Erwartungen
Zu den größten Fehlern zählt, von anderen etwas zu erwarten. Nicht weil die anderen zu schlecht wären, als dass man von ihnen etwas erwarten könnte, sondern, weil Erwartungen zu Passivität führen und Beziehungen vergiften. Wie das Wort schon sagt, ist der, der etwas erwartet, in einer Warteposition. Statt im eigenen Interesse zu handeln, erwartet er, dass andere etwas für ihn tun. So macht er sich abhängig. Das führt zu Gefühlen der Ohnmacht und, falls das Erwartete ausbleibt, zu Wut und Frustration.
Indem man vom anderen etwas erwartet, erhöht man die Spannung seines
psychologischen Grundkonfliks. Wer etwas erwartet, weist dem anderen eine bestimmte Rolle zu. Da der Impuls zur Selbstbestimmung jedem Leben angeboren ist, aktiviert er damit Widerstand. Der andere fühlt sich in seiner Freiheit eingeschränkt. Entweder, er verweigert das Erwartete nun erst Recht, um seine Autonomie zu bewahren, oder er beugt sich im Interesse der Zugehörigkeit. Beugt er sich, wird er den Verlust an Autonomie an anderer Stelle doppelt in Rechnung stellen.
Was folgt daraus? Respektieren Sie das Selbstbestimmungsrecht des anderen. Unterlassen sie alle Versuche der Manipulation und erst recht jede Drohung. Statt dem anderen die Freiheit streitig zu machen, genau das zu tun, was
er für richtig hält, nehmen Sie sich lieber selbst die Freiheit, konsequent im eigenen Interesse zu handeln.
Beispiel:
Sie sind unzufrieden mit dem Beitrag, den Ihr Partner im Haushalt leistet. Sie haben ihn darauf angesprochen, um mit ihm einen Kompromiss zu finden. Ihr Partner hält Absprachen jedoch nicht ein. Die meiste Arbeit bleibt weiter an Ihnen hängen. Falsch wäre nun, ständig über das Thema zu streiten. Besser ist, keine Hemden mehr für ihn zu bügeln. Also: Statt die Freiheit des anderen zu beschränken, nehmen Sie sich mehr davon. Denn: Wer die Freiheit des anderen beschränkt, macht sich unbeliebt. Wer selbst den Mut zur Freiheit hat, wird respektiert.