Es kommt von irgendwoher und geht irgendwohin. Ich bin ein Steg, über den es geht.
Was das Jenseits für wahr hält, verwirklicht sich durch Formung der Raumzeit. Sie ist das Bewusstsein des reinen Subjekts.
Selbstbewusst ist nicht wer glaubt, überlegen zu sein. Selbstbewusst ist, wer sein Wesen erkennt.
Der gemeinsame Nenner der Dinge ist das, was ihr Sosein bestimmt und sie damit ins Sein setzt.
Zum Bewusstsein gehören Inhalte. Wo es aber Inhalte gibt, gibt es einen Raum, der sie enthält. Während die Inhalte des Bewusstseins in rascher Folge wechseln, sind Veränderungen des Raums, der die Basis des Bewusstseins bildet, träge. Jeder Inhalt ist auf den Raum angewiesen, in dem er sich befindet. Der Raum hängt aber von keinem Inhalt ab. Der Raum, der die Basis des Bewusstseins bildet, ist folglich essenziell.
Der Bewusstseinsraum, der die wechselnden Inhalte aufnimmt, ist ein formloses Feld. Veränderungen des Bewusstseinsraums werden als Kontinuum verschiedener Grade des Wachseins erlebbar. Dem Wachsein entspricht die geistige Präsenz, also das Gegenwärtigsein des bewussten Selbst im jeweiligen Hier-und-Jetzt. Wird die Präsenz nicht von Inhalten geblendet, nimmt sie sich selbst als lebendige Leere wahr. Die Intensität des Wachseins ist graduell veränderlich. Die Identität der Präsenz ist es nicht.
Zu den Inhalten des Bewusstseins zählen sämtliche Formen, die im Bewusstseinsraum wahrgenommen werden. Es gibt mittelbare und unmittelbare Wahrnehmungen.
Mittelbare Wahrnehmungen sind Folge sinnlicher Eindrücke, durch die Informationen über die physikalische Realität ins Bewusstsein gelangen. Zu den mittelbaren Wahrnehmungen zählen auch sprachlich vermittelte Botschaften über die seelischen Inhalte anderer.
Das unmittelbar Wahrnehmbare braucht keine Vermittlung durch Sinnesorgane. Es wird durch unbewusste Prozesse zum Bewusstsein gebracht und taucht dann spontan im Bewusstseinsraum auf; oder es wird vom Selbst bewusst hervorgerufen. Zu den unmittelbaren Wahrnehmungen gehören Gedanken, Gefühle, Impulse, Erinnerungen und bildhafte Vorstellungen.
Bewusst-zu-sein ist eine Seinsart des Selbst. Das Bewusstsein ist dabei kein Raum, der bloß passiv enthält. Bewusst-zu-sein ist das Ergebnis einer Tätigkeit; sowie in sich selbst ein eigenes Tun. Die Tätigkeit, deren Ausdruck es ist, bezeichnete man im Mittelalter mit einem Verb: bewissen.
Nützlich beim Verständnis des Bewusstseins ist ein Blick auf weitere Verben, die mit der Vorsilbe be- anlauten:
Die Vorsilbe be- besagt, dass etwas zugefügt oder beigeordnet wird: Wasser, Licht, Aufträge, Lügen, Aussagen ...oder eben Wissen.
Das Selbst ordnet Bewusstseinsinhalten Wissen zu. Als bewusstes Sein knüpft es ein Geflecht von Zuordnungen, das es wie eine Landkarte nutzt. Die Form des Geflechts entscheidet darüber mit, wie das Selbst auf die Welt reagiert.
Das Geflecht der Zuordnungen, aus dem sich das Weltbild der Person zusammensetzt, ist in ständiger Bewegung. Frische Wahrnehmungen werden eingefügt oder verworfen. Altes Wissen wird durch bewusste und unbewusste Prozesse neu geordnet. Neue Vermutungen werden angestellt, überholte zurückgenommen.
Selbst-
Bewusstsein, Sicherheit und Wertgefühl
Umgangssprachlich wird Selbstbewusstsein oft mit Selbstsicherheit verwechselt. Tatsächlich ist das Zweite aber eine Folge des Ersten. Selbstbewusstsein ist keine offensive Spielart des Auftretens, sondern eine Ausrichtung der Achtsamkeit. Man ist selbstbewusst, wenn man sich der Inhalte seiner selbst oder des Raums, der die Inhalte enthält, bewusst ist.
Je mehr man sich der inneren Dynamik oder dem Feld, in dem sie abläuft, zuwendet, desto mehr erkennt man deren Wert. Selbstbewusstsein führt so zu mehr Selbstwertgefühl.
Je besser man den Wert der eigenen Gefühle, Impulse und Positionen kennt, desto sicherer kann man sie vertreten. Selbstsicherheit als Merkmal des Verhaltens ist das logische Resultat gesteigerter Selbsterkenntnis.
Um selbstsicher aufzutreten, muss man nicht so tun, als ob man es sei. Es gilt, die Achtsamkeit sich selbst zuzuwenden.
Grundfrage des psychologischen Selbstbewusstseins
Was geht jetzt in mir vor?
Grundfrage des existenziellen Selbstbewusstseins
Was bin ich jenseits der Inhalte?
Im Tiefschlaf scheint das Bewusstsein erloschen. Zumindest sind dem Selbst weder Inhalte noch Bewusstseinsraum gegenwärtig. Der Organismus hat die Tätigkeit des Bewissens aber nicht vollständig eingestellt. Obwohl man sich im Schlaf hin- und herdreht, fällt man nicht aus dem Bett. Offensichtlich gibt es ein "unbewusstes Bewissen", das um die Lage des Körpers und die Begrenzung des Bettes weiß.
Die unbewusste Aktivität des Bewissens, also der Arbeit am Geflecht bewusstseinsfähiger Zuordnungen, die im Schlaf nicht halt macht, wird dem Schläfer sowohl als Traum bewusst als auch an den veränderten Sichtweisen, mit denen er die Dinge betrachtet, sobald er sie überschlafen hat. Was am Vorabend noch unklar war, erscheint am nächsten Morgen in einem neuen Licht.
Beim Neugeborenen werden die Sinne von Eindrücken überflutet, die es zunächst nicht ordnen kann. Erst im Laufe der Zeit erkennt es, was wozu gehört. Da die Sinne nach außen gerichtet sind, konzentriert sich seine Achtsamkeit auf die Ereignisse im Umfeld. Es wird weltbewusst. In der Vielzahl der Ereignisse erkennt es Muster, die sich wiederholen. Im Gedächtnis werden die Muster als Regeln abgespeichert. Ein Weltbild entsteht.
Die Ereignisse der Außenwelt sind nicht unmittelbar zu beeinflussen. Mal erscheinen sie uns angenehm, dann schmerzlich. Neben dem, worauf wir nur mittelbar EinflussZum Beispiel durch Muskelkraft. nehmen können, gehorcht uns anderes direkt. Was unserem Willen ohne weitere Hilfsmittel folgt, bezeichnen wir als Ich. Während der frühen Kindheit lernen wir zwischen innen und außen, zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich (der Welt) zu unterscheiden. Das Weltbild differenziert sich. Ein Selbstbild entsteht.
Zunächst steht der Körper beim Selbstbild im Mittelpunkt. Ich bin mein Körper. Ich ging über die Straße heißt, mein Körper hat es getan. Dann werden andere Aspekte bewusst. Nicht nur den Körper können wir unmittelbar steuern; auch unsere Gedanken, Pläne und Absichten, unsere Achtsamkeit und den Umgang mit Gefühlen und Impulsen. Das Selbstbild erweitert sich um eine abstrakte Dimension. Das psychologische Ich, das Ego, ist entstanden.
Die Vorstellung eines Ich-bin-so-und-so-und-stehe-der-Welt-gegenüber bildet die Grundlage des psychologischen Selbstbewusstseins. Das psychologische Selbstbewusstsein deutet die Inhalte des relativen SelbstDas, was das Ich unmittelbar wahrnehmen kann: Gefühle, Gedanken, Impulse. als autonome Einheit. Das Ich sagt: Ich weiß wie und wer ich bin.
Das psychologische Selbstbewusstsein ist eine Vorstufe zum existenziellen. Während sich das psychologische mit den Inhalten des relativen Selbst identifiziert, fragt das existenzielle nach dem absoluten Selbst. Es fragt nicht nach den Inhalten, die im Bewusstseinsraum wahrnehmbar sind, sondern nach dem Wesen des Raums selbst, der die Inhalte enthält. Das Ich fragt nicht: Wer bin ich? Es fragt: Was bin ich?
Zwei Ebenen des Selbstbewusstseins
| Psychologisch | Existenziell |
| Identifiziert sich mit dem relativem Selbst. | Identifiziert sich mit dem absolutem Selbst. |
| Betrachtet sich als virtuelles Objekt. | Betrachtet sich als Subjekt. |
| Wie bin ich? Wer bin ich? | Was bin ich? |
| Relatives Selbstwertgefühl | Absolutes Selbstwertgefühl |
Während sich das psychologisch selbstbewusste Ich als abgetrennte Einheit und somit als Objekt betrachtet, nimmt sich das existenziell selbstbewusste Ich als Subjekt wahr. Dadurch ist es aller Zweifel am eigenen Wert enthoben.
Ein ungetrübtes Bewusstsein erfüllt keine Funktion. Es verwirklicht sein Wesen: absichtsfrei bewusst zu sein. Absichtsfrei ist ein Bewusstsein, wenn es von keinem Aspekt absieht, den es wahrnehmen kann. Das reine Bewusstsein nimmt alles so wahr, wie es ist, ohne das Wahrgenommene eigennützig zu beugen.
In der Regel ist das Bewusstsein durch die Absichten des Ego eingeengt. Das Ego ist ein Produkt des Bewusstseins. Es umgrenzt jenen Ausschnitt, der sich als Partei der Person empfindet. Es sieht sich als abgetrennte Existenz, die mit anderen um Vorteile kämpft. Als Partei wendet es sich den Dingen zu, die es der Person nützlich machen will. Dabei engt es das Bewusstsein ein und konzentriert es auf ausgewählte Zwecke. Weil es parteiisch ist, sieht es von allem ab, dessen Nutzen es für sich selbst nicht sieht. Es bewertet die Welt in einem eingeschränkten Horizont, statt wertfrei zu erkennen, wie sie ist.
Trennen und Verbinden
Das Bewusstsein des Säuglings lernt zwischen Ich und Nicht-Ich zu unterscheiden. Dabei entsteht das Ego. Dessen Ziel ist der eigene Vorteil. Dazu beugt es das Bewusstsein unter sein Diktat. Durch die Vorstellung einer klaren Trennung von Ich und Nicht-Ich wird das Bewusstsein egozentrisch. Ich bin hier, die Welt ist dort. Wir sind Konkurrenten.
Da das Ego aber eine Funktion des Bewusstseins ist, entsteht durch den Versuch, die Verhältnisse umzukehren und das Bewusstsein zum Werkzeug des Ego zu machen, Spannung. Um zu verhindern, dass das Bewusstsein den Horizont des Ego überwindet und damit die Ordnung wieder herstellt, setzt das Ego Abwehrmechanismen ein. Die unbewusste Anwendung dieser Mechanismen führt zu psychischen Symptomen.
Sobald das Ego den Versuch aufgibt, das Bewusstsein einzuschränken, ist die Ordnung wieder hergestellt. Die strikte Trennung zwischen Ich und Nicht-Ich wird als Illusion erkannt. Welt- und Selbstbild verbinden sich zu einem Ganzen. Das Ich sieht sich als Ausdruck dieser Einheit. Ich bin zwar hier und die Welt ist dort, ich gehöre aber voll und ganz dazu.
Das bewusste Subjekt unterscheidet die Elemente der Welt. Dann erkennt es ihren Zusammenhang. Wenn es unterscheidet, begegnet es der Welt und nennt sich "Ich". Wenn es nicht mehr unterscheidet, wird es namenlos. Das Ego ist an den Körper gebunden. Es entsteht mit ihm und teilt sein Geschick. Das Selbst durchsetzt die Welt und ist aus ihr entbunden.
Das Bewusstsein hat zwei Möglichkeiten Welt- und Selbstbild zu formen: Es formt sie, indem es Neues wahrnimmt oder indem es Vermutungen anstellt, deren Wahrheitsgehalt es als mehr oder weniger gesichert ansieht.
Die Wahrnehmung neuer Realitäten ist oft unangenehm. Das hängt mit dem Selbstbild zusammen. Je fester wir uns an ein bestimmtes Selbstbild binden, desto mehr sträuben wir uns, solche Realitäten anzuerkennen, die das Selbstbild in Frage stellen. Statt zu erkennen, dass wir sie nicht annehmen wollen, erleben wir die Realität als unangenehm. Das Unangenehme ist keine Eigenschaft der Wirklichkeit, sondern Ausdruck unserer Haltung gegenüber Dingen, die sind, wie sie sind.
Zur Freiheit des Denkens gehört die Freiheit, sich beliebige Konstrukte auszudenken. Um neue Wege ist Geiste auszutesten, bevor man sie in der Wirklichkeit riskiert, ist diese Freiheit wertvoll. Oft wird sie aber bloß dazu missbraucht, um unangenehme Erkenntnisse zu vermeiden. Statt wahrzunehmen, was wahrnehmbar ist, drehen sich die Gedanken im Kreise.
Was man erkennen könnte und wie man die Erkenntnis umgeht
| Ereignis | Mögliche Erkenntnis | Gedanklicher Fluchtweg |
| Sabine telefoniert heimlich mit ihrem Ex. | So fühlt es sich an, wenn man weniger geliebt wird, als man es sich wünscht. | Wie kann sie mir das antun, wo sie mich doch liebt? Wahrscheinlich liegt es am Einfluss ihrer Mutter, die ihren Ex mehr mag als mich. |
| Ich habe Sabine beschimpft. | Wie kränkbar, abhängig und unbeherrscht ich bin. | Ist doch kein Wunder, dass ich mal ausraste, wenn sie mich so schamlos hintergeht. |
| Ich habe auf der Arbeit einen Fehler gemacht. | Ich war mir meiner selbst zu sicher. | Ich hatte einen schlechten Tag. Außerdem hat man mir die Aufgabenstellung nur lückenhaft erklärt. |
| Der Chef hat mir schon wieder Überstunden aufgedrückt. | Da ist sie wieder: meine Angst, mich durch ein "Nein" mal unbeliebt zu machen. | So eine Sauerei. Was fällt dem ein, immer nur mich und nie die Schulze zu fragen? Wahrscheinlich hat er was mit der. |
Wer nachdenkt, sucht nicht immer nach Wahrheit. Manchmal denkt er nach, um sie zu umgehen. Wenn man nicht zur Ruhe kommt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Suche im Kopf mit Vermeidung beschäftigt. Dann dient die Mühe des Denkens nicht der Erkenntnis, sondern dem Versuch, "bewusstlos" zu sein.