Meditation

Jeden Menschen gibt es zweimal. Als Wachsein, das nichts anderes als Wachsein ist und als Mitspieler in der Raumzeit. Ist er wach, kann er mitspielen. Weiß er nicht, dass er wach ist, wird er zum Spielball.

Wir sind die Leere, die uns umgibt.

Wer sein Maß nicht selbst findet, wird vom Leben eingeschränkt. Wer eingeschränkt wird, fühlt sich zurückgesetzt. Wer sich zurückgesetzt fühlt, will mehr, um die Kränkung zu heilen. Wer mehr will, verliert leicht das Maß aus den Augen.

Habgier ist der Hunger derer, die nicht wissen, dass es sie gibt.

Reine Wahrnehmung ist absolute Hingabe.

Dass Sie Sie sind, ist ein belangloser Zufall. Bedeutung hat, dass Sie alles sind.

Meditation

  1. Bedeutung des Begriffs
  2. Grundsätzliche Technik
  3. Wirkungen
  4. Meditation und alltägliche Verrichtung

Das mächtigste Heilmittel zur Eigentherapie seelischer Erkrankungen ist die Meditation. Bei der Meditation wird das Bewusstsein systematisch darauf ausgerichtet, was wahrgenommen werden kann. Dabei gilt es, sich aus dem eigenen Gedankenfluss heraus in reine Achtsamkeit zu lösen.

1. Bedeutung des Begriffs

Ein Blick auf die Herkunft des Begriffs macht deutlich, worum es dabei geht. "Meditation" geht auf die indogermanische Wurzel me[d] = abmessen, abschreiten, durchwandern zurück. Zur selben Wortfamilie gehören das Maß, die Muße und die Medizin. Ein Mediziner misst das Problem des Patienten ab und ergreift angemessene Maßnahmen.

Bei der Meditation geht es ums Maßnehmen. Dazu braucht man Muße. Wer meditiert, schreitet im Geiste das Feld des Wahrnehmbaren ab und erkennt das Maß, in dem die Dinge zueinander stehen.

2. Grundsätzliche Technik

Die eigentliche Technik der Meditation ist die Fokussierung der Achtsamkeit auf das Hier-und-Jetzt. Alle Wirklichkeit, die überhaupt wahrgenommen werden kann, durchquert den Zeitpunkt der Gegenwart. Daher gilt es, das Bewusstsein auf dieses Hier-und-Jetzt auszurichten. Nur dort und in diesem Moment gibt es etwas zu erkennen.

Normalerweise achten wir nur beiläufig auf das, was tatsächlich geschieht. Wir gehen von hier nach dort, fahren Auto, essen, putzen uns die Zähne, vollziehen die Notwendigkeiten des Alltags. Meist sind wir dabei nicht richtig bei der Sache, sondern folgen dem ewigen Kreisen unserer Gedanken um Wünsche, Sorgen, Hoffnungen und dem Kummer darüber, dass die Welt nicht so ist, wie sie angeblich sein sollte. Wer im Kreisen dieser Gedanken verbleibt, nimmt jedoch nur nebenbei an der Wirklichkeit teil; denn solches Denken befasst sich nicht mit der Wirklichkeit, sondern mit den Erwartungen, die wir an sie richten.

Am besten richten wir die Achtsamkeit auf das Wirkliche aus, indem wir alle Aktivitäten einstellen, die uns davon ablenken. Wer meditiert, sitzt daher meist bewegungslos da und tut scheinbar nichts. Sein Geist ist jedoch hellwach. Er versucht all das, was er wahrnehmen kann, vorurteilsfrei zu erleben. Dazu achtet er auf sinnliche Wahrnehmungen ebenso wie auf seelische Ereignisse, die vor seinem inneren Auge auftauchen.

Kategorien des Wahrnehmbaren
Kategorie Was gehört dazu?
Sinnlich
Mittelbar
Alles, was man hören, sehen, riechen, schmecken oder fühlen kann. Dazu gehören auch die sensorischen Wahrnehmungen der Körperfunktionen, also Atmung, Schmerzen und Verspannungen, das Klopfen des Herzens, Kribbeln auf der Haut, die Lage der Zunge im Mund, der Druck des Gewichts auf der Unterlage.
Seelisch
Unmittelbar
Gedanken, Erinnerungen und Urteile, seelische Gefühle, Zusammenhänge zwischen Gedanken und Gefühlen, Handlungsimpulse, virtuelle Bilder, willentliche Manöver innerhalb des geistigen Betrachtungsraums, Grad von Wachheit und Konzentration.

Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Wirkliche wird nicht nur durch körperliche Aktivitäten gestört. Potentiell störend sind vor allem Gedanken und Urteile. Auftauchende Gedanken verführen uns dazu, das Hier-und-Jetzt zu verlassen und über die Belange unseres Ego nachzusinnen.

Wir neigen außerdem dazu, alles Wahrnehmbare zu beurteilen.

Urteile sind Aktivitäten des Ego. Aus Angst vor Verlust versucht es, seine Position zu sichern. Gemäß dem Vorteil, den es sich davon verspricht, ordnet es alles nach "gut" und "schlecht". Mit "gut" meint es dabei jedoch bloß Was zu meinen Erwartungen passt, mit "schlecht" Was nicht dazu passt. Durch seine Neigung, Wirkliches durch egozentrische Urteile abzuwerten, stört das Ego die Wahrnehmung beträchtlich.

Eine wesentliche Aktivität beim Meditieren besteht daher im Erkennen dessen, was man denkt und wie man urteilt. Statt auftauchende Gedanken weiterzuspinnen und sich in den Vermutungen und Spekulationen des Denkens zu verlieren, kehrt man durch die Betrachtung des eigenen Denkens in die Gegenwart der Wirklichkeit zurück. Statt zu urteilen, schaut man hin, wie man sich durch Urteile ein privates Weltbild zimmert, das einem so wenig passt, wie ein zu kleiner Schuh.

3. Wirkungen

Meditation ist Übung. Wer meditiert übt, die Wirklichkeit vorurteilsfrei zu erkennen. Am besten wirkt sie, wenn man sie täglich praktiziert. Da sie die Aufmerksamkeit auf den Ort in der Raumzeit lenkt, an man sich selbst befindet, zentriert sie das Leben in die eigene Mitte.

Meditation...

Durch beharrliches Üben kommt es dazu, dass sich der Schwerpunkt des Lebens auch bei den Besorgungen des Alltags verschiebt. Statt aus der Angst des Ego haraus nach allem zu greifen, was auftaucht, erkennt man in der Stille des Selbst, dass einen vieles gar nichts angeht. Man tut weniger. Das wenige Wichtige tut man aber effektiv. Während man tut, ist man bei dem, was getan wird.

4. Meditation und alltägliche Verrichtung

Meditation in der sitzenden Grundhaltung ist eine spirituelle Praxis, die als Ritual in den Alltag eingefügt werden kann. Das Ritual selbst ist aber nur Mittel zum Zweck. Es dient der Ausrichtung der Achtsamkeit auf die innere und äußere Wirklichkeit, der wir im Hier-und-Jetzt begegnen.

Kreisverkehr im Kopfkino

Sobald die Übung uns darin geschult hat, die Achtsamkeit aus dem Kreisverkehr des ständigen Vermutens, Spekulierens, Beklagens sowie der Inszenierung fiktiver Dialoge herauszulösen und auf das auszurichten, was tatsächlich als wahr festzustellen ist, kann das Ritual des Sitzens zugunsten einer meditativen Grundhaltung aufgegeben werden.

Eine meditative Grundhaltung nehmen wir ein, wenn uns im Rahmen der alltäglichen Begegnungen und Ereignisse bewusst wird, wie unser Inneres tatsächlich auf das jeweilige Ereignis reagiert. Aus der Grundhaltung heraus betrachten wir zunächst den Lauf der Dinge...und handeln dann. Ohne sie, sind wir reflexartig mit der Einwirkung auf die äußere Wirklichkeit beschäftigt.

Die Reflexe stammen dabei aus erlernten Mustern, die sich das Ego aus den zufälligen Erfahrungen der Vergangenheit zurecht gelegt hat. Oft werden diese Muster der Gegenwart aber nicht gerecht. Ohne die Wahrnehmung dessen, was jeweils wirklich ist, bleibt man im Ego gefangen.