Auf dem Jahrmarkt überhört man das Zirpen der Grille.

Jeden gibt es zweimal. Als Wachsein, das nichts anderes als Wachsein ist und als Mitspieler in der Raumzeit. Ist man wach, spielt man mit. Weiß man nicht, dass man wach ist, ist man Spielball.

Wir sind die Leere, die keine Grenzen hat, die Stille, in die alles eingeht und das Jetzt, das niemals endet.

Habgier entspringt der Angst derer, die nicht sicher sind, dass es sie gibt.

Reine Wahrnehmung ist absolute Hingabe.

Dass Sie der sind, der so ist, wie er ist, ist Zufall. Bedeutsam ist, dass Sie sind, was keine Form hat.

Meditation

  1. Bedeutung des Begriffs
  2. Grundsätzliche Technik
  3. Wirkungen
  4. Meditation und alltägliche Verrichtung
  5. Ablösung und Wirklichkeitserfahrung

Das mächtigste Heilmittel zur Eigentherapie seelischer Erkrankungen ist die Meditation. Das bedeutet aber nicht, dass Meditation bei allen psychiatrischen Erkrankungen problemlos anzuwenden wäre. Es gibt Erkrankungen, gegen deren Grundsymptomatik sie keinerlei WirkungDazu zählen vor allem die demenziellen Erkrankungen durch Abbau organischer Strukturen. zeigt und solche, bei denen sie die Symptomatik sogar verschlimmernDazu gehören akute Psychosen. Bei der akuten Psychose kommt es zu Störungen in den Transmittersystemen des Gehirns. Es entstehen Trugwahrnehmungen. Dadurch kann die Fähigkeit, zwischen realen und halluzinatorischen Erlebnissen zu unterscheiden, verloren gehen. Eine betonte Bündelung der Aufmerksamkeit auf das, was im Inneren der Psyche wahrgenommen werden kann, stiftet dabei oft mehr Verwirrung als sie Einsicht schafft. kann.

1. Bedeutung des Begriffs

Bei der Meditation wird das Bewusstsein darauf ausgerichtet, was wahrgenommen werden kann. Dabei gilt es, sich aus dem Gedankenfluss heraus in reine Achtsamkeit zu lösen.

Ein Blick auf die Herkunft des Begriffs verdeutlicht, worum es geht. Meditation geht auf die indogermanische Wurzel me[d] = abmessen, abschreiten zurück. Zur selben Wortfamilie gehören das Maß, die Muße und die Medizin. Ein Mediziner misst das Problem des Patienten ab und ergreift angemessene Maßnahmen.

Wer sein Maß nicht findet, wird vom Leben eingeschränkt. Wer eingeschränkt wird, fühlt sich zurückgesetzt. Wer sich zurückgesetzt fühlt, will mehr, um die Kränkung zu heilen. Wer mehr will, verliert das Maß aus den Augen.

Auch bei der Meditation geht es um Muße und Maßnehmen. Muße und Maßnehmen stehen im Gegensatz zur Geschäftigkeit der Einflussnahme, zum ständigen Machen, Anstreben, Bewirken- und Verhindernwollen, von dem die Menschenseele im Alltag meist beherrscht wird.

Wer meditiert, lässt die Dinge so auf sich beruhen, wie sie sind. Statt Pläne zu schmieden und die Wirklichkeit gemäß seiner Pläne zu formen, hält er inne. Aus einer Position gelassener Achtsamkeit nimmt er wahr, was im Lichtschein der Achtsamkeit auftaucht, ohne das Erkannte Urteilen und Absichten zu unterziehen. Dabei erkennt er das Maß, in dem die Dinge und er selbst zueinander stehen.

2. Grundsätzliche Technik

Die eigentliche Technik der Meditation ist die Fokussierung der Achtsamkeit auf das Hier-und-Jetzt. Alle Wirklichkeit, die überhaupt wahrgenommen werden kann, durchquert den Zeitpunkt der Gegenwart. Daher gilt es, das Bewusstsein auf dieses Hier-und-Jetzt auszurichten. Nur dort und in diesem Moment gibt es etwas zu erkennen.

Normalerweise achten wir nur beiläufig auf das, was tatsächlich geschieht. Wir gehen von hier nach dort, fahren Auto, essen, putzen uns die Zähne, vollziehen die Notwendigkeiten des Alltags. Meist sind wir dabei nicht bei der Sache, sondern folgen dem Kreisen der Gedanken um Wünsche, Sorgen, Hoffnungen und dem Kummer darüber, dass die Welt nicht so ist, wie sie angeblich sein sollte. Wer im Kreisen der Gedanken verbleibt, nimmt jedoch nur nebenbei an der Wirklichkeit teil; denn solches Denken befasst sich nicht mit der Wirklichkeit, sondern mit den Erwartungen, die wir an sie richten.

Am besten richten wir die Achtsamkeit auf das Wirkliche aus, indem wir alle Aktivitäten einstellen, die uns davon ablenken. Wer meditiert, sitzt daher meist bewegungslos da und tut scheinbar nichts. Sein Geist ist jedoch hellwach. Er versucht das, was er wahrnehmen kann, vorurteilsfrei zu erleben. Dazu achtet er auf sinnliche Wahrnehmungen ebenso wie auf seelische Ereignisse, die vor seinem inneren Auge auftauchen.

Kategorien des Wahrnehmbaren

Kategorie Was gehört dazu?
Sinnlich
Mittelbar
Alles, was man hören, sehen, riechen, schmecken oder fühlen kann. Dazu gehören auch die sensorischen Wahrnehmungen der Körperfunktionen, also Atmung, Schmerzen und Verspannungen, das Klopfen des Herzens, Kribbeln auf der Haut, die Lage der Zunge im Mund, der Druck des Gewichts auf der Unterlage.
Seelisch
Unmittelbar
Gedanken, Erinnerungen und Urteile, seelische Gefühle, Zusammenhänge zwischen Gedanken und Gefühlen, Handlungsimpulse, virtuelle Bilder, willentliche Manöver innerhalb des geistigen Betrachtungsraums, Grad von Wachheit und Konzentration.

Die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf das Wirkliche wird nicht nur durch körperliche Aktivitäten gestört. Potentiell störend sind vor allem Gedanken und Urteile.

Gedanken

Auftauchende Gedanken verführen dazu, das Hier-und-Jetzt zu verlassen und über die Belange des Ego nachzusinnen.

Urteile

Wir neigen außerdem dazu, alles Wahrnehmbare zu beurteilen.

Jedes Ego ist verengt, weil es Angst hat, zu verlieren und zu wissen glaubt, was gewonnen werden muss.

Urteile sind Aktivitäten des Ego. Aus Angst vor Verlust versucht es, seine Position zu sichern. Gemäß dem Vorteil, den es sich davon verspricht, ordnet es alles nach "gut" und "schlecht". Mit "gut" meint es Was zu meinen Erwartungen passt, mit "schlecht" Was nicht dazu passt. Durch seine Neigung, Wirkliches durch egozentrische Urteile abzuwerten, stört das Ego die Wahrnehmung beträchtlich.

Das Gute und die Sicherheit

Gut entstammt der indogermanischen Wurzel ghedh = passen, umklammern, zusammenfügen. Zur selben Wortfamilie gehören Gitter, Gatter und Gatte. Was als gut empfunden wird, bezieht sich auf das, wozu es passen soll.

Der Mensch befasst sich mit der Frage danach, wie er sein soll, damit er als gut zu bewerten ist. Gut, wenn er dabei einsieht, dass sein Urteil vom eigenen Bedürfnis nach Zugehörigkeit bestimmt wird. Man will gut sein, damit man zu dem passt, was einem Schutz verheißt.

Für den, der nicht erkennt, dass hinter dem Urteil ein egozentrisches Bedürfnis steckt, verwandelt sich das Urteil von einem Gatter, das ihn schützt zu einem Gitter, hinter dem er den Verstand gefangen hält. Nur im Heiligen überwindet das Gute seine Relativität.

Eine wesentliche Aktivität beim Meditieren besteht im Erkennen dessen, was man denkt und wie man urteilt. Statt auftauchende Gedanken weiterzuspinnen und sich in den Vermutungen und Spekulationen des Denkens zu verlieren, kehrt man durch die Betrachtung des eigenen Denkens in die Gegenwart der Wirklichkeit zurück. Statt zu urteilen, schaut man hin, wie man sich durch Urteile ein Weltbild zimmert, das so wenig passt, wie ein zu kleiner Schuh. Sobald man erkennt, wie klein die Welt des Ego ist, blickt man über es hinaus.

Gedanken
Aufgreifen und entwickeln oder wahrnehmen und loslassen

Auch Gedanken sind Elemente der Wirklichkeit. Sie durchqueren das Jetzt. Daher geht es bei der Meditation nicht darum, das Denken abzuschalten. Das wäre eine absichtliche Einflussnahme. Es widerspräche der meditativen Grundhaltung der Gelassenheit und führte nicht zur Erkenntnis, sondern zu einem Konflikt mit der Wirklichkeit.

Während der Gedanke an sich als virtuelles Objekt aber stets wirklich ist, ist das Bild, das er von der Wirklichkeit entwirft, bloß vorgestellt. Das Denken entwirft aus einem Erfahrungsschatz, der auf das Wenige zurückgreift, was die Person aus ihrem Blickwinkel bislang erfuhr. Je mehr Schritte das Denken geht, desto spekulativer wird sein Inhalt und desto weniger gleicht die entworfene Vorstellung der Wirklichkeit, über die das Denken seine Vermutungen anstellt.

Im Alltag neigen wir dazu, unsere Gedanken aufzugreifen... Oliver hat sich neulich unmöglich benommen... und weiter zu entwickeln...dabei dachte ich, er sei ein ernst zu nehmender Kollege... . Dadurch entwerfen wir Vorstellungen...Kein vernünftiger Chef wird Mitarbeiter mögen, die am Rosenmontag mit Pappnase ins Büro kommen und dann auch noch albern auf der Tröte blasen. Es wird wohl besser sein, zu Oliver auf Abstand zu gehen., deren Wahrheitsgehalt wir nur lückenhaft an der Wirklichkeit überprüfen. Sinn der Entwicklung gedanklicher Bilder ist der Entwurf komplexer Simulationen, an Hand deren wir im Voraus berechnen, was uns nützt.

Bei der Meditation geht es nicht darum, mit Hilfe unserer Spekulationen über die Wirklichkeit zu entscheiden, was uns mehr nützt oder schadet. Es geht ausschließlich darum, die Wirklichkeit zu erkennen, wie sie ist. Da sich Gedanken aber spekulativ von der Wirklichkeit entfernen, nimmt man sie in der Meditation bloß wahrAha, ich bin also der Meinung, dass sich Oliver unmöglich benommen hat... und lässt sie dann los...sei's drum. .

3. Wirkungen

Meditation ist Übung. Wer meditiert übt, die Wirklichkeit vorurteilsfrei zu erkennen. Am besten wirkt sie, wenn man sie regelmäßig praktiziert. Da sie die Aufmerksamkeit auf den Ort in der Raumzeit lenkt, an dem man sich selbst befindet, zentriert sie das Leben in die eigene Mitte.

Meditation...

Kreisverkehr im Kopfkino
  • Fiktive Dialoge mit Bezugspersonen
  • Grübeleien über das, was hätte sein können
  • Vermutungen darüber, was in anderen vorgeht
  • Argumente sammeln, dass es so wie es ist, nicht sein darf
  • Klagen über die Missstände der Welt
  • Vorwürfe an die Vergangenheit
  • Rechtfertigung eigener Fehler

Durch beharrliches Üben kommt es dazu, dass sich der Schwerpunkt des Lebens bei den Besorgungen des Alltags verschiebt. Statt aus der Angst des Ego heraus nach allem zu greifen, was Vorteil verspricht, erkennt man in der Mitte des Selbst, dass einen vieles gar nichts angeht. Man tut weniger. Das wenige Wichtige tut man aber effektiv. Während man tut, ist man im Geiste bei dem, was getan wird.

4. Meditation und alltägliche Verrichtung

Meditation in der sitzenden Grundhaltung ist eine spirituelle Praxis, die als Ritual in den Alltag eingefügt werden kann. Das Ritual selbst ist aber nur Mittel zum Zweck. Es dient der Ausrichtung der Achtsamkeit auf die innere und äußere Wirklichkeit, der wir im Hier-und-Jetzt begegnen.

Wenn man darin geschult ist, die Achtsamkeit aus dem Kreisverkehr des ständigen Vermutens, Spekulierens, Beklagens sowie der Inszenierung fiktiver Dialoge herauszulösen und auf das auszurichten, was tatsächlich als wahr festzustellen ist, kann das Ritual des Sitzens zugunsten einer meditativen Grundhaltung aufgegeben werden.

Unio mystica

Spirituelle Traditionen beschreiben eine besondere Erlebnisweise: die sogenannte Erleuchtung, auch Satori genannt. Meist wird dieses Erlebnis durch meditative Praktiken angestrebt, aber nur selten verwirklicht. Im erleuchteten Bewusstsein wird die egozentrische Anordnung des Wahrgenommenen entlang eines dualistischen Konzepts der Realität aufgegeben. Das Erfahrende schreibt der Person keine eigenständige Realität mehr zu, die es als wahrnehmendes Subjekt interpretiert. Es sieht die Person als Ausdruck, Organ oder Eigenschaft einer Wirklichkeit, in der alles in ein Ganzes verschmolzen ist, das sich in jedem Akt des Erkennens selbst erlebt.

Viele suchen in der Meditation nach diesem Erlebnis. Wer aber bedauert, nicht erleuchtet zu sein, belegt dadurch, dass er noch nicht reifIm Kummer, nicht erleuchtet zu sein, weist er seiner Person eine Bedeutung zu, die ihn verblendet. Man kann nur erleuchtet sein, wenn man weder den Vorsatz hat noch das Ziel verfolgt, erleuchtet zu werden. Statt Erleuchtung zu suchen, gilt es zu sehen, was im Licht zu erkennen ist. dazu ist.

Eine meditative Grundhaltung nehmen wir ein, wenn uns im Rahmen der alltäglichen Begegnungen und Ereignisse bewusst wird, wie unser Inneres tatsächlich auf das jeweilige Ereignis reagiert. Aus der Grundhaltung heraus betrachten wir zunächst den Lauf der Dinge...und handeln dann. Ohne sie, sind wir reflexartig mit der Einwirkung auf die äußere Wirklichkeit beschäftigt.

Die Reflexe stammen dabei aus erlernten Mustern, die sich das Ego aus den zufälligen Erfahrungen der Vergangenheit zurecht gelegt hat. Oft werden diese Muster der Gegenwart nicht gerecht. Ohne die Wahrnehmung dessen, was jeweils wirklich ist, bleibt man im Ego gefangen.

5. Ablösung und Wirklichkeitserfahrung

Die konsequente Wahrnehmung dessen, was auf der Lichtung des Bewusstseins auftaucht führt dazu, dass sich das Subjekt des Betrachters zunehmend aus irrtümlichen Identifikationen löst. Wer seine Gedanken, Impulse, Gefühle und Absichten erkennt, ohne sich von Ihnen zu egozentrischen Aktivitäten verführen zu lassen, stellt fest, dass all diese Inhalte flüchtige Formen sind, die zwar zu der Person gehören, die er von innen heraus erkennt und zu dem Ego, das sich als Anwalt dieser Person versteht, dass er selbst aber weder das Ego noch die Person ist, die er sieht.

Damit wird dem Subjekt des Betrachters etwas Wesentliches klar: Es selbst ist keine jener Formen, die es erkennen kann. Das Subjekt ahnt, dass es formlos ist und als formloses Prinzip der Wirklichkeit des Geformten zugrunde liegt. Wer sich nicht mehr damit aufhält, als etwas Geformtes Partei der eigenen Form zu sein, kann unbegrenzte Wirklichkeit erfahren.