Ob man eine schizoaffektive Störung diagnostiziert, eine Schizophrenie mit affektiver Überlagerung oder eine affektive Störung mit psychotischer Symptomatik, hat therapeutisch nur wenig Bedeutung. Egal, wie man die Krankheit nennt, man behandelt sie gemäß der vorherrschenden Symptome.

Schizoaffektive Störung


  1. Begriffsbestimmung
  2. Symptome
  3. Einteilung
  4. Abgrenzungen (Differenzialdiagnosen)
  5. Therapie
    1. 5.1. Medikamentöse Behandlung
    2. 5.2. Psychotherapie

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff schizoaffektiv verweist auf zwei Störungsfelder, denen jeweils eigen­ständige Krankheitsgruppen zugeordnet sind:

Neben dem Begriff Schizoaffektive Störung ist auch der Begriff Schizoaffektive Psy­chose gebräuchlich. Spricht man von einer schizoaffektiven Störung unterstellt man eine größere Nähe zu den affektiven Störungen. Spricht man von einer schizo­affektiven Psychose denkt man eher an Parallelen zur schizophrenen Psychose.

2. Symptome

Die Symptomatik der schizoaffektiven Störungen besteht aus einer jeweils individuellen Kombination von Symptomen der Psychosen generell, der schizophrenen Psychosen im Besonderen sowie depressiver oder maniformer Auslenkungen.

3. Einteilung

Einteilung schizoaffektiver Störungen gemäß ICD-10

Name ICD-10 Beschreibung
Schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch F25.0 Maniforme Symptome vermischt mit schizophrenen Symptomen
Schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv F25.1 Depressive Symptome vermischt mit schizophrenen Symptomen
Gemischte schizoaffektive Störung F25.2 Maniforme und depressive Symptome vermischt mit schizophrenen Symptomen
Sonstige schizoaffektive Störungen F25.8 Atypische Varianten

4. Abgrenzungen (Differenzialdiagnosen)

Einheitspsychose
Das Problem, affektive und schizophrene Psycho­sen trennscharf voneinander zu unterscheiden, beschäftigt die Psychiatrie seit sie wissenschaft­lich wurde. Dementsprechend gibt es die Theorie, dass es im Grunde nur einen psychotischen Kern­faktor gibt, der je nach Persönlichkeit, Zeitpunkt und weiteren sekundären Faktoren eine jeweils unterschiedliche Ausprägung zeigt. So mancher geht deshalb von einer Einheitspsychose aus.

Doppeldiagnose
Ebenso gut, wie man eine Einheitspsychose vermuten kann, könnte man eine Doppel­diagnose stellen. Womöglich ist die Schizoaffektive Störung kein eigenständiges Krankheitsbild. Vielleicht besteht sie aus zwei Krankheiten: einer Schizophrenie und einer Bipolaren Störung. Dafür spricht, dass beide Erkrankungen in der Regel sehr wohl zu unterscheiden sind; und dass bei Schizophrenie und Depression unterschiedliche Medikamente wirken.

Ein einheitliches Konzept, mit dem in der Praxis zuverlässig zwischen schizoaffektiven Störungen und artverwandten Erkrankungen unterschieden werden könnte, gibt es nicht.

5. Therapie

Zur Therapie der schizoaffektiven Störungen gehören medikamentöse und psychotherapeutische Ansätze. Je mehr die Symptomatik die Reflektionsfähigkeit des Patienten beeinträchtigt, desto größere Bedeutung kommt einer Medikation zu. Sind akute Symptome soweit beigelegt, dass der Patient zielgerichtet über seine psychischen Erfahrungen nachdenken kann, können psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Methoden eingesetzt werden.

5.1. Medikamentöse Behandlung

Je nach vorherrschendem Symptom erfolgt die medikamen­töse Behandlung der schizo­affektiven Störungen nach denselben Prinzipien, die auch bei der Behandlung der schi­zophrenen Psychosen sowie depressiver oder maniformer Störungen zur Anwendung kommen. Meist werden daher Neuroleptika, Antidepressiva und gegebenenfalls Stim­mungsstabilisatoren miteinander kombiniert.

5.2. Psychotherapie

Unrealistische Vorstellungen über die Realität im Allgemeinen sowie über sich selbst und zwischenmenschliche Beziehungen im Besonderen spielen bei vielen Erkrankten eine maßgebliche Rolle bei der Auslösung von Krankheitsschüben. Die therapeutische Arbeit an pathogenen Beziehungsmustern ist daher ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung. Schizoaffektive Patienten sind oft in schwierige Beziehungen verstrickt. Da die Symptomatik dabei sowohl Ursache als auch Folge der Verstrickung ist, bedarf es oft beharrlicher Arbeit am Detail um pathogene Muster aufzulösen.