Nicht jeder Verfassungsfeind ist Demokrat. Aber jeder echte Demokrat ist ein Verfassungsfeind.

Indirekte Demokratie respektiert das Subjekt nicht als Souverän der Gemeinschaft. Sie behandelt es als Objekt einer Obrigkeit. Damit erzeugt sie psychologische und soziale Probleme, die das Wohl der Mehrheit beeinträchtigen.

Die Unfähigkeit des Parteiensystems, Antworten auf drängende Fragen zu finden, erzeugt ständigen Stress. Menschen reagieren darauf mit Angst, Wut und Resignation. Das Problem ist zu lösen, wenn man demokratische Verhältnisse schafft.

Eine Kultur, die das Absolute zu Gunsten des Vorläufigen aus den Augen verliert, beendet sich selbst.

Politik

  1. Wertschätzung und seelische Gesundheit
  2. Demokratie
  3. Politik und Religion

1. Wertschätzung und seelische Gesundheit

Politische Verhältnisse beeinflussen unsere Selbstwahrnehmung und unsere Einstellungen gegenüber der Umwelt. Beide Faktoren bestimmen darüber mit, in wie weit wir uns selbst oder andere bejahen.

Selbstbejahung ist die entscheidende Voraussetzung jeder seelischen Gesundheit. Ohne die unverbrüchliche Wertschätzung der eigenen Subjektivität ist seelische Gesundheit unvollständig. Wertschätzung der eigenen Subjektivität heißt dabei nicht, dass man alles, was man tut und meint, absolut für rechtens hält. Wertschätzung der Subjektivität bezeichnet vielmehr eine spirituelle Hypothese: den eigenen Wesenskern, der hinter allen Taten und Meinungen verborgen liegt, mit dem Wesen dessen gleichzusetzen, was eine endgültige Unterscheidung zwischen richtig und falsch verbürgt.

Für 60 Millionen Individuen stellt das Parteiensystem zwölf Schubladen zur Wahl. Selbst Schuhgrößen gibt es drei Mal mehr. Die Individualität der Füße wird mehr geachtet, als die des Verstands.

Da dieser Wesenskern mit dem Kern eines jeden Anderen zusammenfällt, bedeutet Wertschätzung der eigenen Subjektivität immer auch Wertschätzung des Anderen.

2. Demokratie

Demokratie (Volksherrschaft von griechisch: demos = Volk, kratein = herrschen) ist das politische Prinzip, das zwischen den Interessen der Mitglieder einer Gemeinschaft so vermitteln will, dass die Würde des Individuums dabei respektiert wird. Grundprinzip jeder Volksherrschaft ist die Wertschätzung der Individuuen, aus denen sich das Volk zusammensetzt.

Direkte Demokratie ist freier Markt. Jeder packt in den Korb, was er kaufen will. Im Parteiensystem knüpfen Großhändler Fresspakete. Gurken bekommt nur, wer auch Mettwurst kauft.

Jede Herrschaft, die die Entscheidungsmacht des Volkes und damit der Individuen, aus denen das Volk besteht, untergräbt, ist ein Faktor, der die seelische Gesundheit des Einzelnen gefährdet.

Die sogenannte "indirekte Demokratie", die uns heute regiert, ist nur im Ansatz demokratisch. Statt dass die Mehrheit durch Volksabstimmungen an Entscheidungen beteiligt wird, wird ihr lediglich zugestanden, darüber zu entscheiden, wer über sie entscheiden darf. Die Macht des Volkes wird durch die Macht von Lobbyisten ersetzt.

Nachteile der indirekten "Demokratie"

3. Politik und Religion

Während sich Religion und Spiritualität mit dem Verhältnis des Einzelnen zur Wahrheit befassen, befasst sich Politik mit dem Verhältnis Einzelner zueinander. Politische Organisationen sind Bündnisse Einzelner. Ihr Ziel ist die Beschaffung und Sicherung innerweltlicher Vorteile in bewusster Abgrenzung gegenüber anderen. Religion ist vertikal, Politik horizontal. Beides sind verschiedene Kategorien.

Direkte Demokratie ist die einzige Herrschaftsform, die beide Kategorien stimmig verbindet. Direkte Demokratie respektiert das Subjekt uneingeschränkt als Entscheidungsträger. Sie öffnet damit das Tor, durch das die Gewissensentscheidung des Einzelnen unmittelbar ins politische Leben eingreifen kann. Und wenn es nicht ums Gewissen geht, kann man in jeder Frage für sich entscheiden, ohne dass man sich damit für andere Fragen entmündigt.

Religion ist eine ernste Sache. Sie ist weder Rollenspiel noch Maskenball. Sie ist auch keine Ausrichtung von Massen nach dem Taktstock Einzelner. Sie versucht das Relative ans Absolute zu erinnern.

Da sich politische Organisationen um Machterwerb und Machterhalt bemühen, neigten sie von je her dazu, Machtansprüche als göttlichen Auftrag auszugeben. Obwohl schon die ägyptische Theologie den Monotheismus formulierte, gelang es erst Moses, die Idee vom einen Gott in dauerhafte politische Vorteile umzusetzen. Da Monotheismus totalitären Machtinteressen grundsätzlich im Wege steht, hat Moses statt dessen eine Monopoltheologie verkündet.

Monopoltheologien errichten hierarchische Systeme. Sie sind grundsätzlich antidemokratisch. Direkte Demokratie ist der politische Ausdruck eines Menschenbildes, das seinen Schwerpunkt in mystischer Spiritualität verankert. Die Einführung von Demokratie geht mit der Entmachtung der Monopoltheologien Hand in Hand. Ohne dass das Vakuum durch echte Religiosität gefüllt wird, hat Demokratie jedoch keinen Bestand.