Sie sind, was ist, was war und was sein wird. Bedenken Sie das?

Was mit voller Achtsamkeit vollzogen wird, ist Gottesdienst.

Wirklich ist, wer sein So-sein nicht plant.

Spiritualität ist die Rückkehr des Ich aus dem Ego ins Selbst.

Spiritualität

  1. Definition
  2. Psychologische Entwicklungsprozesse
  3. Spiritualität und seelische Gesundheit
  4. Störfaktoren der Spiritualität
  5. Methoden der Spiritualität

1. Definition

Spiritualität (lateinisch: spiritus = Seele, Geist) ist die Ausrichtung des Bewusstseins auf Wesen, Struktur und Inhalt der innerseelischen Dynamik. Sie umfasst das Interesse an der eigenen Psychologie.

Subjektivität ist ihrem Wesen nach unbegrenzt. Der Blick nach innen führt über die Grenzen der Person hinaus.

Im Gegensatz zum bloßen Interesse an der Psychologie...das auch die Werbeindustrie entwickelt., geht Spiritualität jedoch weiter. Sie setzt voraus, dass der Geist eine Realität begründet, die mehr als eine Funktion materieller Strukturen ist und, dass der Gegenwart materieller Objekte eine Subjektivität zugrunde liegt, deren Wesen sich von allen Dingen unterscheidet. In dieser Subjektivität sieht sie die einzig verlässliche Sinnquelle des Lebens und die Grundlage der Wirklichkeit.

2. Psychologische Entwicklungsprozesse

Das Bewusstsein des Neugeborenen unterscheidet nichtSo beschreibt es die Entwicklungspsychologie. zwischen sich selbst und der Welt. Erst im Laufe der Zeit ordnet es die Flut seiner Wahrnehmungen, sodass das Kleinkind den Unterschied zwischen Innen- und Außenwelt erkennt.

Da man zu lernen hat, sich in der Außenwelt zurechtzufinden, zieht sie das primäre Interesse junger Menschen auf sich. Es gilt, die Dinge zu begreifen, sie nach Nutzwert zu unterscheiden und sich im sozialen Umfeld einen Platz zu sichern. Junge Menschen glauben daher oft, aller Sinn des Lebens sei in dieser Außenwelt zu finden: unzerbrechliche Freundschaft, erotische Abenteuer, der ideale Partner, die berufliche Karriere, soziales Ansehen, Wohlstand, aufregende Reisen, immer neue Sachen, "die man haben muss"...

Verläuft die Entwicklung in üblichen Bahnen, wird der Glaube daran, dass die Außenwelt alle Sehnsucht erfüllen wird, enttäuscht.

Was man hat, kann man loslassen. Was man ist, kann man annehmen. Das eine zu tun, verstärkt den Mut zum anderen. Man kann nur sein, was man ist, wenn man sich an nichts mehr festhält.

Als Reaktion auf die Enttäuschungen wird das Interesse an der Außenwelt oft durch ein verstärktes Interesse an der Innenwelt ergänzt. Die Suche nach Sinn und Erfüllung wird zu einer Suche nach sich selbst.

Bei vielen geht der Blick nach innen über das persönliche Dasein hinaus. Die Frage ist nicht mehr Wer bin ich in Bezug zu den anderen?, sondern Was ist der Boden meiner Existenz? Der Schwerpunkt des Interesses verschiebt sich von der Hoffnung auf Eroberung der Außenwelt zum Wunsch nach Übereinstimmung mit dem Urgrund des eigenen Daseins. Die Ausrichtung wird spirituell.

Ausrichtungen

Die Ausrichtung des Bewusstseins ist...
positionierend psychologisch spirituell
Schwerpunkt des Interesses
Strukturen der Außenwelt einschließlich des sozialen Umfelds, in das ich eingebettet bin. Ziel ist die bestmögliche Positionierung meiner Person. Funktionsweisen des Ego. Psychodynamik der psychischen Strukturen, deren Thema die Positionierung der Person ist. Wesen des Geistes, der die Dynamik des Ego wahrnimmt.
Ich will wissen, was Erfolg bringt. Ich will verstehen, wie mein Ego funktioniert. Ich will erkennen, was ich bin.
Aktivität
Selektive Wahrnehmung und Bewertung potenziell nützlicher und schädlicher Objekte und Entwicklungen im Umfeld. Überlegungen, wie aus nützlichen Objekten Vorteile zu ziehen sind und wie Nachteile durch schädliche Objekte und Entwicklungen abgewehrt werden können. Wahrnehmung eigener Verhaltensmuster. Reflektion der Folgen eigener Muster auf die Position im Umfeld. Versuch, eigene Muster zu optimieren. Akzeptierende Wahrnehmung innerer und äußerer Objekte.
eingreifend, vereinnahmend, steuernd zulassend, erlebend, erkennend
Auswirkung
Verbesserte Positionierung der Person. Selbsterkenntnis der Person. Verbesserte Anpassungsfähigkeit an schwankende Bedingungen. Transzendenz der Person. Überstieg der egozentrischen Sichtweise.

2.1. Positionierende Ausrichtung

Die positionierende Ausrichtung ist ursprünglich. Normalerweise ist das Bewusstsein vollständig oder weitgehend positionierend ausgerichtet. Das heißt: Es befasst sich mit der selektiven Wahrnehmung vermutlich nützlicher Objekte und mit Überlegungen, wie es aus der Begegnung mit den Objekten Vorteile zeihen könnte. Je nach Temperament und persönlicher Erfahrung ist das Bewusstsein entweder mehr offensiv oder mehr defensiv. Das offensive versucht, sich Vorteile zu sichern, das defensive sträubt sich gegen Nachteile.

Für ein erfolgreiches Leben ist die positionierende Ausrichtung quasi unentbehrlich. Niemand wird ein selbständiger Mensch, wenn er nicht lernt, wie er seine persönlichen Bedürfnisse...also die Interessen seines Ego. aus eigener Kraft besorgen kann. Da das Ego aber nicht das Wesen des Subjekts umfasst, sondern nur einen Teil davon, ist die positionale Ausrichtung nicht in der Lage, dauerhaft Zufriedenheit zu schaffen. Nichts, was das Ego in der Welt erlangen könnte, kann das Leiden des Ego an seiner Halbheit beheben.

Psychotherapie

Der Ansatz der Psychotherapie ist in der Regel egozentrisch. Der Patient beklagt Symptome, die entweder einer unbefriedigenden PositionierungIch bin depressiv, weil mich meine Frau verlassen hat. entspringen oder solche, die seine angestrebte PositionierungMeine Ängste hindern mich daran, die Prüfung zu bestehen. behindern. Bei der Verhaltenstherapie wird versucht, funktionales Verhalten einzuüben, also ein Verhalten, das das Ego erfolgreicher macht. Bei der analytisch-tiefenpsychologischen Therapie wird Einsicht in die innerseelischen Abläufe angestrebt, damit das Ego lernt, sich selbst nicht mehr im Wege zu stehen.

Um klassische psychiatrische Symptome zu beheben, reicht die egozentrische Sichtweise beider Therapieformen oft aus. Eine grundsätzliche seelische Gesundung ist aber nur erreichbar, wenn der Blick auf den spirituellen Rahmen der Existenz ausgeweitet wird.

2.2. Psychologische Ausrichtung

Die psychologische Ausrichtung kann Leid immerhin lindern. Wenn ich die Dynamik des Ego verstehe, kann ich meine positionierenden Bemühungen effektiver gestalten. Das Scheitern der Sehnsucht nach endgültigen Glück findet zwar immer noch statt, die Einsicht in den Regelkreis meiner psychologischen Abläufe federt die Wucht der Enttäuschung aber ab. Selbsterkenntnis führt zu einer Weisheit, die vor manchen Dornenhecken schützt, in die der blinde Eifer für den eigenen Vorteil führen kann, der die positionierende Ausrichtung ohne Selbsterkenntnis ausmacht.

Obwohl sie sich bereits mit Strukturen des Geistes befasst, kann die psychologische Ausrichtung rein egozentrisch bleiben: Wenn mein Interesse an mir selbst bloß einer besseren Positionierung dient. Der Blick zu den Strukturen des Ego weist jedoch in dieselbe Richtung, der auch das spirituelle Interesse folgt.

2.3. Spirituelle Ausrichtung

Spiritualität rückt den Geist endgültig ins Zentrum des Interesses. Dazu gehört, dass sie sich mit dem Ego befasst; jedoch nicht um das Ego für seinen Kampf um Positionen stark zu machen, sondern um die Grenzen zu überwinden, die eine egozentrische Ausrichtung dem Leben aufzwingt.

Während die rein psychologische Ausrichtung das Ego zu verstehen versucht, um es anschließend im Eigeninteresse zu beeinflussen, versucht die spirituelle Ausrichtung das Ego durch Verständnis transparent zu machen. Die spirituelle Ausrichtung schaut schließlich durch das Ego hindurch. Indem sie es als bloße Arbeitshypothese der Person begreift, misst sie ihm keine eigenständige Existenz mehr zu. Dem spirituellen Ich erscheint das Ego als vorübergehende Erscheinung, der nur noch ein vermindertes Maß an Bedeutung und Energie zuzumessen ist.

2.3.1. Desidentifikation und Identität

Ausgangspunkt der Entwicklung einer spirituellen Ausrichtung ist das positionierende Bewusstsein. Zum positionierenden Bewusstsein gehört die Identifikation des Ichs mit äußeren Objekten, Rollen und Strukturen.

Bei genauer Betrachtung sind solche Identitäten zweifelhaft. Die Behörde könnte mir die Berufserlaubnis entziehen. Fehlen mir Kraft oder finanzielle Mittel, ist es mit dem Gärtnern vorbei. Mein tatsächliches Wesen kann also weder im Schreiner noch im Gärtner liegen.

Durch Desidentifikation von der flüchtigen Rolle, wechsele ich auf eine tiefer liegende Ebene.

Das Subjekt meinerselbst verorte ich nun nicht mehr in der Rolle, sondern in jenem Ego, das die Rolle spielt. Die Rolle selbst wird ihrerseits zu einem Objekt, das ich von außen betrachte.

Wenn ich erkenne, dass meiner Person das gleiche Schicksal gebührt, wie allen Objekten dieser Welt, wird die Subjektivität in mir ihrer selbst bewusst.

Je mehr ich das Ego seinerseits zum Objekt meiner Wahrnehmung mache, desto weniger kann ich daran festhalten, dass es dem tatsächlichen Subjekt meiner Identität entspricht. Durch die Erkenntnis des Ego, erkenne ich das Ego zunehmend als ein Objekt, das ins Wechselspiel der übrigen Objekte eingebunden ist.

Spirituell wird meine Ausrichtung mit jedem Schritt, der mich aus der Identifikation mit meiner Person hinaus führt. Solche Entwicklungen vollziehen sich schrittweise oder ruckartig. Vollziehen sie sich ruckartig, kommt es zu ekstatischenVon griechisch ekstasis = das Aussichheraustreten. Psychologischer Mechanismus der Exstase ist die vollständige Desidentifikation des Ich von der Person, mit der es sich im Normalbewusstsein gleichsetzt. In der Ekstase erblicke ich die Wirklichkeit aus dem Jenseits-von-mir. Erlebnissen, die von den spirituellen Traditionen als Erweckungserlebnisse beschrieben werden.

3. Spiritualität und seelische Gesundheit

Spiritualität hat für die seelische Gesundheit Vorteile:

Erleben oder verwalten

Meist legen Menschen den Schwerpunkt ihrer Aufmerksamkeit nicht aufs Erleben der Wirklichkeit. Stattdessen verwalten sie ihre persönlichen Interessen. Sie sind mit der Achtsamkeit nicht im Jetzt, wo alle Wirklichkeit versammelt ist, sondern schweifen in der virtuellen Welt ihrer Vorstellungen, Meinungen und Erinnerungen umher. Dort fällen sie Urteile, sortieren das wenige, was sie von der Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen nach Nützlichkeit und entwerfen Pläne, wie die Wirklichkeit verlaufen sollte, damit man sie "in Ordnung" finden kann. Verläuft die Wirklichkeit anders als erwünscht, meinen sie, etwas Schlimmes sei passiert und es gebe Anlass, sich gegen den "fehlerhaften" Lauf der Realität zu sträuben.

Normalität ist der Ursprung der Neurose.

Wenn Menschen wüssten, dass sie keine Insassen der Wirklichkeit sind, sondern deren Ausdruck, würden sie der Wirklichkeit und sich selbst anders begegnen. Da sie das Leben aber nicht erleben wollen, sondern gewinnbringend verwalten, sträuben sie sich gegen sich selbst.

Spiritualität hat für die seelische Gesundheit aber nicht nur Vorteile. Für eine vollgültige Gesundheit ist sie vermutlich sogar Bedingung. Es ist klar: Gehe ich bei der Definition dessen, was ich bin, in die Irre, kann ich mich kaum je meinem Wesen gemäß verhalten. Verhalte ich mich aber anders, als es meinem Wesen entspricht, entsteht in mir ein Widerspruch, der meine Gesundheit infrage stellt.

Trifft zu, was mystische Traditionen als Verhältnis zwischen Ich und Wirklichkeit...nämlich deren Wesensgleichheit. beschreiben, kann der normale Bewusstseinszustand des Menschen nicht als gesund begriffen werden. Nur wer sich selbst an keine Form mehr bindet, ist tatsächlich gesund.

4. Störfaktoren der Spiritualität

In Anbetracht der heilsamen Wirkung der Spiritualität verwundert es, dass sich so wenige damit befassen. Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich.

Die unmittelbare Identifikation des Ich mit der Subjektivität ist der eigentliche religiöse Akt. Jede Unterwerfung unter vorgegebene Werte bleibt ein Gehorsamsverhältnis zwischen Menschen.

5. Methoden der Spiritualität

Spiritualität denkt nicht nach, urteilt nicht und strebt nicht nach Gewinn. Wer sich spirituell verhält, sieht das Ziel seines Tuns in der Wahrnehmung dessen, was tatsächlich ist. Da alles, was tatsächlich ist, im Jetzt auftaucht, ist die Ausrichtung der Achtsamkeit auf das, was jetzt erlebbar ist, die erste Methode aller Spiritualität.

Das Jetzt wird dabei nicht nur als der Ort aufgefasst, an dem wahrnehmbare Inhalte auftauchen, sondern auch als das Wesen dessen, der als präsente Gegenwart das handelnde Subjekt der Wahrnehmung ist. Reine Spiritualität erlebt das Jetzt und den, der dessen Inhalte wahrnimmt, als wesensgleich.

Daraus folgt die zweite Methode der Spiritualität: die Akzeptanz dessen, was ist. Wenn das Jetzt wesensgleich mit dem wahrnehmenden Subjekt ist, ist die Bejahung der Inhalte des Jetzt zugleich die Bejahung des Subjektes selbst. Nur wenn es zum Wesen des absoluten Subjektes gehörte, sich selbst zu verneinen, wäre der Widerstand gegen die Wirklichkeit folgerichtig.