Vom Neid beherrscht wird nur, wer sich selbst nicht mag.
Wer sich selbst nicht kennt, kann sich nicht mögen.
Neid ist ein komplexes Phänomen. Bei seiner Entstehung spielen verschiedene psychische Prozesse zusammen. Dabei geht es um das Selbstwertempfinden und die soziale Rangordnung.
Wer Neid empfindet, stellt Vergleiche an... und deutet die Resultate als Mißstand.
Neid erschöpft sich aber nicht nur im Bedauern, dass der andere etwas hat oder kann, wörüber man selbst nicht verfügt. Das zeigt der Unterschied zwischen dem Neid, den man gegenüber einen Menschen hegt und dem, den man gegenüber Tieren oder Pflanzen fühlen mag.
Man kann einen Hund um sein Riechvermögen beneiden, einen Vogel, dass er fliegen kann und einen Baum, dass er 1000 Jahre alt wird. So ein Neid hat aber eine andere Qualität, als der gegenüber einem menschlichen Nachbarn.
Beim althochdeutschen Ursprung des Wortes nid war der feindselige Unterton des Neides, den man Menschen gegenüber empfindet, noch deutlich mitgedacht. Nid hieß "Feidseligkeit, Missgunst, Hass und Groll" in einem.
Den Vogel beneidet man zwar um seine Flügel, man ist ihm aber nicht böse, dass er sie hat. Genauso wenig missgönnt man dem Hund, dass er gut riechen kann und dem Baum, dass er 1000 Jahre alt wird. Könnte der Nachbar jedoch fliegen, man selbst aber nicht, wäre die Gefahr groß, dass man sich freut, wenn abstürzt.
Zum echten Neid gehört der Selbstwertzweifel, der aus dem Vergleich menschlicher Fähigkeiten und Rangordnungen resultiert. Daraus folgt die Gefahr einer Feindseligkeit, der der Schaden des Anderen genauso recht ist wie die eigene Chance gleichzuziehen.