Wenn man ihm entgegenkommt, macht man es dem Falschen leichter. Das Wahre entdeckt man, indem man das Falsche verwirft.

Sich auf Gott zu berufen, macht einen Glauben nicht zur Religion.

Da das Eine nur Eines ist, schließt es nichts aus. Da es kein Zweites hat, ist es selbstbestimmt. Was ausschließt oder Selbstbestimmung behindert, verstößt gegen die Ordnung des Einen.

Gehorsam ist Widerstand gegen Gott.

Je falscher ein Glaube, desto heftiger reagiert er auf Kritik.

Wer erniedrigen will, glaubt an Götter, die Unterwerfung fordern.

Konfession


  1. Begriffsbestimmung
  2. Bekenntnis, Spaltung und Abwertung
  3. Abrahamitische Glaubensbekenntnisse
  4. Merkmale, Motive und Themen abrahamitischer Konfessionen
  5. Positive Aspekte konfessioneller Kulte

1. Begriffsbestimmung

Wohlgemerkt

Konfessionelle Gemeinschaften sind für krankhafte kulturelle Grundlagen verantwortlich. Das heißt aber nicht, dass man karitative Angebote ihrer Glaubens­organisationen umgehen müsste. Trotz fragwürdiger theologischer Vorgaben ist es zum Beispiel dem Christentum gelungen, wohlmeinende, kompetente und engagierte Menschen an sich zu binden, die im Auftrag ihrer Organisationen qualitativ hochwertige Angebote machen. Sollten Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich daher getrost an ⇗Caritas und ⇗Diakonie.

Konfession (lateinisch con-fiteri = bekennen) heißt Bekenntnis. Im Horizont organisierter Religionen kommt ihm entscheidende Bedeutung zu. Der Gläubige hat sich zu dieser oder jener Lehre zu bekennen. Durch das Be­kenntnis schließt er sich der jeweiligen konfessionellen Gruppe an. Tut er es nicht, gilt er zumindest eschatologisch gesehen als absolut wertlos. Tut er es und befolgt er vorgegebene Regeln, ist ihm das Heil angeblich sicher.

Die Eschatologie (griechisch ta es-chata [ταεσχατα] = letzte Dinge und logos [λογος] = Lehre) befasst sich den letzten Dingen. Gemeint ist der hypothetische Endpunkt der Menschheitsgeschichte, an dem über Wert und Unwert jedes Einzelnen gerichtet wird.

Zum abrahamitischen Kulturkreis gehören Judentum, Christentum, Islam und alle übrigen Sekten, die ihr Selbstverständnis mit dem Mythos um den hebräischen Urvater Abraham in Verbindung bringen. In den Augen der entsprechenden Glaubensbekenntnisse wird der Unwert der Ungläubigen nicht erst am Endpunkt festgestellt und abschließend bestraft. Er wird vielmehr als gegenwärtig betrachtet, sodass die Benachteiligung, Bekäm­pfung und Vernichtung Konfessionsfremder als Auftrag Gottes gewertet wird.

Konfessionelle Religionen sind regelhaft monopoltheologisch. Im Ge­gensatz zum echten Monotheismus erheben sie Anspruch, von Gott beauftragt zu sein, das Leben ganzer Völker zu bestimmen. Jede Monopoltheologie strebt die Beherrschung der Menschheit an; die eine durch die Ausrufung des auserwählten Volkes, die anderen durch die Behauptung universeller Verbindlichkeit für alle.

Vereinnahmte Begriffe
Offenbarungsreligionen haben wichtige Begriffe für sich vereinnahmt: Religion, Glaube, Gott, Jenseits. Sie tun so, als hätten sie das Recht, sie verbindlich zu deuten. Ihren vermeintlichen Auftrag definieren sie als Monopol. Um zu verstehen, was Religion tatsächlich ist, nützt es, sich auch mit dem zu befassen, was sie verfehlt. Wer solche Begriffe nicht aus der traditionellen Deutung befreit, verirrt sich, sobald er sie beim Denken einsetzt.
Der Buddhismus ist kein konfessioneller Glaube. Er verspricht niemandem einen Lohn dafür, dass er sich zum Buddhismus bekennt und er droht niemandem Strafe an, wenn er es bleiben lässt.

Üblicherweise wird der Begriff Konfession zur Unterscheidung christ­licher Glaubensparteien verwendet. Tatsächlich ist aber nicht nur das Christentum samt seiner Aufspal­tungen (katholisch, protestantisch, orthodox, anglikanisch, lutherisch, baptistisch, neuapostolisch, koptisch, mennonitisch usw.) konfessionell, sondern auch das Judentum und der Islam einschließlich seiner Unterteilung in Sunniten und Schiiten.

2. Bekenntnis, Spaltung und Abwertung

Bewässern heißt mit Wasser versehen. Analog dazu heißt bekennen mit einem Kennzei­chen versehen. Kennzeichen dienen der Unterscheidung. Durch das Kennzeichen wird das Gekennzeichnete von dem geschieden, was das Kennzeichen nicht trägt.

Ein- und Ausschluss

Bekenntnisse schließen nicht nur ein, was sich bekennt. Sie schließen zugleich aus, was kein Bekenntnis vollzieht. Deshalb ist jedes Glaubens­bekenntnis, das Bekennern einen höheren Wert zuspricht als Nicht-Bekennern, ein feindseliger Akt.


Menschenverachtung

Jedes Denksystem, das den Wert eines Menschen von Kriterien abhängig macht, die seinem Menschsein nicht unverlierbar inneliegen, ist menschenverachtend. Dies trifft auf Judaismus, Christentum und Islam in gleicher Weise zu. Alle drei tasten die Würde des Menschen an, um sich selbst zu erhöhen.


Glaubensformeln sind dogmatische Vorstellungsbilder. Sobald sie sich für wahr erklären, lügen sie. Wer Dogmen nicht verwirft, setzt das Heilige herab.

Die Juden kann man als primäre Opfer des Judaismus bezeichnen oder als dessen Sklaven. Moses hat die Hebräer nicht nur aus der Sklaverei Ägyptens befreit, er hat sie auch in die Sklaverei eines politisch motivierten Dogmenkults geführt.

Das Kennzeichen Mensch ist Wesensausdruck des Menschen selbst. So wie es die Schöpfung faktisch vollzogen hat, kommt das Kennzeichen Mensch jedem Menschen in gleichwertiger Ausdrucks­stärke zu. Es wohnt dem Menschen jenseits bloß menschlicher Begriffe inne.

Konfessionelle Kulte ordnen dem Kennzeichen Mensch andere Kenn­zeichen über: zum Beispiel Jude, Christ oder Moslem. Nicht mehr das Kennzeichen Mensch verbrieft in der Folge den Wert des Menschen an sich, sondern die jeweilige Gruppenzugehörigkeit, die durch das Zusatzkennzeichen benannt wird. Die Eigenschaft Mensch wird dadurch entwertet. Das Menschsein an sich ist nach immanenter Lehre von Bibel und Koran nicht mehr wert, als Schmutz, Tier oder Gassenkot (siehe: Psalm 18 sowie Sura 8, 56 und Sura 9, 28).

Natürlich steht weder in der Bibel der Satz: Der Mensch an sich ist nur Gassenkot, noch steht im Koran: Der Mensch an sich ist Schmutz. Wenn man die Logik der Texte aber zu Ende denkt, sind genau diese Aussagen darin enthalten. Und selbst wenn Bibel und Koran nicht per se bereits Menschenverachtung und Willkür predigten, ginge ihre Wirkung mehr von immanenten Botschaften als von oberflächlichen Aussagen aus; weil verdeckte Botschaften ins Weltbild der Gläubigen eindringen, ohne dass ihr Eindringen durch bewusste Reflektion erschwert wird.

Jede Konfession spaltet die Menschheit in sich wechselseitig entwertende Lager. Jede Konfession ist menschenverachtend und verstößt gegen die göttliche Ordnung des Einen.

Verschwendeter Mut

Um dem Bekenntnis zu ihrem Glauben treu zu bleiben, haben Juden im Laufe der Geschichte unfass­bares Leid auf sich genommen. Ihr Mut hat unseren höchsten Respekt verdient. Leider war dieser Mut aber zum größten Teil verschwendet. Statt dem nachweisbar Wahren treu zu bleiben...

Wahr ist, dass man nicht wissen kann, ob Gott tatsächlich Moses beauftragt hat.

... verlangt der Judaismus von den Gläubigen ein Bekenntnis zu unbeweis­baren Lehrsätzen. So wurden die Opfer statt dem Wahren Dogmen dargebracht und dienten damit dem Vorbild, das Wahre im Dienste des Willkürlichen zu übergehen; was Judenfeinde aller Art ermutigt, es mit ihren Glaubenssätzen ebenfalls zu tun.

2.1. Abwertung und Politik

Abrahamitische Kulte sind beispielhaft politisch. Politisch heißt: Ihr vorrangiges Ziel ist die Lenkung sozialer Gemeinschaften. Um soziale Gemeinschaften zu lenken, bedarf es politischer Macht. Zur Gründungszeit abrahamitischer Kulte war Macht stets hierarchisch. Macht kann umso besser hierarchisch ausgeübt werden, je geringer das Selbstwertgefühl der Regierten ist.

In der Folge ist die mythologische Grundstruktur abrahamitischer Kulte darauf ausgelegt, die Entwicklung eines unbedingten Selbst­wertgefühls zu verhindern. Den Grundstein dafür legt die Bibel mit dem Mythos der vermeintlichen Ursünde. Dort heißt es:

1 Moses 3, 22-23:*
Dann sprach er:" Ja, der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden, da er Gutes und Böses erkennt. Nun geht es darum, daß er nicht noch seine Hand ausstrecke, sich am Baum des Lebens vergreife, davon esse und ewig lebe. So stieß ihn denn Gott.... hinaus, damit er den Erdboden bestelle, von dem er genommen war."

Der Mythos beschreibt als tiefste Sünde, dass der Mensch nach Qualitäten strebt, die göttlich sind. Indem er ihn mit dem Boden gleichsetzt, den er zur Abwehr seines Strebens nach Höherem zu bestellen hat, verneint der Mythos jede Möglichkeit, dass der Mensch nicht nur Gemachtes, also etwas der Willkür Ausgeliefertes, Austausch- und Wegwerfbares, sondern dass er des einzig unbedingten Werts, den seine Beschreibung des Kosmos enthält - des göttlichen nämlich - teilhaftig ist. Dass der Kult den Lehrsatz vom kategorischen Unwert des Menschen gleich am Anfang betont, entspringt der Logik seines politischen Ansatzes. Es gilt, Menschen im Glauben ihres Unwerts zu halten, weil sie dann leichter zu beherrschen sind und weil nur die These der vollständigen Profanität des menschlichen Wesens zu glauben erlaubt, dass Mord göttlicher Auftrag sein kann.

Es ist kaum davon auszugehen, dass die Wahl des Mythos bewusst erfolgte; so als hätten sich die Begründer des mosaischen Glaubens gezielt einen Mythos ausgedacht, der das Menschsein entwertet. Eine Gestalt heißt vielmehr: Die hebräischen Machthaber, die dem Vorsatz folgten, Völker auszurotten, hatten bereits ein entwertendes Menschbild, dem der Mythos als Einfall aus dem Unbewussten ohne weiter reflektierendes Kalkül spontan entsprang. Der Mythos lag in der Logik ihres Denkens.

Im nächsten Schritt lockt der Glaube die Entwerteten mit dem diametral dazu passen­den Angebot: Wenn du dem Glauben, der deinen Unwert betont, kritiklos dienst, erwirbst du als Diener den Wert, den du aus dir heraus niemals haben wirst. All das ist Komponente einer Gestalt. Ihr Pate heißt Politik.

Zum politischen Vorsatz gehörte der Mord an den Kanaanitern. Der gläubige Israelit konnte im Glauben morden, dass der eigentliche Wert, der einem Menschen zukommt, nicht in einem Menschsein liegt, das zu Recht an göttlichen, also unbedingten, Qualitäten teilhat, sondern in einem Auserwähltsein, das auch nur dann bedingten Wert verleiht, wenn man dem Glauben, dass es so ist, ohne Anspruch auf eigene Erkenntnis gehorcht. Ob es die eine Ursünde überhaupt gibt, sei dahin gestellt. Zu den Sünden des Geistes gehört jedenfalls nicht der Griff zum Baum der Erkenntnis, sondern die Tatsache, dass er bloßen Glaubensbildern folgte, statt die Äpfel aufzuessen, die die Schöpfung an die Bäume hängt.

2.2. Psychodynamik der Entehrung
Falscher Glaube will Konformität. Wahrer Glaube will Identität.

Die Abwertung des Subjekts zu einem Objekt, dessen Aufgabe darin besteht, vorge­gebene Denkmuster zu vollstrecken, schwächt das Selbstwertgefühl im Kern. Da die Würde des Menschen in der Subjektivität besteht, also in Selbstbestimmung, eigenständigem Urteil und individuellem Entwicklungspotenzial, entehrt Offenbarungs­glaube das Menschsein an sich. Das führt bei dem, der die entsprechenden Lehrsätze verinnerlicht, zu einem Selbstwertzweifel, der kaum je bewusst erkannt, geschweige denn seiner Ursache zugeordnet wird.

Je erfolgreicher abrahamitischer Glaube dem Menschen unbedingte Würde raubt und ihm als Ersatz die Wertschätzung seiner Konformität in Aussicht stellt, desto empfind­licher reagiert der Gläubige auf Kritik an dem, was ihm angeblich Ehre von außen verleiht. Er identifiziert sich mit dem Aggressor und verteidigt das, was ihn tatsächlich entehrt: seine Unterwerfung unter einen Glauben, der ihn glauben macht, der Verrat an sich selbst gereiche ihm zur Ehre.

3. Abrahamitische Glaubensbekenntnisse

Der Gott des Ego ist allmächtig. Gott selbst ist allfrei.

Die mächtigsten Konfessionen sind Judaismus, Christentum und Islam. Alle drei berufen sich auf Moses und dessen Lehre vom parteiischen Gott. Die Grundidee stammt aus Ägypten und Mesopotamien. Schon Pharaonen und Babylonier hielten es für selbstverständlich, Macht als gottgewollt zu deklarieren. Der Erste, der alle zum Glauben an einen einzigen Gott verpflichten wollte, war der Ägypter Echnaton. Er lebte etwa 1340 vor Christus, also circa 100 Jahre vor Moses.

Gefangenschaften

Dreimal geriet Israel in Gefangenschaft:

In die mythologische Gefangenschaft wurde es durch Moses geführt. Es sieht nicht so aus, als würde es sich bald daraus befreien. Der menschliche Wunsch heraus­zuragen, ist zu groß, als dass er das Gefängnis einer Vorstellung verließe, die ihm verheißt, etwas Besonderes zu sein.

Die hebräische Tradition ihrerseits beschreibt sich als Erbe des mythischen Urvaters Abraham. Für dessen Bereitschaft, seinen Sohn Isaac zu opfern, habe Gott Abrahams Nachkommen Landbesitz versprochen.

1 Moses 15, 18:*
An jenem Tag schloß der Herr mit Abram einen Bund: "Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben, vom Strom Ägyptens bis zum großem Euphratstrome...

Im Erfahrungshorizont der hebräischen Stämme des zweiten Jahr­tausends vor Christus umfasste das benannte Gebiet die ganze Welt. Judaismus, Christentum und Islam werden als abrahamitische Religionen bezeich­net. Ihr jeweiliger Anspruch ist es, ihre Herrschaft weltumfassend auszudehnen.

3.1. Das jüdische Vorbild

Der jüdische Glaube behauptet, dass die Zugehörigkeit zum auser­wählten Volk beim Kampf um Reichtum, Land und Macht göttlichen Beistand bewirkt. Historischer Hinter­grund der mosaischen Sektengründung war Moses' Plan zur Eroberung Kanaans und zum Mord an den kanaanitischen Völkern.

Moses kann als erster Nationalsozialist der Geschichte aufgefasst werden. Das Themenrepertoire des hebräischen Aufbruchs - privilegierte Rolle des eigenen Volks gegenüber allen anderen, Eroberung von Lebensraum, als Endlösung geplanter Völkermord, Errichtung einer Diktatur, Weltherrschaft und Ausbeutung von Fremdvölkern - hat Hitler 3000 Jahre später aus den geistigen Strukturen des jüdisch-christlichen Abendlands als Blaupause übernommen. Sogar Hakenkreuz und Davidstern sind ähnlich. Beide bestehen aus 2 x 3 Strichen. Nur die Winkel sind anders gesetzt.

Zu Moses Plänen passte eine spaltende Ideologie, die Gehorsam verlangt, Wert und Lebensrecht rivalisierender Völker verneint, das eigene Volk gleichschaltet und alle religiösen Impulse dem politischen Vorsatz unterstellt.

2 Moses 32, 25-29:*
Moses bemerkte, daß das Volk zügellos war. Aaron hatte es nämlich ausarten lassen zur Schadenfreude ihrer Feinde. Da... rief (Moses): "Wer für den Herrn ist, trete zu mir!" Da scharten sich alle Leviten um ihn. Er sprach zu ihnen: "... es töte ein jeder selbst den Bruder, Freund und Nächsten!" Die Leviten handelten nach des Moses Befehl. So fielen an jenem Tag vom Volk gegen 3000 Mann."

5 Moses 33, 27:*
... der uralte Gott... hat geboten: Vertilge!... Heil, Israel, dir! Wer ist wie du? Ein Volk an Siegen reich durch den Herrn! Er ist... das Schwert, das dich erhöht .

Der hebräische Gott wurde als Waffe im Dienst nationaler Interessen beschrieben. Resultat war der erste rassisch begründete Völkermord der Geschichte, der ausdrück­lich als Endlösung geplant war.

5 Moses 7, 20:*
... bis die Übriggebliebenen vernichtet sind und auch die, welche sich vor dir versteckt haben...

5 Moses 19, 1:*
Wenn der Herr... die Völker ausrottet, deren Land der Herr... dir verleiht... und wenn du sie vertrieben... hast...

Die dabei angefallene Schuld wird durch ein sekten­spezifisches Repertoire willkürlicher Thesen und ritueller Handlungen verleugnet.

Kein Glaubensbekenntnis, das den Anspruch erhebt, für alle oder eine bestimmte Gruppe zu gelten, ist jemals friedlich.

Nachdem die mosaische Verheißung vom Endsieg Israels trotz vollstrecktem Völkermord nicht in Erfüllung ging, bildete sich die messianische Erwartung. Sie verhieß, dass ein König aus dem Hause David kommen wird, der die Feindvölker der Israeliten in einem apokalyptischen Krieg vernichtet oder sie in deren Knechtschaft zwingt.

Sacharja 12, 6:*
An jenem Tag mache ich die Sippen Judas gleichsam zu einem Feuerbecken im Holzstoß und zu einer Brandfackel im Garbenhaufen, so daß sie zur Rechten wie zur Linken alle Völker ringsum verzehren.

Sacharja 14, 14-18:*
Der Besitz aller Völker ringsum wird eingebracht, Gold, Silber und Kleider in großer Menge.

Isaias 61, 6:*
Dann stehen Fremde bereit, euer Kleinvieh zu weiden, Ausländer sind eure Bauern und Winzer. Euch aber nennt man "Priester des Herrn". Die Habe der Völker werdet ihr genießen...

Weil Könige im alten Israel zum Zeichen ihrer Machtergreifung gesalbt wurden, nannte man den erwarteten König Messias (hebräisch Maschiach [משיח] = der Gesalbte.)

3.2. Die christliche Erweiterung

Jesus glaubte, der jüdische Messias zu sein. Er glaubte, er könne die Apokalypse, also ein Eingreifen Gottes, das alle Gegner vernichtet, durch sein Martyrium erzwingen; und dadurch den Endsieg Israels über die Nachbarvölker. Nach seinem Scheitern übertrug Paulus das mosaische Gottesbild auf die sogenannten Heiden. Ohne persönliche Kenntnis des historischen Jesus setzte er Textpassagen der Evangelien und des Alten Testaments für seine persönliche Botschaft willkürlich zusammen. Das theologische Unrecht seiner Erweiterung der hebräischen Verheißung auf nicht-hebräische Völker liegt in der Bibel offen zu Tage. Es wird von den christlichen Kirchen verleugnet.

Dogmenglaube und Demokratie

Die Mehrheit der Christen glaubt heute, ihr Glaube sei mit Demokratie vereinbar. Tatsäch­lich ist ein demokratisches Christentum aber nur soweit möglich, wie es den prophetischen Anspruch der eigenen Lehre faktisch verwirft und sich auf die Vertretung einer Reihe moralischer Grundregeln beschränkt, für die andere Glaubensbekenntnisse ebenso einstehen. Ein Christentum, das daran glaubt, von Gott beauftragt zu sein, ist nur mit einer Gesellschaftsordnung vereinbar, die das Individuum entmündigt.


Traurig aber wahr

Viele Sklaven träumen nicht von der Freiheit, sondern von der Versklavung aller.


Islam heißt Unterwerfung. Unterwerfung heißt Unfreiheit. Wer für Unfreiheit eintritt, ist der Freiheit nicht würdig.

Kein Mensch, der an Gott glaubt, hasst den, der ihn dafür verspottet.

Jedes Bedürfnis, zu unterwerfen ist für an­dere gefährlich. Auch das Bedürfnis, es mit sich selbst zu tun. Wer sich unterwirft, ent­wertet sich. Wer einen Menschen entwertet, ermutigt zur Entwertung anderer.

Die Feindseligkeit des Judaismus gegenüber Fremdvölkern über­setzte Paulus bei der Umdeutung der hebräischen Texte in eine Feindseligkeit des Christentums gegenüber jeder nicht-christlichen Kultur. So wie der klassische Judaismus sich als zukünftige Mono­polmacht sieht, die von Israel aus die Welt beherrscht, so bean­sprucht auch das Christentum übergreifende Macht. Solange es ihm möglich war, hat es fremde Kulturen systematisch vernichtet.

Dank der Aufklärung wurde die Aggression des Christentums beschränkt. Ohne die Aufklärung würden auch heute noch Ketzer und Hexen verbrannt.

3.3. Der islamische Entwurf

Mohammed gründete unter Berufung auf die jüdische und christ­liche Tradition eine dritte Variante der mosaischen Lehre. Auch sein Anspruch, nämlich Vollender der mosaischen Theologie zu sein, entbehrt jeden Belegs. Er ist durch die Lektüre des Alten Testaments zu entkräften.

Da der Koran eine eigene literarische Schöpfung ist und die hebräischen Texte nur zwecks Behauptung der eigenen Bedeutung erwähnt, ist der irrige Anspruch Mohammeds für seine Leser schwer erkennbar.

Der Begriff Mohammedaner gilt heute als politisch unkorrekt. Das ist bedauerlich und zeigt im gleichen Zuge die Verwerflichkeit des Islam. Dessen Glaubensbekenntnis besteht aus zwei Teilen: aschhadu an la ilaha illa 'llah = Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt, und: aschhadu anna Muhammadan rasulullah = Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist. Was einen Moslem nun zum Moslem macht, ist nicht der erste Teil des Bekenntnisses, denn den ersten Teil bestätigt auch jeder andere Monotheist oder Monopoltheologe. Also ist es das Bekenntnis zur Berufung Mohammeds, was einen Moslem auszeichnet. Der alte Name trug dem Rechnung.

Dass man nicht mehr unbefangen von Mohammedanern spricht, ist ein Zugeständnis an die Feindseligkeit des Islam, der die Wahrheit ebenso fürchtet, wie er sie anderen verbieten will. Wäre der Begriff Mohammedaner tatsächlich abwertend, müssten es Jude (Juda war der vierte Sohn Jakobs), Christ oder Jesuit ebenso sein. Auch diese drei verweisen auf menschliche Personen. Der Begriff Mohammedaner ist nicht abwertend, sondern seine Bannung ist illegitim überhöhend, weil sie die Fehlbarkeit alles Menschlichen zu verleugnen versucht. Wer den Begriff ablehnt, hat sich der Anmaßung bereits unterworfen.

Darüber hinaus ist niemand in der Lage, die Berufung Mohammeds zu bezeugen. Man kann zwar daran glauben, ein Zeuge muss aber dabei gewesen sein. Wenn nicht, legt der vermeintliche Zeuge falsch Zeugnis ab.

Mit komplizierten Argumen­ten, so wie es Paulus nötig hatte, brauchte Mohammed sich bei der Verkündung seiner Lehre nicht zu plagen. Stattdessen hat er die mosaische Grundidee vom göttlichen Auftrag zur Machtergreifung für die eigene Sache in einfache Worte gefasst. Den totalitären Charakter seiner Vorgänger hat er dabei kopiert.

Die Unterscheidung zwischen Islamismus und Islam, ist ein politischer Schachzug. Dass der Islam Frieden predigt und der Islamist daher gegen die Lehre verstößt, ist falsch. Es gibt keinen friedlichen Islam. Islam heißt Unterwerfung und Unterwerfung heißt Krieg.

Genauso gut könnte man sagen, dass die Inquisi­tion nicht christlich war und ultraorthodoxe Juden gegen die Thora verstoßen. Islamisten, christliche Fundamentalisten und Ultraorthodoxe sind vielmehr die, die sich wirklich um die Befolgung ihres Glaubens bemühen. Die anderen laufen mit ohne wirklich überzeugt zu sein.

Zu allem Übel wird in der islamischen Welt durch die rücksichtslose Einmischung der jüdisch-christlichen eine Militanz geschürt, deren Feindseligkeit auch aus den ursprünglich jüdischen Wurzeln des Islam in die Gegenwart fließt.

Auch der Islam ist eine feindselige Weltanschauung, die sich durch ihre Grundstruktur dazu verurteilt hat, Andersdenkende niemals als vollwertig anerkennen zu können. Seinem Anspruch verpflichtet ruft er zu deren Entwertung und Ermordung auf.

Integration oder Waffenstillstand

Es liegt im Wesen jeder Monopoltheologie, konkurrierende Weltbilder nicht als gleichberechtigt anzusehen. Keine Koexistenz zwischen Judentum, Christentum und Islam kommt über den bloßen Waffenstillstand hinaus. Eine Integration von Menschen der drei Kulturkreise geht immer nur soweit wie sich deren Mitglieder aus der jeweiligen Irrlehre lösen; oder sie niemals wirklich verinnerlicht haben.

Der Begriff Integration entstammt dem lateinischen Verb integrare = heilen, unversehrt machen, wiederherstellen. Jede Monopoltheologie spaltet die Gemeinschaft in Gläubige und Ungläubige, in vermeintlich Rechtschaffene und angeblich Wertlose, in Heilsanwärter und Vernichtungs­kandidaten.

Monopoltheologien desintegrieren menschliche Gemeinschaften durch ihre schiere Gegenwart. Sie tun es erst recht, wenn sie aufeinandertreffen; weil sie sich in der Begegnung wechselseitig infrage stellen, was ihre grundlegende Aggression verstärkt. Der Bau von Moscheen, Synagogen und Kirchen ist kein Zeichen der Integration. Er ist zu Stein gewordene Zersplitterung. Nur ein Geist, der alle Propheten entthront, kann Gotteshäuser bauen, in denen kein Hass gepredigt wird.

4. Merkmale, Motive und Themen abrahamitischer Konfessionen

Dogmen

Dogmen sind prophetisch verkündete Lehrsätze, deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfbar ist. Sie dienen dem Macht­anspruch des jeweiligen Glaubens­bekenntnisses und der Abgrenzung der Bekenner vom Umfeld. Da zwischen Wahrheitsanspruch und Beleg von Dogmen eine Lücke klafft, ist jeder dogmatische Glaube gewaltbereit. Wo ein Dogma nicht überzeugen kann, benutzt es Gewalt, um seine Bestätigung zu erzwingen.


Jeder Prophetenglaube ist eine Kriegs­erklärung. Egal was seine Lippen sagen, indem sich der Prophet zum Beauftragten Gottes erklärt, stellt er sich über andere und sagt: Ihr habt euch mir zu beugen. Damit hat er den Frieden gebrochen.

Der gemeinsame Glaube der abrahamitischen Kulte an den hebrä­ischen Kriegsgott...

Jeremias 31, 35:*
Herr der Heerscharen ist sein Name.

... führt zu einem Bündel von Merkmalen, Motiven und Themen, das alle Varianten miteinander teilen; ungeachtet der Wucht, mit der sie sich gegenseitig entwerten.

4.1. Propheten

Der Begriff Prophet geht auf griechisch pro-phanai (προ-φαναι) = vorhersagen, verkünden zurück. Gemeinsamer Nenner konfessio­neller Kulte ist die Behauptung, Wahrheit werde nicht vom menschlichen Geist gesucht und entdeckt, sie werde ihm vielmehr offenbart und aufgezwungen. Dies geschehe durch Verkünder, die den Übrigen im Auftrag Gottes mitteilen, wie die Wirklichkeit fortan zu deuten ist.

Tatsächlich gibt es keine Religionsstifter. Es gibt Sektengründer. Religion ist eine universelle Wissenschaft: die vom wahren Grund der Dinge. Wie das Gebiet anderer Wissenschaften kann auch ihr Gebiet erforscht und die gewonnenen Erkenntnisse können angewendet werden. Ebenso wenig wie Chemie, Geologie oder Teilchenphysik ist Religion jedoch ein Stiftungswerk. Gestiftet wird nicht Religion, sondern allenfalls eine mythologische Interpretation.

Da Verkündungen aus dem Mund göttlich Beauftragter als unfehlbar gelten, ist jeder Widerspruch sinnlos. Mehr noch: Widerspruch wird zu diabolischer Sünde, was die Vertreter des Glaubens verpflichtet, gegen abweichende Sichtweisen mit aller Härte vorzugehen.

Zur Logik des Prophetentums gehört die Predigt der Gewalt.

Auf griechisch phanai = sprechen geht auch das Wort Bann zurück. Beide sind mit indogermanisch bhā- = sprechen verwandt. Im Auftrag der Propheten wird im Alten Testament gegen Abweichler, Kriegsgegner...

Jeremias 48, 10*:
Verflucht, wer das Werk des Herrn nachlässig vollbringt, verflucht, wer sein Schwert zurückhält vom Blut!

... und Widersacher der Bann ausgesprochen. (Ver-)bannen heißt: aus der Gemeinschaft verstoßen. Der Bann wurde entweder durch Totschlag vollstreckt oder als Ausschluss und Vertreibung vollzogen.

4 Moses 21, 1-2:*
Da legte Israel dem Herrn ein Gelübde... ab: "Wenn du dieses Volk in meine Gewalt gibst,... vollstrecke ich an ihren Städten den Bann." Der Herr erhörte das Rufen Israels... und man vollstreckte... den Bann.

5 Moses 2, 34:*
Wir nahmen... all seine Städte ein und vollstreckten überall an Männern, Frauen und Kindern den Bann. Niemand ließen wir übrig zum Entweichen.

Das Bannen, also der Aufruf zur Ermordung Andersdenkender oder zu deren Ausgrenzung, geht mit Auftritt und Wirken sogenannter Propheten Hand in Hand.

4.2. Predigten und Priester
Der Begriff Missionar kommt von lateinisch missio = die Entsendung. Die Anwerbung weiterer Bekenner ist grundsätzlich kein religiöser, sondern ein politischer Akt.

Achtsam wahrzunehmen, ist der Empfang des Wahren aus Gottes Hand. Etwas gesagt bekommen, ist eine Mitteilung von Meinung aus Menschenmund.

Als nachgeordneter Vertreter von Glaubensdogmen etabliert sich im Gefolge von Propheten ein professioneller Priesterstand. Er hat den Auftrag, die verkündete Lehre zu verbreiten. Demselben Zweck dient ein weiteres Merkmal: die ideologie-konforme Ausrichtung der Kinder. Das Einschärfen eines linientreuen Weltbilds ist die wesentliche Aktivität, mit der sich der Klerus beschäftigt.

2 Moses 13, 8:*
Du sollst es [das Gesetz] deinem Sohne einschärfen...

Predigen entstammt dem lateinischen prae-dicare = vor-sagen. Der politische Charakter dogmatischer Kulte bringt es mit sich, dass Monopoltheologien gar nicht erst zulassen, dass sich beim Kind ein eigenständiges religiöses Interesse entwickelt. Das Kind wird ab Geburt auf ein bestimmtes Denkmuster eingeschworen. Im Islam wird das Glaubensbekenntnis dem Neugeborenen als ersten Satz, den es im Leben zu hören bekommt, ins Ohr geflüstert.

Mit Religion im eigentlichen Sinne haben Glaubenssysteme, die Vorsager aussenden, nur wenig zu tun. Sie lenken den Blick der Gläubigen nicht auf die Wirklichkeit, in der göttlich verbriefte Wahrheit zum Ausdruck kommt, sondern auf verbale Bilder, die der Gläubige nachzusprechen hat. Monopoltheologien sind Bilderkulte, die echte Religiosität behindern. Die Scheu des Islam, das Heilige bildhaft darzustellen, ist eine große Errungenschaft. Leider hat er die optischen Bilder aber durch verbale ersetzt, die er stattdessen mit heidnischer Kurzsichtigkeit anbetet.

Der verfehlten Deutung von Religiosität als Gehorsamsakt und Unterwerfung entspringt das gespaltete Verhältnis abrahamitischer Kulte zu Würde, Menschenrecht und Liebe. Liebe deklarieren sie zwar als Kern ihrer Botschaft, tatsächlich predigen sie Liebe aber nur gegenüber Gleichgesinnten. Gegenüber Andersdenkenden predigen sie Hass:

Altes Testament
Neues Testament

Mordmotive

Es wurde noch nie ein Mensch aus religiösen Gründen ermordet. Was Morde befiehlt, mag dem eigenen Vorteil dienen oder einem Bild, dem man verfallen ist. Es ist aber keine Religion.


Wer nicht wahrhaben will, dass islamistische Morde aus dem Islam heraus begangen werden, gibt Mördern Deckung.


Theologisch können Bekenntnisse nur ernst genommen werden, wenn sie darauf verzichten, ihre Schriften für offenbart zu halten.


Koran
4.3. Sekten
Die einzige Möglichkeit des Menschen, Wahres unmittelbar zu erkennen, liegt im Blick nach innen. Wer den Blick auf einen Führer lenkt, hat die Augen bereits zugemacht.

Das Wesen der Sekte liegt nicht in der begrenzten Zahl ihrer Mitglieder. Was ihr Wesen ausmacht, zeigt der Ursprung des Begriffs. Sekte ist eine Ableitung des lateinischen Verbs sequi = folgen.

Eine Sekte besteht aus einem Gründer und seiner Gefolgschaft. Indem die Gruppe dem Gründer folgt, richtet sie sich an dessen Meinung aus. Eine Antwort auf die Frage, was wahr ist, sucht das Sektenmitglied nicht mehr selbst. Es übernimmt Antworten ungeprüft von außerhalb. Dass es Antworten ungeprüft übernimmt, rechnet ihm der Sektenführer als höchste Tugend an. Er nennt das Glaube.

Jeder Kult, der sich auf Pro­pheten beruft, ist eine Sekte.

Typisch für Sekten ist, dass sie sich gezielt vom Umfeld unterscheiden. Eine Sekte, die nicht sagt: Wir sind besser als ihr, gibt es nicht. Dement­sprechend bleibt eine Sekte auch dann Sekte, wenn die Zahl ihrer Mitglieder massiv gestiegen ist. Selbst wenn es einer Sekte gelingt, die ganze Menschheit in ihre Gefolgschaft zu bringen, ändert sich daran nichts.

Folgen oder Befolgen

Nicht jede Glaubensgemeinschaft, die auf einen Gründer verweist, ist eine Sekte. Was einen Menschen zum Sektengründer macht, ist nicht, dass er lehrt; also Sichtweisen vertritt und sie einer Gefolgschaft zur Orientierung em­pfiehlt. Eine Sekte macht aus, dass sie Folgsamkeit fordert. Ein Sektenführer rät nicht nur dazu, seine Lehren zu beachten, er verlangt, sie zu befolgen... und droht dem, der es nicht tut, dies- oder jenseitige Strafe an. Da Buddha das nicht tat, war er kein Sektengründer.

Strafe oder Konsequenz

Konsequenz ist eine einfache Kausalverkettung. Wer nicht auf den Baum klettert, um die Kirsche zu pflücken, kann sie nicht essen. Eine Konsequenz mag das Verhalten dessen, der ihr ausgesetzt ist, zwar verändern, sie fügt ihm aber keinen weiteren Schaden zu, weil er sie missachtet.

Strafe ist eine absichtliche Zwangsmaßnahme. Sie entspringt Herrschafts­ansprüchen gegen­über Eigenständigen, die sich dem Herrschaftsanspruch widersetzen. Wer sich weigert, auf den Baum zu klettern, wird zu Stockhieben verurteilt.

4.4. Gehorsam und Unterwerfung
Offenbarungskulte verlagern die Verantwortung für die Wahr­heitsfindung in ein imaginäres Außen. Dort findet sie nicht statt.

Wer sich dem Heiligen zu unterwerfen versucht, versucht sich das Heilige zu unterwerfen.

Echte Religion macht frei. Sie unterwirft nie. Sie befreit das Individuum aus dem ego­zentrischen Horizont des Entweder-oder in die Erkenntnis eines ungespaltenen Seins.

Wer zweimal am Tag fragt: Was kann ich erkennen, hat mehr für den Himmel getan als der, der zwei Stunden vor ihm nieder­kniet.


Falls das Eine tatsächlich in Allem ist, darf man zur Ehre des Einen nichts beugen; auch nicht sich selbst vor einer Lehre, einem Altar, einer Mauer oder einem Stein, der vom Himmel gefallen ist. Wer das Eine nicht in Allem sieht, behauptet, dass es Grenzen hat.

Weil man im Akt der Selbsterniedrigung Gott erniedrigt, hat sich noch nie jemand tatsächlich vor Gott gebeugt. Alles, wovor sich Menschen je erniedrigt haben, waren Irrlehren, Götzenbilder und Eitelkeit. Gott ist kein Popanz, dem man gefällt, weil man auf den Knien rutscht und Lohn erwartet. Wer solch einen Gott propagiert, beleidigt den Himmel und die Menschheit.

Abrahamitische Glaubensbekenntnisse beschreiben Religiosität als Gehorsamsakt und Unterwerfungsgeste. Das liegt an dreierlei:

Mythologisch gründet die archaische Auffassung im Beispiel Abrahams. Der hebräische Gott verspricht dessen Nachkommen das gesamte Gebiet, von dem die Hebräer damals wussten. Dafür stellt er eine Bedingung: Abraham musste sich zum absoluten Gehorsam verpflichten und diesen Gehorsam durch eine radikale Unterwerfungsgeste beweisen... die Bereitschaft, seinen Sohn Isaac zu schlachten.

1 Moses 22, 2-17:*
Gott sprach: "Nimm deinen einzigen Sohn... und bringe ihn... zum Brandopfer dar!"... Dann streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel herab zu...:""... Tue ihm nichts an, denn jetzt erkenne ich, daß du ein gottesfürchtiger Mann bist und selbst deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast."... "weil du dies getan hast... will ich dich segnen mit reichem Segen...

Gehorsam ist eine Taktik des Ego durch die es sich Vorteile verschaffen will. Gleiches gilt für absichtliche Selbsterniedrigung.

Matthäus 23, 12:*
Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

Selbsterniedrigung zum Zwecke der Selbsterhöhung ist ein Versuch, den Himmel zu bestechen.

Die Struktur des abrahamitischen Vorbilds ist in das Religionskonzept der entsprechenden Kulte eingeflossen. Was dort gefordert wird, ist nicht mehr nur der Sohn, den man dem Glauben auszuliefern hat und den man gegebenenfalls für den Glauben in den Tod schickt. Gefordert wird auch die Opferung des höchsten Wertes im Gläubigen selbst. Der Gläubige hat das Subjekt in sich zu opfern und es zum Objekt einer äußeren Macht herabzustufen; denn das Subjekt ist jene Instanz, die eigenständig wahr oder unwahr erkennt.

Objekte sind Bilder der Subjektivität. Während das Objekt Unterworfensein verkörpert, ist es die Subjektivität im Objekt, die vom Unterworfensein betroffen ist. Subjektivität ist gleichzeitig jenes Prinzip, dem Wirksamkeit und die Freiheit zur Entscheidung zufällt. Was nicht mehr entscheiden darf, ist kein Subjekt mehr im vollgültigen Sinne. Das Subjekt kann sich aber nie für oder gegen Gott entscheiden, weil es dessen Ausdruck ist. Zweifelt jemand an Gott, dann als Ausdruck einer gottgegebenen Möglichkeit. Der Zweifel ist daher zu respektieren.

Die Idee, Religiosität sei praktizierte Unterwerfung unter das Heilige, ist ebenso absurd wie gotteslästerlich. Man kann sich einem Gottesbild unterwerfen. Da Gottesbilder aber nur Teilaspekte des Heiligen sind, ist der religiöse Wert jedweder Unterwerfungsgeste gegenüber dem Heiligen an sich nur eine Fiktion. Das hat Gründe:

Zu wissen, diesem oder jenem Aspekt der Wirklichkeit unterworfen zu sein, stiftet kein Unheil, ein Unterwerfungs­akt dagegen tut es.
  1. Unterwerfungsakte sind Verkennungen des Heiligen. Sie beinhalten einen Dualismus, also eine Trennung zwischen dem Unterworfenen und dem, dem sich der Unterworfene unterwirft. Die Heiligkeit des Heiligen liegt aber nachgerade darin, nicht in Dualismen gespalten zu sein. Weil er gegen die Heiligkeit des Heiligen verstößt, stiftet in der Folge jeder Unterwerfungsakt Unheil. Da Gott als Gottesperson gedacht Form ist und Form Teil, gehört zur Demut vor dem Heiligen Ungehorsam gegen jeden als Person gedachten Gott.

  2. Das Unterworfensein der Teile unter das Ganze ist in der Existenz der Teile bereits enthalten. Ein nachträglicher Akt der Unterwerfung unterstellt, dass das Unterworfensein nicht vom Göttlichen ausgeht, sondern vom Gläubigen. Damit behauptet der Gläubige, er stehe über dem Göttlichen, da er ihm das Unter­worfensein gewähren oder auch verweigern könnte. Das ist gotteslästerlich. Wenn der Gläubige dem Göttlichen überhaupt etwas bieten kann, ist es der Mut, jenen Teil der Wirklichkeit ungebeugt zu ehren, den Gott ihm - als ihn selbst - zu ehren anvertraut. Dazu gehören sowohl jene Aspekte der Wirklichkeit, die der Gläubige in sich selbst entdeckt als auch die, denen er im Umfeld begegnet.

Beschneidungen

Die Beschneidung von Säuglingen, die das Judentum betreibt und die von Knaben im Islam, symbolisiert die Unterwerfung des Individuums unter das Diktat der jeweiligen Weltanschauung. Allerdings wird die Beschneidung nicht nur körperlich vollzogen. Beschnitten wird vor allem die Freiheit des Geistes, eigenständig nach seiner Position im Kosmos zu fragen. Die seelische Beschneidung, die durch die zwangsweise Ausrichtung am Glauben vollzogen wird, ist schädlicher als die körperliche. Kindesmissbrauch sind beide.

Noch weit schwerer als die Beschneidung von Knaben wiegt die Genitalverstümmelung von Mädchen. Sie ist kein Gebot von Bibel und Koran und wurde auch schon in vorchristlicher und vorislamischer Zeit praktiziert.

Externe Verweise zum Thema Genitalverstümmelung

Wikipedia
Stop Mutilation e.V.

Es bleibt jedoch zu fragen, ob der abrahamitische Glaube an das Verfügungsrecht von Eltern über Kinder nicht mit der Tatsache zusammenhängt, dass die Genitalverstümmelung hauptsächlich in islamischen Ländern, aber auch in christlichen (z.B. Äthiopien), vollzogen wird. Wer schweigt, stimmt zu.

4.5. Personenkulte

Konfessionelle Kulte beschreiben das Göttliche als Person. Je nach Tradition benennen sie ihre Gottesperson so oder anders.

Was einen Namen trägt und angebetet wird, ist ein Götzenbild.
Wer Gott als Person begreift, stellt sich Gott gegenüber. Wer sich Gott gegenüberstellt, praktiziert bereits Widerstand.

Namen sind Unterscheidungsmerkmale. Sie kennzeichnen ein abgegrenztes Etwas, das von den Grenzen eines anderen Etwas begrenzt wird. Eine Begrenzung des Göttlichen setzt es zum Objekt herab. Was ist dann aber das Besondere am Göttlichen, außer dass es größer als ein anderes Objekt sein mag?

Der Begriff Person geht auf das etruskische Wort phersu zurück. Phersu bedeutet Maske. Personen sind die Masken, durch die hindurch sich Subjektivität begegnet. Es mag sein, dass Menschen Masken brauchen; aus Angst, dass man sie sonst erkennt oder als Kostüm auf dem Maskenball des Lebens. Wäre das Göttliche aber eine Person, was steckte dann hinter ihrer Maske? Eine Person kann niemals letzte Wirklichkeit sein, weil eine Person von ihrem Wesen her sich selbst verbirgt.

Jede Benennung eines Propheten, dessen Namen man in Verbindung mit dem Göttlichen bringt, setzt das Göttliche herab.

Konfessionen betreiben nicht nur Personenkult mit benannten Götterbildern, sie ordnen ihren Göttern auch menschliche Personen zu, deren Rang sie durch vorgebliche Nähe zur Gottes­person über den Rang normaler Menschen setzen. Auch solche Personen beten sie an: als Heilige oder sie entheben sie als den einen geheiligten Propheten jeder Kritik. Mehr noch: Konfessionen verleihen Menschen klerikale Ränge, denen angeblich ein qualitativ besonderer Respekt zu zollen ist. All das ist Personenkult.

Wer das Göttliche als Person bezeichnet und seinen Namen neben den von Menschen setzt, bindet den Blick an Grenzen. Dem Geheimnis wird er damit nicht gerecht.

4.6. Bilderverehrung
Ein Bild ist etwas vom Menschen Gemachtes, das er seiner Wahrnehmung als Ersatz des Wirklichen vorstellt. Es kann dazu dienen, auf das Wirkliche zu verweisen; aber nur wenn sein dienender Charakter anerkannt bleibt und dem Bild nicht die Heiligkeit zugesprochen wird, die nur dem Wirklichen zukommt. Der Islam hat die Problematik des Bildhaften zwar ausdrücklich benannt, er ist ihr aber umso mehr verfallen. Indem er Kritik an sich selbst und seinem Begründer als Sakrileg betrachtet, macht er sich zu seinem eigenen Götzenbild.

Die Verehrung bildhafter Darstellungen des Göttlichen hat Tradition. Sie wurde schon in der Steinzeit betrieben. Der Konkretismus einer bildhaften Darstellung hilft dem Menschen, das Unfassbare soweit zu verkleinern, bis es in den Horizont seiner Vorstellung passt. Das hat Vorteile:

Fetischismus

Der Begriff Fetisch ist vom lateinischen factitius abgeleitet. Factitius heißt künstlich erzeugt, nachgemacht. Wird die Wirklichkeit des Göttlichen durch etwas von Menschen Gemachtes ersetzt, dem gegenüber religiöse Ehrerbietung eingefordert wird, dann ist das ein religiöser Fetisch. Fetische können materiell, virtuell bzw. ideell sein.

Der Ersatz des Wirklichen durch das Bildhafte führt dazu, dass der religiöse Impuls von seinem eigentlichen Ziel abgelenkt zu werden droht. Statt ins Unbestimmbare zu blicken, aus der das Wirkliche entspringt, begnügt er sich mit der austauschbaren Symbolik, die dieser oder jener Prophet ins Bild gesetzt hat.

4.7. Politische Mitgliedschaften

Heil versprechende Glaubenspflichten

Konfessionelle Gruppen denken in politischen Kategorien. Deshalb betrachten sie den Beitritt zur eigenen Partei als den entscheidenden Schritt religiösen Handelns. Werkzeug des Beitritts ist entweder Bevormundung mittels religiöser Entmündigung in der Kindheit oder ein Glaubens­bekenntnis. Die Mehrzahl der Gruppenmitglieder tritt nicht durch ein reflektiertes Glaubensbekenntnis bei, sie wird vielmehr durch Beschneidung, Taufe und eine sogenannt religiöse Erziehung vereinnahmt. Die Mitgliedschaft in der richtigen Glaubenspartei und die öffentliche Befolgung der jeweiligen Glaubenspflichten verleiht dem Laien angeblich eine inhaltlich erfüllte religiöse Ausrichtung seiner Existenz.

Im Gegensatz dazu wird die Teilnahme an parteifremden Veranstaltungen oder das Ausführen falscher Rituale als Sünde betrachtet, die das Recht auf jenseitigen Heilsempfang zunichte macht.

Eine inhaltliche Religiosität im vollgültigen Sinne, nämlich ein spirituelles Interesse, spielt für konfessionelle Kulte eine nachgeordnete Rolle. Das Bemühen um die Ausrichtung des Daseins am Göttlichen ist in den Augen politisch-religiöser Konfessionen wertlos, wenn sich die Ausrichtung nicht an gruppenspezifische Dogmen, Benennungen und Rituale hält.

Johannes 14, 6:*
Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Indem sie Inhalte Formen nachordnen, entwerten Konfessionen Religiosität.

4.8. Eigen- und Fremdgefährlichkeit
Das humanste aller abrahamitischen Glaubenbekenntnisse ist der Judaismus. Im Vergleich zu seinen großen Brüdern hat er nur wenig Blut vergossen.

Dogmatische Denkmuster schränken die geistige Beweglichkeit derer ein, die ihnen verhaftet sind. Insofern schadet jeder Dogmenglaube seinen Anhäng­ern. Es geht von ihm eine Eigengefährdung aus.

Ein anderes Problem ist das der Fremdgefährlichkeit. Wie stark entwertet ein Glaube Andersdenkende und wie groß ist die Gefahr, dass Hass, der dieser Entwertung entspringt, anderen unmittelbar schadet?

Zwei Faktoren sind Ursache dafür, dass der Judaismus mit Abstand am wenigsten fremdgefährlich ist.

  1. Der Judaismus ist quasi rassistisch.

    Esra 9, 1-3:*
    "Das israelitische Volk und die Priester und Leviten haben sich nicht von den Heidenvölkern... abgesondert... Für sich und ihre Söhne nahmen sie sich aus deren Töchtern Frauen; so hat sich der heilige Same mit den Heidenvölkern des Landes vermischt. Bei diesem Treubruch spielten Fürsten und Vornehme die erste Rolle. Sobald ich davon Kunde erhielt... saß (ich) tief erschüttert da.

    Esra 9, 12:*
    Gebt daher eure Töchter nicht ihren Söhnen... Sucht nie ihr Glück und ihren Wohlstand, damit ihr stark werdet, die Güter des Landes genießt und für immer euren Söhnen vererbt!

    Entstehungsgeschichte

    Die mosaische Verheißung dachte nicht über Generationen hinweg. Sie versprach der ersten Generation den sicheren Sieg und damit den vollen Lohn im Diesseits. Ein Jenseits, in dem Opponenten zur Strafe ihres Ungehorsams ewige Folter erleiden, hat sich der orthodoxe Judaismus nicht ausge­dacht. Das betrieb erst der Ehrgeiz seiner Plagiatoren.

    Das schützt ihn vor der Versuchung, sich für alle verbindlich zu machen. Juden sind nicht von der Idee beseelt, es sei ein Verdienst, jedermann zu ihrem Glauben zu zwingen. Für einen Juden dürfen Hindus Hindus, Moslems Moslems und Buddhisten Buddhisten sein. Erst wenn der Messias käme, hätte der Jude das Recht, sich als Tyrann zu betätigen. Bis es soweit ist, kann er von sich aus mit anderen in Frieden leben... vermutlich weitere 3000 Jahre lang; zumindest falls diese anderen nicht zur falschen Zeit das falsche Land bewohnen.

  2. Gemeinsam mit den Umständen seiner Entstehungsgeschichte bedingt dies, dass sich der Judaismus im Gegensatz zu seinen Brüdern sadistischer Phantasien weitgehend enthält. Da er seine Anhänger vor Ankunft des Messias nicht zur Welteroberung anstacheln will, schürt er keine Höllenängste um die Disziplin zu steigern. Allein das macht ihn im Vergleich zu seinen Brüdern regelrecht human.
Kriterien der Feindseligkeit
Eine Weltanschauung ist feindselig, wenn sie...
  • den Wert Andersdenkender für geringer erachtet als den ihrer Anhänger.

  • zur Benachteiligung oder Vernichtung von Personen aufruft, die sich aus ihrer Gefolgschaft lossagen oder Gefolgschaft verweigern.

Reihenfolge
Da jede positive Qualität von Gemeinschaft nur im Hinblick auf jene Individuen positiv ist, aus denen sie besteht oder denen sie begegnet, ist Gemeinschaft dem Individuum nachgeordnet. Gemeinschaft ist eine Interaktions­dynamik. Im Gegensatz zum Individuum hat sie kein eigenes Selbst. Also kann ihr Wohl­ergehen nur im Hinblick auf den Einzelnen sinnvoll sein. Wenn vom Einzelnen die Rede ist, der über der Gemeinschaft steht, dann ist kein bestimmter Einzelner gemeint, sondern der Einzelne an sich.

Wer es also nicht lassen kann, einem abrahamitischen Irrweg zu folgen, der sollte dem Judentum beitreten. Denn wenn Moses tatsächlich Gottes Botschafter war, dann ist das Judentum die einzig redliche Variante des abrahamitischen Glaubens und für den Rest der Menschheit einstweilen - bis zur Ankunft des Messias - die geringste Gefahr.

4.8.1. Feindseligkeit

Abrahamitische Kulte stehen stets im Konflikt mit anderen Gruppen. Zudem spalten sie sich in nachgeordnete Glaubens­parteien, die sich ihrerseits bekämpfen. Die Ursache dieser Feindseligkeit liegt in der Struktur der mosaischen Theologie.

Die Ausrufung des Judentums ist untrennbar mit der Kriegserklärung der Hebräer an fremde Völker verbunden. Diese Tatsache ist für das Judentum nicht reflektierbar, da das Eingeständnis seiner kriegerischen Grundhaltung die Aufrechterhaltung seines moralischen Anspruchs unmöglich macht. Das Judentum kann nur in einer Opferrolle existieren aus der heraus es Ansprüche erhebt.

Respekt vor fremder Kultur
Ein besonderer Respekt vor fremder Kultur ist überflüssig; ebenso überflüssig wie der besondere Respekt vor der eigenen. Was zählt, ist nicht der Respekt vor einer spezifischen Kultur, also einem Gefüge kollektiver Verhaltensmuster und Realitätsdeutungen, das sich geographisch umschrieben und historisch bedeutsam verfestigt hat, sondern der vor der Wahrheit und dem Individuum; unabhängig von dessen kultureller Prägung. In diesem Respekt ist alles Notwendige enthalten. Kulturelle Gemeinschaf­ten, die besonderen Respekt für sich fordern, sind regelhaft solche, denen es am Respekt vor der Wahrheit und dem Einzelnen mangelt. Kulturen, die Gott als Einzelnen betrachten, den Einzelnen an sich jedoch entwerten, leben im Schatten des eigenen Verstands.

Die mosaische Theologie ist dualistisch. Sie spaltet zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen heilig und profan. Das führt zu einer Entwertung der Welt und des Menschen. Die Schöpfung wird als Beute betrachtet, die man sich untertan macht. Den Menschen stellt der Glaube vor eine Wahl, die seinem Wesen widerspricht.

Der Glaube sagt:
Wenn du dich nicht unterwirfst, bist du wertlos.

Da Unterwerfung das Unterworfene entwertet, ist es einem Menschen, der die mosaische Theologie nicht verwirft, unmöglich, sich der angeblichen Wahl des Glaubens ohne Verlust an Selbstachtung zu entziehen. Die Entwürdigung, der abrahamitische Kulte den Gläubigen aussetzen, führt zu einem Selbsthass, der im nächsten Schritt auf Mitglieder der eigenen oder konkurrierender Gruppen verschoben wird. Jede christliche, jüdische oder moslemische Gesellschaft ist von verleugneter Aggression durchsetzt.

Antisemitismus

Antisemitismus ist ein Merkmal abrahamitischer Kulturkreise. Das hat psychosoziale Ursachen, die in zweierlei verankert sind:

  1. dem Selbstverständnis des Judentums
  2. der entgleisten Selbstwertregulation kranker Menschen

Indem sich das Judentum als auserwähltes Volk begreift, dessen Aufgabe in der Vernichtung, Belehrung, Bevormundung und Beherrschung fremder Völker liegt, formuliert es Nicht-Juden gegenüber eine ausdrücklich abwertende Botschaft. Gemäß der immanenten Logik des Judaismus ist der nicht-jüdische Mensch nicht als vollgültig auserwählt, sondern in eine untergeordnete Rolle abgewählt.

Diese Botschaft trifft auch Menschen mit brüchigem Selbstwertgefühl, besonders solche, deren Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Selbstbestimmung unerfüllt aufeinanderprallen. Als verfehlte Abwehr gegen ihre Selbstwertzweifel und als unreflektierte Reaktion gegen die entwertende Botschaft, formulieren solche Menschen oft ein Weltbild, das dem Judaismus spiegelbildlich nachempfunden ist: eine Mischung aus nationaler Selbsterhöhung und Herabsetzung anderer.

Warum gibt es keinen Antitibetismus? Weil sich die Tibeter keine Weltanschauung zu eigen gemacht haben, die der tibetischen Abstammungslinie eine Bedeutung beimisst, die die Würde anderer Völker infrage stellt.

Antisemitismus ist nicht nur als Widersacher des Judentums zu verstehen, sondern auch als dessen Folgeerscheinung.

Dem Mechanismus der Spaltung folgt Projektion. Spaltende Weltbilder neigen dazu, die Verantwortung für ihre Feindseligkeit abzuwehren. Zum einen projizieren sie sie auf Konkurrenten. Wer sich gegen Überwältigung wehrt, zeigt angeblich seine Bosheit an. Zum anderen erklären sie die eigene Aggression zu der ihres Gottes, der sich von den Widersachern der Gläubigen geschädigt sieht. Daher sprechen Konfessionen von "Feinden Gottes".

Gibt es Feinde Gottes?

Der Begriff Feind geht auf das indogermanische pe[i]- = schädigen, weh tun zurück. Ein Feind kann absichtlich schaden. Um jemandes Feind zu sein, muss man die Macht dazu haben, Schaden anzurichten.

Gibt es Feinde des Universums? Es könnte sein, dass jemand zornesrot die Fäuste in den Himmel streckt und dem Universum droht: Wenn ich dich erwische, kannst du was erleben. Es könnte sogar sein, dass ein solcher Wüterich die Erde mit Plutonium verseucht. Das Universum ficht das jedoch nichts an. Also kann der Wüterich kein Feind des Universums sein; selbst wenn er es gerne wäre. Vielmehr bleibt er Ausdruck einer umfassenden Dynamik, die ihn und seine Wut hervorbringt. Nicht er ist Feind des Universums. Das Universum ist sein Schöpfer.

Wenn der Mensch außerstande ist, sich zum Feind des Universums aufzuschwing­en, wie sollte er es dann schaffen, gar Gottes Feind zu sein? Also gibt es keine Feinde Gottes. Es gibt Verkenner und Verblendete, Vereinnahmte, Ver­irrte, Betrogene und Betrunkene, die glauben, dass jemand, der ihrem Glauben widerspricht, sich durch den Widerspruch mit Gott verfeindet.

4.8.2. Heiliger Krieg

Die abrahamitische Religion hat eine besondere Idee kultiviert: die vom sogenannten Heiligen Krieg. Gewiss: Völker sind auch vor Moses über Nachbarn hergefallen. Auch vor ihm baten sie ihre Götter dabei um Hilfe. Anders als Moses erklärten sie den eigenen Krieg aber kaum je zur Sache des Himmels. Sie sahen die Götter als Helfer im Kampf, deren Hilfe man sich mit Gebet und Opfergaben verschaffen konnte, nicht aber als Kriegsherrn, die in eigener Sache Krieg führten.

Moses' Idee war revolutionär: Nicht dass die israelitische Führung Krieg wollte. Nicht dass sie ihren Kriegsgott für ihr Vorhaben um Beistand bat. Nein, es war Gott selbst, der gegen Teile der eigenen Schöpfung Krieg vom Zaune brach. Israel war bloß seine Truppe, die er zum göttlichen Feldzug gegen Kanaan im Ägypterland aushob.

2 Moses 7, 1-4:*
"Siehe, ich habe dich zum Gott für den Pharao bestellt, dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein!... Ich... führe meine Heerscharen... die Kinder Israels, aus dem Ägypterland heraus unter gewaltigen Strafgerichten.

Heiliger Kampf
Kann es einen heiligen Krieg überhaupt geben? Wohl kaum; denn das Heilige ist nachgerade das, was das Seiende in eine Einheit fasst. Da Krieg stets die Vernichtung anderer betreibt und sie somit aus dem Ganzen ausschließt, ist die Begriffsbildung des Heiligen Krieges widersinnig. Es mag Gründe geben, Krieg zu führen, keiner macht ihn aber heilig. Möglich mag ein Kampf sein, der im Interesse des Heiligen geführt wird; aber nur, wenn er nicht von sich aus zur Vernichtung anderer aufbricht und niemanden grundsätzlich aus der Ganzheit des Seienden ausschließt. Während der Heilige Krieg Ideen über das Lebensrecht anderer stellt, ist ein Kampf in Übereinstimmung mit dem Heiligen nur denkbar, wenn er es umgekehrt macht.

Moses' Idee bot beim Raubzug Vorteile.

Moses' Idee vom Heiligen Krieg hat die Jahrtausende über­dauert. Sie hat Hass und Gier zum Gottesdienst erklärt. Auch heute noch bietet sie einen Fächer an Abwehrmecha­nismen, der Tausende auf der Flucht vor ihren Missständen begeistert.

Heidnischer und Heiliger Krieg

Heidnische Religion Politische Religion
Der Mensch führt Krieg. Gott führt Krieg.
Gott hilft ihm. Der Mensch ist sein Soldat.

4.8.3. Mordanschläge

Was die Fremdgefährlichkeit betrifft, gibt es zwischen Islam und Christentum Unter­schiede. Für das Christentum ist Gewalt ein Monopol der Obrigkeit. Hat das Christen­tum die Macht, nutzt es sie zur Unterdrückung. Nirgends fordert das Neue Testa­ment Laien jedoch unmissverständlich dazu auf, auf eigene Faust zu töten. Anders predigt in dieser Sache der Koran. Er fordert Laien dazu auf, Andersdenkende gewaltsam zu bekämpfen. Mordanschläge sind ein integrales Potenzial islamischer Religiosität.

Der Täter der alltäglichen Attentate heißt Glaube. Der Finger am Abzug ist nur sein Besteck. Niemand wird den Mörder je belangen, solange ihm der Schutz der höchsten Kreise und der Gehorsam Millionen braver Bürger sicher ist. Wenn jemand den Mörder beim Namen nennt, wird die Betroffenheit angesichts des vergossenen Bluts über die Nennung des Mörders empört sein.

4.9. Egozentrik
Konfessionelle Religion versucht das Ego zu verewigen. Mystische Religion lässt es hinter sich.

Es ist nicht so, dass es schwer wäre, Ganzheit zu erleben. Es ist so, dass man sich dagegen wehrt. In der Gegenwart Gottes gibt es nichts, was ihm begegnen könnte. Es gibt nur das, wodurch er sich zum Ausdruck bringt. Gott ist kein Retter des Ego. Er ist sein Ende. Er ist, worin es auf- und untergeht.

Konfessionelle Religionen sind egozentrisch. Das Grundmotiv des konfessionell-religiösen Eifers ist weder Gott noch dessen Schöpfung. Es ist die Sorge des Ego um seinen Bestand. Gott interessiert als jene Macht, die diesen Bestand sicherstellen könnte. Altruistische Tugenden gegenüber Gleichgesinnten, die Ausgrenzung Andersdenkender, die Befolgung vermeintlich göttlicher Gebote, Rituale und religiöse Praktiken haben das Ziel, Gott dazu zu bringen, den Wunsch des Ego nach ewigem Bestand zu erfüllen.

Das Ego spaltet das Bild der Wirklichkeit in Sein oder Nichtsein. Es verurteilt sich dazu, existieren zu wollen. Entlang der Trennlinie zwischen Das-bin-ich und Das-bin-ich-nicht (das ist für mich, das ist gegen mich) erzeugt es im Bewusstsein eine virtuelle Existenz von Inhalten, Vorstellungen und Verdichtungen mit der es sich handelnd gleichsetzt. Einzugehen in die Ganzheit beinhaltet das Ende dieser Gleichsetzung. Für das mystische Ich sind Sein und Nichtsein (für oder gegen mich) keine Gegensätze. Es sind Pole der Ganzheit.

Objektzentrierung

Dualistische Religion hat kein durchdringendes Verständnis des Subjektiven. Sie definiert das Subjekt als ein ich-bewusstes Objekt, das anderen Objekten als abgetrennte Einheit gegenübersteht. Deshalb beschreibt sie Gott als Person, also als eine weitere abgetrennte Einheit, die sich von den übrigen Personen nur dadurch unterscheidet, dass sie diese dominiert.

Die wesentliche Eigenschaft des Objekts ist die Oberfläche, die es anderen Objekten zuwendet und durch die es von ihnen geschieden ist. Da dualistische Religion Gott und den Menschen als bloße Personen betrachtet, ist ihre Betrachtung der Wirklichkeit oberflächlich. Sie dringt nicht in die Tiefe des Geistigen ein. In der Folge definiert sie eine Moral als interpersonelles Regelwerk. Sie definiert aber keine Ethik als Übereinstimmung des Subjekts mit sich selbst.

4.10. Autorenschaft und Pluralität

Jeder Offenbarungsglaube ist ein Kampf gegen geistige Pluralität. Jeder Prophet sagt: Ich kenne die Wahrheit und verkünde sie dir. Deine Aufgabe ist es, Mir gehorsam zu folgen. Prophet zu sein heißt, nicht Dir, sondern mir groß zu schreiben. Das hat mit Fremdgefährlichkeit zu tun; denn wer sich anmaßt, die absolute Wahrheit zu kennen, hat den ersten Schritt zu Gewalt und Willkür getan.

Bibel und Koran bezeichnen sich als Offenbarungsschriften. Dem entspringt ihr Gewalt­potenzial. Obwohl sie darin ähnlich sind, sind sie auch verschieden.

Obwohl der jüdisch-christliche Glaube dem Pluralismus gegenüber feindlich ist, ist gedankliche Vielfalt durch die Textstruktur seiner grundlegenden Schriften bereits angelegt. Es lag deshalb nah, dass aus dem jüdisch-christlichen Kulturkreis der Sprung in die Aufklärung, also in den Respekt vor dem Einzelnen, gelang.

Im Islam hat niemand etwas zu sagen als eine einzige Person. Der Islam ist ein absolu­tistischer Personenkult. Die Aussicht, dass er sich mit der Aufklärung versöhnen lässt, ist entsprechend gering. Es fehlt ihm jede Bereitschaft anzuerkennen, dass unter­schiedliche Individuen in ihrer Individualität zu respektieren sind. Der Islam ist mit einer pluralistischen Gesellschaftsordnung kaum vereinbar.

5. Positive Aspekte konfessioneller Kulte

Obwohl konfessionelle Kulte schon deshalb Jahrtausende überstehen, weil ihre Struktur auf Machterhalt ausgerichtet ist, gibt es andere Gründe für ihren Bestand: Sie bieten vielen Menschen Vorteile. Täten sie das nicht, hätten sie nicht bis heute überdauert.

Die Vorteile, die zu erkennen sind, sind psychologischer, sozialer und politischer Natur.

Obwohl der religiöse Wert der Konfessionen kritisch zu betrachten ist, haben sie als ideologische Grundlage autoritärer Gesellschaftsstrukturen und vereinfachter Welt­bilder, die vielen Menschen psychologische und faktische Vorteile bieten, in der Geschichte aber Funktion und Erfolg gehabt.


* Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament, Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966.
** Der Koran, (Komet-Verlag, ISBN 3-933366-64-X), Übersetzung von Lazarus Goldschmidt aus dem Jahr 1916.