Objekte sind erkennbar. Ob es sie gibt oder nicht, wird durch die Sinne bestätigt. Das Subjekt ist nicht erkennbar. Es kann an Hand seiner Wirkungen auf seine Existenz schließen. Dass es seine Existenz aber tatsächlich erlebt, ist selten.
Wirklich ist, was aus sich heraus wirkt. Was nur fremde Wirkungen vermittelt, ist scheinbar.
Wenn wir nur die Person sind, die uns in der Welt verkörpert, dann sind wir nicht. Das Subjekt im Menschen kann nicht davon ausgehen, dass es ein Körper ist. Es würde damit seine Existenz verneinen.
Das Subjekt passt nicht in die Welt der Objekte. Weil es keine Grenze hat, löst es die Formen, in die es sich verkörpert, immer wieder auf.
Das Subjekt erhebt Anspruch auf unbedingte Existenz.
Das Bedürfnis nach Bestätigung erwacht in der frühen Kindheit. Zeitlebens steht es im Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Körperlichkeit. Das Subjekt in uns erlebt sich als Ausgangspunkt von Wirkungen und als Ziel der Aufmerksamkeit.
Wahrgenommen zu werden ist, genau betrachtet, ebenfalls eine Wirkung. Die Existenz des Säuglings bewirkt, dass er wahrgenommen wird. Auf der Suche nach Bestätigung macht er sich in der Folge lautstark bemerkbar.
Das Subjekt erkennt Objekte und wirkt auf sie ein. Unmittelbar erkennt das Subjekt sich selbst aber nicht. Statt sich selbst zu erkennen, stellt es Vermutungen darüber an, wer oder was es ist. Es identifiziert sich mit diesen Bildern.
Da alle Bilder und Formen, mit denen wir uns gleichsetzen, jedoch hinfällig sind, finden wir bei der Suche nach uns selbst keine endgültige Antwort. Einerseits nehmen wir uns als individuell eigenständige Subjekte wahr, andererseits wissen wir, dass unser Körper so wie unsere Rollen verfallen wird. Wert, Bedeutung und Wirklichkeitsgrad unseres Daseins wird durch das Wissen um diese Hinfälligkeit ständig in Frage gestellt. Was sind wir wirklich? Hat unser Dasein einen eigenständigen Boden? Oder sind wir nur eine nachrangige Auswirkung anonymer Faktoren, die aus sich selbst heraus nichts bewirkt und mit dem Tod abgeschaltet wird? Um die Ungewissheit zu vertreiben, suchen wir nach dem, was unsere Bilder bestätigt und vermeiden, was sie in Frage stellt.
Nicht genug, dass wir als Subjekte in einer Welt hinfälliger Formen leben, wir leben auch noch in Gemeinschaft mit anderen Subjekten, die vom gleichen Eifer beseelt sind wie wir; sich nämlich über ihren Wert ein echtes Daseinsrecht und damit den Anspruch auf eine unbedingte Existenz zu beweisen. Schon von daher gibt es eine Menge Konkurrenz.
Darüber hinaus hängt unsere Position in dieser Gemeinschaft nicht nur von unserer Tüchtigkeit ab, sondern auch davon, ob uns die anderen fördern, oder ob sie uns gegenüber abweisend sind. Unser Selbstwertgefühl hängt also davon ab, ob andere unsere Ansprüche bestätigen oder nicht. Somit suchen Leute, die bestätigt werden wollen, die Bestätigung bei Leuten, die ihrerseits bestätigt werden wollen. Oft entsteht daraus ein Netzwerk aus wechselseitiger Abhängigkeit, verdecktem Missbrauch und Selbstverleugnung.
Kinder sind die schwächsten Glieder der Gemeinschaft. Gleichzeitig ruft ihr Bedürfnis nach Bestätigung mit der größten Not nach der Erfüllung. Oft wird dieser Ruf nicht gehört. Statt dass die Eltern das Wertgefühl des Kindes durch bejahende Zuwendung stärken, sind sie mit der Jagd nach eigener Bestätigung beschäftigt. In der Folge ignorieren sie das individuelle Wesen ihrer Kinder. Sie wenden sich zu wenig zu, oder sie bedrängen das Kind mit Erwartungen, deren Erfüllung sie selbst bestätigt. In der Folge bleibt beim Kind ein unerfülltes Bedürfnis nach Bestätigung bestehen. Als Erwachsener wird es von diesem Bedürfnis beherrscht.
Die beste Form der Bestätigung, die ein Kind erfahren kann, ist die vorurteilsfreie Beachtung seines Wesens durch die Eltern. Wenn es Bedürfnisse hat, bestätigt deren Befriedigung. Wenn es Impulsen folgt, die es gefährden könnten, bestätigen Schutz und Begrenzung. Es ist klar, dass eine angemessene Antwort der Eltern oft nur schwer zu bestimmen ist. Entscheidend ist die Sorgfalt der Eltern bei der Wahl der Antwort und ihre Fähigkeit dabei von eigenen Bedürfnissen abzusehen.
Nicht alle Kinder haben sorgfältige Eltern, deren eigene Bedürftigkeit befriedigt oder überwunden ist. Der Mangel an Bestätigung, der daraus resultiert, wiegt umso mehr, je bedürftiger das Kind noch ist. Erst wenn das Kind zur Selbständigkeit fähig wird, kann die Missachtung der Signale seiner Bedürftigkeit sogar eine angemessene Bestätigung sein.
Bleibt das Bedürfnis des Kindes nach Bestätigung unerfüllt, führt das zu schwerwiegenden Folgen. Statt dass das Kind den Impulsen seiner Lebendigkeit folgt, verlegt es sich einseitig auf den Erwerb von Bestätigung.
Dabei gibt es verschiedene Strategien:
Das Bedürfnis nach Bestätigung ist eine mächtige Triebkraft. Nicht alles, was zu seiner Befriedigung geschieht, ist schädlich. Sowohl Anpassung an andere als auch Opposition gegen sie können richtig sein. Erst recht gilt das für den Erwerb von Fähigkeiten. Selbst das Streben nach Macht und der blanke Verzicht auf Bedürfnisbefriedigung können Vorstufen nützlicher Entwicklungen sein.
Je mehr Bestätigung seiner Person ein Mensch aber zu brauchen glaubt, desto mehr wird er von seinem Bedürfnis beherrscht. Die guten Folgen werden von schlechten überlagert:
Das Bedürfnis nach Bestätigung bezieht sich beim Kind auf die eigene Person.
Gleiches gilt für den unreifen Erwachsenen. Ist die Person gefestigt, braucht sie nicht mehr die Bestätigung ihrer selbst, sondern nur noch die Bestätigung ihrer jeweiligen Position.
Während das unreife Bedürfnis egozentrisch ist, ist das ausgereifte sachbezogen. Es stellt nicht mehr das Ego ins Zentrum des Bemühens, sondern dessen Haltung in der jeweiligen Situation. Denkt man den Reifungsprozess zu Ende, kommt man zu einem Modell, das dem Zielpunkt spiritueller und mystischer Religiosität entspricht. Der Mensch hat seine Möglichkeit verwirklicht, wenn er der eigenen Person keine besondere Bedeutung mehr beimisst und sich statt dessen als Ausdruck einer umfassenden Einheit begreift.