Mein Schicksal beginnt, wo meine Macht aufhört.
Wer das Schicksal bejaht, hat sich mit ihm verbündet. Wer es verneint, zerreisst sich.
Alles ist, wie es ist und womöglich, wie es sein muss. Ob gelb gelb ist, grün grün und zwei mal zwei vier, ist jedoch nicht bewiesen.
Sie hadern mit dem Schicksal? Tun Sie es nicht! Es ist zwecklos, sich dagegen aufzulehnen. Selbst wenn das Schicksal Ihnen dafür nicht böse istSeneca meint: Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es fort. Betrachtet man das Schicksal bildhaft als Person, wird es womöglich doch böse, wenn man ihm ständig widerspricht., Sie verschwenden Ihre Kraft. Schicksal ist Zugeschicktes. Es kommt so beim Empfänger an, wie es abgesandt wurde. Der Empfänger kann es nicht ändern. Wer mit dem Schicksal hadert, stellt seine Richtigkeit in Frage. Das macht nur Sinn, wenn man es ändern kann. Also ist jedes Hadern mit dem Schicksal Unsinn.
Im Begriff Schicksal erkennt man das Verb schicken. Schicken geht auf geschehen zurück. Das Schicksal ist das, was geschieht. Mehr von seinem Wesen erkennt man, wenn man weitere Wortverwandtschaften ins Auge fasst. Geschehen wurzelt im althochdeutschen skehan = eilen, rennen. Damit verwandt ist das russische skok = Sprung.
Hase und Igel
Der Igel ist immer schon da, wenn der Hase ankommt. So geht es uns mit dem Schicksal. Es mag den Hasen ärgern, dass der Igel scheinbar schneller war. Macht der Hase die Sache aber nicht schlimmer, wenn er sich wütend am Igel vergreift?
Man hat schnell Stacheln in der Hand, wenn man das Schicksal nicht annimmt, sondern es verwerfen will.
Das Schicksal ist nicht nur das, was geschieht. Es ist das, was plötzlich vorkommt. Egal, wie schnell man ein Dort-und-dann erreicht, das Schicksal erreicht denselben Ort im Sprung.
Ihr Schicksal hat mit dem Urknall begonnen; oder mit dem, was den Urknall gezündet hat. Der Keim Ihres Daseins reicht tief in Kosmos und Vergangenheit. Durch Ihre Existenz hindurch kreuzen von dort aus tausend Bahnen bis in alle Ewigkeit.
Über die Gerechtigkeit des Schicksal kann man streiten, mit dem Schicksal streiten braucht man dabei aber nicht.
Betrachten Sie sich selbst als Schicksal! Sie sind das Schicksal der Zukunft. Statt vom Gestern Gerechtigkeit zu fordern, werden Sie dem Leben heute selbst gerecht.
Werkzeuge des Schicksals
Zweifellos gibt es Menschen, die einem nichts Gutes wollen. Der Mehrzahl ist man gleichgültig. Aus Ärger, Neid und Eifersucht wollen manche etwas Böses. Da gilt es, sich zu wehren. Es ist naiv, Gerechtigkeit von anderen zu erwarten, ohne dass man dafür eintritt.
Dass Ihnen der oder jener Böses will, heißt aber nicht, dass Ihr Schicksal es ebenfalls tut. Wer anderer Leute Eigensucht dem Schicksal vorwirft, tut sich keinen Gefallen. Betrachtet man die Eigensucht der anderen als Werkzeug eines Schicksals, das grundsätzlich Gutes will, kommt man entschieden weiter. Bei kaltem Wasser aufzuwachen, ist besser als im Traum zu fordern, dass es wärmer ist.
Das Schicksal anzunehmen, bedeutet nicht Gefügigkeit. Das Schicksal ist nichts Fremdes, das bloß von außen kommt und uns von dort bestimmt. Zum Igel, der schon da ist, wenn der Hase kommt, gehört man selbst. Man ist Ausdruck der Wirklichkeit, auf die man trifft.
Das Schicksal anzunehmen, heißt unausweichlich, zu sich selbst zu stehen. Das kann zu Konflikten mit dem Umfeld führen. Sich dem Schicksal zu fügen, bedeutet oft, sich aufzubäumen.
Ob man aber gerade der Igel ist, der seinem Wesen treu bleibt oder der Hase, der den Igel partout überholen will, wird man nur wissen, wenn man den Unterschied beachtet.