Für den Liebenden ist der Wert des Geliebten unabhängig von dem, was er tut. Für den Eifersüchtigen hängt er von der Hoffnung ab, geliebt zu werden.
Je größer der Gewinn, den man, im Vergleich zu dem, was man an sich selbst hat, zu machen glaubt, desto größer die Angst, zu verlieren.
Eifersucht ist mit der biologischen Struktur des Daseins verwoben. Ein Blick in die Natur belegt, dass sie nicht nur Menschen umtreibt. Sie taucht auf, wo Fortpflanzung geschlechtlich erfolgt. Spatzen sind eifersüchtig, Frösche, Geckos und Hirsche erst recht. Zumindest verhalten sie sich so.
Im Tierreich ist Eifersucht vor allem eine männliche Funktion. Das ist logisch. Es verweist darauf, dass Eifersucht nicht nur ein Laster, sondern ein Werkzeug der Schöpfung ist.
Biologische Funktionen von Rivalität und Eifersucht
Je wichtiger die männliche Rolle bei der Brutpflege wird, desto größer wird das weibliche Interesse, nicht nur seine Gene zu bekommen, sondern den ganzen Mann. Da die Aufzucht der Kinder beim Menschen sehr aufwändig ist, haben auch Frauen einen biologischen Grund dazu, eifersüchtig zu sein.
Zur biologischen Funktion der Eifersucht kommt beim Menschen eine psychologische Dimension dazu. Partnerschaft ist bei uns nicht nur Basis der Vermehrung. Kaum einer wünscht sich mit siebzehn eigene Kinder. Fast jeder hätte aber gerne einen Menschen, für den er etwas ganz besonderes ist. Dafür gibt es zwei Gründe.
Psychologische Grundlagen der Eifersucht
Der Hunger nach Bestätigung des eigenen Wertes führt dazu, dass man in Sachen Eifersucht schnell zum Täter wird. Besonders leicht ereifern sich in Liebesdingen junge Leute. Das hat Gründe:
Da das Bedürfnis nach Bestätigung mit wachsender Reife nachlässt, besteht auch bei unerträglichen Tyrannen die Chance, dass sie einst vernünftig werden. Dazu ist eine Entwicklung erforderlich, die nicht jedem gelingt.
Entweder...
...man sammelt soviel Bestätigung von außen durch Erfolge und Eroberung, dass man glaubt, man hätte genug davon...
oder...
...man entwickelt ein eigenständiges Selbstwertgefühl, das auf die Bestätigung von außen nicht mehr angewiesen ist.
Der Vorteil der ersten Variante liegt darin, dass der Kampf um Erfolg und Eroberung zu Erfahrungen führt, die die Persönlichkeitsentwicklung fördern. Der Nachteil ist, dass man bei alleinigem Verlass auf die Erfolge von der Bestätigung durch andere abhängig bleibt. Ganz erwachsen wird man dadurch nicht.
Genauso schnell wie man zum Täter der Eifersucht wird, wird man zu ihrem Opfer. Ein bißchen Eifersucht mag die Lust an der Leidenschaft beleben. Wird man von seinem Partner aber dazu auserkoren, sämtliche Zweifel, die er an sich hegt, ratzekahl und für immer zu beseitigen, kann das Liebesglück sich in eine Hölle verwandeln.
Riskantes Spiel
Eifersucht wird nicht nur vom Opfer erlitten und vom Täter ausgeübt. Eifersucht wird auch bewusst provoziert. Wem die Aufmerksamkeit, die der Partner schenkt, zu wenig ist, kommt womöglich auf die Idee, seine Verlustängste gezielt zu steigern. Was in kleinen Dosen eine Neckerei unter Liebenden ist, wird leichtsinnig angewandt zu einer fatalen Erpressung, die eine große Liebe zerstören kann.
Manchmal ist das Opfer reines Opfer. Manchmal hat es einfach Pech gehabt. Der Partner, der anfangs reif erschien, entpuppt sich als Zweifler ohne echtes Selbstvertrauen und fordert als Heilmittel seiner inneren Wunde ständig neue Beweise dafür, dass keiner seiner Zweifel berechtigt ist.
Oft ist man aber nicht so schuldlos, wie es scheint. Wer sich seiner selbst unsicher ist, sucht sich eher einen Partner, der ihm Schutz verspricht. Vom Beschützer zum Gefängniswärter ist es oft nicht weit; und manchmal kann sich eine Frau vor ihrem Beschützer nur noch schützen, wenn sie einen Gerichtsbeschluss erwirkt.
Eifersucht zeigt einen Mangel an Selbstwertgefühl. Da der Eifersüchtige seinen Blick nach außen richtet, zur Beute, die er bewacht und zu den Rivalen, die er fürchtet, bleibt ihm wenig Achtsamkeit nach innen, wo er den Wert entdecken könnte, von dem er zu wenig weiß. So düngt Eifersucht ihr eigenes Feld.
Um der Plage zu entrinnen, gilt es, den Prozess umzukehren. Es gilt zu unterlassen, was den Blick nach außen richtet und zu üben, wie man sich selbst (an-)erkennt.
Wie geht das?| Was man besser unterlässt | Was Sie tun können |
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