Niemand ist etwas wert, wenn nicht alle etwas wert sind.

Körperliches ist Gegenstand. Seelisches ist Fürstand. Seelisch gesund ist, wer sich für etwas einsetzt. Da man sich nur für etwas einsetzen kann, wenn man es für wertvoll hält, setzt die Übereinstimmung der Seele mit sich selbst die Wertschätzung des anderen voraus.

Wertschätzung


Wertschätzung geht davon aus, dass der Wert der Sache, die zu schätzen ist, der Sache selbst inne liegt. Der Wert wird als Schatz erkannt. Er wird nicht zugeordnet. Er hängt also nicht von den Zwecken dessen ab, der die Wertschätzung vollzieht. Wertschätzung fragt, ob man die Sache, deren Wert geschätzt wird, um ihrer selbst willen bejaht.

Beim Festlegen eines Preises werden die Zwecke dessen, der den Preis festlegt, als Maßstab angesetzt. Im Gegensatz zum Wert, ist der Preis daher relativ. Während der Wert durch das Urteil von außen weder gesteigert noch gemindert werden kann, hängt der Preis gerade davon ab.

Wertschätzung ist Grundlage seelischer Gesundheit. Nur wer sich einen Wert beimisst, der ihm unabhängig von äußerer Beurteilung inneliegt, kann seelisch gesund sein.

Der Mensch besteht aus persönlicher Individualität und dem Menschsein als solchem. Die persönliche Individualität ist das, was mich von anderen unterscheidet. Das Menschsein als solches ist das, was ich mit allen gemeinsam habe. Da die Individualität dem Menschsein entspringt, ist eine tragfähige Wertschätzung der Individualität ohne Wertschätzung des Menschseins nicht möglich.

Grundvoraussetzung seelischer Gesundheit ist daher nicht nur die Bejahung des eigenen Wertes, sondern die Wertschätzung aller. Sichtweisen, die nicht jedem Menschen einen unbedingten Wert beimessen, sind krankhaft.

Beim pathologischen Narzissmus, also der krankhaften Eigenliebe, kommt es zu einer abgrenzenden Wertschätzung des eigenen Ich im betonten Gegensatz zu anderen. Ursache ist der Versuch selbstverachtender Personen, sich einen Wert durch Idealisierung des eigenen Egos und Abwertung anderer beizumessen.