sich zurückzieht, setzt Hass dem Feind beharrlich nach. Im Kampf gegen das "Böse" wird der eigene Untergang dabei oft in Kauf genommen.
2.1. Kalte Aggression

Eine Sonderform fremdaggressiven Verhaltens kann als kalte Aggression bezeichnet werden. Während die Abstufungen vom Ärger bis zum Hass als Gefühle wachsender Intensität bewusst werden, kann massive Aggression auch unter Abspaltung des Gefühls ausgeübt werden. Die Aggression wird nicht als solche erlebt, sondern als vermeintliche Notwendigkeit rationalisiert. Die Palette der Taten reicht dabei von der Vollstreckung banaler Verwaltungsvorschriften bis zur Vernichtung ganzer Völker im Auftrag heilsversprechender Ideologien.

Genügsam ist nur, wer sich selbst genügt. Wer Rivalitäten vermeidet, weil er sich vor Niederlagen fürchtet, ist anspruchsvoll. Tatsächlich zurück tritt nicht der, der auf etwas vermeintlich Wertvolles verzichtet, sondern der, der das wirklich Wertvolle gefunden hat.
2.2. Kontrapunkt: Regression

Regression ist der Gegenpol zur Aggression. Regredieren heißt zurücktreten. Wer sich regressiv verhält, überlässt anderen das Feld. Er bleibt passiv, wartet ab und verzichtet darauf, eigene Impulse einzubringen. So trifft er nicht auf äußere Hindernisse. Er vermeidet Konflikte und das Risiko, durch Konflikte Niederlagen zu erleiden.

Hemmungen

Die Vorsilbe ad = heran, mit der der Begriff Aggression anhebt, ist bemerkenswert. Ein Vergleich von Vorsilben, die sich mit gradi = gehen verbinden, macht das klar.

  • Die Re-gression ist ein Zurückweichen.
  • Die Pro-gression ist ein Vorwärtsschreiten.
  • Die Ag-gression ist ein Herantreten.

Während man bei der Regression und der Progression niemandem zu begegnen braucht, ist es bei der Aggression anders. Sie ist die psychomotorische Grundlage der Kontaktaufnahme. Wer Kontakt aufnimmt, tritt an den Anderen heran. Tut er es konstruktiv, bietet er dem Anderen eine Beziehung an. Das erklärt, warum Hemmungen des aggressiven Ausdrucks nicht nur zu Wehrlosigkeit führen, sondern auch zu sozialer Ängstlichkeit und Isolation. Wer Hemmungen hat, findet schwer Kontakt. Ohne den Zündfunken der konstruktiven Aggression bestünde die Menschheit aus Einzelgängern.

2.3. Passive Aggression

Genau betrachtet ist bei weitem nicht alles, was regressiv erscheint, ein wirklicher Verzicht. Was als Verzicht auf Aggression erscheint, ist oft eine Lebensstrategie, die den Zugriff durchaus betreibt, zu deren Methode es aber gehört, offene Konflikte mit dem Umfeld zu vermeiden.

Dabei bedient sich der Zugriff scheinbar passiver Mittel, entweder um den eigenen Vorteil zu sichern oder um dem Anderen zu schaden. Dient die passive Aggressivität dem eigenen Vorteil, bleibt sie im Grundsatz konstruktiv. Betreibt sie den Nachteil des Anderen, ist sie destruktiv und eine Spielart des Hasses.

Beispiele passiver Aggression

Regression und passive Aggression gehören zum Repertoire so gut wie aller Menschen. Als Lebensstrategie ist passive Aggression jedoch ein Muster, das bei bestimmten Persönlichkeitsvarianten gehäuft vorkommt. Zu nennen sind:

Ob passive Aggression als moralisch wertvoll oder unsolidarisch empfunden wird, hängt von vielen Umständen ab. Einen Auftrag nicht auszuführen, kann je nach Lage der Dinge Tugend oder Laster sein. Wie bei jeder Form von Aggression kommt es darauf an, ob und wem sie nützen oder schaden soll.

2.3.1. Eskalation

Auf passiv-aggressives Verhalten reagiert man oft mit eigener Aggression. Ständiges Zuspätkommen, Mogeln, Ausweichen und das "Vergessen" getroffener Absprachen sind bestens geeignet, beim Gegenüber Ärger auszulösen. Das Gegenüber versucht durch seine Wut, den Passiv-Aggressiven zu mehr Verlässlichkeit zu zwingen. Das Wechselspiel aus passiver Aggression und manifester Gegen-Aggression entspricht einem spezifischen Abwehrmechanismus: der projektiven Identifikation.

Indem der Passiv-Aggressive die eigene Aggression durch vermeintlich schuldloses Nicht-Können ummäntelt, begünstigt er beim Gegenüber genau den Impuls, den er bei sich selbst nicht wahrhaben will: Aggression. Die Aggression des Gegenübers dient ihm zugleich als Rechtfertigung der eigenen Methode: Wenn man so unter Druck gesetzt wird, ist es doch wohl rechtens, sich zu entziehen.

2.4. Autoaggression

Ein wesentlicher psychologischer Mechanismus ist die Wendung der Aggression gegen sich selbst. Autoaggressive Akte kann man zwei Kategorien zuordnen:

  1. Suizidalität oder Selbstverletzung bei anerkannter Psychopathologie

    • Bei schwerwiegenden seelischen Erkrankungen ist die Furcht, sich die Sympathie des Umfelds zu verscherzen oft so groß, dass der Kranke sich weder gegen die Erwartungen anderer abgrenzt, noch den Mut hat, eigene Bedürfnisse offen zu vertreten. Resultat ist eine Anhäufung aggressiver Energie. Da die Äußerung dieser Impulse erst recht zu Konflikten mit dem Umfeld führen kann, braucht der Kranke immer mehr Kraft, um sie zu bändigen.

      Durch die Selbstverletzung kann ein Teil der aufgestauten Aggression so entladen werden, dass sich das Umfeld nicht angegriffen fühlt. Der Kranke braucht keine Zurückweisung zu fürchten. Im Gegenteil: Die blutende Wunde zieht Mitleid, Interesse und Zuwendung an.

      Nicht jede Suizidalität ist autoaggressiv. Das Motiv eines Bilanzselbstmordes bei unheilbarer Krankheit kann Fürsorge sein.

      Bei der Suizidalität ist die Autoaggression so radikal, dass sie zum Tode führt.

      Zu den Krankheiten mit hohem autoaggressivem Potenzial gehören Depressionen, Psychosen und schwere Persönlichkeitsstörungen; z.B. vom Borderline-Typ.

  2. Autoaggressive Grundhaltung als selbstentwertendes Abwehrmuster

    • Eine Normopathie ist ein krankhafter Selbstbezug, der den gesellschaftlichen Normen so sehr entspricht, dass er nicht als krankhaft erkannt wird.
      Meist versucht das Ich zwei Göttern zu dienen: Sich selbst, so wie es als faktische Realität in der Wirklichkeit steht und dem Selbstbild, also der Vorstellung, die es davon hat, wie es angeblich sein sollte.

      Das Selbstbild ist ein individuelles Konstrukt, das durch gesellschaftliche Normen, die Erwartungen des persönlichen Umfelds sowie die Wünsche, Hoffnungen und Ängste des Individuums erschaffen wird.

      Zwischen Selbst und Selbstbild bestehen oft große Unterschiede. Identifiziert man sich vorwiegend mit dem Selbstbild, hat man alle Hände voll damit zu tun, unpassende Selbstanteile zu bekämpfen. Dazu setzt man je nach Temperament unterschiedliche Kombinationen von Abwehrmechanismen ein.

      Orientiert sich das Selbstbild stark an gesellschaftlichen Konventionen, leidet man an einer autoaggressiven Normopathie.

3. Ursachen

Bei den Ursachen der Aggression sind zu unterscheiden:

  1. Die Ursache der konstruktiven Aggression von den Ursachen der destruktiven
  2. Biologische, soziale, politische und psychologische Ursachen der destruktiven Aggression
3.1. Ursache konstruktiver Aggression

Die Ursache der konstruktiven Aggression liegt im evolutionären Vorteil, der einem Lebewesen zukommt, das auf Nahrungsquellen, Lebensräume und Geschlechtspartner zugehenAuf die ersten drei genannten Ressourcen kann das Gürteltier ebenso zugehen wie der Mensch. Dem Menschen hat die konstruktive Aggression weitere Ziele beschert, zum Beispiel: Wissensquellen, Erlebnismöglichkeiten und die Resultate analytischen Denkens. kann. Hier wird die eigentliche Bedeutung des Begriffes Aggression deutlich. Das konstruktiv-aggressive Lebewesen tritt aktiv an das heran, was dem Aufbau seines Organismus oder seiner Spezies dient.

3.2. Ursachen destruktiver Aggression

Als Ursache destruktiver Aggression ist kaum je ein einzelner Faktor zu benennen. Je nachdem, aus welcher Perspektive man den destruktiven Akt betrachtet, wird eine jeweils spezifische Mischung verschiedener Wirkkräfte erkennbar.

3.2.1. Biologische Ursachen

Lebewesen, die zu konstruktiver Aggression im Stande sind, geraten miteinander in Konflikt. Im Rahmen biologischer Konkurrenz kann der aufbauend-konstruktive Aspekt der Aggression in ein destruktives Muster übergehen.

Beim Schlagen der Beute bleibt die Aggression des Löwen konstruktiv. Ziel ist nicht die Vernichtung des Beutetiers, sondern der Aufbau des eigenen Körpers. Übernimmt ein männlicher Löwe jedoch ein Rudel und tötet die Nachkommen seines Vorgängers, wird dem konstruktiven ein destruktives Element beigemischt.

Nicht nur Löwen, auch Menschen konkurrieren miteinander um biologische Ressourcen. Dabei bilden sie Gemeinschaften, zu deren Repertoire die gezielte Vernichtung konkurrierender Gruppen gehört.

Je mehr eine gesellschaftliche Ordnung die Individualität ihrer Mitglieder missachtet, desto mehr destruktive Aggression bringt sie hervor.
3.2.2. Soziale und politische Ursachen

Innerhalb menschlicher Gemeinschaften bestehen politische Machtgefälle und soziale Rangstufen. Beidem entspringt die Gefahr der Entwertung, Entmündigung und Ausgrenzung rangniedriger Individuen. Alle drei Faktoren gefährden die Erfüllung seelischer Grundbedürfnisse:

Bleiben die genannten Bedürfnisse durch soziale und politische Asymmetrien unerfüllt, reagieren benachteiligte Individuen mit gesteigerter Aggression, die, wenn sie keine konstruktiven Erfolgsaussichten sieht, in eine destruktive Gewaltbereitschaft umschlägt. Die destruktiven Impulse können sich gegen die Ursachen der sozialen Verwerfung richten, gegen Dritte oder als Autoaggression gegen das Individuum selbst.

Individualpsychologische Ursachen destruktiver Aggression

Angst Etwas könnte mir schaden.
Gier Angst, nicht genug zu bekommen
Neid Angst, schlechter als andere dazustehen
Eifersucht Angst, jemanden zu verlieren
Geiz Angst, etwas verlieren
3.2.3. Psychologische Ursachen

Ohne eine entsprechende Dynamik auf psychologischer Ebene wären weder soziale noch politische Faktoren wirksam. Daher ist die Bewertung gesellschaftlicher Strukturen nur vor dem Hintergrund der psychologischen Grundbedürfnisse sinnvoll.

Die psychologischen Grundbedürfnisse sind quasi vor-individuell. In deren psycho-soziale Dynamik ist jeder verstrickt. Weitere Ursachen destruktiver Aggressivität sind jedoch auch in den individuellen Ängsten des jeweils Einzelnen zu finden. Im Grundsatz gilt:

Die Dynamik destruktiver Impulse hängt stark von den Grundmustern der jeweiligen Persönlichkeit ab. Folgende Tabellen gibt einen Überblick.

Persönlichkeitsvarianten und ihr Umgang mit Aggression

Variante Ausrichtung Dynamik
Paranoide Persönlichkeit offensiv Projiziert destruktive Aggression auf das Umfeld. Fühlt sich in der Konsequenz zur Gegenaggression berechtigt.
Schizoide Persönlichkeit defensiv Erlebt soziales Umfeld als störend. Hält aggressive Impulse zurück um Kontakt zu vermeiden.
Dissoziale Persönlichkeit offensiv Sieht Umfeld als Beute. Nutzt destruktive Aggressivität bedenkenlos, um sich Vorteile zu verschaffen.
Emotional-instabile Persönlichkeit vom Borderline-Typ wechselhaft
teils autoaggressiv
Schwankt zwischen Verdrängung und Ausagieren aggressiver Impulse. Wendet sie oft gegen sich selbst.
Emotional-instabile Persönlichkeit vom impulsiven Typ wechselhaft Schwankt zwischen Verdrängung und Ausagieren aggressiver Impulse.
Histrionische Persönlichkeit uneinheitlich Umgang mit Aggression hängt stark vom situativen Zusammenhang ab.
Zwanghafte Persönlichkeit offensiv Erlebt Aggression oft nicht als solche. Übt Aggression als Kontrollbedürfnis aus. Herrscht über das Umfeld mittels vermeintlich unverzichtbarer Regeln.
Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit defensiv
passiv-aggressiv
Deutet die Wirklichkeit als aggressiv und gefährlich. Vermeidet Situationen, die Eigenaggressivität erfordern. Vermeidet den Ausdruck eigener Aggression um Gegenaggressionen zu umgehen.
Abhängige Persönlichkeit regressiv
passiv-aggressiv
Übernimmt Rolle des braven Kindes. Vermeidet Ausdruck eigener Aggression. Unterstellt sich dem Schutz aggressiver Stellvertreter.
Narzisstische Persönlichkeit offensiv Kämpft konstruktiv um soziale Positionen und/oder destruktiv gegen Konkurrenz.
Dysthymie / Depressive Persönlichkeit autoaggressiv
passiv-aggressiv
Ordnet sich unter. Richtet die Wut über das Untergeordnet-sein gegen sich selbst. Erwartet Lohn für den geleisteten Verzicht. Entwickelt neue Wut, wenn der Lohn ausbleibt.

3.2.4. Angst, Wut und Identität

Im Regelfall identifiziert sich das Ich mit der Person, aus deren Perspektive es die Bühne der Welt betritt. Das normale Ich geht davon aus, dass es als separate Einheit einer Welt begegnet, mit der es nicht wesenhaft verbunden ist. Aus dieser Perspektive erlebt es sich als stets bedrohtDas Ich im normalen Modus des Bewusstseins ist latent paranoid.. Es weiß, dass es als Person der Übermacht der Welt unterliegen wird. Aus der Angst heraus, dass die Welt es über kurz oder lang zerstören wird, entwickelt es destruktive Aggression.

Erst wenn sich das Ich vollständig aus der Identifikation mit der Person... und damit seinem Ego... löst und sein Selbst als die Wirklichkeit auffasst, aus der es hervorgeht, geht seine Angst soweit zurück, dass ihr keine destruktive Aggressivität mehr entspringt.

4. Umgang mit aggressiven Impulsen

Aggressive Gefühle sind unangenehm. Man würde sie am liebsten wieder los. Man kann sie verdrängen oder Dampf ablassen, indem man sie auslebt. Oft schadet man sich damit aber selbst.

Änderung der Sichtweise

Betrachten Sie Wut als einen Ausdruck Ihrer eigenen Energie. Lassen Sie Dampf nicht ab, als sei er eine lästige Störung der Gemütlichkeit. Erfühlen sie Aggression als Element Ihres seelischen Potenzials. Halten Sie still, damit ihre Kraft Sie befruchtet.

Sobald die Kraft der Wut auf Sie übergegangen ist, kommt die Gelassenheit zurück. Von dort aus können Sie gefahrlos handeln.

Gemäß genannter Grundregel, verliert man sich selbst um so mehr aus den Augen, je destruktiver die Aggression ist, die man mobilisiert. Je mehr man sich und damit das eigene Wohl aber aus den Augen verliert, desto größer ist die Gefahr, dass man sich als Folge ausgelebter Aggression selber schadet.

Die Dynamik wird umso gefährlicher, je einseitiger man die Ursache des erlebten Impulses dem Umstand zuschreibt, gegen den sich die Aggression richtet. Man denkt:

Schreibt man anderen aber die Macht zu, über die eigenen Gefühle zu bestimmen, schürt das die Aggression noch mehr. Man sieht die Autonomie seiner Person erst recht infrage gestellt.

Man löst sich aus diesem Kreislauf, indem man seine Gefühle nicht als Werk der Widersacher deutet, sondern versteht, dass sie eine Reaktion auf deren Sosein sind. Also: