Je mehr ich frage, was ich bin statt was ich habe, desto geringer ist die Gefahr, dass sich das Glück bei mir langweilt.

Glücklich ist, wer nichts mehr haben will. Der Glaube, dass man glücklich wird, indem man immer mehr bekommt, rückt das Glück in immer neue Ferne.

Ich bin zufrieden, wenn ich Frieden damit mache, dass mein Wunsch nach mehr nicht in Erfüllung geht. Ich bin glücklich, wenn ich keinen Wunsch mehr habe.

Es gibt zweierlei Glück: bedingtes und unbedingtes. Bedingtes Glück entsteht, sobald die Bedingungen erfüllt sind, die sein Entstehen voraussetzt. Unbedingtes Glück bedarf keiner Voraussetzung. Es entsteht nicht, sondern ist da. Bedingtes Glück kann bewirkt werden. Wer es bewirkt, hat es. Unbedingtes Glück wird erkannt. Wer es erkennt, ist es. Bedingtes Glück ist unbeständig, unbedingtes zeitlos.

Unbedingtes Glück kann nicht gemacht werden. Es taucht auf, wenn man ver­steht, was es verdeckt. Nichts stört sein Erscheinen mehr, als dass man es für ein Vergnügen hält. Wer nur wenig sucht, wird nicht viel finden. Wer sich mit Vergnügen begnügt, dem muss Vergnügen genügen.

Glück


  1. Begriffe
    1. 1.1. Glück
    2. 1.2. Heil
    3. 1.3. Seligkeit
    4. 1.4. Genuss und Vergnügen
  2. Erscheinungsformen
    1. 2.1. Glückliche Fügung
    2. 2.2. Machbares Glück
    3. 2.3. Glückseligkeit
  3. Vom Festhalten und Loslassen
  4. Ebenen des Erlebens
    1. 4.1. Ego
    2. 4.2. Selbst
  5. Wegbereitungen
    1. 5.1. Beteiligung
    2. 5.2. Tatkraft
    3. 5.3. Akzeptanz
    4. 5.4. Achtsamkeit
    5. 5.5. Freude

1. Begriffe

Bei der Erforschung des Glücks tauchen drei Begriffe auf: Glück, Heil und Glückseligkeit. Wie Satelliten um die Sonne kreisen zwei weitere um dasselbe Thema: Genuss und Vergnügen.

1.1. Glück

Erst im 12. Jahrhundert sprach man im deutschen Sprachraum vom Glück. Mittelhoch­deutsch hieß ein günstiges Schicksal, ein erfreulicher Zufall gelücke. Gelücke entspricht dem englischen luck, dem mittel­niederländischen (ghe)lucke und dem schwedischen Vornamen Lykka. Schwedische Eltern nennen ihre Tochter Lykka, um ihr Glück als Eltern anzuzeigen und weil sie für das Kind nur das Beste wünschen. Glück ist das Beste, was man im Leben finden kann. Glück ist das gelobte Land. Alles, was man im Leben versucht, dient dem Ziel, es zu erlangen.

Woher der Begriff kam, ist unklar. Er ist mit keiner anderen germani­schen Wortgruppe verwandt. Bemerkenswert ist, dass der Begriff jene Variante des Glücks in den Vordergrund stellt, die den Beglückten, ohne eigenes Zutun, von außen erreicht. Vielleicht lag das an den Bedingungen der Zeit. Vielleicht vertraute der Mensch im Mittelalter so wenig der eigenen Kraft, dass er Glück nur als Zusammentreffen pas­sender Bedingungen deuten konnte, das ihn als erlösende Willkür von außen aus misslichen Umständen befreit.

Die Idee, dass jeder seines Glückes Schmied ist und man sein Glück machen kann, rückte später in den Vordergrund. Erst als das Recht des Individuums, über sich selbst zu bestimmen, anerkannt war, wurde ihm auch die Aufgabe bewusst, es zu tun. Das hat den Zeitgeist auf Trab gebracht. Auf der Suche nach dem Glück schaut der mo­derne Mensch nicht mehr nur nach oben. Er schaut vorwärts. Er bahnt sich einen Weg.

1.2. Heil
Was mir zu meinem Glück noch fehlt...
... ist das, wovon ich glaube, dass Glück daraus besteht, es zu haben. Der Satz verweist auf die Bedingung, die das Wort Heil bei der Bezeichnung des Glücks benannte: Man erlebt Glück, wenn eine Unvollständigkeit durch das Fehlende ergänzt wird. Ist das Fehlende da, ist die Welt heil.

Bevor der Begriff Glück aufkam, war das, was er benannte, nicht unbekannt. Es wurde aber durch einen Wortstamm bezeichnet, der keinen möglichen Ursprung, sondern die innere Beschaffenheit des Glücks benennt. Abgeleitet von der germanischen Wurzel hailiz findet man in verschiedenen Sprachen Abkömmlinge, die sich mit der Idee des Heilseins befassen:

Prinzipiell verstehbar, aber unbegreiflich

Gedanklich kann das Heilige nicht verstanden werden, weil Denken nicht versteht, sondern begreift. Denken benutzt Begriffe. Es greift heraus und konstruiert Bilder. Greifen setzt die Spaltung in Subjekt und Objekt voraus. Das Heilige ist aber weder Objekt noch Konstrukt. Es kann somit weder begriffen noch vorgestellt, sondern nur verstanden werden, wenn man Begriffe und Vorstellungen hinter sich lässt.

Mit Heil verwandt sind heilig, heil und Heilung. Sie verweisen darauf, dass man beim Glück, als es noch Heil hieß, an Ganzheit, Ganzwerdung oder Unversehrtsein dachte; und an das Heilige, das als Ganzes unantastbar in und über allem steht.

1.3. Seligkeit

Die Dritte im Bunde ist Seligkeit. Im Begriff Glückseligkeit ist sie zum Gipfel der Sehn­sucht gesteigert. Das Wort entwickelte sich aus dem althochdeutschen salig = gut, glücklich, gesegnet. Glückseligkeit ist so besonders, dass sie der Sprachgebrauch mit der Idee des Segnens verband. Segnen entstammt dem latei­nischen signare = mit einem Zeichen versehen. Glückseligkeit trägt das Zeichen des höchsten Ziels, das eine Menschenseele erreichen kann. Glückselig ist, wer das Heilige versteht.

Der Begriff Zeichen ist mit Vorsicht zu genießen. Zeichen und Merkmale sind Werkzeuge jener Welt, über der das Heilige steht und aus der die Glückseligkeit den Glückseligen entrückt. Für den, der vorwärts schaut, weisen Zeichen den Weg. Am Ziel sind sie bedeutungslos. Glückseligkeit ist aller Bürde ledig, so ledig, dass sie kein Zeichen mehr trägt. Wer nach Zeichen Ausschau hält, dessen Blick endet vor dem Ziel.

1.4. Genuss und Vergnügen

Viele halten das Glück für die Summe zahlreicher Vergnügen. Damit liegen sie falsch. Je mehr Vergnügen sie zu sammeln versuchen, desto mehr entrückt das Glück. Wer nur sein Vergnügen sucht, muss sich damit begnügen, nur das zu finden, was zur Erfüllung momentaner Bedürfnisse genügt. Das Glück wird ihm entgehen; denn wer mit Summen zufrieden ist, gibt das Ganze preis. Wahres Glück ist mehr als genug. Es ist der schiere Überfluss. Das Ganze ist keine Summe. Es ist frei von Addition, weil es zwar in Teilen erscheinen kann, aber nicht aus Teilen besteht.

Seitenspezifische Sprachregelung

Im vorliegenden Text werden verschiedene Begriffe synonym verwendet:
  • unbedingtes Glück
  • wahres Glück
  • reines Glück
  • Glückseligkeit

Wird aus dem Zusammenhang ersichtlich, dass unbedingtes Glück gemeint ist, steht Glück auch allein.

Genuss und genießen gehen auf die indoeuropäische Wurzel neud- = fangen, ergreifen zurück. Auch die Begriffe benutzen und nützlich gehören ins gleiche Vorstellungsfeld. Die Verbindung des Nützlichen und des Genusses mit der Tätigkeit des Fangens lässt vermuten, dass die Sprachbildung aus der Zeit der Jäger und Sammler stammt. Fing man eine Beute, war ihr Genuss gesichert.

Vergnügen geht auf das mittelhochdeutsche Adjektiv genouc = hinreichend, befriedigend zurück, dem auch das heutige genug entspringt. Vergnügen bereitet, was ein Bedürfnis erfüllt, und folglich dazu genügt. Damit sind Genuss und Vergnügen mitein­ander verwandt. Der Jäger der Steinzeit hat versucht, das zu ergreifen, was ihm zur Erfüllung seiner Bedürfnisse nützlich er­schien. Fing er genug, hat er seinen Fang vergnügt genossen; und war so lange guter Dinge, bis der Hunger wiederkam.

Mit dem Glück sind Genuss und Vergnügen verbunden. Während reines Glück aber eine Sonne ist, die von innen heraus strahlt, ist Genuss nur ein Mond, der erscheint, wenn die Bedingungen für sein Erscheinen erfüllt sind. Beim Glück passt alles zusammen. Bei Genuss und Vergnügen passt Teil zu Teil.

2. Erscheinungsformen

Die beschriebenen Begriffe zeigen die Spannweite des Glücks und seiner Satelliten auf. Glück, wie wir es heute verstehen, beginnt beim erfreulichen Zufall und endet bei einem Zustand, der allen Zu- und Wechselfällen enthoben ist. Beide Pole des Glücks, der Zufall und das Ende aller Zu-, Wechsel- und Hinfälligkeit, sind uns willkommen. Zwischen den Polen liegen die Stufengrade des machbaren Glücks. Machbares Glück kann zwischen Triumph, Zufriedenheit und der flüchtigen Ahnung möglicher Glückseligkeit variieren.

Während Vergnügen kommen und gehen, hat das Glück nie begonnen. Es wird auch niemals zu Ende sein.

Romanische Entsprechung

Le bonheur: So heißt das Glück auf französisch. So mancher Franzose - nennen wir einen davon Bertrand - wird beim Verständnis des Glücks durch den Klang des Wortes dazu verführt, unter dem Glück eine gute Stunde (französisch: une bonne heure) zu verstehen und es daher für eine genüssliche Zeitspanne zu halten. Genau das ist wahres Glück nicht.

Sobald man von verschiedenen Erscheinungsformen des Glücks spricht oder von den unterschiedlichen umgangssprachlichen Verwendungen des Begriffs, macht es Sinn, Bertrands unglücklicher Deutung auf den Grund zu gehen. Das wird Licht auf etwas Wesentliches werfen: auf die Zeitlosigkeit des wahren Glücks und den Unterschied zum bloßen Vergnügen.

Etymologisch hat bonheur nichts mit der Stunde zu tun, die Bertrand vergnüglich mit Beatrice verbringen mag, sondern mit dem lateinischen Verb augurare = vorhersagen, orakeln. Bonheur geht auf bonum augurium = günstiges Vorzeichen zurück. Es besagt, dass ein Vorhaben glücken wird; weil es zu einer Konstellation (lat.: stella = Stern und con = zusammen) des Universums passt, die der Augur, also der Orakelnde, je nach persönlicher Meinung aus den Sternen, dem Vogelflug oder den Eingeweiden einer Ziege abzulesen glaubt.

Uns Heutigen ist unklar, wie die Stare am Himmel Roms flatternd den Zeitpunkt benannten, der für Livias Lieferung einer Galeere Amphoren nach Lugdunum günstig war. Trotzdem hatten die Auguren damit Recht, im Konsens mit dem germanischen Heilsgedanken das Glück als eine Übereinstimmung zu deuten; nämlich die des Amphorenhandels mit einer universalen Vorgabe, die sich im Vogelflug bemerkbar macht.

Daher hat das bonheur zwar etymologisch nichts mit der bonne heure zu tun, die Beatrice und Bertrand in der Gartenlaube verturteln, ontologisch aber doch; denn das Vergnügen unserer Turteltauben hängt von der Überein­stimmung ab, die der Begegnung ihrer Leiber und Begierden zugrunde liegt.

Während beim bloßen Vergnügen eine vorübergehende Übereinstimmung von persönlichem Bedürfnis und Situation zustandekommt, die regelhaft verloren­geht und im Verlust erneutes Leid nach sich zieht, ist die Übereinstimmung des Glücklichen mit dem Glück jedoch zeitlos. Der Glückliche stimmt nicht nur als Person mit einem flüchtigen Moment überein, sondern als er selbst mit der Struktur der Wirklichkeit. Der Glückliche ist Ausdruck der Wirklichkeit und die Wirklichkeit Ausdruck seines Glücks.

Falls Beatrice ihr Schicksal daher nicht aufhält und Bertrand in ihren Augen erkennt, dass er nicht nur für einen vergänglichen Augenblick ihrem Leib, sondern durch diesen Leib dem ewigen Geheimnis begegnet ist, hat er mit Beatrice nicht nur ein Vergnügen erlebt, sondern in ihrem Schoß das Glück berührt.

2.1. Glückliche Fügung

Die unzuverlässigste Form des Glücks ist der reine Zufall. Solcherart Glück begegnet dem einen häufig, dem anderen selten; wie der Zufall es seinem Wesen gemäß fügt.

Auch wenn man den Zeitpunkt des Zufalls ebensowenig berechnen kann, wie den Übergang von Radon zu Astat, so ist es immerhin möglich, ihm Chancen einzuräumen.

2.2. Machbares Glück

Wären wir bei der Erfüllung offener Wünsche auf den blanken Zufall angewiesen, sähe es trübe aus. Zum Glück ist es anders. Zum Glück kann man für das Glück etwas tun. Man kann erkennen, was zur Ganzheit fehlt und sich darum bemühen, dass Fehlendes erworben und verwirklicht wird. Tut man das, kann etwas mehr vom Glanz des Glücks die Erde treffen.

Die Machbarkeit des Glücks bestimmt einen großen Teil unseres Tuns. Auf tausenderlei Art sind wir damit beschäftigt, Bedingungen zu schaffen, damit die Zukunft glücklich wird. Wir streben an, was uns zu fehlen scheint. Die Machbarkeit des Glücks hat aber einen Haken. Genau genommen sind es zwei:

  1. Das eigentliche Glücksgefühl, das gemachtem Glück entspringt, ist unbeständig. Was auf Dauer bleibt, ist nicht der helle Klang des Glücksgefühls. Im besten Fall ist es Zufriedenheit.

    Schnell hat Carolins Glücksgefühl der Sorge um die Beschaffung einer Studenten­bude Platz gemacht. Dass sie das Abitur in der Tasche hat, verblasst zu einem schlichten Faktum. Die flüchtige Erfüllung verweist auf einen neuen Mangel.

    Dauerhaftes Glück entzieht sich der Mach­barkeit, weil Machbarkeit auf Elemente der Welt zugreift, die ständigem Wandel unterworfen sind. Gemachtes oder zufälliges Glück trägt den Keim des Verlustes in sich. Glück, das gemacht ist oder Zufällen entspringt, droht, indem es aufkommt, bereits mit seinem Gegenteil.

    Wahres Glück schließt Unglück mit ein, weil es das Unglück nicht in der Hoffnung zu siegen bekämpft, sondern sich als Siegerin weiß und das Besiegte begnadigt.

    Wer nach Glück jagt, verjagt es. Machen Sie sich nicht das Glück zum Ziel, sondern die Weisheit, es vom Sieg zu unterschei­den. Wer sieht, sieht auch, dass ihm zum Glück meist nicht mehr fehlt als die Kunst, es nicht zu übersehen.

    Warum will der Mensch glücklich sein? Weil Glück seinem Wesen entspricht. Glücklich ist, wer er selbst ist. Der Glückliche ist glücklich, weil er erkennt, dass er das Glück verkörpert.
  2. Gemachtes Glück verdankt seine Verwirklichung Bedingungen, die man durch Tüchtigkeit erfüllen kann. In der Regel sind solche Bedingungen Elemente der Außenwelt. Da die Außenwelt unaufhörlich in Bewegung ist, steht jede Bedingung, die gemachtem Glück zugrunde liegt, auf tönernen Füßen.

    Kaum hatte Melanie ihren Hofladen eingerichtet, trat die EU-Verordnung Nummer 3217 zur Infrastrukturverbesserung der Landwirtschaft in Kraft. Die Verordnung schreibt vor, dass Hofläden mit Gemüseverkauf nur dann betrieben werden dürfen, wenn das Gemüse durch Kühlaggregate frisch gehalten wird, deren Energieversorgung auf einer Windkraftanlage beruht, deren Baugenehmigung vor dem 1.7.2013 erteilt wurde. Melanies Biogasanlage gilt nicht als angemessener Ersatz.

Machbarkeit

Onkel Alfred hat in Amerika sein Glück gemacht. So heißt es. Gemeint ist, dass der Glückliche erfolgreich war und nun zufrieden auf die Früchte seiner Arbeit blickt. Zufriedenheit ist eine Grundlage des Glücks; oder dessen bescheidene Verwandte. Aber nicht mehr.

Das wahre Glück entzieht sich der blanken Machbarkeit. Es liegt zu sehr in der Erkenntnis umfassender Zusammenhänge, als dass es ein Macher im Eifer für sein Produkt nicht übersähe. Was der Macher leicht mit Glück verwechselt, ist ein Triumphgefühl, das aufkommt, wenn er sein Ziel entgegen aller Widerstände erreicht. Gemachtes Glück überwindet ein Gegen. Unbedingtes Glück kennt kein Gegen.

2.3. Glückseligkeit

Glückseligkeit ist so sehr Gipfel des Glücks, dass man sie als das einzig wahre Glück bezeichnen könnte. Allerdings liegt der Gipfel in solcher Höhe, dass es niemanden gibt, der ihn lebend erreichen kann. Immerhin ist es möglich, sich dem Gipfel schritt­weise zu nähern, sodass die unendliche Leichtigkeit des Seins mit jedem Schritt besser zu erahnen ist und die Ahnung das Leben beflügelt.

Glückseligkeit ist ein Glückszustand, der durch keine äußere Bedingung zu beein­trächtigen ist. Unabhängig von Bedingungen heißt: unabhängig von allem Dinglichen. Zum Dinglichen gehören nicht nur materielle Sachen, wie zum Beispiel der Körper, sondern auch jeder virtuelle Gegenstand, der im Geiste verhandelt wird: der überhängende Ast der Zierkirsche zum Nachbargrundstück und das gebrochene Versprechen Rolands, in Zukunft langsamer zu fahren.

Die Person ist Teil der Welt. Der Vergnügte hat sie erfolgreich um etwas ergänzt, der Glückliche hat sie überschritten.

Aus der Sicht eines Objekts bedeutet ein Verlust Schaden. Aus der Sicht des Subjekts ist er Erfahrung, um die es bereichert wird.

Pole

Bedingtes Glück Unbedingtes Glück
Bedingtes Glück entsteht, wenn Bedingungen erfüllt sind, die das Erleben einer Ergänzung ermöglichen. Unbedingtes Glück liegt in der Gewissheit, jenseits des Bedingten heil zu sein.
Da Bedingungen stetem Wandel unterliegen, ist bedingtes Glück nicht zuverlässig. Ist unbedingtes Glück erreicht, kann es nicht verlorengehen.
Machbares Glück gehört dem, der es gemacht hat, zufälliges dem, dem es zufiel. Weil es gehört, kann es enteignet werden. Unbedingtes Glück gehört niemandem. Weil es niemandem gehört, kann es nicht enteignet werden.

Zweierlei Glück

  1. Erfolg in der Welt
  2. Ablösung vom Erfolg in der Welt

Das erste hängt von wechselnden äußeren Bedingungen ab, das zweite von einer inneren: dass man das Selbst als eigentlich erkennt.

Da Glückseligkeit keiner Bedingung bedarf, genügt sie sich selbst. Sie wünscht nichts, begehrt nichts, greift nicht aus und dient keinem Ziel. Sie hängt von keinem Ereignis ab, das verursacht oder verhindert werden kann. Glückselig­keit ist der Gipfel des Glücks, weil sie die Erkenntnis enthält, unbedingt und somit unverlierbar zu sein. Es sind nicht die Dinge der Welt, die Glückseligkeit bewirken. Es ist die Erkenntnis, von den Dingen der Welt entbunden zu sein.

Glückseligkeit ist damit geeignet, den grundsätzlichen Unterschied zwischen Glück und Vergnügen aufzuzeigen:

Nah dran und doch nicht wahr
Ein glücklich Verliebter kann allen Ernstes glauben, man müsse ihn nur mit dem Objekt seiner Begierde auf einer tropischen Insel aussetzen damit 10000 Jahre Glückseligkeit garantiert sind.

Ein unglücklich Verliebter kann allen Ernstes glauben, dass das Leben keinen Sinn hat, falls er das Objekt seiner Begierde nicht dazu bringt, sich ihm hinzugeben.

Derlei erstaunliche Phänomene vertiefen den Blick auf das Wesen des unbedingten Glücks.

Viele Märchen enden mit dem Satz: Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. So heißt es, sobald sich Prinz und Prinzessin zu einer Einheit ergänzen. Die Hoffnung, deren Erfüllung das Märchen verspricht, wird in der Wirklichkeit enttäuscht. Die Erfüllung der vermeintlich letzten Bedingung macht das Glück nicht unbedingt. Es bleibt an Bedingungen gebunden, weil das Paar die Welt nicht überwunden hat. Das Glück muss die Märchen­welt verlassen und den Weg durch die Instanzen gehen.

3. Vom Festhalten und Loslassen

Zufriedenheit ist Grundlage des Glücks. Zufriedenheit ist jedoch mehr als ein individual­psychologischer Zustand, der das innere Erleben der Person betrifft und Gefühle bahnt, die sie im Stillen genießt. Vielmehr strahlt Zufriedenheit ins Umfeld aus und bestimmt dort die Art, wie die Person anderen begegnet. Der zufriedene Mensch ist friedfertig. Der unzu­friedene Mensch lebt im Streit mit der Welt oder führt sogar Krieg. Nicht nur, dass der Zufriedene friedfertig ist, Friedfertigkeit ist Bedingung dafür, dass er zufrieden sein kann.

Unsere Existenz in einer Raumzeit, in der persönliche Interessen miteinander konkur­rieren, erfordert es, eine Reihe sich öffnender Bedürfnisse durch zielstrebiges Handeln zu erfüllen. Wer sein Glück machen will, muss es im Widerstreit mit einer Wirklichkeit versuchen, deren Unbeständigkeit gemachtes Glück jederzeit in Frage stellt.

Zum Leben gehört es, dass man etwas haben will. Um ans Ziel zu kommen, kann man warten, ob man es geschenkt bekommt oder man versucht, das Gewünschte aus eigener Kraft zu kriegen. Zur Erfüllung vieler Wünsche muss man Hindernisse über­winden. Dazu gilt es, sich auf das Ziel zu versteifen, das jenseits der Hindernisse liegt.

Wer Glück kriegen will, kann es nicht bekommen. Zum Glück braucht man die Weisheit, mit dem zufrieden zu sein, was man mit friedlichen Mitteln erreicht. Friedfertig ist, wer das Glück anderer nicht beschneidet, um das eigene zu erhöhen. Der Friedfertige mag wehr­haft sein, er versucht aber nicht, andere zu beherrschen.

Zum Glück gehört die Erkenntnis, dass mein Wohl mit dem anderer verbunden ist. Um mein Glück zu erreichen, darf ich dem anderer nicht im Wege stehen.

Obwohl das Verb kriegen mit Krieg verwandt ist, denken wir uns nichts Böses beim Versuch, vom Kuchen etwas abzukriegen. Das Verb gibt es seit dem Mittelalter. Heute heißt es harmlos etwas zu bekommen. Ursprünglich hieß es sich durch Krieg und Zank Vorteile zu erstreiten. Wer etwas kriegen will, zieht los, um es zu erobern.

Das umgangssprachliche Verb verdeutlicht ein Problem, das beim Versuch entsteht, sein Glück zu machen. Wenn man sich ständig auf das versteift, wovon man glaubt, dass man es unbedingt haben müsse, gerät man mit der Welt in Streit. Streit geht wie starr auf die indoeuropäische Wurzel [s]ter- = starr, steif, hart zurück. Der Streitende versteift sich auf Positionen, die er gegen Widerstände durchzusetzen versucht. Indem er sich versteift, gibt er genau die Friedfertigkeit auf, ohne die Glück nicht erscheinen kann. Zum Glück gehört nicht nur, dass man um das kämpft, was man haben will. Zum Glück gehört, dass man Dinge, und vor allem andere Menschen, sein lässt, wie sie sind.

Schließlich hatte der Zufall es geschafft, Roland und Carolin zusammen­zubringen. Sie trafen sich bei Saturn an der Kasse, als Carolin die neue CD von Julienne Bisette (Satin et désire) und Roland... Need for Speed™ Hot Pursuit No. 7 erwarb. Roland wollte Carolin aber ständig für sein Spiel begeistern und sie wollte ihn dazu bringen, nur noch 2 x 2 Stunden die Woche zu daddeln. Es dauerte nicht lange bis die Beziehung im Streit zerbrach. Hätten sich die Beiden mal so angenommen, wie sie wirklich sind.

Der fruchtbarste Nährboden des Unglücks liegt im Versuch, andere gegen ihren Willen zu verändern, weil man meint, dass das eigene Glück davon abhängt. Das Heer derer, die ihr Glück verlieren, weil sie mehr davon erzwingen wollen, hält die Welt in Atem.

4. Ebenen des Erlebens

Obwohl bedingtes und unbedingtes Glück miteinander verwandt sind, sind sie nicht dasselbe. Der Unterschied liegt im jeweiligen Pol der Existenz, aus dem heraus man entweder das eine oder das andere erlebt. Diese beiden Pole sind das Ego und das Selbst.

4.1. Ego

Gold und Katzengold

Glück und Triumph werden oft verwechselt. Triumph ist ein narzisstisches Erlebnis. Im Triumph erlebt das Ego die Erfüllung seines Anspruchs an die Welt. Die Welt ist so geworden, wie es sie haben will. Es selbst ist Sieger in der Welt... und wäre fast glücklich; wenn es nicht die Ahnung hätte, dass jeder Sieger vom Treppchen steigen muss, weil die Welt nicht stillsteht.

Glück ist ein mystisches Erlebnis. Im Glück erlebt das Selbst Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Durch deren umfassende Bejahung werden die Sorgen des Egos unbedeutend.

Das Ego ist eine Rechenmaschine. Es ist dazu verurteilt, für den Vorteil der Person zu streiten. Wenn der Körper hungert, überlegt das Ego, ob es besser ist, für zwei Äpfel fünf Kilometer zu laufen oder für einen bloß drei. Da das Ego parteiisch ist, gerät es mit der Welt in Streit. Es ist von der Idee beseelt, sich auf Kosten der Welt zu bereichern. Aus seiner Sicht ist mehr fast immer besser. Deshalb kann es sich zwar eine Zeit lang zufriedengeben, es kann aber kein unbedingtes Glück empfinden. Was es dafür hält, ist Genuss oder Triumph.

Pole der Existenz

Ego Selbst
Das Ego definiert sich als abgetrennte Einheit, die der Welt als Partei und Person gegenübersteht. Das Selbst entspricht der Gesamtheit aller Faktoren, als deren Ausdruck die Person in Erscheinung tritt.

In der Identifikation mit dem Ego kann das Ich kein wahres Glück empfinden, weil Glück ein Gewahrsein von Ganzheit ist und sich das Ego als separate Instanz grundsätzlich als unganz beschreibt: Ich bin nicht das Ganze. Ich bin ein besonderer Teil, der dem Rest entgegentritt.

Glückselig ist das Ganze, das über dem Geteilten steht. Dabei sollte man das Wort über nur als sprachliche Konvention betrachten. Es verweist auf die Wirklichkeit ohne sie nahtlos abzubilden. Über bedeutet eine Aufteilung in über und unter. Das widerspricht dem Prinzip der Glückseligkeit. Das Über ist nur richtig verstanden, wenn man bedenkt, dass Glückseligkeit alles Geteilte zu sich vereint. Im Glück gibt es kein Unter, weil das Über überschritten ist. Was alles Geteilte zu sich vereint, dessen Glück ist durch nichts Abgeteiltes zu erschüttern.

4.2. Selbst

Das absolute Selbst ist der Urgrund dessen, was die Person ins Dasein bringt. Als dieser Urgrund bringt es nicht nur die Person, also das relative Selbst, ins Dasein, sondern auch jede Erscheinung, die der Person dort begegnet. Im normalen Funktions­modus der Psyche ist das Selbst weitgehend unbewusst. Eingehend kann man sich seiner selbst nur durch Übung bewusst werden.

Für das absolute Selbst ist die Wirklichkeit kein Entweder-oder. Sie ist ein Sowohl-als-auch. Das absolute Selbst ist unbedingtes Glück, da es das Zusammentreffen der Widersprüche als Spiel seiner übergeordneten Ganzheit versteht. Sein Selbstver­ständnis ist der Übergang vom Widerspruch ins Heil. Man kann daher glücklich sein und gleichzeitig leiden, aber man kann nicht glücklich sein, ohne den Sinn des eigenen Leides zu verstehen.


Erlebnisse...
Bedingtes Glück / Zufriedenheit Unbedingtes Glück

Mein Ego ist zufrieden, wenn es seinen Frieden mit dem macht, was es im Widerstreit mit der Welt erreichen konnte. Es schließt Frieden, wenn es meint, dass sich das Kämpfen nicht mehr lohnt.

Es sagt: Im Rahmen dessen, was mir möglich war, habe ich genug erreicht. Wenn etwas anderes möglich wäre, nähme ich den Kampf wieder auf.

Sobald das Ich sein Selbst erkennt, erkennt es Glück als Glückseligkeit.

Es sagt: Was ich jemals bin und habe, ist das, was ich sein und haben will. Was ich gewinnen könnte, ist die Erkenntnis dessen, was ich bin. Es erlebt reines Glück, indem es erkennt, dass es selbst aus einem Glück besteht, das zwar verdunkelt, aber nicht verloren­gehen kann.

...und Bedingungen

Zufriedenheit wird im Konflikt erlebt; wenn man seinen Frieden mit dem macht, was man im Konflikt erreichen konnte. Um zufrieden zu sein, ist die Wert­schätzung des Gegners nicht nötig.

Als Gegner wird hier nicht nur eine Person definiert, die mir leibhaftig mit gegnerischer Absicht entgegentritt. Im Alltag besteht der Gegner meist aus Umweltbedingungen und misslichen Ereignissen, die meine Pläne durchkreuzen.

Unbedingtes Glück wird konfliktfrei erlebt. Unbedingtes Glück entspringt der Erkenntnis, dass die Widerstände der Wirklichkeit gegen meine Person zur Erfüllung des eigenen Wesen führen.

Bedingtes Glück macht Unterschiede. Es schätzt das eine und lehnt anderes ab. Im unbedingten Glück wird alles anerkannt.

Unbedingtes Glück ist mehr als persönliches Wohlbefinden. Mit der Person liegt deren Wohlbefinden in der Zeit. Ein Wohlbefinden der Person kann stets neu erreicht werden, es geht jedoch immer wieder verloren. Unbedingtes Glück geht ekstatisch über persönliches Wohlbefinden hinaus. Da unbedingtes Glück zeitlos ist, kennt es keinen Zeitpunkt, an dem persönliches Wohlbefinden unentbehrlich wäre.

Genuss ist nicht nur kein unbedingtes Glück. Er kann es grundsätzlich nicht werden, weil Genuss eines Gegenstands bedarf, der genossen wird. Unbedingtes Glück bedarf dessen nicht. Unbedingtes Glück ist Ruhen in reiner Betrachtung.

Bedürfnis als Bedingung

Das persönliche Wohlbefinden ist stets davon bedroht, im Unerfülltsein sich öffnender Bedürfnisse verlorenzugehen. Unterschreitet der Zuckerspiegel im Blut eine untere Grenze, ist es mit dem Wohlbefinden vorbei. Es durch eine Mahlzeit wiederherzustellen ist in der Folge ein Genuss. Essen ist aber nur solange Genuss, bis der Hunger gestillt ist. Dann ebbt der Genuss ab und ist nur zu wiederholen, wenn das Wohlbefinden erneut verlorengegangen ist.

Das verdeutlicht das bisher Gesagte: Genuss als bedingtes Glück ist auf Leid angewiesen. Es bedarf des Wechselspiels von Freude und Leid im Laufe der Zeit. Es bedarf grundsätzlich der Bedürftigkeit und kann daher niemals wahrem Glück entsprechen.

5. Wegbereitungen

Absicht und Hinsicht
Sorge ist Blick in die Zukunft. Glück heißt, absichtsfrei in der Gegenwart zu sein. Sie können sich vornehmen, absichtsfrei zu sein. Das ist jedoch eine neue Absicht; die die Katze dazu antreibt, ihren Schwanz zu jagen. Statt sich das Ziel zu setzen, absichtsfrei zu sein, nehmen Sie wahr, welcher Absicht Sie jeweils unterliegen. Jede Wahrnehmung ist Hinsicht. Jede Hinsicht mindert Absicht. Sie führt Sie näher an das Ziel heran, absichtsfrei im Jetzt zu sein. Dort liegt Glück.

Glücksspiel

Tatsächlich hat das Glückspiel schon mehr Leute ins Unglück gestürzt, als dass es seinem Namen Ehren machte; allerdings nur solche, die durch steigende Einsätze ihr Glück erzwingen wollten. Das darf man nicht. Das Glück mag es nicht, wenn man versucht, sich seiner zu bemäch­tigen.

Wir haben gesehen: Verlässliches Glück ist nicht machbar; jedenfalls nicht so wie die Besteigung der Zugspitze oder der Erwerb einer Zweitsprache. Trotzdem ist es falsch, dem Glück gegenüber untätig zu sein. Es gibt einiges zu tun, um die Wahrscheinlichkeit zu steigern, dass es sich verwirklicht. Man kann...

5.1. Beteiligung

Das wenige, was man für den glücklichen Zufall tun kann, ist es, ihm Gelegenheit zu geben, einzutreffen... und geistes­gegenwärtig genug zu sein, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Wenn Sie von der Welt etwas wollen, dann ziehen Sie sich nicht von ihr zurück. Nehmen Sie teil. Halten Sie die Augen auf. Jede Gefahr zu vermeiden, ist die beste Methode, auch Chancen aus dem Weg zu gehen. Wie schnell ist was passiert! Mag sein. Noch schneller ist aber nichts passiert. Viele warten darauf, dass das Beste noch kommt und stellen dann verwundert fest, dass es bereits vorüber ist. Manchen Impulsen muss man folgen ohne über die Folgen nachzudenken.

5.2. Tatkraft
Im Erleben eigener Tatkraft klingt Glück bereits an. Zufälliges Glück hängt überwiegend von äußeren Bedingungen ab. Wer selbst etwas tut, um sich dem Glück zu nähern, löst sich aus den Fesseln bloßer Abhängigkeit. Deshalb macht selbst gemachtes Glück glücklicher als solches, das man zugeteilt bekommt. Würden Bertrand Beatricen zufallen wie Regen dem Land, empfände er bei hundert weniger, als bei einer einzigen, die er aus eigener Kraft erobert hat.

Beim machbaren Glück zählt, was man macht. Nicht dass es dann verlässlich zu berechnen wäre, bekanntlich hilft es aber dem, der tüchtig ist. Das Glück mag keine Leute, die ihm alle Mühe überlassen. Es zieht solche vor, die selbst am Karren ziehen.

Was schließen wir daraus? Seien Sie fleißig und diszipliniert. Lassen Sie sich von Hindernissen nicht aufhalten. Über kurz oder lang wird man dafür fast immer belohnt.

Erscheinungsformen des Glücks im Überblick

Glückliche Fügung Machbares Glück Glückseligkeit
Grundprinzip Zufall Tüchtigkeit Erkenntnis
Quelle Außenwelt Person / Ego Selbst
Erreichbar durch... Zulassen
Kann empfangen werden.
Zupacken
Kann bewirkt werden.
Loslassen
Kann entdeckt werden.
Dauer flüchtig verlierbar unverlierbar
Modus bekommen, beschenkt werden haben, erreichen, bewirken sein, betrachten, erleben
Gerechtigkeit unverdient verdient unverdienbar
Was können Sie tun? Geben Sie Gelegenheit. Geben Sie sich Mühe. Geben Sie sich hin.

5.3. Akzeptanz
Vergnügen macht mir, was mich bestätigt. Freude erlebe ich, wenn ich nichts mehr zur Bestätigung brauche. Glückselig bin ich, wenn ich mir gleichgültig geworden bin.

Glückseligkeit ist nicht von dieser Welt. Nur so weit man Abstand zur eigenen Person zustandebringt und deren Freud und Leid erkennt, ohne davon bestimmt zu sein, kann man sie erreichen. Da das kaum je vollständig gelingt, wird man vom unbedingten Glück meist nur Blicke erhaschen; ohne darin aufzugehen.

Unentbehrlich für das unbedingte Glück ist die Erkenntnis, dass es in eine Wirklichkeit verwoben ist, in der es letztendlich mit rechten Dingen zugehen wird. In der Glückseligkeit schwindet die Sorge, dass man tatsächlich Schaden nehmen könnte... und deshalb ständig auf der Hut sein muss.

Wenn man etwas für sein Glück tun will, muss man etwas für das Glück tun. Man kann für sein Glück etwas tun, aber man kann es nicht behalten. Das Glück mag es nicht, wenn man es für sich reserviert. Es gefällt ihm mehr, wenn man es verbreitet.


Der Preis des Glückes ist es, zu verschenken, was man am liebsten selbst bekommt. Begünstigen Sie das Glück anderer und das Glück wird Ihnen günstiger sein.

Obwohl man unbedingtes Glück nicht machen kann, kann man ihm den Weg bereiten. Wenn man vermeidet, was das Glück vertreibt, verbessert man die Chance, dass es kommt. Glück ist ein Erleben ungebrochener Stimmigkeit. Damit Übereinstimmung entstehen kann, muss man unterlassen, was sie verhindert und tun, was sie bewahrt.

Störfaktoren, die von außen kommen, sind nur zum Teil vermeid­bar. Menschliche Gesellschaften sind oft von wechselseitiger Missachtung und Vereinnahmung durchsetzt. Leute, denen wir begegnen, sind wie wir selbst dazu bereit, andere zu entwerten oder für sich einzuspannen. Beides erzeugt Unstimmigkeiten mit dem Kontext, in den man eingebettet ist. In einem solchen Klima ist man Opfer und Täter zugleich.

Als potenzieller Täter kann man darauf achten, dass man andere nicht unter seinen Willen beugt; und sie so verstimmt. Als Opfer gilt es, den Übergriff des Umfelds abzuwehren; damit die Überein­stimmung mit sich selbst nicht leidet.

Was dem Glück gefällt

Außen Innen
Vereinnahmen Sie niemanden für Ihr Glück. Es gibt kein Glück, das etwas für sich selbst missbraucht. Versuchen Sie, keinem Bild zu entsprechen. Will man einem Bild entsprechen, bekämpft man, was tatsächlich ist.
Finden Sie den Mut, sich abzuschirmen. Wer sich für die Harmonie mit anderen verleugnet, verliert die Harmonie mit sich. Nehmen Sie wahr, was in Ihnen vor sich geht. Versuchen Sie es nicht zu ändern. Akzeptieren Sie, dass Sie jetzt so sind, wie Sie jetzt sind. Erleben Sie, wie sich das anfühlt.
Wehren Sie Übergriffe des Umfelds behutsam, effektiv und unbefangen ab. Unterwerfen Sie sich keinem Bild, das für Unterwerfung Glück verspricht.
Das Glück ist wie ein Vogel. Wer ihm die Freiheit nehmen will davonzufliegen, schlägt es in die Flucht.

Hören Sie auf, etwas sein zu wollen. Sein wollen kann man nur weniger, als man ist.

Je weniger man über sich selbst bestimmen will, desto mehr wandelt man sich. Je weniger man über andere bestimmen will, desto freier wird man. Je freier man wird, desto glücklicher ist man.

Ein Störfaktor, der im Inneren liegt, ist der Glaube an die grundsätzliche Bedingtheit des Glücks. Da Glück meist nur kurz empfunden wird, versucht man Bedingungen zu orten, deren Erfüllung dauerhaftes Glück verspricht. Da Bedingungen aber nur durch Mühe - oder gar nicht - aufrechtzu­erhalten sind, ist bedingtem Glück ein ständiger Kampf gegen Verlust beigemischt, der ihm die Reinheit raubt. Nur wer sich des Glaubens an jede Bedingung entledigt, kann Glück empfinden, dessen Verlust er nicht mehr fürchten muss.

Sat Chit Ananda
Wenn es ein Volk gibt, das eine Begabung für religiöse Themen hat, dann sind es die Inder. Kluge Köpfe haben dort die Denkschule des Advaita-Vedanta begründet. Ein zentraler Begriff des Advaita (der Nicht-Zweiheit) ist Sat-Chit-Ananda. Dabei benennt Sat das Sein (abgeleitet von satya [Sanskrit सत्य] = wahr, authentisch), Chit das Bewusstsein (Sanskrit चित्) und Ananda die Glückseligkeit (Sanskrit आनन्द). Der Begriff bezeichnet Sein, Bewusstheit und Glückseligkeit als die drei Attribute einer zeitlosen Wirklichkeit.

Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass irgendeine Sache, die Sie gewin­nen könnten, in der Lage ist, Sie auf Dauer zu beglücken. Beachten Sie stattdessen, was Sie in diesem oder jenem Augenblick erleben. Lernen Sie, das Erlebte anzunehmen. Lösen Sie sich vom Glauben, dass ein Erlebnis Ihr Wesen ausmacht. Glück ist kein Erlebnis, sondern die Freiheit, Erlebnisse kommen und gehen zu lassen.

5.4. Achtsamkeit

Da wahres Glück zeitlos ist, kann es keinen Zeitpunkt geben, an dem es verwirklicht wird. Es muss vorgegeben sein und liegt zur Entdeckung bereit. Von unentdecktem Glück spürt der Mensch jedoch wenig; egal, wie viel davon bereitliegen mag. Glück ist stets ein Glücksempfinden. Zur Empfindung gehört Achtsamkeit. Wer dem Glück nicht dankt, indem er dessen Spuren im Alltag anerkennt, kann den Spuren nicht zu deren Quelle folgen.

5.5. Freude
Wer nach dem Schönen, Guten und Wahren im Alltäglichen Ausschau hält und es dankbar würdigt, hat gute Chancen, dass das Glück sich bei ihm zuhause fühlt.

Ein wichtiger Wegbereiter des Glücks ist die Freude. Freude geht auf froh zurück. Froh wiederum entstammt der indoeuropäischen Wurzel preu- = springen, hüpfen. Englisch to frolic heißt freudig umhertollen. Es ist mit dem mittelhochdeutschen vrō­locken verwandt, das unserem frohlocken entspricht. Freude heißt ausgelassene Lebendigkeit.

Freude ist dem Glück näher als das Vergnügen. Vergnügen sind an bestimm­te Auslöser gebunden, denen nicht selten etwas Besonderes anhaftet. Außerdem steht beim Vergnügen das sinnliche Erleben im Vordergrund. Dementsprechend gibt es Vergnü­gungsparks, aber keine Freudenparks. In Vergnügungsparks werden besondere Attraktionen angeboten: ein sensationelles Fahrgeschäft, ein Clown, der Faxen macht oder Zuckerwatte, die man im Alltag so nicht bekommt. Zwar gibt es auch die Begriffe Freudenmädchen und Freudenhaus, das sind jedoch Euphemismen, die das wahre Wesen ihres Angebots beschönigen. Der Begriff Vergnügungsviertel, wo Freuden­häuser zumeist angesiedelt sind, spricht dann wieder Tacheles.

Im Gegensatz zum Vergnügen entspringt Freude nicht speziell Besonderem. Sie entzün­det sich vielmehr an beliebigen Elementen des Alltags; dann nämlich, wenn man am Alltäglichen das Schöne, Gute und Wahre entdeckt. Zwar kann Freude auch mit sinnlichem Genuss verbunden sein, anders als bloßer Genuss sieht Freude das Gute aber nicht nur im Vorteil für den Genießer, sondern im Guten an sich. Freude als grundsätzliches Lebensgefühl ist der Lohn für ein einfaches Muster: dem Guten, das man bekommt, mehr Aufmerksamkeit zu schenken als Wünschen, die nicht in Erfüllung gehen.

Freude ist im Grundsatz bedingt. Man erfreut sich am Sonnenuntergang, der Hecken­rose am Wegesrand, dem Zweig, den der Raureif in einen Wink aus dem Jenseits verwandelt hat. Bei der Freude wird das Gute im Gegenstand erkannt. Von dort aus ist es nicht weit zum Glück. Das Glück liegt in der Gewissheit, dass das Schöne, Gute und Wahre nicht nur momentan im Gegenstand erscheint, sondern der Wirklichkeit als zeitloses Prinzip zugrundeliegt.