Liebe ist Zuwendung, die den Seinswert des Geliebten ungeachtet eigener Interessen anerkennt und dessen Wohl fördert.
Man liebt nicht nur den oder die, sondern auch jene und jenen, der in allem enthalten ist und alles umfasst.
Die meisten Dummheiten werden auf der Jagd nach der Liebe begangen.
Wer das wenige respektiert, das er ist, braucht keine Liebe mehr.
Lieben kann, wer sich verzeiht, dass er sich mehr Liebe nicht verschaffen konnte.
Man kann den Empfang von Liebe zu seinem Recht erklären. Klug ist das aber nicht.
Liebe bejaht, was bereits ist. Sie fordert keine Verbesserung. Was Verbesserung fordert, ist Eigennutz.
Wer liebt, bejaht oder fördert den Anderen, ohne einen Vorteil zu erwarten. Das Motiv aller Liebe ist Wertschätzung. Der Liebende hat den Wert des Anderen erkannt. Aus der Erkenntnis des Wertes entsteht der Impuls, dem Anderen GutesGut entstammt der indogermanischen Wurzel ghedh = zusammenfügen, zupassen. Das Gute ist relativ. Gut ist immer das, was zum Wesen jener Sache passt, aus deren Sicht es als gut beurteilt wird. Deshalb ist zwar jeder für das "Gute", oft besteht aber keine Einigkeit darüber, was als gut aufzufassen ist. Letztlich bezeichnet jeder genau das als gut, von dem er glaubt, dass es ihm nützt. zu tun.
Oft wird Liebe mit der Sehnsucht nach Liebe verwechselt; besonders beim Verliebtsein. Der Verliebte sehnt sich danach, geliebt zu werden. Er begeistert sich für den Anderen, weil der Andere die Erfüllung seiner Wünsche verheißt. Er hat den Wert des Anderen noch nicht erkannt, sondern er schreibt ihm jenen Wert zu, nach dem er selbst sucht. Während Liebe nie enttäuscht werden kann, weil sie sich nicht täuscht, sondern sieht, schlägt enttäuschte Verliebtheit schnell ins Gegenteil um. Es sei den, der Verliebte erkennt sich selbst.
Viele Menschen glauben, dass sie Liebe brauchen. Irrtum! Nur Kinder brauchen Liebe. ErwachseneErwachsen wird hier nicht im Sinne von volljährig verstanden; sondern im Sinne von ausgereift. Erwachsen im psychologischen Sinne ist ein Volljähriger, der die Wachstumsschritte vollzogen hat, die seinem Alter entsprechen. Viele juristisch Erwachsene sind es emotional gesehen nicht. Sie glauben daran, wie Kinder liebender Zuwendung zu bedürfen; und bedürfen in Wahrheit doch vielmehr des Mutes, eigene Interessen unabhängig von der Zustimmung anderer zu vertreten. brauchen sie nicht. Kinder, für deren Wohl sich niemand einsetzt, sterben. Sie sind tatsächlich auf Zuwendung angewiesen. Geliebt zu werden ist für sie notwendig.
Erwachsene können ihre Bedürfnisse selbständig besorgen. Im Gegensatz zu Kindern sind sie auf liebende Zuwendung nicht angewiesen. Geliebt zu werden ist für sie keine objektive Notwendigkeit, sondern ein glücklicher Genuss.
Bekommen Kinder zu wenig Liebe, halten sie instinktiv danach Ausschau, wie man sich Liebe verdient. Das führt zu einer Fehlhaltung. Statt eigene Bedürfnisse unmittelbar zu vertreten, wird viel Kraft auf Erwerb und Erhalt von Zuneigung verwandt. So kommt ein Teufelskreis in Gang. Je mehr Kraft ich für den Erwerb von Liebe verbrauche, desto weniger bleibt für die Erfüllung meiner Bedürfnisse übrig. Je bedürftiger ich werde, desto mehr glaube ich, Menschen zu brauchen, die sich um meine Bedürfnisse kümmern.
Selbstversorgung oder Bedürftigkeit
Statt nach Liebe zu suchen, sorgen Sie für sich selbst. Gehen Sie davon aus, dass Sie wertvoll sind und daher befugt, die eigenen Bedürfnisse unbefangen zu vertreten. Verhalten Sie sich dem entsprechend. Tun Sie das, was Ihnen nützt. Sobald Sie Ihre Bedürfnisse selbst erfüllen, brauchen Sie keine Liebe mehr. Statt dessen quillt aus Ihnen ein Überschuss davon hervor. Sie werden froh sein, wenn Sie genügend Abnehmer dafür finden.
Wer aufhört, sich ums Geliebt-sein zu kümmern, stellt fest, dass er mehr Liebe bekommt als zuvor. Das ist kein Zufall. Es liegt am Wesen der Liebe selbst.
Absehen und Hinsehen
Erkenntnis und Hinsehen sind eins. Wer in der Liebe Absichten verfolgt, sieht aber nicht hin, sondern teilweise weg. Er sieht von all dem ab, was seiner Absicht im Wege steht.
Sobald man die Absicht verfolgt, geliebt zu werden, wird die eigene Fähigkeit, zu lieben, vermindert. Das steigert nicht die Chance, dass man seinerseits geliebt wird.
Gelingt es mir nicht, den Anderen ohne Absicht zu sehen, wie er ist, ist es besser, meine eigene Absicht zu sehen, als vorschnell zu sagen: Ich liebe Dich.
Liebe ist kein Gefühl, das mit anderen vergleichbar wäre. Während andere Gefühle als persönliche Emotionen an- und ausgeschaltet werden können, entzieht sich Liebe der egozentrischen Manipulierbarkeit. Sie ist keine Emotion, die als Werkzeug der Psyche zu gebrauchen wäre. Liebe ist ein Grundprinzip der Wirklichkeit. Sie entspricht dem Wesen der Wirklichkeit, die alle Teile bejaht in ihrer Einheit belässt. Sie ist das bestimmende Verhältnis der Dinge zueinander. In der Regel bleibt sie unbewusst und leuchtet nur an jenen Stellen durch, an denen das Ego sich nicht vor ihr fürchtet.
Liebe ist nicht machbar. Man kann zwar so tun, als ob man liebt, zur tatsächlichen Liebe kann man sich jedoch nicht willkürlich entscheiden. Absichtlich bewirkte "Liebe" wird durch das Netzwerk verborgener Motive getrübt, das hinter der Absicht steht.
Liebe entspringt der Erkenntnis. Sie ist die Haltung eines erkennenden Subjekts gegenüber einem erkannten So-sein, dessen sinnhafte Struktur es als notwendigen Wert versteht. Wer sich um Liebe bemüht, verbiegt aber sein So-sein in ein Als-ob, das der Erkenntnis des So-seins im Wege steht.
Wer es darauf abgesehen hat, geliebt zu werden, stellt an sein Gegenüber Bedingungen. Wer Bedingungen stellt, weist Aspekte des Anderen zurück. Er übt Druck auf ihn aus. Wer Zurückweisung spürt und sich von Forderungen bedrängt fühlt, geht entweder zum Angriff über oder bringt sich in Sicherheit. Lieben kann er dabei schlecht.
Daher gilt: Wenn Sie keine Liebe fordern, steigt die Chance, dass das Schicksal Ihnen genügend davon schenkt.
Das Ego kann allerlei Gefühle produzieren: Eifersucht, Wut, Neid, Stolz, Lust etc. Es erzeugt sie, indem es Dinge aus seiner spezifischen Perspektive heraus betrachtet. Ziel der Gefühlsproduktion ist es, die Wirklichkeit im Eigeninteresse zu manipulieren. Persönliche Vorteile sollen erreicht, persönliche Nachteile vermieden werden.
Will ich keine Verlustangst erleben, erzeuge ich Eifersucht. Indem ich mich meinen eifersüchtigen Impulsen überlasse, versuche ich die Verlustgefahr durch Einschränkung des Anderen und Kontrolle seiner Bewegungen zu vermindern. Hinter dem Gefühl steckt meine Absicht, etwas im eigenen Interesse zu bewirken.
Jemand tut nicht, was ich von ihm erwarte. Indem ich daran glaube, er sei mir schuldig zu tun was mir nützt, steigere ich mich in meine Wut. Das Ziel meiner Wut ist es, mir den Anderen durch Einschüchterung gefügig zu machen.
Bruno fährt neuerdings einen tollen Schlitten. Im Glauben, dass meine Chancen bei Roswitha sinken, erlebe ich Neid. Der Neid dient mit als Triebkraft, um mit Bruno gleichzuziehen.
Solche Gefühle sind nicht nur Erlebnisse, die uns ohne unser Zutun überfallen. Es sind Werkzeuge des Ego, durch deren Schubkraft es sich Vorteile zu sichern versucht.
Mit der Liebe ist das etwas anderes. Liebe dient nicht der Sicherung persönlicher Vorteile. Deshalb kann ich auch keine echte Liebe erzeugen. Was der Mensch absichtlich als "Liebe" erzeugt, ist im besten Sinne ein solidarisches Miteinander. Das ist wertvoll. Ein solidarisches Miteinander, das als Ziel formuliert und angestrebt wird, bleibt aber im Eigennutz seiner Erzeuger gefangen. Wenn an seinen Nutzen nicht mehr geglaubt wird, wird der Gefangene schnell liquidiert.