Grundregeln
Je mehr Bedingungen man dem Leben stellt, bevor man es bejaht, desto abhängiger ist man.
Je weniger Ansprüche man hat, desto größer ist die Chance, glücklich zu sein.
Das Individuum ist die Situation, in der es sich befindet und aus deren Verständnis heraus es seine Beziehung mit der Wirklichkeit gestaltet. Ein Individuum, das die Situation nicht annimmt, verwirft sich selbst.
Der Mensch hat mit zwei Formen der Abhängigkeit zu tun: der existenziellen und der narzisstischen. Die existenzielle Abhängigkeit bezieht sich auf seinen objektiven Bestand, die narzisstische auf sein subjektives Selbstwerterleben.
Das körperliche Überleben ist von existenziellen Bedingungen abhängig. Dazu gehören klimatische Voraussetzungen, die Versorgung mit Nahrung und Wasser sowie der Schutz vor fremder Aggression und biologischen Gefahren; zum Beispiel durch Krankheitserreger.
Mehr als gesunde Erwachsene hängen Säuglinge, Kleinkinder und Schwerkranke existenziell nicht nur von physikalischen Gegebenheiten ab, sondern auch von schützenden Bezugspersonen, die die physikalische Umwelt im Interesse der Beschützten formen. Darüber hinaus brauchen Kinder ein soziales Umfeld, das ihnen eine angemessene emotionaleDie spätere Beziehungsfähigkeit wird wesentlich von emotionalen Erfahrungen in der Kindheit geprägt. und intellektuelle...zum Beispiel zum Spracherwerb. Entwicklung ermöglicht.
Je reifer man wird, desto geringer ist die Abhängigkeit von Beschützern. Durch gezielte Eigenaktivität ist man in der Lage, sich selbstständig gegen widrige Umweltbedingungen zu wappnen. Trotzdem bleibt selbst der psychologisch reife Erwachsene von existenziellen Bedingungen abhängig, ohne die sein Überleben unmöglich ist.
Abhängig oder autonom
| abhängig | autonom |
| Mein Ja zum Leben hängt von vielen Bedingungen ab. | Mein Ja wird durch äußere Faktoren nur wenig beeinflusst. |
| Sind die Bedingungen nicht so, wie ich sie für notwendig halte, setze ich mich und andere unter Druck. Werden meine Erwartungen nicht erfüllt, kann ich das nicht gelten lassen. | Wechselnde Bedingungen nehme ich gelassen hin. Ich handele zwar, um zwischen mir und dem Umfeld Übereinstimmung zu schaffen, wenn es misslingt, werte ich aber weder mich noch das Umfeld ab. |
| Widrigkeiten sind Störfaktoren, die es eigentlich nicht geben sollte. | Widrigkeiten sind Hürden, an denen das Leben seine Kräfte schult. |
Die narzisstische Abhängigkeit ist das wesentliche Merkmal unreifer Persönlichkeiten. Narzisstisch abhängig bedeutet, dass das Selbstwertgefühl der Person und ihre Bereitschaft, das Leben so zu bejahen, wie es ist, an Bedingungen geknüpft ist, die nicht unmittelbar von ihr selbst bestimmt werden können.
Welche Umstände eine Person als notwendige Bedingung ihrer Lebensbejahung formuliert, hängt von ihrem Selbst- und Weltbild ab. Einige Grundmuster sind dabei zu erkennen:
Der abhängigeWenn von nun an von Abhängigkeit gesprochen wird, ist die narzisstische Abhängigkeit gemeint. Mensch setzt die Bestätigung seiner Person durch das Umfeld als notwendige Bedingung für sein Wohlbefinden voraus. Wird seine Person nicht vom Umfeld bestätigt, gerät sein Selbstwertgefühl ins Wanken.
Der abhängige Mensch glaubt, dass er sich und das Leben nur akzeptieren kann, wenn er bestimmte Stimmungen und Gefühle durchlebt. Annehmbar erscheinen ihm Stimmungen und Gefühle nur dann, wenn sie angenehm sind oder zumindest zu seinem Selbstbild passen.
Der abhängige Mensch geht davon aus, dass er seinem Selbstbild entsprechen sollte. Er sagt nicht: Ich bin, der ich bin. Er sagt: So und so sollte ich sein.
Der abhängige Mensch geht davon aus, dass die Wirklichkeit seinem Weltbild entsprechen sollte. Er fragt nicht: Wie sind die Dinge wirklich? Er fragt: Sind sie so, wie sie sein sollten?
Die Bedingungen, deren Erfüllung der abhängige Mensch fordert, können in äußere und innere unterteilt werden.
| Bedingungen | ||
| äußere | und | innere |
| Die Außenwelt muss auf die Bedürfnisse meiner Person zugeschnitten sein. | Ich muss mich jetzt wohl fühlen. | |
Die Unterteilung in äußere und innere Bedingungen erleichtert das Verständnis der narzisstischen Abhängigkeit. Tatsächlich sind beide Ebenen aber eng miteinander verknüpft. Das innere Befinden hängt von äußeren Faktoren ab...und zwar umso mehr, je abhängiger man ist.... und wirkt sich seinerseits auf das Umfeld aus, indem es das Verhalten der Person gegenüber dem Umfeld beeinflusstErneut: Umso mehr, je abhängiger man ist..
Der Anspruch, von außen persönlich bestätigt zu werden, kann sich sowohl auf die physikalische Realität als auch auf das soziale Umfeld beziehen.
Physikalische Realität
Die Abhängigkeit der Situationsbejahung von physikalischen Bedingung ist für sich betrachtet das kleinere Übel. Sie wird daran erkennbar, dass man mit abgrenzenderEine abgrenzende Emotion drückt sich als Ärger, Wut oder Hass aus, aber auch als schmollender Rückzug, selbstmitleidiges Jammern oder als eine lamentierende Vorwurfshaltung. emotionaler Beteiligung reagiert, wenn...
Unreifegrade
Wohlgemerkt: Die narzisstische Abhängigkeit von physikalischen Bedingungen ist nicht deshalb das kleinere Übel, weil sie einer geringeren Unreife entspräche als die Abhängigkeit von der Bestätigung durch Bezugspersonen. Im Gegenteil: Wer selbst eine rote Ampel persönlich nimmt, ist emotional noch weniger entbunden als der, der bloß auf mangelndes Lob reagiert.
Insgesamt ist sie aber das kleinere Übel, weil sich der Mensch als hochspezialisiertes Gemeinschaftswesen psychologisch überwiegend auf sein soziales Umfeld bezieht. Deshalb spielt die Abhängigkeit von Lob und Bestätigung durch andere eine größere Rolle.
Soziales Umfeld
Im Alltag ist die Abhängigkeit von der Bestätigung durch andere das größere Übel. Gewiss: Auch den streikenden Drucker kann man weder durch drohendes Geschrei noch dadurch, dass man ihm auf Knien schmeichelt zur Kooperation bewegen. Wenn man es trotzdem versucht, erschöpft sich der Schaden jedoch im momentanen Misserfolg.
Die narzisstische Abhängigkeit von Lob und Zustimmung anderer hat im Gegensatz dazu gefährliche Folgen.
Je nachdem, wie man die Zustimmung zu bewirken versucht, ergeben sich drei Verhaltensmuster, die zu schwerwiegenden psychologischen und sozialen Problemen führen:
Nutzt der abhängige Mensch eine regressiveVon lateinisch regredi = zurücktreten. Strategie, versucht er die Bestätigung vom Umfeld zu bewirken, indem er seinen eigentlichen Handlungsimpuls missachtet und stattdessen tut, was die anderen vermutlich erwarten. Er unterwirft sich.
Nutzt der abhängige Mensch eine aggressiveVon lateinisch aggredi = herantreten. Strategie, versucht er offensiv die Meinung anderer an seine Sichtweisen anzupassen. Er verwickelt sich in ständige Diskussionen und Kämpfe.
Die manipulativeVon lateinisch manipulus = eine Handvoll (zusammengesetzt aus: manus = Hand, plere = füllen). Ursprünglich bezog sich der Begriff Manipulation auf eine Handvoll Substanzen, mit denen etwas bewirkt werden sollte, zum Beispiel die Heilung Kranker durch Anwendung heilsamer Kräuter. Strategie mischt regressive und aggressive Elemente. Die Regression ist bei der manipulativen Strategie nicht wirklich regressiv gemeint. Tatsächlich unterwirft sich der Stratege nur zum Schein. Er passt sich nicht wirklich an, sondern versucht das Gegenüber durch vorgetäuschte Anpassung zu steuern. Insofern ist die manipulative Strategie aggressiv, ohne dass sie ihre Aggression offen erkennbar werden lässt.
Das Selbstbild formuliert Bedingungen, deren Erfüllung der abhängige Mensch vorausetzt, um sich und die Situation, in der er sich befindet, als lebenswert zu bejahen. Zum akzeptierten Selbstbild gehören bestimmte Stimmungen und Gefühlsqualitäten. Andere Qualitäten schließt das Selbstbild des Abhängigen als unannehmbar aus.
Methoden zur Manipulation des momentanen Befindens
Um welche Qualitäten es sich dabei handelt, ist von Person zu Person verschieden. Der gesunde Mensch erlebt sämtliche Gefühle wie sie kommen und gehen. Egal, ob er das Gefühl als angenehm oder unangenehm erlebt, geht er davon aus, dass ihn jedes Gefühl bereichern kann.
Der abhängige Mensch filtert jene Gefühle heraus, die vermeintlich nicht zu seinem Wesen passen. Er glaubt, dass es Gefühle und Wahrnehmungen gibt, die ihm aus ihrer eigenen Art heraus schaden.
Wessen Selbstbild bestimmte Erlebnisqualitäten als lebensunwert ausschließt, neigt dazu, gegen genau diese Qualitäten unmittelbar vorzugehen. Er sucht nach Wegen, wie er das Nicht-akzeptierte unmittelbar aus seinem Bewusstsein beseitigen kann.
Während sich die Abwehrstrategien dessen, der ohne Bestätigung von außen nicht zurechtzukommen glaubt, ans Umfeld richten, setzt die Manipulation des Selbsterlebens unmittelbar am eigenen Bewusstsein an.
Beiden beschriebenen Mustern
1. Der Abhängigkeit von äußerer Zustimmung.
2. Der Manipulation des momentanen Befindens. liegt ein gemeinsamer Mechanismus zugrunde: Der Vergleich zwischen Selbst und Selbstbild und der Versuch, das Selbst dem Selbstbild anzupassen.
Ich verwerfe alle Bilder, die ich von mir haben könnte. Sie stören mich dabei, ich selbst zu sein.
Der Gesunde sagt: Ich bin, der ich bin.
So wie ich bin, trete ich mit der Welt in Beziehung. Aus dem wie ich bin, ergeben sich Konsequenzen, denen ich mich stelle. Dieser Vorgang bestimmt die weitere Entwicklung. Da ich bin, wie ich bin und die Welt ist, wie sie ist, kommt es, wie es kommen soll. Wenn ich mein Wesen erfülle, habe ich alles getan, um meinen Teil zu tun. Darauf kann ich vertrauen.
Ich passe mich dem Bild an, das ich von mir habe. Ich verwerfe, was zum Bild nicht passt.
Der Abhängige sagt: So und so sollte ich sein.
Der Abhängige erstellt eine Liste von Regeln:
Dann macht er sich daran, sich dem Bild anzupassen; das er für richtiger als die Wirklichkeit hält. Da die Wirklichkeit seinem Eifer aber zuwider läuft, schwimmt er gegen den Strom: zuversichtlich, solange er hofft, dass er gewinnen könnte, verbissen oder verärgert, wenn er ihm das Leben mehr Widerstand leistet, als er dachte, verzweifelt, wenn ihm die Puste auszugehen droht.
Lebensgefahr beleuchtet eine radikale Konsequenz vollständiger Unabhängigkeit: die Ablösung von der Idee, jene Person zu sein, als die man der Welt begegnet. Diese Form der Unabhängigkeit wird im Leben nur selten erreicht. Erst kurz vor dem Tod, wenn alle Hoffnung verloren geht, ihn aufzuhalten, scheint sie öfter vorzukommen.
Mit und ohne Gewänder
Die Psychiatrie beschreibt die Abhängige Persönlichkeit. Das tut sie zurecht...denn die Mehrzahl der Menschen wendet im Laufe des Lebens klassisch abhängige Verhaltensmuster an; der eine durchgehend, der andere phasenhaft oder situationsgebunden.. Indem sie es tut, bahnt sie die Vorstellung, Abhängigkeit spiele bei den übrigen Persönlichkeitsvarianten keine Rolle. Diese Vorstellung ist falsch. Auch andere Persönlichkeiten machen sich von der Bestätigung durch das Umfeld abhängig sowie von Vorstellungen und Erlebnisweisen, an die sie ihr Identitätsgefühl knüpfen. Die Abhängigkeit der Abhängigen Persönlichkeit liegt nackt zu Tage. Die der übrigen kleidet sich in spezielle Gewänder.
Zur vollständigen Überwindung der Abhängigkeit gehört die Preisgabe der Vorstellung, dass die Dinge nur richtig laufen, wenn dabei das persönliche Überleben gesichert bleibt. Die Bereitschaft, den Gang der Dinge zu bejahenSich dem Tod also nicht nur zu fügen, weil man ihn nicht verhindern kann, sondern ihn zu begrüßen, weil man ihn als einen Ausdruck seiner selbst erkennt., wenn dazu der Tod gehört, ist unmöglich, solange man sich für sein eigenes Ego hält; also für jene Person, die als benennbares Objekt die Wirklichkeit durchquert. Berichte von Sterbenden belegen, dass die Fähigkeit zur bedingungslosen Bejahung des Lebens sich häufig verwirklicht, wenn der Kampf gegen das Sterben ausgefochten ist.
Fast jeder Mensch betreibt Strategien, um sich von außen bestätigen zu lassen. Oft ist er sich dessen nicht bewusst. Meist handelt es sich dabei um eine Mischung der drei genannten MusterRegressiv, manipulativ oder aggressiv., die er je nach Lage der Dinge und instinktiver Einschätzung der Erfolgsaussichten zur Anwendung bringt. Personen, deren Verhaltensmuster den klassischen Persönlichkeitsstörungen zugeordnet werden können, neigen dazu, bestimmte Muster zu bevorzugen.
Persönlichkeitsvariante und bevorzugte Strategie
| Variante / Strategie | regressiv | manipulativ | aggressiv |
| Paranoide Persönlichkeit | +++ | ||
| Schizoide Persönlichkeit | [x]Der schizoiden Persönlichkeit ist nur unter Vorbehalt eine Strategie im Kampf um Bestätigung zuzuordnen. Eigentlich wendet sich der Schizoide weder regressiv, noch manipulativ oder aggressiv ans Umfeld, um von diesem bestätigt zu werden. Vielmehr wendet er sich vom Umfeld ab: um Fremdbestimmung bzw. Demütigung zu vermeiden. Immerhin ist diese Strategie ein Rückzug; und damit als regressiv zu bezeichnen. | ||
| Dissoziale Persönlichkeit | +++ | +++ | |
| Emotional-instabile Persönlichkeit | +++ | +++ | +++ |
| Histrionische Persönlichkeit | + | +++ | + |
| Zwanghafte Persönlichkeit | ++ | + | ++ |
| Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit | +++ | + | |
| Abhängige Persönlichkeit | +++ | ||
| Narzisstische Persönlichkeit | ++ | ++ | |
| Dysthymie / Depressive Persönlichkeit | +++ | + |
So wie man den Persönlichkeitsvarianten bevorzugte Strategien beim Bemühen um Bestätigung zuordnen kann, kann man sie auch entlang spezifischer Erlebnisweisen unterteilen, von deren Gegenwart oder Abwesenheit das Identitätsgefühl der Person abhängt.
Abhängigkeit betonter Persönlichkeiten von bestimmten Erlebnisweisen
| Variante / Erlebnisweise | akzeptiertMein Gefühl stimmt mit meinem Weltbild überein. | verweigertMit mir stimmt etwas nicht... Das bin ich nicht... |
| Paranoide Persönlichkeit | Wachsamkeit, Kampf | Vertrauen, Hingabe, Sehnsucht |
| Schizoide Persönlichkeit | Kühle Distanz | Zugehörigkeit |
| Dissoziale Persönlichkeit | Skrupellose Egozentrik | Mitgefühl |
| Emotional-instabile Persönlichkeit | Leidenschaft, "ganz oder gar nicht", Wut | Kompromisse, Unentschiedenheit |
| Histrionische Persönlichkeit | Beachtet-sein, Überschwang | Übersehen-werden, Abseits-stehen |
| Zwanghafte Persönlichkeit | Disziplin, Prinzipientreue | Überschwang, Spontaneität, "Fünf gerade sein lassen" |
| Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit | Vorsicht | Wagemut, Sorglosigkeit |
| Abhängige Persönlichkeit | Nachgiebigkeit, Zustimmung | Trotz, Eigensinn |
| Narzisstische Persönlichkeit | Stolz, Selbstsicherheit | Scham, Selbstwertzweifel |
| Dysthymie / Depressive Persönlichkeit | Opferbereitschaft, Wehmut, Mitgefühl, Betroffenheit | Eigennutz, Ausgelassenheit |
Jede Abhängigkeit ist ein Verlust. Jede Abhängigkeit schränkt das Leben ein. Nur wenn diese und jene Bedingung erfüllt ist..., meint der Abhängige, dass er dem Leben Recht geben kann. Sind die Bedingungen nicht erfüllt, widerspricht er ihm. Er versucht das vermeintlich falsche Leben aufzuhalten...und da er selbst das Leben ist, verbraucht er seine Kraft dafür, sich mutwillig im Weg zu stehen.. Er weicht aus, macht Winkelzüge, geht vor dem Leben, wie es kommt, in Deckung.
Damit sich das Potenzial des Lebens ungestört entfalten kann, ist es unverzichtbar, sich aus narzisstischen Abhängigkeiten zu befreien. Dazu ist die Kenntnis der Motive, Mittel und Wege nötig, durch die die Angst das Leben in den Käfig ihrer Bedingungen sperrt.
Das Grundmotiv hinter jeder Abhängigkeit ist die Angst des Einzelnen, als Einzelner verloren zu gehen. Was der Einzelne an seinem Sosein fürchtet, ist die Tatsache, dass jedes SoseinEgal wie man ist, man trifft irgendwo auf Widerstand. durch seine Form mit dem Umfeld in Konflikt gerät. Wovon man sich abhängig macht, ist immer das, von dem man glaubt, dass es vor der Gefahr schützt, durch das eigene Sosein die Bestätigung durch das Umfeld zu verlieren.
Da es je nach Umfeld Formen gibt, die mehr oder weniger gefährlich erscheinen, sucht der Abhängige in solchen Formen Deckung, die ihn vor Ausgrenzung schützen:
Form und Angst
Angst entspringt der Vorstellung, diese oder jene Form zu sein. Abhängigkeit ist die Flucht aus der eigentlichen Form in eine scheinbar sichere. Wer sich für formlos hält, braucht keine Flucht mehr anzutreten.
Das Wesen des Seins ist formlos. Jede Form ist eine Ausgrenzung aus der Formlosigkeit. Alle Formen sind vorübergehend. Deshalb geht die Strategie der Abhängigkeit nicht auf. Egal, in welche Form man flüchtet, keine bietet tatsächlich Schutz vor der Gefahr des Untergangs. Den Preis für den Schutz, den man sucht, muss man aber trotzdem zahlen... es sei denn, man löst sich von der Illusion, diese oder jene FormKeine Form kann vor Ausgrenzung schützen, weil jede Form Ausgrenzung ist. zu sein.
Wer davon ausgeht, dass er eigentlich weder dies noch das ist, weder der noch jener, sondern die Wirklichkeit selbst, verliert die Angst, dass er überhaupt untergehen könnte. Der Preis, der dafür zu zahlen ist, ist ein anderer als der für den illusionären Schutz, den eine scheinbar sichere Form zu bieten scheint. Vollständig mit dem Ganzen verbunden erlebt sich nur, wer nicht mehr die Interessen eines bestimmten Teils betreibt, sondern die der unbestimmten Wirklichkeit.