Je mehr ein Glaube an Dogmen festhält, desto feindseliger verhält er sich gegenüber Andersdenkenden. Feindselige Glaubensvorstellungen sind weder mit den Werten der europäischen Aufklärung noch mit seelischer Gesundheit vereinbar.

Wenn es der angebliche Wille Gottes ist, Andersdenkende zu strafen, führt der Glaube an einen solchen Gott zwangs­läufig zu Feindseligkeit; denn was sollten Gläubige anderes befürworten als den vermeintlichen Willen Gottes.

Dogmatische Kulte haben Hass in Gottesbilder projiziert. Dort beten sie ihn an und nennen ihn barmherzig.

Dogmen sind Waffen der Angst und der Bosheit.

Dogmatische Kulte werden nicht durch die Wahrheit verbreitet, die sie verkünden, sondern durch das Verbot, Wahrheiten zu auszusprechen.

Dogma


  1. Begriffsbestimmung
  2. Funktionen
  3. Aufklärung und Religion
  4. Dogmen, Demokratie und Individualität

1. Begriffsbestimmung

Das Fremdwort Dogma = Lehrsatz ist griechischen Ursprungs. Er geht auf die Verben dokein (δοκειν) bzw. dokeuein (δοκευειν) = meinen, scheinen zurück. Obwohl der Begriff die Ungewissheit seiner Inhalte offen benennt, ging die Bewusstheit, dass Glaubenslehren bloß Meinung und Anschein sind, verloren. Sie fiel dem Machtanspruch dogmatischer Kulte zum Opfer, die ihre Meinung zur Gewissheit erklärten und als Verwalter der vermeintlichen Gewissheit Zustimmung fordern.

2. Funktionen

Das Dogma ist ein Werkzeug konfessioneller Glaubenskulte. Jenseits davon hat es keine Bedeutung. Die Konfession, also das Bekenntnis, besteht darin, den spezifischen Lehrsätzen der jeweiligen Konfession zuzustimmen. Durch die Zustimmung anerkennt man den Anspruch der konfessionellen Gruppierung, autokratisch über wahr und unwahr zu entscheiden und den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen der Überprüfung zu entziehen. Durch den Akt des Bekennens tritt man der entsprech­enden Gruppe bei.Was nur formal stimmt, weil fast alle Mitglieder dogmatischer Gruppen nicht durch eigene Entscheidung Mitglied wurden, sondern durch frühkindliche Fremdbestimmung. Sie sind nie beigetreten, sondern sie unterlassen den Austritt aus Gewohnheit und Desinteresse, oder weil er durch Ausgrenzung bedroht wird.

Verwechslungen

Glaube, Religion und Konfession werden oft miteinander verwechselt; oder gar gleichgesetzt. Tatsächlich sind es unterschiedliche Kategorien.

Kategorie Inhalt Funktion
Glaube... ist das Für-wahr-halten unbewiesener Aussagen. dient der Ergänzung lückenhafter Erkenntnis zu geschlossenem Weltbild.
Religion... ist die Rückführung des Identitätsgefühls aus der Vorstellung in die Wirklichkeit. dient der Lösung seelischer Probleme durch endgültige Sinngebung und Selbstfindung.
Konfession...
Bekenntnis...
ist ein politischer Akt des Einzelnen, durch den er auf seine Position im sozialen Umfeld Einfluss nimmt. dient dem Schutz vor der Aggression des Umfelds durch Beitritt zu einer ihrerseits potenziell aggressiven Gruppe.

2.1. Politisch

Vorbild aller heute vorherrschenden Dogmenkulte ist der Judaismus. Die Machtergrei­fung Moses' und seiner Anhänger sowie der Angriffskrieg gegen Kanaan war von einer pseudo-religiösen Mythenbildung begleitet, die Krieg und Machtanspruch rechtfertig­ten. Um Kritik an der Führung im Keim zu ersticken, formulierte der mosaische Glaube eine Reihe von Lehrsätzen, deren Verneinung bei Todesstrafe verboten war...

Warnen oder drohen
Auch nicht-dogmatische Religionen haben Lehrmeinungen. Ihre Lehren kündigen Leid an, falls man ihnen nicht folgt. Leid ist in ihren Augen eine lehrreiche Folge falschen Handelns. Sie warnen davor.

Im Gegensatz zur reinen Lehre warnt das Dogma nicht. Es droht. Ihm nicht zu folgen, führe zu strafender Qual. Die Qual soll den Irrenden nicht lehren. Sie vernichtet ihn hasserfüllt. Das Böse verbirgt sich hinter der Maske des Guten.

Politisch gesehen betreiben Dogmen eine Uniformisierung des Denkens. Die Uniformisierung entspricht der Militanz des mo­saischen Aufbruchs nach Kanaan. Die Vernichtung der Völker Kanaans und der Raub ihres Landes bedurfte der kol­lektiven Anstrengung aller hebräischen Stämme. Kultureller Pluralis­mus und Meinungsvielfalt standen dem im Wege. Das Dogma schaffte sie ab.

Analog zum orthodoxenOrthodox geht auf griechisch orthos (ορθος) = recht, richtig und doxa (δοξα) = Meinung, Anschauung, Lehre zurück. Judaismus haben dessen Abspaltung­en (Christentum) und Nachahmungen (Islam) jeweils eigene Dogmen formuliert, deren Funktion es ist, der eigenen Glaubenspartei totalitäre Macht zu verschaffen.

2.2. Psychologisch

Dogmen haben nicht nur politische Funktionen. Sie stehen auch in Bezug zu den psy­chologischen Grundbedürfnissen des Menschen: dem nach Zugehörigkeit und dem nach Selbstbestimmung.

2.3. Religiös

Religiöse Dogmen können Menschen darauf hinweisen, dass sich die Wirklichkeit nicht im Horizont sinnlich erfahrbarer Realität erschöpft. Dadurch können sie Personen...

Keine Aussage kann das Unbedingte enthalten. Kein Dogma, das Aussagen über das Unbedingte trifft, kann daher gelten. Wer Dogmen dient, lebt in Sünde.

Die Ziellinie vollgültig religiöser Rückbindung liegt jedoch in der Des-identi­fikation von allem Objektiven. Das Individuum findet zum Absoluten zurück, wenn es jede Bindung an Objektives als illusionären Trugschluss erkennt. Die objektivistische Suche nach Wahrheit führt nur bis zum Dogma, weil sie sich mit Objektivem gleichsetzt und Dogmen objektiv erkennbare Lehrsätze sind. So ist der unverrückbare Lehrsatz Außenposten eines Selbstbilds, das sich an Bedingtes klammert.

Religiöse Suche nach dem Unbedingten, kann aber nur ihr Ziel erreichen, wenn sie alles Bedingte hinter sich lässt. Vertiefte Religion fängt jenseits der Lehrsätze an. Alles diesseits davon ist vorläufig oder geistige Verirrung. Diesseits der Dogmen verkommt Religion zur Abwehr von Angst. Sie wird zum Versuch, sich als Ego zu erhalten, statt auf der Suche nach dem Selbst über das Ego hinauszugehen.

Das Anliegen der Aufklärung ist niemals abgeschlossen. Ihre Werte sind stets von Barbarei bedroht. Barbarei ist jeder Vorsatz, der das Individuum entrechten will. Jeder Vorsatz, der das Individuum entrechten will, ist faschistoid.

Die Integration feindseliger Glaubenslehren in die Gesellschaften Zentraleuropas birgt ein schwerwiegendes Risiko für das Wohlergehen zukünftiger Generationen. Dass die politische Mitte die Kritik an solchen Lehren, vor allem am Islam, dem rechten Rand überlässt, ist nicht nur Zeichen falsch verstandener Toleranz. Es ist Folge von Gefallsucht und Käuflichkeit. Der Attentäter von Paris und anderswo heißt Glaube.
Ein Glaube ist feindselig, wenn er für Unglauben Strafe androht.

Sura 9, 28-29**
..nur Schmutz sind die Götzendiener... Bekämpfet, die an Gott nicht glauben...


Der Islam hat die Meinungsfreiheit in Europa bereits eingeschränkt. Er wird es umso mehr tun, je stärker er wird. Fehlende Sachkenntnis und Bestechlichkeit in den höchsten Ämtern des Staates unterstützen ihn dabei.
Nichts hat mehr Blasphemie beseitigt als die Aufklärung.

3. Aufklärung und Religion

Schlüsselverdienst der europäischen Aufklärung war es, dem Einzelnen das Recht zu verschaffen, offen an kollektiven Lehrsätzen zu zweifeln. In der Folge entdeckte der Mensch dass...

Das führte zur Formulierung der Menschenrechte, zur Entdeckung des Peni­zillins und zur Entwicklung der Impfstoffe, was abermillionfach Leben geret­tet und maßloses Leid verhindert hat.

Bahnbrechend für die Aufklärung war das Zeitalter der Renaissance. Renaissance heißt Wiedergeburt. Wiedergeboren wurde der Respekt vor dem Individuum, der in der Antike im Ansatz bekannt war und der von den kollektiven Glaubenskulten über Epochen hinweg beseitigt wurde.

Dogmatische Kulte neigen dazu, Individualität misstrauisch gegenüber­zustehen. Intellek­tuell hat das zwei Ursachen:

  1. Individualität wird mit Egozentrizität verwechselt.
  2. Dogmatische Kulte glauben, Egozentrizität sei durch Gehorsam überwunden.
Individualität und Egozentrik

Individualität und Egozentrizität sind keineswegs vergleichbar. Im Gegenteil: Sie sind Gegensätze.

Die Überschreitung der Egozentrizität ist Aufgabe und Inhalt jeder echten Religion, nicht aber die Leugnung des Wertes und die Unterdrückung der Individualität. Alle religiösen Ansätze, die die Egozentrizität durch Uniformierung der Individualität überwinden wollen, erreichen das Gegenteil. Die egozentrischste Glaubenspraxis und damit die, die wahrer Religion am meisten schadet, ist die, die das höchste Maß an Uniformität verlangt. Gehorsam ist eine Maske des Ego.

Unglaublich
Dem erklärtesten Feind der Religionsfreiheit wird unter dem Deck­mantel, selbst Religion zu sein, erlaubt, die freie Entfaltung der Religion im eigenen Einflussbereich mit allen Mitteln zu bekämpfen und seinen Einfluss­bereich ungehindert auszuweiten.

4. Dogmen, Demokratie und Individualität

Demokratie fußt unmittelbar auf dem Respekt vor dem Individuum. Ohne diesen Respekt ist Demokratie undenkbar; denn ohne ihn bleibt der Mensch Untertan der jeweils stärksten Gewalt.

Dogmatische Gehorsamskulte sind niemals Religion im eigentlichen Sinn; auch wenn sie das Wort Gott mit Inbrunst gebrauchen. Es gibt keinen dogmatischen Glauben, der den Wert des Individuums in irgendeiner Weise anerkennt. Während die Aufklärung die Macht des Christentums beschnitt, pflegt die islamische Welt fast ungebrochen eine Tradition, die das Recht des Einzelnen, über sich selbst zu bestimmen, mit vorrangigem Vorsatz bekämpft. Zwischen Islam und Demokratie liegt ein grundsätzlicher Graben. Wenn dieser Graben zugeschüttet wird, wird das zu Lasten der Freiheit sein. Vielen fehlt der Mut, sich davor zu fürchten. Sie singen stattdessen fröhliche Lieder und beklatschen ihre Einfalt.


* Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament, Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966.
** Der Koran, (Komet-Verlag, ISBN 3-933366-64-X), Übersetzung von Lazarus Goldschmidt aus dem Jahr 1916.