Wer behauptet, Jesus ging übers Wasser, behauptet, dass Mord gerecht sein kann.

Was Menschen von einander trennt, sind niemals die Gene. Es ist der Unsinn, der sie an den Unterschied glauben lässt.

Glaube

  1. Glaube, Demut und Gewissen
  2. Wahn
  3. Bekenntnis

1. Glaube, Demut und Gewissen

Der Begriff Glaube geht auf germanisch ga-laubjan = für lieb halten, gutheißen zurück. Eigentlich meint "glauben" für wahr halten, vermuten. Wo Wissen endet, kann man Vermutungen anstellen. So ergänzt man vorläufig ein lückenhaftes Bild der Wirklichkeit. Wenn man Wissen und Vermutung auseinander hält, ist das Glauben ein nützliches Werkzeug der Erkenntnis.

Gewissensentscheidung

Die Versammlung des Wissens entscheidet, wenn alles Wissen aufzubieten ist, um eine wichtige Entscheidung so richtig wie möglich zu treffen. Für einen gewissenhaften Entscheid ist auch das Wissen über den Unterschied von Wissen und Glauben beizuziehen. Entgegen dem Wissen, dass glauben unsicher ist, einen Glaubensinhalt für sicher zu halten, ist gewissenlos.

Der sprachgeschichtliche Ursprung des Begriffs weist darauf hin, dass man beim Glauben von Wünschen geleitet wird. Lückenhafte Weltbilder ergänzt man nicht mit nüchterner Sachlichkeit. Man füllt sie so auf, dass das Bild entsteht, das man haben will.

Was man will oder nicht, was man sich wünscht oder fürchtet, hängt von den Ängsten und Sehnsüchten des Egos ab. Was eine Person glaubt, ist nie selbstlos, sondern an der Erwartung persönlicher Vor- und Nachteile ausgerichtet.

Demut heißt, nichts zur Gewissheit zu erklären, was man nicht selbst erkennt. Zu glauben, weil es absurd ist, ist eine Rebellion wider Gott. Es setzt das Ich und seinen Eigensinn über jene Wirklichkeit, die sich tatsächlich offenbart.

Im Wort Gewissen trifft man auf die Silbe Ge-. Ge- signalisiert, dass man es mit einer Versammlung zu tun hat. Das Gewissen ist eine Versammlung des Wissens. Die Versammlung des Wissens wird einberufen, wenn es eine Frage zu klären gilt, für die alles verfügbare Wissen aufzubieten ist.

2. Wahn

Psychisch gesund ist, wer sich so verhält, dass es dem entspricht, was er als wahr erkennt. Wer psychisch gesund sein will, muss daher von dem ausgehen, was er überhaupt als wahr erkennen kann. Und er muss sich dem entsprechend verhalten.

Monopoltheologien fordern, sich gemäß Lehrsätzen zu verhalten, die grundsätzlich nicht als wahr erkennbar sind.

Das Wesen des Geistes liegt im Befragen der Wirklichkeit. Wer statt zu fragen zustimmt, hat sich vom Geistigen abgewandt.

Beispiele:

Es stimmt: Diese Lehrsätze könnten wahr sein. Ihr Wahrheitsgehalt ist aber nicht überprüfbar. Wer sich so verhält, als sei der Wahrheitsgehalt solcher Lehrsätze festgestellt, ist psychisch krank.

Die Grundlage aller Monopoltheologie ist eine Krankheit des Geistes: Unüberprüfbares für überprüft zu erklären und Zustimmung zu fordern. Monopoltheologien kennen weder den Wert des Menschen noch den Wert der Wahrheit. Wert ist ihnen weder Mensch noch Wahrheit, sondern deren beider Unterwerfung unter vermeintlich göttliche Gewalt.

Da Geist aber nicht Unterwerfung, sondern Entbindung bedeutet, wird man umso kränker, je mehr man sich mit den Glaubenssätzen der Monopoltheologien identifiziert. Die vollständige Identifikation entspricht einer wahnhaften Störung.

3. Glaube und Bekenntnis

Wie leicht wäre es...

...die Menschheit ohne ein Fünkchen Gewalt vom christlichen Glauben zu überzeugen, gäbe es bloß einen Missionar, der selbst soviel wie ein Senfkorn davon hätte.

Matthäus 17, 20: *
Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Geh von da weg dorthin!, und er wird weggehen, und nichts wird euch unmöglich sein.

Markus 16, 17:*
Als Zeichen aber werden denen, die glauben, diese zur Seite sein: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, mit neuen Zungen reden...und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden.

An die Bibel kann nur glauben, wer nicht zur Kenntnis nimmt, was sie verkündet.

Was aber, wenn Sie bereit sind, an den lila Haarwuchs zu glauben? Glauben Sie es dann? Glauben Sie, weil Sie zu glauben entschlossen sind? Nein, Sie glauben es immer noch nicht.

Das Beispiel zeigt: Man kann feststellen, was man glaubt. Entscheiden, was man glaubt, kann man aber nicht. Was man glaubt, ergibt sich spontan aus dem, was man für realistisch hält. Und das, was man für realistisch hält, hängt davon ab, was man weiß und was man sowieso schon glaubt.

Da man nicht entscheiden kann, was man glaubt, ist bloßer Glaube moralisch bedeutungslos.

Obwohl man sich inhaltlich nicht zum Glauben entscheiden kann, ist das Bekenntnis zu einem vorgegebenen Glaubensatz laut monopoltheologischer Lehre der entscheidende Schritt zwischen endlosem Lohn und ewiger Strafe. Gewiss: Je weniger man weiß, desto eher kann man glauben. Wer aber zuviel weiß, der kann nur noch so tun, als ob.

Die Mehrzahl derer, die sich als "Christ", "Jude" oder "Moslem" bezeichnen, ist nur deshalb nicht psychisch krank, weil sie das jeweilige Credo nicht wirklich glauben. Sie glauben, dass sie glauben sollten, oder sie glauben, dass sie glauben. Tatsächlich glauben sie aber nicht.


* Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament, Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966.