Im Kampf gegen Demenzerkrankungen wurden etliche Substanzen ausprobiert. Bei vielen zeigen Studien zur Wirksamkeit so widersprüchliche Ergebnisse, dass sie heute - außer von den Herstellern - kaum noch zur Behandlung der Demenz empfohlen werden. Zu nennen sind unter anderen: Ginkgo biloba, Nimodipin und Piracetam.
In den letzten zehn Jahren kamen vier weitere Substanzen auf den Markt. Deren, wenn auch geringe Wirksamkeit, konnte immerhin nachgewiesen werden: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin und Memantine.
Einsatzgebiete nachweislich wirksamer Substanzen
| Wirkstoff | Einsatzgebiet |
| Donepezil Galantamin |
Leichte und mittelgradige Alzheimer-Demenz |
| Rivastigmin | Leichte und mittelgradige Demenz bei Alzheimer- und bei Parkinson-Krankheit |
| Memantine | Mittelgradige und schwere Alzheimer-Demenz |
Möglicherweise sind die Substanzen aber auch bei anderen Demenzformen schwach wirksam: so bei der vaskulären Demenz, der Demenz mit Lewy-Körperchen und der fronto-temporalen Demenz (Morbus Pick). Eine Erklärung der Wiksamkeit auch bei diesen Demenzformen mag daran liegen, dass sich die verschiedenen Ursachen demenzieller Entwicklungen beim einzelnen Patienten oft vermischen, sodass Mischtypen häufig sind.
Die Medikamente, deren Wirksamkeit nachgewiesen wurde, können zwei Wirkprinzipien zugeordnet werden. Zum einen gibt es drei Acetylcholin-Esterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmain), zum anderen einen Antagonisten des NMDA(Glutamat)-Rezeptors (Memantine).
Heute geht man davon aus, dass die Symptomatik der Demenz, nämlich der Abbau höherer geistiger Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und abstraktes Denkvermögen, auf einem sogenannten cholinergen Defizit beruht. Darunter versteht man eine Störung der Informationsübertragung zwischen Hirnzellen, die durch die ÜberträgersubstanzAuch Neurotransmitter genannt Acetylcholin miteinander in Verbindung stehen.
Das körpereigene Enzym Acetylcholin-Esterase ist für den Abbau des Neurotransmitters zuständig. Indem man diese Enzym in seiner Aktivität hemmt, gleicht man den krankheitsbedingten Schwund an cholinerger Übertragung aus. So die Theorie. Sie wird in der Praxis durch die Wirkung entsprechender Substanzen gestützt.
Man vermutet, dass eine krankhafte Überfunktion des Glutamat-RezeptorsEin Rezeptor ist eine spezifische Bindungstelle an Zellen, an der körpereigene Botenstoffe andocken. Durch das Andocken werden in der Folge Stoffwechselvorgänge ausgelöst. zu einer Schädigung von Hirnzellen führt. Indem man den Rezeptor durch einen sogenannten Antagonisten blockiert, wird der schädliche Prozess ausgebremst.
Wie bei allen Medikamenten, gibt es auch bei Antidementiva Nebenwirkungen. Die häufigen sind meist weniger gefährlich, die gefährlichen meist selten. Wäre es anders, könnte man die Substanzen nicht anwenden.
Aus den Nebenwirkungen lassen sich sogenannte Kontraindikationen ableiten. Kontraindikationen sind gesundheitliche Umstände und Risikofaktoren, die einen Verzicht auf den Einsatz eines Medikamentes ratsam machen. Folgende Tabelle zeigt beides in Überblick.
Nebenwirkungen und KontraindikationenAnwendungsbeschränkungen
| Wirkstoff | Nebenwirkungen | Anwendungsbeschränkung |
| Donepezil Galantamin Rivastigmin |
Häufig: Durchfall, Übelkeit, Appetitverlust, Kopfschmerzen, Harninkontinenz, Schlafstörung, Müdigkeit, Juckreiz, Ausschlag Schwerwiegend: Kollaps, Halluzinationen, Erregungszustände, Krampfanfälle, Magen-Darm-Blutungen, Magengeschwüre, Leberentzündung, Herzrhythmusstörungen |
Herzrhythmusstörungen Erregungsleitungsstörungen am Herzen Angina pectoris Asthma bronchiale Magengeschwüre (und Behandlung mit Medikamenten, die Geschwüre verursachen können: Diclofenac, Ibuprofen) |
| Memantine | Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, Verstopfung, Erbrechen, Müdigkeit Schwerwiegend: Krampfanfälle, Halluzinationen, Thrombosen, Embolien |
Nierenfunktionsstörung Harnwegsinfekt erhöhte Anfallsbereitschaft |
Zu den Wechselwirkungen...