Wichtig
Entgiftung kann gefährlich sein! Entgiften Sie stets in Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Oft wird behauptet, zur Bewältigung der Sucht komme es nicht auf den Willen an. Das ist falsch. Ohne festen Willen wird man das Ziel kaum erreichen.

Therapie stoffgebundener Süchte

  1. Entgiftung
  2. Entwöhnung

Suchttherapie besteht aus zwei Phasen: Entgiftung und Entwöhnung. Die Entgiftung beendet die Substanzwirkung auf den Körper. Dadurch findet er in das natürliche Gleichgewicht seiner spontanen Stoffwechselprozesse zurück. Die Entwöhnung verändert langfristige Verhaltensmuster. Die Gewohnheit, das Bewusstsein durch betäubende oder erregende Substanzen zu verändern, wird durch die Gewohnheit ersetzt, der Wirklichkeit mit klarem Verstand zu begegnen.

1. Entgiftung

Je nach Substanz sind unterschiedliche Entzugserscheinungen zu erwarten. Bei manchen können die körperlichen Entzugserscheinungen gefährlich sein...und sogar tödlich enden. Bei anderen Substanzen sind die körperlichen Entzugserscheinungen dagegen schwach und das Problem bei der Entgiftung besteht darin, den psychischen Symptomen stand zu halten.

Schwerpunkt der Entzugserscheinungen

Substanz körperlich psychisch
Alkohol +++ +++
Tranquilizer + ++
Opiate ++ ++
Kokain
Amphetamine
- +++
Cannabis - ++

Die notwendigen medizinischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen des Entzugs hängen von der Gefährlichkeit möglicher Entzugserscheinungen ab. Oft entscheidet sich der Süchtige, auf eigene Faust zu entgiften; oder er hat kein Geld mehr, um sich das Suchtmittel zu verschaffen. Besonders Personen, deren Gesundheitszustand problematisch ist, sollten jedoch vor einer Entgiftung ihren Arzt befragen. Bei schwerer Alkoholabhängigkeit ist eine stationäre Entgiftung zu empfehlen.

1.1. Alkohol

Die Entgiftung bei Alkoholabhängigkeit erfolgt entweder ambulant oder stationär.

Ambulante Entgiftung:

Eine ambulante Entgiftung ist nur für Patienten zu empfehlen, die keine weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren aufweisen, bei denen keine schwer wiegenden Entzugserscheinungen bekannt sind und bei denen der Entzug durch eine verantwortungsvolle Bezugsperson begleitet wird.

Auch beim ambulanten Entzug wird der Alkohol meist auf einen Schlag abgesetzt. Manche Patienten reduzieren ihren Konsum im Vorfeld bereits schrittweise. Sobald der Alkoholspiegel hinreichend gesunken ist, werden aufkommende Entzugserscheinungen in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt medikamentös behandelt. Treten Komplikationen auf, ist die sofortige Einweisung in eine Fachklinik notwendig.

Sind die Bedingungen für eine ambulante Entgiftung nicht erfüllt, sollte man stationär entgiften. Die stationäre Entgiftung hat den Vorteil, dass beim Auftreten gefährlicher Entzugserscheinungen sofort gehandelt werden kann.

Risikofaktoren, die eine stationäre Entgiftung nahelegen

Symptome des Delirs
  • Bewusstseinsstörung
  • Verwirrtheit, Orientierungsstörung
  • Wahnhafte Verkennungen
  • Optische und szenische Halluzinationen
  • Vegetative Entgleisung
    • Zittern
    • Bluthochdruck
    • beschleunigter Puls
    • Erbrechen
    • Schwitzen
  • Schlafstörung mit nächtlicher Verstärkung der Symptome

Zur Behandlung der Entzugserscheinungen steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung: Clomethiazol, Diazepam, Carbamazepin, Tiapridal, Haloperidol. Solche Medikamente sollten nur nach ärztlicher Verordung eingenommen werden. Nach Abschluss der Entgiftung beginnt die Entwöhnung.

1.2. Tranquilizer / Benzodiazepine

Während ein Alkoholentzug in der Regel nach einer Woche überstanden ist, streckt sich der Entzug von Tranquilizern oft über Wochen oder gar Monate hin. Besonders, wenn hohe Dosen über lange Zeit konsumiert wurden, können bei raschem Entzug gefährliche Symptome auftreten: Krampfanfälle und Entzugspsychosen.

Entzieht man Tranquilizer zu schnell, scheitert man an der Wucht des Entzugs. Entzieht man zu langsam, scheitert man an der Dauer. Auf jeden Fall braucht man Mut und Disziplin.

Ob ambulant oder stationär zu entgiften ist, entscheidet der gesundheitliche Gesamtzustand. Da sich manche Entzugserscheinungen (Ängste, Nervosität, Anspannung, Schlafstörungen) hinziehen, braucht der Patient einen langen Atem. Entgiftet wird durch die schrittweise Reduktion der Dosis. Das Tempo der Reduktion sollte man individuell an die eigenen Möglichkeiten anpassen. Wegen der Dauer der Entzugserscheinungen geht die Entgiftung fließend in die Entwöhnung über.

1.3. Opiate

Im Entzug zahlt man die Wärme zurück, die man dem Stoff noch schuldet.

Kalter Entzug

Beim kalten Entzug wird das Opiat schlagartig abgesetzt. Aufkommende Entzugserscheinungen werden allenfalls durch Medikamente abgefedert, die selbst nicht zur Gruppe der Opiate gehören. Zum Einsatz kommen Tranquilizer und dämpfende Antidepressiva (z.B. Doxepin, Amitrptylin). Vorteil des kalten Entzugs ist die relativ kurze Dauer, sein Nachteil ist die Wucht der Entzugserscheinungen.

Warmer Entzug

Beim sogenannten "warmen Entzug" wird das missbrauchte Opiat (in der Regel Heroin) durch ein synthetisches Opiat ersetzt (in der Regel Methadon); welches in der Folge schrittweise reduziert wird. Vorteil des warmen Entzugs ist die schwächere Ausprägung der Symptome. Sein Nachteil ist die lange Dauer.

1.4. Kokain / Amphetamine

Wer sich lange eingebildet hat, stark zu sein, kann das plötzliche Erleben eigener Schwäche nur schwer ertragen.

Kokain und Amphetamine können schlagartig abgesetzt werden. Schwerwiegende körperliche Entzugserscheinungen sind kaum zu erwarten. Problematisch ist die psychische Komponente. Beim Absetzen der Stimulanzien kommt es zu depressiven Verstimmungen mit Störung des Selbstwertgefühls. So mancher hat sich aus Verzweiflung dabei umgebracht. Medikamentös ist vor allem an Tranquilizer zu denken.

1.5. Cannabis

Körperlich gesehen ist der Entzug von Cannabis unproblematisch. Dem entsprechend sieht das Gesundheitswesen stationäre Entgiftungen nicht vor. Ob der Süchtige die Ausdauer hat, die psychischen Folgen des Entzuges durchzuhalten, hängt entscheidend von seiner Motivation ab. Nur wenn ihm die Befreiung von der Droge wichtig ist, wird er sich Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit und Schlafstörungen stellen. Lang anhaltende Schlafstörungen lösen häufig Rückfälle aus.

2. Entwöhnung

Die wirkliche Ernüchterung kommt erst, wenn die Euphorie über die erfolgreiche Entgiftung verfliegt.

Nach der Entgiftung fängt die eigentliche Bewältigung der Sucht erst an. Der Erfolg jeder Therapie besteht in der Verhinderung eines dauerhaften Rückfalls. Nach der Entgiftung befindet sich der Süchtige in einer psychosozialen Situation, die ihm durch den langen Missbrauch seiner Substanz fremd geworden ist. Er begegnet sich selbst und der Welt mit ungetrübtem Blick. Oft wird ihn das erschrecken. Rückfälle sind häufig. Es gilt, rasch darauf zu reagieren. Die Umstände der Rückfälle können zu einem vertieften Verständnis der eigenen Suchtdynamik hinterfragt werden.

Ist der Süchtige stark rückfallgefährdet, ist an eine stationäre Entwöhnung in einer Fachklinik zu denken. Ein geeignetes Angebot dazu besteht für Abhängige von Alkohol, Tranquilizern und harten Drogen.

Egal ob stationär oder ambulant, jede Entwöhnung besteht aus zwei Teilen:

Sozialtherapie