Das Leben ist eine Pilgerfahrt. Alles ist unterwegs ins heilige Geheimnis.
Sein ist die Sehnsucht nach Sinn.
Über den Wert des Ganzen kann man nicht urteilen. Wer über den Wert des Ganzen urteilt, spaltet sich selbst.
Das Absolute offenbart sich im Wirklichen. Es wird wahrgenommen, nicht ausgedacht.
Jedes Gottesbild ist eine Vermutung. Es wird von den Absichten dessen bestimmt, der es begründet. Das monotheistische Bild geht davon aus, dass alles auf ein absolut Wahres bezogen ist. Es begreift den Kosmos als verbundene Einheit, in der sämtliche Teile sinnvoll miteinander in Beziehung stehen. "Gott" wird dabei als handelndes Prinzip Prinzip geht auf die lateinischen Begriffe principium und princeps im Sinne von erstrangig, fürstlich, grundlegend zurück. begriffen, dessen Existenz die Einbeziehung aller Teile garantiert und das jedem Teil im Ganzen einen eindeutigen Wert zuordnet.
Da Monotheismus alle Teile sinnvoll auf ein absolut Wahres bezogen sieht, misst er jedem einen Wert bei, dessen Verneinung dem absolut Wahren widerspricht.
Fundament des Monotheismus ist die Subjektivität des Bewusstseins selbst, die sich in jedem Individuum autonom manifestiert. Rangunterschiede vor Gott kennt der Monotheismus nicht.
Im Gegensatz zum Monotheismus gehen Monopoltheologien davon aus, dass die Welt gespalten ist. Ihre Vertreter sehen sich von ihrem Gott beauftragt, den "missratenen" Teil der Schöpfung zu bekämpfen. Dafür erwarten sie unbegrenzten Lohn.
Von Monopoltheologen Monopol geht auf das griechische monopolion = alleiniges Handelsrecht zurück. Ein Monopoltheologe ist der, der seiner theologischen Sicht das alleinige Recht zuspricht, religiöse Angelegenheiten sachgerecht zu betreiben. wird die eigene Partei als "gut" definiert, alle anderen als "böse". Monopoltheologie dient der innerweltlichen Konkurrenz um irdische und transzendente Güter. Ihr Fundament sind "prophetische" Personen und Lehrsätze, durch die diese Personen diktatorische Macht für sich verlangten. Als Endlösung propagieren Monopoltheologien apokalyptischen Völkermord. Dabei wird der "wertlose" Teil der Schöpfung zu Gunsten der eigenen Partei gemeinsam mit "Gott" oder einem messianischen Vollstrecker vernichtet.
Der Idee des Göttlichen ist die Vorstellung des Heiligen zugeordnet. Das Heilige wird als jener Wirklichkeitsbereich empfunden, dem ein höherer Wahrheits- und Wertgehalt als dem Profanen Profan setzt sich aus zwei lateinischen Wörtern zusammen: pro und fanaticus. Fanaticus spricht von vollständiger Begeisterung und Ergriffenheit durch das Göttliche. Das Profane ist daher der Bereich der Wirklichkeit, der vor (=pro) dieser Ergriffenheit liegt; ihn also nicht erreicht. zukommt. Das Profane ist dabei das, womit der Mensch bei der Besorgung seiner innerweltlichen Belange beschäftigt ist.
Während im Feld des Profanen teils ein sinnloses Neben- und Gegeneinander unverbundener Teile vorzuherrschen scheint, was seine Insassen in Angst und Schrecken versetzt, wird das Göttliche nicht nur als Bereich höheren Wertes und höherer Wirklichkeit gedacht, sondern auch als sinnhaftes Aufeinander-bezogensein sämtlicher Elemente.
Die Idee des sinnvoll Aufeinander-bezogenseins gipfelt in der Vorstellung des einen Gottes, der alle Elemente der Wirklichkeit in eine unverlierbare Zusammengehörigkeit vereint.
Etymologisch geht heilig auf heil zurück. Heil im profanen Sinn ist ein unversehrt Vollständiges, das seine Teile zur Ganzheit seiner selbst verbindet.
Das Heilige im theologischen Sinn ist dem entsprechend jenes Vollständige, das den Inhalt jedweder Dimension in eine Unversehrtheit zusammenfasst, dem kein Teil als uneingebundenes Etwas widerspricht, ohne dass der Widerspruch Ausdruck des Ganzen bleibt.
Das Heilige am Heiligen liegt in seiner Macht, alle (für uns scheinbaren) Widersprüche der Wirklichkeit so aufeinander zu beziehen, dass kein Teil als wertlos verloren geht oder abgespalten bleibt.
Monopoltheologien sprechen von "heiligen Schriften", "heiligen Propheten" und "heiligen Vätern". Schon das verrät, wie diese Kulte das Heilige verkennen. Da jedes Buch und jeder Mensch, der eine Glaubensmeinung vertritt, immer nur ein Teil des Ganzen ist, der anderen Teilen gegenüber steht, ist der Anspruch eines Buches oder eines Menschen auf eigene Heiligkeit stets Blasphemie.
Darüber hinaus sind die Schriften der Monopoltheologen - Bibel und Koran - mit hasserfüllten Aufrufen durchsetzt, die jeweils gegnerische Menschengruppe aus dem "Heilsplan" auszugrenzen. Ein Verständnis dessen, was heilig sein kann, ist darin kaum erkennbar.
Das propagierte Heilsziel der Monopoltheologen ist ein gespaltener Kosmos. Christentum und Islam nennen die Teile Himmel und Hölle. Wer das Heilige verkennt, predigt das Unheil.